Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
In den vergangenen Wochen schien die Entwicklung des S&P 500 stark von den täglichen Nachrichten getrieben zu sein. Der Nahostkonflikt, schwankende Ölpreise, steigende Renditen am Anleihemarkt, Inflationsdaten, der US-Arbeitsmarkt und die weitere Geldpolitik der Federal Reserve sorgten immer wieder für kurzfristige Kursbewegungen.
Gerade in solchen Marktphasen ist es jedoch besonders wichtig, den täglichen News-Noise auszublenden und stattdessen möglichst unaufgeregt zu analysieren, wohin das Kapital tatsächlich fließt. Denn letztlich spiegeln sich all diese Informationen, Erwartungen und Positionierungen in den Kursen wider. Der Blick auf die Charts und insbesondere auf die Marktbreite liefert deshalb häufig wertvollere Erkenntnisse als der Versuch, jede einzelne Nachricht und jede kurzfristige Marktreaktion zu interpretieren.
S&P 500 verteidigt Wochen-EMA-20
Bei einem Blick auf den langfristigen Trend auf dem Wochenchart sieht das technische Bild des S&P 500 zunächst völlig gesund aus. Nach dem Ausbruch auf das Allzeithoch in der Handelswoche ab dem 3. August korrigierte der Index an das Ausbruchsniveau (altes Allzeithoch) und bildete hier letzte Woche ein Umkehrsignal in Form eines Hammer-Candlestick-Patterns. Die Korrektur verlief gerade einmal bis an die Wochen-EMA-20 (lila). Dies zeigt, dass nach wie vor starkes bullisches Momentum vorhanden ist.

Auch auf dem Tageschart ist zu erkennen, dass die aktuell kurzfristig relevante Unterstützung im Bereich von rund 7500 Punkten liegt. Neben der Wochen-EMA-20 verläuft hier die alte gebrochene Abwärtstrendlinie und wenige Punkte darunter die Tages-EMA-100. Zusätzlich bieten die lokalen Hochpunkte aus dem Juni und Juli horizontalen Support.
Sollte diese Unterstützungszone nicht halten, läge das nächste Korrekturziel bei rund 7250 - 7300 Punkten.

Marktbreite zeigt deutliche Schwäche-Signale
Neben dem Blick auf den Index selbst liefert die Analyse der Marktbreite häufig sehr zuverlässige Signale, die insbesondere auch als vorauslaufende Indikatoren gelten. Bullische Signale im S&P 500 müssen von der Marktbreite bestätigt werden, damit von einem “gesunden” Trend ausgegangen werden kann. Eine Divergenz zwischen dem Index und der Marktbreite hingegen ist ein wichtiges Warnsignal.
Genau solch eine Divergenz ist derzeit vorhanden. Während sich der S&P 500 Index in einem völlig intakten Aufwärtstrend befindet und nur zwei Prozent unter seinem Allzeithoch notiert, zeigt die Marktbreite bereits Zeichen von Schwäche.
Die Advance Decline verläuft seit Mitte August steil abwärts, und auch der McClellan Oscillator (der auf der Advance Decline Line basiert) signalisiert bärisches Momentum der Marktbreite.

Trotz der jüngsten Abwärtsbewegung der AD-Line ist der langfristige Aufwärtstrend noch nicht gebrochen. Eine Korrektur des Aktienmarktes wird meist auch durch eine Schwäche der Marktbreite begleitet, weshalb die aktuelle Entwicklung zwar ein wichtiges Warnsignal darstellt, aber (noch) nicht als Vorbote einer Trendumkehr des S&P 500 gesehen werden sollte. Dies wäre erst dann der Fall, wenn sich die Divergenz zwischen S&P 500 und AD-Line fortsetzt und in der AD-Line ein deutlicher Abwärtstrend auftritt.
Auch die Anzahl neuer 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs an der New York Stock Exchange (NYSE) bestätigt den Trend der Advance Decline Line. Im gesamten September gab es an jedem einzelnen Tag mehr Aktien mit neuen 52-Wochen-Tiefs als Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs.

Hinzu kommt: Im S&P 500 befinden sich derweil nur noch 52 % aller Aktien über der Tages-SMA-200. Die 200-Tage-Linie gilt als Indikator für den langfristigen Trend. Wenn nur noch 50 % aller Aktien oder weniger dem Trend des Index folgen, ist dies meist ein deutliches Zeichen dafür, dass unter der Oberfläche bereits eine zunehmende Schwäche und eine nachlassende Marktbreite zu beobachten sind. Der Index kann sich zwar weiterhin auf einem hohen Niveau halten, wird dann aber von immer weniger Aktien getragen. An der New York Stock Exchange ist dieser Wert bereits unter die 50-Prozent-Schwelle gefallen und liegt bei 45 %.

S&P 500 befindet sich (noch) in saisonal schwächster Phase des Jahres
Bei der Einordnung dieser Schwäche darf allerdings die Saisonalität nicht außer Acht gelassen werden. Der September gehört historisch zu den schwächsten Monaten des Jahres für den US-Aktienmarkt. Eine Korrektur des S&P 500 ist in dieser Phase daher keineswegs ungewöhnlich. Gleichzeitig geht diese saisonale Schwäche häufig auch mit einer Verschlechterung der Marktbreite einher.

Entscheidend wird deshalb sein, wie sich der Markt in den kommenden Wochen verhält. Der bullische Case bliebe vollständig intakt, wenn der S&P 500 gegen Ende September beziehungsweise im Oktober eine neue Aufwärtsbewegung startet und diese Rally wieder von einer breiteren Anzahl an Aktien getragen wird. Eine Erholung der Advance Decline Line sowie ein steigender Anteil der Aktien über ihren wichtigen gleitenden Durchschnitten wären dabei wichtige Bestätigungssignale.
NYSE Composite Index überverkauft
Mit der Korrektur der letzten Wochen sahen wir eine weitere interessante Entwicklung: Die Anzahl der Aktien an der New York Stock Exchange, die über der SMA 20 notieren, beträgt aktuell nur noch 21,7 %. Die 20-Prozent-Marke ist für gewöhnlich eine Schwelle, die signalisiert, dass der Markt überverkauft ist. In einem intakten Bullenmarkt bietet dieses Signal häufig gute Kaufgelegenheiten. Auf dem Chart unten ist mit den grün gestrichelten horizontalen Linien zu erkennen, dass genau diese Zeitpunkte in der Vergangenheit meist zu einer neuen Aufwärtsbewegung geführt hatten.

Fazit: Bull Case bleibt (vorerst) intakt
Der langfristige Aufwärtstrend des S&P 500 ist weiterhin intakt. Gleichzeitig nähert sich die saisonal schwächste Phase des Jahres ihrem Ende. Historisch beginnt im Anschluss eine deutlich freundlichere Börsenphase, weshalb sich Ende September und Oktober innerhalb eines laufenden Bullenmarktes häufig attraktive Einstiegsgelegenheiten ergeben.
Auch das aktuell stark überverkaufte Signal beim Anteil der NYSE-Aktien über ihrer SMA 20 spricht dafür, dass eine neue Aufwärtsbewegung bevorstehen könnte. Gerade innerhalb eines intakten Bullenmarktes haben vergleichbare Signale in der Vergangenheit sehr zuverlässig funktioniert.
Umso interessanter wird die Entwicklung der kommenden Wochen. Sollte trotz des überverkauften Zustands (NYSE % Stocks über SMA 20), der nahenden saisonal stärkeren Phase und des weiterhin intakten langfristigen Aufwärtstrends keine nachhaltige Erholung einsetzen, wäre dies ein deutliches Warnsignal. In diesem Fall müsste auch die derzeitige Schwäche der Marktbreite wesentlich kritischer bewertet werden.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 21.09.2026

