Der Software-Sektor erlebt derzeit einen der stärksten Kursrückgänge seit 2022. Während KI-Aktien weiterhin auf Rekordhöhen steigen, werden etablierte Software-Unternehmen vom Markt regelrecht abgestraft. Die Angst vor Disruption durch künstliche Intelligenz hat zu einem regelrechten Ausverkauf geführt. Doch genau in solchen Phasen ergeben sich für disziplinierte Optionshändler außergewöhnliche Chancen. Im heutigen Blogbeitrag zeigen wir euch, wie ihr den aktuellen Abverkauf im Software-Sektor mit Cash Secured Puts strategisch nutzen könnt.
Die aktuelle Lage im Software-Sektor
Der Software-Bereich durchlebt derzeit turbulente Zeiten. Viele der größten Softwareaktien verzeichnen erhebliche Verluste, wobei Adobe um 35% gefallen ist, Salesforce um 27% nachgab und HubSpot sogar 45% einbüßte. Auch europäische Schwergewichte wie SAP bleiben nicht verschont – die SAP-Aktie stürzte am 29. Januar um bis zu 17% ab, nachdem die Cloud-Wachstumsprognose für 2026 hinter den Markterwartungen zurückblieb.
Die Ursache für diese Schwäche ist vielschichtig. Investoren befürchten, dass KI die Softwarebranche grundlegend verändern könnte, entweder durch einen Rückgang der Lizenzerlöse oder durch die vollständige Überflüssigkeit traditioneller Software. Diese Angst führt zu einem Stimmungsumschwung, der aus Optionssicht hochinteressant ist.
Was sagen die Fundamentaldaten?
Hier wird es spannend: Während die Kurse abstürzen, zeigen die Unternehmensergebnisse ein ganz anderes Bild. Softwareunternehmen haben in den letzten Quartalen ein starkes Umsatzwachstum und vielversprechende Prognosen vorgelegt. Ein Analyst von Morningstar bringt es auf den Punkt: Obwohl die Fundamentaldaten recht gut sind, haben sich die Aktienkurse nicht erholt.
Diese Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und tatsächlicher Geschäftsentwicklung ist genau das, wonach wir als Optionshändler suchen. Die Volatilität steigt, die Prämien werden attraktiv, und die fundamentale Basis bleibt solide.
IGV – Der Software-ETF als Diversifikations-Alternative
Für Anleger, die sich nicht auf einzelne Software-Aktien festlegen möchten, bietet der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) eine interessante Alternative. Dieser ETF bildet den gesamten nordamerikanischen Software-Sektor ab und ermöglicht damit eine breitere Streuung.
Die aktuelle Situation beim IGV:
Der IGV hat in den letzten Wochen einen dramatischen Einbruch erlebt. Mit einem aktuellen Kurs um $80 liegt der ETF etwa 32% unter seinem 52-Wochen-Hoch von rund $118. Besonders alarmierend: Der ETF verzeichnete acht Verlusttage in Folge – eine der längsten Verlustserien in seiner Geschichte. Die Year-to-Date-Performance liegt bei erschreckenden -20,67%, was den schlimmsten Jahresstart seit 2022 darstellt.
Die Zusammensetzung:
Der IGV hält aktuell 119 verschiedene Software-Aktien, wobei die Top-Positionen sind:
- Microsoft (9,70%)
- Palantir Technologies (8,32%)
- Salesforce (7,68%)
- Oracle (7,37%)
- Intuit (5,03%)

Beispiel-Trade für IGV:
- Verkauf eines Put-Kontrakts auf IGV
- Strike: $80 (nahe am aktuellen Kurs)
- Laufzeit: April 2026 (ca. 70 Tage)
- Erwartete Prämie: ca. $8-9 pro Kontrakt (10-11%)
- Kapitalbedarf: $8.000 (100 Anteile × $80)
- Maximaler Gewinn: $800-900 (Prämie)
- Risiko: Andienung von 100 IGV-Anteilen bei Kursen unter $80
Für einen At-the-Money-Put mit einer Restlaufzeit von rund 70 Tagen (April) lassen sich derzeit Prämieneinnahmen von etwa 10% erzielen. Für einen ETF ist dieses Niveau außergewöhnlich hoch und stellt eine attraktive Alternative zum Optionshandel auf Einzelaktien dar.
Einzelaktien - ServiceNow (NOW)
Viele Chancen ergeben sich auch bei Einzeltiteln. ServiceNow gilt als eines der qualitativ hochwertigsten Software-Unternehmen mit starkem Wachstum und hervorragender Profitabilität. Die Aktien von ServiceNow sind seit Jahresanfang um ca. 30% gefallen.

Die Marktreaktion auf die jüngsten Quartalszahlen war negativ. Genau solche Momente bieten sich für Cash Secured Puts an. Für den Laufzeitmonat April lassen sich derzeit Prämien von über 9% erzielen. Das bedeutet: Entweder ihr behaltet diese Prämie als Rendite, oder ihr bekommt Aktien eines fundamentalstarken Unternehmens zu einem deutlich reduzierten Einstiegskurs ins Depot gebucht.
Weitere interessante Titel könnten sein:
- Duolingo (DUOL)
- Adobe (ADBE)
- Salesforce (CRM)
- Intuit (INTU)
- PayPal (PYPL)
Worauf ihr achten solltet
Nicht jeder Kursrückgang ist automatisch eine Kaufgelegenheit. Folgende Punkte solltet ihr beachten:
1. Fundamentale Qualität überprüfen
Stellt sicher, dass das Unternehmen solide Fundamentaldaten aufweist. Die Ergebnisse von ServiceNow, SAP und Microsoft waren grundsätzlich solide, doch die Wachstumsraten lagen leicht unter den Erwartungen. Dies ist etwas völlig anderes als strukturelle Probleme im Geschäftsmodell.
2. Normalisierte Volatilität prüfen
Cash Secured Puts sollten nur bei hoher Volatilität gehandelt werden. Aktuell ist die implizite Volatilität im Software-Sektor auf einem Mehrmonatshoch – ideal für Stillhalter.
3. Am Geld (ATM) bleiben
Die attraktivsten Prämien-Risiko-Verhältnisse findet ihr typischerweise bei ATM-Optionen. Hier ist die normalisierte Volatilität am höchsten.
4. Social-Media-Stimmung als Kontraindikator
Wenn eine Aktie nach einem starken Fall auf X, Reddit oder anderen Plattformen verspottet wird, ist dies oft ein Zeichen dafür, dass die Kapitulation nahe ist. Umgekehrt gilt: Wenn nach einem starken Anstieg wieder überschwängliche Euphorie herrscht, ist Vorsicht geboten.
5. Wheel-Strategie im Hinterkopf
Plant eure Cash Secured Puts immer im Kontext der Wheel-Strategie. Wenn euch die Aktien angedient werden, solltet ihr bereit sein, Covered Calls zu schreiben, bis ihr die Aktien wieder mit Gewinn abstoßen könnt.
WICHTIGE WARNUNG: Risiken nicht unterschätzen!
Die hier beschriebenen Prämien von 10% beim IGV oder 9-12% bei Einzelaktien klingen verlockend – doch sie sind kein Schutz vor Verlusten, sondern ein Warnsignal. Der Markt preist mit diesen hohen Prämien ein, dass weitere drastische Kursrückgänge wahrscheinlich sind. Ein konkretes Beispiel: Ihr verkauft einen IGV-Put für $80 und kassiert $8 Prämie. Der IGV fällt auf $65. Euch werden 100 Anteile zu $80 angedient – eure $800 Prämie steht einem Buchverlust von $1.500 gegenüber, Nettoergebnis: -$700 Verlust. Noch schlimmer: Wenn die Befürchtungen über KI-Disruption berechtigt sind und Software-Aktien dauerhaft 50-70% unter ihren Höchstständen handeln, kompensiert eure 10% Prämie einen 40-60% Verlust nicht ansatzweise.
Vergesst nicht: Euer maximaler Gewinn ist auf 10% begrenzt, während euer maximales Risiko theoretisch bis zum Totalverlust reicht. Diese Strategie ist nicht geeignet für Anleger, die ihr Geld kurzfristig benötigen, keine Optionserfahrung haben oder Buchverluste emotional nicht verkraften können. So attraktiv die Prämien auch erscheinen mögen – unterschätzt niemals die Risiken. Software-Aktien können weiter fallen, auch wenn die Fundamentaldaten solide sind. Deshalb gilt: Handelt nur mit Kapital, das ihr tatsächlich in diese Aktien investieren wollt, diversifiziert über mehrere Unternehmen und nutzt nur einen Teil eures verfügbaren Kapitals – typischerweise maximal 20-30% für Optionsstrategien. Seid bereit, die Aktien langfristig zu halten, falls sie euch angedient werden, und plant bereits beim Verkauf des Puts, wie ihr mit Covered Calls weiterarbeiten würdet. Macht euch klar: Dies ist keine „sichere" Strategie für garantierte Prämieneinnahmen. Die außergewöhnlich hohen Prämien sind selbst das Warnsignal – der Markt erwartet weiteres Chaos im Software-Sektor.
Fazit
Der aktuelle Kursrückgang im Software-Sektor bietet strategischen Optionshändlern außergewöhnliche Chancen. Die Kombination aus hoher Volatilität, negativer Marktstimmung und soliden Fundamentaldaten schafft ein ideales Umfeld für Cash Secured Puts.
Wichtig ist dabei: Nutzt diese Gelegenheiten nicht blind, sondern mit Strategie und Disziplin. Wartet auf die richtigen Momente – typischerweise nach mehreren Verlusttagen in Folge, wenn die Panik am größten ist. Achtet auf die Social-Media-Stimmung als Kontraindikator. Und vor allem: Verkauft nur Puts auf Aktien, die ihr tatsächlich besitzen möchtet.
Die Geschichte zeigt immer wieder: Wenn die Masse eine ganze Branche pauschal abstraft, während die fundamentalen Geschäftsmodelle intakt bleiben, ergeben sich die besten langfristigen Einstiegschancen. Mit Cash Secured Puts könnt ihr nicht nur von einer möglichen Erholung profitieren, sondern werdet auch dafür bezahlt zu warten – unabhängig davon, ob die Erholung sofort einsetzt oder erst in einigen Wochen.
Die Quintessenz: Seid gierig, wenn andere ängstlich sind – aber seid dabei strategisch, diszipliniert und gut kalkuliert. Der aktuelle Ausverkauf im Software-Sektor bietet genau dafür die perfekte Bühne.
