Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der deutsche Aktienindex DAX notiert derzeit nach wie vor stabil über der 24.000-Punkte-Marke nahe seines Allzeithochs, welches zuletzt am 10. Juli erreicht wurde. Rückläufige Inflationsraten und ein zuversichtlicher konjunktureller Ausblick sorgten in den letzten Wochen für erneuten Rückenwind. Allerdings warfen in den letzten Tagen neue Zoll-Androhungen und eine mögliche Eskalation im Handelsstreit abermals ihre Schatten voraus, wenngleich der Markt sich hiervon aktuell kaum verunsichern lässt.
Konjunkturdaten sorgen für vorsichtigen Optimismus
Die jüngsten konjunkturellen Daten signalisieren eine vorsichtige Entspannung des makroökonomischen Umfelds. In Deutschland ist die Gesamtinflation im Juni auf 2,0 % gefallen und liegt damit exakt auf dem EZB-Ziel. Die Kernrate sank moderat auf 2,7 %.
Auch in der Eurozone sank die Teuerung auf 2,0 %. Rückläufige Energiepreise (-3,5 % auf Jahresbasis) sowie nachlassender Druck bei Nahrungsmitteln bestätigen den disinflationären Trend. Abgesehen von einer möglichen letzten Zinssenkung im Frühherbst dürften in den kommenden Monaten deshalb wahrscheinlich nur noch begrenzte geldpolitische Impulse folgen.
Parallel mehren sich in Deutschland Signale einer zyklischen Bodenbildung. Der HCOB Flash Composite-PMI stieg im Juni mit 50,4 erstmals seit Monaten leicht über die Wachstumsschwelle; das Verarbeitende Gewerbe näherte sich mit 49 Punkten einer Stabilisierung, während der Abschwung im Dienstleistungssektor abebbte. Nach zwei schwachen Jahren eröffnet dies die Perspektive auf Stagnation oder moderates Wachstum statt einer weiteren Rezession. Mehrere Institute haben ihre BIP-Erwartungen für 2025 daher leicht angehoben.
Auch die Stimmungsindikatoren zeichneten zuletzt ein positiveres Bild: Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen kletterte im Juli auf ein Zweijahreshoch von 52,7, begleitet von einer deutlichen Verbesserung der Lageeinschätzung (minus 59,5 nach zuvor minus 72). Treiber des Optimismus sind fiskalische Impulse (Steuer- und Ausgabenpaket von 46 Mrd. €; zusätzlich Infrastrukturfonds und Sonderregelungen für Verteidigung), kombiniert mit gesunkener Zinslast. Die expansive Fiskalpolitik fungiert damit als psychologischer und perspektivischer Puffer gegen externe Risiken.
Saisonale Schwäche im August und September
Während der Juli noch einer der saisonal stärksten Monate für den DAX ist, folgen mit dem August und September zwei saisonal schwache Monate. Im August stieg der DAX in den vergangenen 20 Jahren nur in 47 % aller Fälle an und die durchschnittliche Performance lag bei -1,4 %. Auch der September war mit einer durchschnittlichen Performance von 0 % und einem Anstieg in 53 % aller Fälle einer der schwächsten Monate des Jahres.

Nach der starken Rally im DAX im bisherigen Jahresverlauf käme eine etwas ausgedehntere Korrektur nicht überraschend und würde gut ins saisonale Bild passen. Allein aufgrund der Saisonalität auf eine Korrektur zu spekulieren, wäre allerdings eine sehr riskante Angelegenheit, da der Markt sich übergeordnet in einem sehr starken Bullenmarkt befindet.
Im Falle einer Korrektur oder Konsolidierung wäre ab Ende September bzw. Anfang Oktober ein erneuter, saisonal attraktiver Einstiegszeitpunkt, auf den man sich bereits jetzt vorbereiten kann.
Setups in DAX-Aktien
In einem bullischen Gesamtmarktumfeld, wie wir es aktuell sehen sollten Trades in Richtung des übergeordneten Aufwärtstrends favorisiert werden. Neben Trades auf Index-Ebene finden sich in vielen DAX-Aktien interessante Setups, sowohl für mittel- bis langfristig orientierte Anleger bzw. Positionstrader, als auch für kurz- bis mittelfristig orientierte Swing-Trader oder Optionshändler. Eine bewährte Strategie ist es, nach Aktien zu screenen, die sich in intakten Aufwärtstrends befinden und nach einer Korrektur neue bullische Signale generieren.
Münchener Rück mit Potenzial auf Trendfortsetzung
Die Münchener Rück Aktie befindet sich seit rund zwei Jahren in einem mustergültigen Aufwärtstrend mit sehr starkem Momentum.

In den letzten drei Monaten korrigierte die Aktie etwas mehr als 10 % und scheint gerade wieder nach oben zu drehen. Auf dem Tageschart hat sich bereits ein höheres Tief ausgebildet. Ein Ausbruch über den horizontalen kurzfristigen Widerstand bei 580 EUR würde einen erneuten sekundären Aufwärtstrend bzw. eine neue Bewegungsphase des primären Aufwärtstrends signalisieren.

Airbus bricht über langfristigen Widerstand aus
Mit dem Anstieg über die 170-EUR-Marke gelang der Airbus-Aktie zuletzt der Ausbruch aus einer langfristigen Seitwärts-Range. Im Falle einer erneuten kurzfristigen Korrektur würde sich ein interessantes Einstiegs-Setup ergeben.

Möglicher Ausbruch bei Infineon?
Die Infineon Aktie konnte zwar seit dem Tief im April ebenfalls deutlich ansteigen, hat aber im Gegensatz zu der Airbus Aktie (siehe oben) noch einen wichtigen langfristigen Widerstand vor sich. Sollte dieser überwunden werden, könnte neues bullisches Momentum entstehen. Ein Einstieg wäre einerseits möglich, sobald bzw. falls der Widerstand überwunden wird; andererseits wäre eine kurzfristige Korrektur in den nächsten Tagen oder Wochen eine willkommene Gelegenheit, um sich bereits vor einem möglichen Ausbruch bullisch zu positionieren und auf einen Ausbruch zu spekulieren.

Siemens konsolidiert in intaktem Aufwärtstrend
Siemens ist eine weitere Aktie, die sich in einem sauberen, langfristigen Aufwärtstrend befindet. In den letzten zehn Wochen konsolidierte die Aktie seitwärts und ein Ausbruch nach oben (Trendfortsetzung) wäre das favorisierte Szenario.


Autor Tobias Schmid
Datum: 21.07.2025

