Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der DAX geriet in der vergangenen Handelswoche erneut unter Druck und notierte zum Ende der Woche mit einem Schlusskurs von 22.380 Punkten deutlich unter der wichtigen langfristigen Unterstützungszone bei rund 23.000 Punkten. Nach einem zunächst noch ordentlichen Wochenstart kippte die Stimmung im weiteren Verlauf deutlich, und aus einer möglichen Stabilisierung wurde ein Abverkauf. Hauptbelastungsfaktor war nach wie vor die Eskalation im Nahen Osten und die damit verbundenen hohen Energiepreise, die zugleich die Sorgen vor einer neuen Inflationswelle zurückkehren ließen.
Bärischer Abpraller an Tages-EMA 200
Nach einem freundlichen Wochenauftakt nahm der DAX letzte Woche zunächst die Tages-EMA-200 bei 23.880 Punkten in Angriff. Allerdings prallte der Index hier bärisch ab und geriet anschließend stark unter Druck.

Langfristige Unterstützung gebrochen
Noch wichtiger als der Abpraller an der EMA-200 war der Bruch der Unterstützungszone bei 23.000 - 23.300 Punkten. Dieser Bereich war charttechnisch sehr wichtig, weil hier seit Mitte letzten Jahres immer wieder Kaufinteresse aufkam und der Markt mehrfach versuchte, einen Boden zu bilden. Genau diese Zone wurde nun nach unten aufgelöst. Damit hat der DAX nicht nur einen kurzfristigen Support gebrochen, sondern ein Signal gesendet, dass die Verkäufer derzeit die Kontrolle behalten.
Wie auf dem Wochenchart zu erkennen ist, wurden zeitgleich die Wochen-EMA-50 sowie das untere Bollinger-Band durchbrochen. Die nächsten charttechnischen Unterstützungen befinden sich im Bereich der aufwärts verlaufenden langfristigen Trendlinie, sowie im Bereich der horizontalen Unterstützung bei etwa 20.300 - 20.500 Punkten, und darunter bei etwa 19.000 Punkten.

Makro-Faktoren im Fokus: Nahost, Ölpreis und Zentralbanken
Auslöser für die Abwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt war erneut die geopolitische Eskalation im Nahen Osten. Mit den Angriffen auf die Energieinfrastruktur, den Störungen im Umfeld der Straße von Hormus und der Sorge vor einer weiteren Ausweitung des Konflikts stieg der Druck auf die Energiemärkte deutlich an. Für Europa ist das besonders heikel, weil steigende Energiepreise direkt auf Inflation, Margen, Konsum und Konjunkturerwartungen durchschlagen können. 
Steigende Energiepreise befeuern Inflationsangst
Schnell steigende Ölpreise sind für Aktienmärkte generell unangenehm, insbesondere für den DAX. Der deutsche Leitindex enthält viele Unternehmen, die sensibel auf Inputkosten, Konjunkturerwartungen und globale Nachfrage reagieren. Wenn Öl und andere Energieträger kräftig steigen, führt dies einerseits zu steigenden Produktionskosten, andererseits sinkt die Kaufkraft der Verbraucher und die Sorge vor einer erneuten Inflationswelle nimmt zu.
ZEW-Einbruch und schwindendes Vertrauen in die Konjunkturerholung
Belastend kam hinzu, dass sich auch das Stimmungsbild für die deutsche Wirtschaft eingetrübt hat. Der am vergangenen Dienstag gemeldete deutliche Einbruch des ZEW-Index war ein klares Warnsignal. Er zeigt, dass die Hoffnung auf eine allmähliche Konjunkturerholung durch die neue geopolitische Lage und die wieder zunehmenden Preisrisiken stark beschädigt wurde.
Fed und EZB: Keine Zinssenkungsfantasie mehr für den Markt
Während bezüglich der Geldpolitik in den letzten Monaten die Frage im Fokus stand, ob bzw. wann die nächsten Lockerungen folgen werden, ging mit dem Ölpreisanstieg und den Inflationssorgen allerdings nun auch dieser Hoffnungsschimmer verloren.
Die Frage scheint aktuell nicht mehr, wann die nächsten Zinssenkungen kommen könnten, sondern vielmehr ob die Notenbanken länger restriktiv bleiben müssen und im Extremfall sogar wieder Zinserhöhungen in Betracht ziehen müssen. 
Genau das ist Gift für Aktienindizes wie den DAX. Höhere oder länger hohe Zinsen belasten die Bewertung, machen Anleihen attraktiver und erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen und Investoren.
Haben die Bullen noch eine Chance?
Ganz abschreiben sollte man die Bullen aber trotz des angeschlagenen Chartbilds noch nicht. Grundvoraussetzung für ein potenziell bullisches Szenario wäre jedoch eine echte Deeskalation im Nahen Osten und damit einhergehend eine Entspannung hinsichtlich der Inflations- und Zinssorgen. Solange diese nicht in Sicht ist und der Ölmarkt nervös bleibt, wird es für den DAX schwer, eine Trendwende zu vollziehen.
Die einzige echte Hoffnung für die Bullen besteht derzeit darin, zu hoffen, dass Donald Trump mit Blick auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen versuchen könnte, deutlich zurückzurudern, da sonst ein Wahlerfolg der Republikaner sehr unwahrscheinlich scheint.
Darauf zu setzen ist derzeit aber noch kein belastbares Szenario, sondern eher ein möglicher Trigger für eine spätere Erholung. Stand jetzt fehlt dieses Signal. Solange es nicht kommt, bleibt jeder Rebound anfällig.
Für ein klar bullisches Szenario müsste der DAX zunächst die gebrochene Zone zwischen 23.000 und 23.500 Punkten zurückerobern. Erst oberhalb dieses Bereichs würde sich das Chartbild wieder etwas entspannen und der Markt hätte die Chance, den jüngsten Ausbruch nach unten als Fehlsignal erscheinen zu lassen. Solange der Index unter diesem Kursbereich notiert, ist der Weg des geringeren Widerstands nach unten gerichtet.
Sollte der DAX im Zuge einer weiteren Eskalation noch tiefer fallen, würden aus langfristiger Sicht aber auch wieder deutlich interessantere Bewertungszonen entstehen. Die im Wochenchart oben eingezeichneten Bereiche um 20.300 Punkte oder sogar bei 19.000 Punkten wären für langfristig orientierte Anleger wieder spannende potenzielle Kaufzonen. 
Autor Tobias Schmid
Datum: 23.03.2026

