
von Marcus Schulz ist eine Mischung aus einem fiktiven Roman und einem Finanzbuch. Ein ungewöhnlicher Versuch, der mich auch aufgrund der spannenden Szenerie der faszinierenden Welt New Yorks in den 1920er-Jahre angezogen hat. Eine Zeit, geprägt von der Prohibition, dem boomenden Aktienmarkt und dem hypnotischen Rhythmus des Charleston.
Es ist aber mehr als nur ein fiktiver historischer Roman. Vielmehr wurde rund um den Hauptprotagonisten Jimmy eine Art Heldenreise gestrickt. Der junge Trader kämpft gegen seine Vergangenheit, um sich und seine Familie neu zu erfinden. Er soll die Leser auf ihrem ganz eigenen Weg inspirieren.

Jimmy durchlebt auf den etwas weniger als 200 Seiten eine Transformation: Vom durchschnittlichen Angestellten, der in seinem Alltag gefangen ist, wird er zu einem furchtlosen Trader, der die Wall Street erobert. Dabei trifft er auf verschiedene Mentoren, erlebt Triumph und Niederlage und ringt immer wieder mit seiner eigenen Identität. Dieser persönliche Kampf spiegelt sich aber nicht nur in den Höhen und Tiefen des Handels wider. Es zeigt sich auch im damaligen New Yorker Umfeld, in einer Welt im Rausch aus wirtschaftlichem Aufschwung und sozialer Veränderung.
Marcus Schulz versucht rund um diese Geschichte seinen Lesern zusätzlich die Grundlagen des Tradings näherzubringen. Gleichzeitig will er auch tiefe Einblicke in die Psychologie hinter erfolgreichen Investments vermitteln. So erleben seine Leser durch die Augen Jimmys nicht nur die Herausforderungen und Möglichkeiten der 1920er-Jahre. Sie erhalten auch zeitlose Lektionen darüber, wie man sich selbst neu erfindet und seine Träume verfolgt.
Dieser doch eher seltene Ansatz eines Finanzbuches hätte aus meiner Sicht eigentlich enormes Potenzial. Doch leider gelingt es dem Autor nicht wirklich, die Atmosphäre der Roaring Twenties einzufangen. Die wilden Schwankungen an der Börse und die verbotenen Speakeasy-Bars bilden eigentlich die perfekte, farbenfrohe Kulisse für Jimmys persönliche Reise. Aber weder sprachlich noch strukturell kann dieses Buch mit dem Erzählstil eines wirklich guten Romans mithalten.
Es war für den Autor sicherlich eine Gratwanderung zwischen Sachbuch und Roman. Nur leider kann das Buch mich in beiden Bereichen nicht wirklich überzeugen. Vor allem der Roman-Part bleibt leider wirklich stark hinter vergleichbaren Werken zurück. Aber auch der Sachbuchteil würde von mir maximal ein „gut“ erhalten.
Dabei war es wirklich eine gute Idee, diese Ära nicht nur als historisches Setting zu nutzen. Sondern eben auch als Metapher für die unberechenbare Natur der Märkte und die Chancen, die sie bieten.
„Die Welt der Finanzmärkte hat mein Leben auf eine Weise verändert, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Eine Veränderung, von der ich nie geglaubt hätte, dass sie für jemanden wie mich überhaupt möglich ist.
Schließlich bin ich den ganz normalen Weg gegangen: Durchschnittlicher Schulabschluss, drei Jahre Ausbildung und dann zehn Jahre als Angestellter von Wochenende zu Wochenende gelebt, da die Arbeit einfach nur das Mittel zum Zweck war – Geld verdienen, um über die Runden zu kommen.“
Marcus Schulz
An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:
Marcus Schulz ist der Gründer von Volume-Trader, einer Trading-Community im deutschsprachigen Raum. Seit der Gründung im Jahr 2017 wuchs diese auf über 5000 Mitglieder.
„In THE TRUE TRADER wollte ich einen völlig neuen Ansatz verfolgen. Ich wollte nicht nur Informationen liefern, sondern eine inspirierende Geschichte erzählen, die aus den vielen Erfahrungen besteht, die ich auf meinem eigenen Weg zum erfolgreichen Trader gesammelt habe. Dabei konnte ich auf die Unterstützung meiner Mentoren und Weggefährten zählen, die mir dabei halfen, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Erkenntnisse habe ich in die Geschichte integriert, sodass sie für jeden verständlich und nachvollziehbar sind. Ich möchte, dass du zwischen den Zeilen liest, die verborgenen Botschaften erkennst und in der Geschichte des Protagonisten Inspiration und Weisheit findest.“
Marcus Schulz
Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um eine Biografie eines New Yorker Traders aus den 1920er Jahren. Zumindest lässt das Cover dies vermuten. Letzten Endes ist es aber eine fiktive Geschichte, die bewusst konstruiert wurde, um Tipps und Tricks rund ums Trading zu vermitteln.
Als Szenerie dazu dienen die bereits angerissenen 1920er Jahre in New York. Sicherlich eine Periode mit vielen spannenden Geschichten und thematisch durchaus passend.

Die Hardcover-Bindung ist wie immer beim Finanzbuchverlag gelungen. 25,00 Euro für knapp unter 200 Seiten sind aber definitiv kein Schnäppchen. Zumal das Innere des Buches überraschend gestaltet wurde. Die Zeilenabstände sind unnormal groß. Viele großflächige, mitunter doppelseitige Skizzen lockern zwar auf, wirken aber manchmal eher wie ein alter Comic als ein Sachbuch. Der Inhalt reduziert sich dadurch auf vielleicht 120 Normseiten.
Für mich ehrlich gesagt etwas mager. Bei einem ohnehin romanhaft erzählten Finanzbuch kann man sich sicherlich denken, dass sich der Erkenntnisgewinn mehr als in Grenzen hält.
Was die Leser hier vor allem geboten bekommen, ist eine durchaus interessante Geschichte und ein kurzer Abriss etlicher Weisheiten. Diese findet man jedoch sowohl in der Breite als auch in der Tiefe deutlich besser erläutert in unzähligen anderen Werken.
So bleibt es ein solides und mitunter auch unterhaltsames, aber leider kein wirklich gutes Buch, das ich großartig weiterempfehlen könnte.
The True Trader hätte schlussendlich als Entwurf deutlich mehr Potenzial gehabt, als in der Praxis am Ende umgesetzt wurde. Dennoch ist es unter Umständen einen Blick wert. Es ist aber weder ein besonders gutes Sachbuch noch ein besonders gelungener Roman. Weder der Erzählstil noch die Erzählstränge können mit vergleichbaren Werken der Belletristik mithalten. Und auch der Erkenntnisgewinn des Sachbuchanteils ist recht überschaubar.
Mit dem zumindest gewöhnungsbedürftigen Layout und überraschend hohen Preis steht es nicht auf meiner Liste der wirklich guten Finanzbücher.
