Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der S&P 500 Index zeigt sich zum Ende des dritten Quartals 2025 in beeindruckender Verfassung. Seit Jahresbeginn befindet sich der wichtigste Aktienindex der Welt nun bereits mehr als 12 Prozent im Plus (auf Total Return Basis sogar +13,4 %) und hat damit einmal mehr seine Stärke unter Beweis gestellt.
Auf Sicht der letzten zwölf Monate beträgt die Performance +17,6 %. Diese solide Entwicklung erfolgte vor dem Hintergrund eines komplexen makroökonomischen Umfelds, das von Handelszöllen, Zinspolitik und robusten Unternehmensergebnissen geprägt war. Während die Märkte zu Jahresbeginn noch unter den Unsicherheiten bezüglich der Handelspolitik der Trump-Administration litten, haben sich die Investoren mittlerweile an das neue Umfeld angepasst und fokussieren sich verstärkt auf die fundamentalen Treiber der Aktienmärkte. In dieser Analyse werfen wir einen genaueren Blick sowohl auf das makroökonomische Umfeld als auch auf die Signale aus der Charttechnik und der Intermarket-Analyse.
Rückblick auf den bisherigen Jahresverlauf
Das Jahr 2025 begann für die amerikanischen Aktienmärkte mit erheblichen Herausforderungen, die jedoch sukzessive überwunden werden konnten. Nach einem schwierigen Start in das Jahr erreichte der S&P 500 am 7. April seinen Tiefststand, von dem aus der Index mittlerweile mehr als 35 % angestiegen ist (auf Schlusskursbasis rund 30 %). Diese Erholung unterstreicht die Widerstandsfähigkeit des amerikanischen Aktienmarkts und die Anpassungsfähigkeit von Investoren an sich verändernde Rahmenbedingungen.

Zwischenzeitliche Turbulenzen durch Handelskonflikt
Die dominierenden Themen des Jahres waren zweifellos die Handelspolitik der Trump-Administration, die Entwicklung der Zinspolitik sowie robuste Unternehmensergebnisse. Die Ankündigung umfassender Zölle im April führte zunächst zu starken Turbulenzen, da negative Auswirkungen auf Unternehmensgewinne und die Inflation drohten. Die Verzögerung bei der Implementierung verschiedener Zollmaßnahmen sowie die Anpassung der Unternehmen an das neue Umfeld trugen jedoch zu einer raschen Beruhigung bei.
Rally auf breiter Front
Besonders bemerkenswert ist die sektorale Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf. Während die Kommunikationsbranche (Communication Services) mit einem Plus von fast 25 % die Führung übernimmt, zeigt sich auch der Technologiesektor mit 17,5 % weiterhin stark.
Diese Entwicklung verdeutlicht, dass trotz aller makroökonomischen Unsicherheiten die strukturellen Wachstumstrends in innovativen Branchen intakt bleiben. Die Industriewerte (ca. +15 %) und Versorger (ca. +13 %) runden das positive Bild ab und unterstreichen die Breite der aktuellen Marktbewegung.
Robuste Unternehmensergebnisse sorgen für Rückenwind
Die Unternehmensergebnisse entwickelten sich trotz der handelspolitischen Herausforderungen überraschend robust. Für das dritte Quartal 2025 wird ein Gewinnwachstum von 7,6 % gegenüber dem Vorjahr erwartet, was das neunte Quartal mit Gewinnwachstum in Folge bedeuten würde.
Die Kontinuität in der Gewinnentwicklung ist besonders bemerkenswert, da sie zeigt, dass viele Unternehmen erfolgreich Strategien entwickelt haben, um mit den gestiegenen Kosten der Zölle umzugehen.
Die Anpassungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft zeigt sich auch in der Art, wie Unternehmen mit den Zollbelastungen umgehen. Viele Firmen haben zunächst einen Teil der zusätzlichen Kosten selbst getragen, um ihre Marktposition zu halten, planen jedoch, diese in Zukunft an die Verbraucher weiterzugeben. Diese strategische Herangehensweise hat dazu beigetragen, dass die unmittelbaren Auswirkungen auf die Gewinnmargen begrenzt blieben.
Primärer Aufwärtstrend intakt
Bei einem Blick auf das langfristige Chartbild des S&P 500 ist schnell erkennbar, dass sich der Markt in einem primären Aufwärtstrend befindet. Nicht nur die zahlreichen neuen Allzeithochs im Verlauf der letzten Monate bestätigen dies, sondern auch Trendfolge-Indikatoren wie gleitende Durchschnitte oder die klassische Trend-Definition gemäß Dow-Theorie.
Darüber hinaus haben alle anderen wichtigen US-Indizes (Nasdaq 100, Dow Jones Industrial Average, Russell 2000) im Jahresverlauf ebenfalls neue Höchststände erreicht, was ein weiteres bestätigendes Signal für den Bullenmarkt ist.
Abkühlung am Arbeitsmarkt
Der amerikanische Arbeitsmarkt zeigt indes deutliche Anzeichen einer Abschwächung, die sowohl Chancen als auch Risiken für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte mit sich bringen.
Der Arbeitsmarktbericht für den August (Non Farm Payrolls) offenbarte eine überraschend schwache Anzahl neu geschaffener Stellen von lediglich 22.000 neuen Arbeitsplätzen. Das ist deutlich weniger als erwartet und markiert eine erhebliche Verlangsamung gegenüber den Vormonaten. Besonders besorgniserregend ist, dass die Beschäftigungsentwicklung seit April praktisch stagniert und der Durchschnitt der vergangenen vier Monate bei nur 27.000 neuen Stellen pro Monat liegt.
Die Arbeitslosenquote stieg im August auf 4,3 % und damit leicht über das Niveau des Vormonats von 4,2 %. Während die Arbeitslosenquote historisch betrachtet immer noch niedrig ist, zeigt der Aufwärtstrend der vergangenen Monate eine Entwicklung, die zumindest etwas zur Vorsicht mahnt.
Darüber hinaus bestätigen die aktuellen JOLTS-Daten (Job Openings and Labor Turnover Survey) den Trend einer nachlassenden Arbeitsmarktdynamik. Die Zahl der offenen Stellen veränderte sich kaum und blieb unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig verharren sowohl die Einstellungen als auch die freiwilligen Kündigungen auf niedrigem Niveau, was auf eine allgemeine Zurückhaltung sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern hindeutet.
Bad News = Good News?
Die Abkühlung am Arbeitsmarkt hat sowohl positive als auch negative Implikationen für die Aktienmärkte. Einerseits erhöht eine deutliche Abschwächung des Arbeitsmarkts das Risiko einer Rezession, was sich negativ auf die Unternehmensgewinne und damit auf die Aktienkurse auswirken würde. Andererseits kann eine moderate Abkühlung des Arbeitsmarkts der Fed den nötigen Spielraum für aggressivere Zinssenkungen geben, was wiederum positiv für die Bewertungen von Aktien wäre.
Die Fed hat bereits deutlich gemacht, dass sie die Risiken für den Arbeitsmarkt als gestiegen betrachtet und betont, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung gestiegen seien, was eine Verschiebung der geldpolitischen Prioritäten signalisiert.
Inflation noch immer über Zielniveau
Die Inflationsentwicklung bleibt eines der weiteren zentralen Themen für die Geldpolitik und den Aktienmarkt, auch wenn sich die Prioritäten der Fed angesichts der Arbeitsmarktentwicklung verschoben haben. Die jüngsten Daten zeigen, dass die Inflation zwar weiterhin über dem Zielband der Fed liegt, sich jedoch in einem kontrollierbaren Rahmen bewegt.
Verbraucherpreise zuletzt moderat gestiegen
Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im August 2025 um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr, was eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Juli-Wert von 2,7 % darstellt. Das markiert den vierten Monat in Folge mit steigenden Inflationsraten, was deutlich macht, dass die Gefahr einer weiter steigenden Inflation nicht aus den Augen verloren werden sollte.
Die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausschließt, lag bei 3,1% und damit deutlich über dem Fed-Ziel von 2 %.
Inflation dürfte vorerst bei etwa 3 % bleiben
Die Nowcast-Prognosen der Federal Reserve Bank of Cleveland deuten darauf hin, dass sich der Trend im September fortsetzen könnte. Die Projektionen sehen eine Jahresinflationsrate von 3,0 % für den CPI und 2,96 % für den PCE-Deflator vor.
Ein wesentlicher Treiber der aktuellen Inflationsdynamik ist die Handelspolitik der Trump-Administration. Die Einführung umfassender Zölle auf importierte Waren hat zu spürbaren Preiserhöhungen in verschiedenen Kategorien geführt. Besonders betroffen sind Haushaltsausstattung und Autos, bei denen sich die Zollbelastungen direkt in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen.
Gleichzeitig zeigen sich auch bei Dienstleistungen Preiserhöhungen, wobei die Wohnkosten mit einem monatlichen Anstieg von 0,4 % zuletzt den größten Beitrag zur Gesamtinflation leisteten.
Trotz der erhöhten Inflationsraten hat die Fed entschieden, den Fokus ihrer Geldpolitik zu verlagern. Jerome Powell machte bereits in seiner Rede in Jackson Hole deutlich, dass die Fed die Risiken für den Arbeitsmarkt als derzeit drängender betrachtet als die noch nicht vollständig zurückgegangene Inflation.
Eine anhaltend hohe Inflation könnte die Fed möglicherweise aber dazu veranlassen, ihre Zinssenkungspläne zu überdenken oder zu verlangsamen, was tendenziell negativ für den Aktienmarkt wäre. Andererseits haben viele Unternehmen gezeigt, dass sie in der Lage sind, höhere Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, was die Gewinnmargen stützt. Die Lohnentwicklung mit einem Anstieg um 3,7 % im Jahresvergleich liegt leicht über der Inflationsrate, was darauf hindeutet, dass die reale Kaufkraft der Verbraucher weitgehend erhalten bleibt.
Neuer Zinssenkungs-Zyklus beginnt
Die Fed hat mit ihrer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte am 17. September einen neuen Zinssenkungs-Zyklus eingeleitet, der auch Auswirkungen auf die Entwicklung der Aktienmärkte haben dürfte. Die Zinssenkung am Mittwochabend war die erste seit Dezember 2024. Zwei weitere Zinssenkungen bis Jahresende sind wahrscheinlich und auch für 2026 sind nach aktuellen Daten bereits zwei bis drei Zinssenkungen möglich.

Für die Aktienmärkte sind Zinssenkungen grundsätzlich positiv zu bewerten. Niedrigere Zinsen reduzieren die Diskontierungssätze für zukünftige Cashflows und machen Aktien relativ zu festverzinslichen Anlagen attraktiver. Darüber hinaus können niedrigere Finanzierungskosten das Wirtschaftswachstum stimulieren und damit die Unternehmensgewinne stützen.
Besonders bemerkenswert ist die historische Perspektive auf Zinssenkungen in einem Umfeld, in dem sich der S&P 500 nahe seiner Allzeithochs befindet. Statistische Analysen zeigen, dass in 20 von 20 Fällen, in denen die Fed Zinsen senkte, während der S&P 500 weniger als 2% unter seinem Allzeithoch notierte, der Index ein Jahr später höher stand.
Marktbreite-Indikatoren sprechen klar für Trendfortsetzung
Neben den makroökonomischen Rahmenbedingungen sowie den charttechnischen Signalen des S&P 500 darf die Analyse der Marktbreite als weiterer Bestandteil einer umfassenden Analyse nicht außen vor bleiben. Die wichtigsten Marktbreite-Indikatoren wie die Advance-Decline Line oder die NYSE New Highs & New Lows signalisieren derzeit eindeutig eine Partizipation des breiten Marktes am langfristigen Aufwärtstrend. Solange die Marktbreite-Indikatoren keine Schwäche bzw. Divergenzen aufweisen, spricht dies ebenfalls für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.

Sektoren-Rotation signalisiert Risk-On
Auch die Analyse der Sektoren-Rotation signalisiert eine anhaltende Risikobereitschaft von Investoren. Erkennen können Sie dies daran, dass die offensiven Marktsektoren des S&P 500 wie Consumer Discretionary (XLY), Communication Services (XLC), Technology (XLK), Industrials (XLI) eine deutlich stärkere Performance an den Tag legen als die defensiven Sektoren wie Consumer Staples (XLP), Healthcare (XLV) und Utilities (XLU). Diese offensive Sektoren-Rotation ist typisch für Bullenmärkte und ein weiteres klares trendbestätigendes Signal.
Diese Chancen bietet das aktuelle Marktumfeld
Sowohl die fundamentalen Faktoren als auch die Charttechnik und die Marktbreite signalisieren derzeit einen eindeutigen langfristigen Aufwärtstrend. Auch wenn eine zwischenzeitliche Korrektur von einigen Prozent jederzeit möglich ist, stehen die Chancen aktuell sehr gut, dass sich der primäre Aufwärtstrend mittelfristig fortsetzen wird, zumindest solange, bis sich an der Signallage etwas ändert.
Als Trader oder Anleger ist daher die vielversprechendste Strategie, mit dem Strom zu schwimmen. Korrekturen sind in erster Linie als Chancen für neue Long-Engagements zu betrachten, sei es in langfristigen Trades in Einzeltiteln oder ETFs, in Swing-Trades auf Indexebene oder mit Stillhalter-Strategien mit Optionen wie bspw. Cash Secured Puts, Covered Calls oder Bull Put Spreads.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 18.09.2025

