Das Wichtigste in Kürze
- OMV ist der dominierende Energiekonzern in Zentraleuropa und verfügt über einen klaren Wettbewerbsvorteil in ihrem Kernmarkt
- Das Unternehmen zeichnet sich durch eine starke Cashflow-Generierung aus
- Dies bildet das Fundament für eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik, die gerade für einkommensorientierte Investoren im Fokus steht
- Die OMV vollzieht einen tiefgreifenden strategischen Wandel von einem klassischen Öl- und Gasproduzenten hin zu einem integrierten Anbieter für nachhaltige Chemikalien, Kraftstoffe und Energien
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Wer ist die OMV?
Die erste dokumentierte Erdölförderung in Österreich fand bereits 1860 im Wiener Becken statt, zu einer Zeit, als Erdöl weltweit erst langsam an wirtschaftlicher Bedeutung gewann. In den 1930er-Jahren folgte ein Meilenstein für die österreichische Erdölindustrie, als in Zistersdorf, Niederösterreich, eines der größten heimischen Erdölvorkommen entdeckt wurde. Dieses Ölfeld machte das Wiener Becken zur Schlüsselregion für die österreichische Ölproduktion.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Erdölförderung für die deutsche Rüstungsindustrie massiv ausgebaut, was Österreich zu einem bedeutenden Erdölproduzenten machte. Zu Kriegsende zählte Österreich nach der Sowjetunion und Rumänien zum wichtigsten Erdölland Europas. 1945 wurde das Mineralölunternehmen als „Sowjetische Mineralölverwaltung“ (SMV) der Sowjetischen Besatzungsmacht einverleibt, die es bis 1955/56 kontrollierte. Die SMV beschlagnahmte die österreichischen Erdölbetriebe als „Deutsches Eigentum im Ausland“ und nutzte die Erdölförderung faktisch als Reparationsleistung für die erlittenen Kriegsschäden. 1949 wurde zudem in Matzen das bis dahin größte zusammenhängende Ölfeld Europas entdeckt.
Erst mit dem österreichischen Staatsvertrag von 1955, der Österreichs Unabhängigkeit wiederherstellte, endete diese Periode. Nach dem Staatsvertrag wurde die SMV gegen Ablösezahlungen an die Republik Österreich. Am 3. Juli 1956 erfolgte die Eintragung der „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ (ÖMV AG) im Handelsregister, womit das offizielle Gründungsdatum der heutigen OMV markiert ist.
Die wichtigsten übernommenen Anlagen waren die Raffinerie Lobau mit der dazugehörigen Ölleitung Zistersdorf-Lobau sowie die Ölfelder der Rohöl-Aufsuchungs AG. Das Unternehmen übernahm die Verantwortung für Förderung, Verarbeitung und Vertrieb von Erdöl und Erdgas in Österreich. Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommen, 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der UdSSR abgeschlossen. Im November 1987 erfolgte mit der Privatisierung von 15 Prozent der ÖMV der erste Börsengang eines verstaatlichten österreichischen Unternehmens. Bis 2004 befand sich das Unternehmen mehrheitlich in Privatbesitz, doch dazu mehr Details im Verlauf des Beitrags.
Die systematische Expansion begann in den 1990er Jahren mit dem Aufbau eines Tankstellennetzes in Mittel- und Osteuropa. Zum Marktführer in der Region avancierte die OMV 2004 durch die Übernahme von 51 Prozent des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Weitere bedeutende Schritte waren 2006 die Beteiligung von 34 Prozent am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi und verschiedene Explorations- und Produktionsaktivitäten weltweit. 1998 brachte die ÖMV ihre Petrochemiesparte PCD in das nordeuropäische Unternehmen Borealis ein, 2005 wurde Borealis gemeinsam mit IPIC zur Gänze übernommen. Die OMV hält heute 75 Prozent an Borealis.

Im März 2025 einigten sich OMV und ADNOC auf die Zusammenlegung von Borealis und Borouge unter einer neuen Joint-Venture-Gesellschaft namens „Borouge Group International", bei der beide Partner je 46,94 Prozent halten. Diese strategische Neuausrichtung markiert einen fundamentalen Wandel: Das Chemiegeschäft entwickelt sich damit zunehmend zum Stabilitätsanker des Konzerns in einem volatilen Energiemarkt. Mit der Zusammenführung von Borouge und Borealis und der Übernahme von NOVA Chemicals wurde ein globaler Polyolefin-Marktführer geschaffen.

Die OMV AG ist im Jahr 2026 ein integrierter österreichischer Energie-, Kraftstoff- und Chemiekonzern mit Sitz in Wien, der sich strategisch zu nachhaltigen Energiequellen, erneuerbaren Brennstoffen und kreislauforientierten Chemielösungen transformiert. Das Unternehmen ist in über 30 Ländern aktiv und beschäftigt weltweit rund 22.000 Mitarbeiter.
Geschäftsmodell und Strategie von OMV
Das Geschäftsmodell der OMV basiert auf einem integrierten Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Exploration und Produktion über die Verarbeitung bis zur Vermarktung. Im Einklang mit der OMV Strategie 2030 wurden drei Geschäftsbereiche eingerichtet: Chemicals, Fuels sowie Energy.

Im Geschäftssegment Fuels & Feedstock soll sich die OMV zu einem führenden europäischen Anbieter von nachhaltigen Kraftstoffen und chemischen Rohstoffen entwickeln. Die Produktionskapazität für erneuerbare Kraftstoffe und chemische Rohstoffe soll bis 2030 auf rund 1,5 Mio. Tonnen steigen, während die Rohölverarbeitung um etwa 2,5 Mio. Tonnen reduziert wird. Die drei europäischen Raffinerien werden dabei ihre petrochemische Ausbeute erhöhen, um die Integration mit dem wachsenden Chemiegeschäft zu verstärken.
Im Chemiebereich verfolgt die OMV eine ambitionierte Wachstumsstrategie. Der Fokus liegt auf Polyolefin-Speziallösungen. Hierbei liegt der Fokus auf den verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, Biokunststoffen und die Entwicklung von Kreislauflösungen. Die weltweite Nachfrage nach recycelten Polyolefinen wird voraussichtlich bis 2030 etwa dreimal schneller wachsen als jene nach neuwertigen Polymeren. Von strategischer Bedeutung sind der Ausbau des Geschäfts in den attraktiven Märkten wie Nordamerika und Asien, sowie der Aufbau einer Produktion im Bereich nachhaltige Polyolefine, die bis zu 40 Prozent der europäischen Gesamtproduktion ausmachen soll.
Die strategische Ausrichtung der OMV stellt einen grundlegenden Wandel in der Unternehmensgeschichte dar. Der Konzern plant sich zu einem führenden integrierten Unternehmen für nachhaltige Kraftstoffe, Chemikalien und Materialien mit einem starken Fokus auf Lösungen für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, wobei das Unternehmen bis spätestens 2050 klimaneutral werden will. Der Geschäftsbereich Chemicals & Materials fungiert dabei als zentraler Wachstumstreiber und soll erheblich gestärkt, erweitert und im Produktportfolio diversifiziert werden.

Ein wesentliches Element der Strategie ist die gezielte Transformation des Energiegeschäfts. Im Einklang mit dem Netto-Null-Ziel wird die OMV ihre Öl- und Gasproduktion bis 2030 um rund 20 Prozent reduzieren und bis 2050 die Öl- und Gasproduktion für die energetische Nutzung vollständig einstellen. Gleichzeitig positioniert die OMV das Erdgas als Brückentechnologie für die Energiewende, wobei der Gasanteil an der Produktion auf über 60 Prozent steigen soll. Im Bereich der erneuerbaren Energien strebt die OMV bis 2030 mit Projekten in ganz Europa zwischen 3 und 4 TWh erneuerbare Energie sowie etwa 4 TWh Geothermie an. Zudem soll eine CO2-Abscheidungs- und Speicherungskapazität von 3 Mio. Tonnen pro Jahr erreicht werden.
Eigentümer und Management von OMV
Die OMV weist eine besondere Eigentümerstruktur auf, die sowohl staatliche als auch internationale strategische Interessen vereint. 31,5 Prozent der Aktien werden von der ÖBAG (Österreichische Beteiligungs AG) gehalten, der österreichischen Staatsholdinggesellschaft, die die Beteiligungen der Republik Österreich verwaltet. Damit bleibt der Staat Österreich der größte Einzelaktionär und sichert sich eine starke Position im strategisch wichtigen Energiesektor. Die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) hält 24,9 Prozent der Anteile an der OMV und ist damit der zweitgrößte Aktionär. Diese Beteiligung wurde im Februar 2024 übernommen, als ADNOC den Anteil von Mubadala Petroleum and Petrochemicals Holding Company übernahm. Die verbleibenden 43,4 Prozent befinden sich im Streubesitz, der sowohl institutionelle Investoren als auch private Anleger umfasst.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Syndikatsvertrag zwischen ÖBAG und ADNOC zu, der ein gemeinsames Verhalten sowie bestimmte Übertragungsbeschränkungen bezüglich der gehaltenen Aktien vorsieht. Diese Vereinbarung gewährleistet, dass die beiden Hauptaktionäre bei strategischen Entscheidungen koordiniert vorgehen.

An der Spitze des Managements steht seit September 2021 Alfred Stern als Vorstandsvorsitzender und CEO. Unter seiner Führung leitete die OMV die größte Transformation in der Unternehmensgeschichte ein, erreichte zentrale Meilensteine wie die Gründung der Borouge Group International mit ADNOC und beendete die Geschäftsbeziehungen mit Russland. Ende August 2026 verlässt Alfred Stern OMV. Seine Nachfolgerin soll Emma Delaney werden. Die gebürtige Irin gilt als ausgewiesene Energie-Expertin und kann auf eine langjährige Erfahrung im Top Management von BP zurückblicken. In ihrer derzeitigen Funktion als Bereichsvorstand von einem der drei weltweit agierenden Geschäftsbereiche von BP leitet sie eine Organisation mit mehr als 50.000 Mitarbeitenden in etwa 50 Ländern und ist unter anderem verantwortlich für die Bereiche Kraftstoffe und Biokraftstoffe, die Industrie- und Fahrzeugschmierstoffherstellung, sowie Luftfahrkraftstoffe und E-Mobilität.

Branchenprofil und Wettbewerbssituation
Die Branche der europäischen Erdöl- und Erdgaskonzerne ist durch eine integrierte Wertschöpfungskette gekennzeichnet, die von der Exploration und Förderung (Upstream) über die Raffination (Downstream) bis zur Petrochemie und zum Vertrieb reicht. Diese Integration ermöglicht es den Konzernen, Risiken über verschiedene Geschäftsbereiche zu diversifizieren. Gleichzeitig macht sie die Unternehmen zu recht komplexen Gebilden, deren Transformation erhebliche strategische und operative Herausforderungen mit sich bringt. Auf der Liste der Top 20 der globalen Öl- und Gaskonzerne finden sich die europäischen Fossilriesen Shell, BP, Eni, Equinor und TotalEnergies.
Ein Vergleich der OMV mit anderen europäischen Energiekonzernen anhand von Kennzahlen ist aus mehreren Gründen sinnvoll, denn diese Unternehmen operieren in derselben Branche mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Shell, BP, TotalEnergies, Eni, Equinor und Repsol bilden die zentrale Peer-Group für die OMV, da sie alle vor denselben strukturellen Herausforderungen stehen: volatile Rohstoffpreise, geopolitische Risiken, Transformationsdruck und die Notwendigkeit, sowohl kurzfristig Renditen zu erwirtschaften als auch langfristig zukunftsfähige Geschäftsmodelle aufzubauen.
Besonders relevant ist der Vergleich bei der Transformation: Während die OMV mit ihrer Strategie 2030 massiv auf das Chemiegeschäft als Wachstumstreiber setzt und das Management Borealis/Borouge zu einer zentralen Säule erklärt hat, verfolgen andere Konzerne unterschiedliche Pfade. TotalEnergies setzt stärker auf erneuerbare Energien, BP und teilweise Shell schwenken zurück zu fossilen Brennstoffen. Die oben genannten Unternehmen reagieren unterschiedlich auf ähnliche. Der Vergleich zeigt, wie resilient die Geschäftsmodelle gegenüber diesen externen Schocks wie Schwankungen der Öl- und Gaspreise, Verschiebungen in der Energienachfrage sowie die wachsende Bedeutung von LNG und Petrochemie sind und welche Diversifikationsstrategien am wirksamsten die Volatilität abfedern. Die OMV mit ihrer starken Gewichtung des Chemiegeschäfts unterscheidet sich hier strukturell von Wettbewerbern wie BP oder Shell, die stärker im traditionellen Öl- und Gasgeschäft verwurzelt bleiben.
Für eine aussagekräftige Peer-Analyse der OMV sind europäische Energiekonzerne relevant, die hinsichtlich Größe, Geschäftsmodell und strategischer Ausrichtung vergleichbar sind. Die Auswahl der passendsten Vergleichsunternehmen sollte dabei mehrere Kriterien berücksichtigen: Marktkapitalisierung, Integration entlang der Wertschöpfungskette, geografische Präsenz und die Bedeutung des Chemiegeschäfts. Daher entschied ich mich dafür, die italienische Eni und das Pendant aus Frankreich, TotalEnergies, für den Wettbewerbsvergleich in Betracht zu ziehen.

Anmerkungen zu den in der Tabelle enthaltenen Werten:
- Grüne bzw. rote Färbungen der Zahlen bedeuten ein Wachstum bzw. Rückgang im Vergleich zum Vorjahr
- Alle Werte sind in Euro angeführt
Chancen & Risiken
Die OMV ist als integrierter Energie- und Chemiekonzern einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, verfügt aber gleichzeitig über erhebliche Chancen aus ihrer strategischen Transformation. Der Geschäftsbereich Chemicals & Materials wird als der Wachstumstreiber des Unternehmens priorisiert und soll erheblich gestärkt, erweitert und diversifiziert werden mit dem Ziel, eine weltweit führende Position bei Lösungen für die Kreislaufwirtschaft einzunehmen. Strategische Leitlinien sind der Ausbau des Geschäfts in Nordamerika und Asien, sowie der Aufbau der Produktion im Bereich nachhaltige Polyolefine, die bis zu 40 Prozent der europäischen Gesamtproduktion ausmachen soll.
Die Zusammenlegung von Borealis und Borouge unter der neuen Borouge Group International erschließt neue Wachstumsmärkte und das Bündeln innovativer Technologien unter einem Dach. Mit dem Erwerb von Nova Chemicals wird die Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent weiter gestärkt und die Position bei kostengünstigen Rohstoffen ausgebaut. Diese Transaktion schafft einen der weltweit führenden Polyolefin-Produzenten und generiert erhebliche Skaleneffekte.
Zudem hat sich die OMV zum Ziel gesetzt, bis 2030 rund 2 Mio. Tonnen nachhaltige Produkte im Bereich Chemicals & Materials zu liefern, wobei 80 Prozent dieser Mengen in Europa produziert werden sollen. Die proprietäre ReOil-Technologie für chemisches Recycling bietet erhebliches Potenzial. Diese Technologieführerschaft positioniert die OMV vorteilhaft im wachsenden Markt für Kreislauflösungen. Dabei soll die Produktionskapazität für erneuerbare Kraftstoffe und chemische Rohstoffe bis 2030 auf rund 1,5 Mio. Tonnen steigen. Die Raffinerien sollen ihre petrochemische Ausbeute von derzeit 17 Prozent auf rund 25 Prozent steigern, was die Integration mit dem wachsenden Chemiegeschäft verstärkt und höherwertige Produkte ermöglicht.
Gas spielt als Brückentechnologie für die Energiewende eine zentrale Rolle, wobei der Gasanteil an der Produktion auf über 60 Prozent steigen soll. Das Neptun-Deep-Projekt im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres stellt eine bedeutende Wachstumschance dar und stärkt die europäische Energieversorgung. Die erfolgreiche Diversifikation der Gasquellen weg von Russland hin zu eigener Produktion in Norwegen, externen Gasproduzenten und LNG-Lieferungen reduziert Abhängigkeiten und erhöht die Versorgungssicherheit.

Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen ist die OMV den Preisschwankungen der entsprechenden Rohstoffe in signifikantem Maße ausgesetzt. Die Volatilität von Rohstoffpreisen, Wechselkursen und Zinssätzen stellt ein wesentliches finanzielles Risiko dar. Zusätzlich bestehen Kreditrisiken durch die mögliche Unfähigkeit von Kontrahenten, Zahlungs- oder Lieferverpflichtungen nachzukommen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen diese Volatilität deutlich: Während das Chemiegeschäft 2024 stark zulegte, brachen die Ergebnisse im Energiesegment aufgrund gesunkener Gas- und Ölpreise ein.
Das Unternehmen stellt sich auf ein zunehmend instabiles geopolitisches Umfeld ein. Ein konkretes Beispiel war die langjährige Abhängigkeit von russischem Gas. Im November 2024 kündigte die OMV ihren langfristigen Erdgasliefervertrag mit Gazprom Export aufgrund mehrerer grundlegender Vertragsverletzungen durch das russische Unternehmen, womit die OMV keine Lieferverträge und keine Geschäftsaktivitäten in Russland hat. Diese Kündigung reduziert das potenzielle Risikoprofil erheblich, wobei die Liefermengen bereits in den letzten drei Jahren vollständig durch alternative Gasquellen diversifiziert wurden.
Die Transformation zu einem klimaneutralen Unternehmen bis 2050 bringt erhebliche Investitionsanforderungen und regulatorische Unsicherheiten mit sich. Verschärfte Klimaschutzvorgaben, CO2-Bepreisung und striktere Umweltauflagen könnten die Profitabilität des traditionellen Geschäfts erheblich beeinträchtigen. Das Unternehmen muss rund 5 Mrd. Euro in die Entwicklung kohlenstoffarmer Geschäftsbereiche investieren, während gleichzeitig die Öl- und Gasproduktion bis 2030 um 20 Prozent reduziert werden soll. Der grundlegende strategische Wandel vom linearen zum zirkulären Geschäftsmodell birgt inhärente Umsetzungsrisiken. Die geplante Reduktion der Öl- und Gasproduktion bei gleichzeitigem massiven Ausbau des Chemiegeschäfts erfordert erhebliche Investitionen und technologische Innovationen. Die Abhängigkeit vom Erfolg neuer Technologien wie der ReOil-Recyclingtechnologie und der Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle in Bereichen mit noch unsicheren Marktbedingungen stellen signifikante Risiken dar.
Die Finanzen der OMV
Nachdem wir uns einen Überblick über die Branche im Allgemeinen verschafft sowie das Unternehmen, das Management und den Wettbewerb näher betrachtet haben, blicke ich in die Bilanz und den daraus abgeleiteten Finanzkennzahlen der OMV. Der Fokus liegt hierbei auf den Aspekten Wachstum, Profitabilität und – bei Versorgern besonders wichtig – die Finanzierung.
Zur Analyse der finanziellen Situation sehe ich mir im ersten Schritt die Entwicklung von Umsatz, Gewinn und Free Cashflow an. Im Durchschnitt stagnierte die Top-Line in den letzten fünf Jahren.

Beim Gewinn pro Aktie erkennen wir seit fünf Jahren eine sehr dynamische Entwicklung nach oben. Ziehen wir jedoch das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 heran, so sank der bereinigte Gewinn pro Aktie um 7 Prozent (5,94 vs. 6,39 Euro). Der OMV erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 1,08 Mrd. Euro (2024: 1,45 Mrd. Euro).

Der dem Unternehmen zur Verfügung stehende Free Cashflow kann für Kapitalinvestitionen in organisches Wachstum, Forschung und Entwicklung, Rückzahlung von Schulden, Expansion durch Unternehmenszukäufe, Ausschüttungen von (steigenden) Dividenden oder Aktienrückkäufe verwendet werden. In absoluten Zahlen zeigt sich das Zusammenspiel aus operativem, freiem Cashflow sowie den kaum vorhandenen Kapitalinvestitionen (CapEx) im Zeitraum 2016 bis 2025 wie folgt. Auf dem ersten Blick sieht dieses Bild besorgniserregend aus.

Ein Blick auf die Verschuldungssituation zeigt, dass auf Basis des letzten Geschäftsjahres OMV einen Anteil an zinstragenden Finanzverbindlichkeiten von 8 Mrd. Euro aufweist, dem wiederum liquide Mittel und Wertpapiere von in Summe 5,95 Mrd. Euro gegenüberstehen. Teilen wir nun die verbleibenden Nettoschulden von 2,05 Mrd. Euro durch das zuletzt erwirtschaftete EBITDA von 5,43 Mrd. Euro, so ergibt sich ein Wert von 0,4. Dieses Ergebnis liegt deutlich unter dem als kritisch erachteten Schwellenwert von 3. In Anbetracht dieses niedrigen Verschuldungsgrades erspare ich mir die vertiefende Prüfung der Fälligkeitsstruktur der langfristigen Verbindlichkeiten und deren Zinskonditionen.


Zuletzt betrachte ich die Profitabilität der OMV anhand der Entwicklung von Brutto-, Operative- und Netto-Margen. Der Aufwärtstrend in den letzten Jahren folgt einem volatilen Muster, was mit dem zyklischen Geschäftsmodell einhergeht und je nach Preislage an den Rohstoffmärkten einmal höher oder niedriger ausfallen.

Aktuelle Bewertung der OMV Aktie
Für die Bewertung von Unternehmen ziehe ich den sogenannten Enterprise Value (EV) heran. Der EV kennzeichnet bei einer Übernahme den Betrag, der für den Kauf des betriebsnotwendigen Vermögens benötigt wird und das nicht-betriebsnotwendige Vermögen herausrechnet. Diese Kennzahl setze ich ins Verhältnis zur operativen Ertragskraft (vor Steuern, Zinsen und Investitionen (CapEx)), ausgedrückt durch das EBITDA. Die vorherrschende Meinung besagt, dass ein Wert von unter 10 eine „gesunde“ Bewertung signalisiert – wie immer bei generischen Daumenregeln muss der unternehmensindividuelle Kontext in der Analyse vom sorgfältigen Investor mitgedacht werden. Im Fall der OMV sehen wir, dass ein EV/EBITDA von 5,3 im Kontext der letzten fünf Jahre eine passable Kaufgelegenheit darstellt, gleichwohl es die OMV-Aktie in den vergangenen Monaten günstiger zu erwerben gab:

Der maximale Rückgang in den letzten zehn Jahren lag bei ca. 65 Prozent im Jahr 2020:

Im Zehnjahreszeitraum brachte ein Investment in die OMV-Aktie gemessen am Total Return inklusive erhaltener Dividenden, eine Gesamtperformance von rund 338 Prozent für den Anleger:

Die Kapitalallokation von OMV
Trotz der massiven Investitionsoffensive verfolgt die OMV eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Bei der Betrachtung der Dividendenhistorie fällt auf, dass der OMV eine dem Geschäftserfolg entsprechend schwankende Sonderdividende ausschüttet.

Blickt man auf die Kapitalallokation, so strebt die OMV bis 2030 ein operatives Ergebnis vor Sondereffekten von mindestens 6 Mrd. Euro und einen operativen Cashflow von mindestens 7 Mrd. Euro an. Die neue Dividendenpolitik spiegelt die strategische Neuausrichtung wider: Ab 2026 fließen 50 Prozent der Borealis-Dividenden sowie 20 bis 30 Prozent des operativen Konzern-Cashflows an die Aktionäre, womit das Chemiegeschäft zum zentralen Taktgeber der Ausschüttungspolitik wird.

Bei einem aktuellen Kurs von 58,80 Euro errechnet sich eine Dividendenrendite von 5,4 Prozent auf Basis der regulären Dividende. Abschließend die letzten fünf Jahre an Dividendenausschüttungen im Überblick:

Die jährlich ausgeschüttete Dividende beträgt aktuell 3,15 Euro pro Aktie und wird im Juni ausbezahlt. Ziehen wir den Durchschnittswert des Free Cashflow der letzten drei Jahre als Grundlage für die Ermittlung der Ausschüttungsquote heran, landen wir bei einem Ergebnis von 95 Prozent für das Payout Ratio, was insbesondere an den Sonderdividenden liegt.
In den letzten Jahren gab es kein Aktienrückkaufprogramm, was mit Blick auf den hohen Besitzanteil der öffentlichen Hand kaum verwundert. Im aktuellen Jahresbericht wird kein neues Programm erwähnt. Der Fokus liegt auf Kapitalinvestitionen im Rahmen der oben beschrieben Unternehmensstrategie und Dividendenausschüttungen.

