Das wichtigste in Kürze
- Der kanadische Bankenmarkt wird von wenigen nationalen Instituten dominiert. Als zweitgrößte Bank profitiert Toronto-Dominion (TD) von dieser oligopolistischen Wettbewerbsstruktur und ihrer starken Marktposition.
- TD bietet das gesamte Spektrum an Finanzdienstleistungen für alle Kundensegmente – vom Privatkundengeschäft über Firmenkunden bis hin zu multinationalen Konzernen – inklusive eines ausgeprägten Kapitalmarkt- und Investmentbankings. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern ist der hohe Anteil des US-Geschäfts, auch wenn dieser Bereich aktuell Herausforderungen mit sich bringt.
- Strenge Kreditvergaberichtlinien und solide Besicherung sorgten dafür, dass kanadische Banken die Finanzkrise 2008/09 weitgehend ohne größere Schäden überstanden. Heute zeichnen sich die Bilanz, die Eigenkapitalausstattung sowie die Kreditqualität von TD durch hohe Stabilität aus.
- TD verfolgt eine disziplinierte Kapitalallokation mit Fokus auf nachhaltiges Dividendenwachstum und kontinuierliche Aktienrückkäufe.
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Unternehmensprofil und Geschäftsmodell: Wer ist und was macht die Toronto-Dominion
Der heutige Unternehmensname der Toronto-Dominion Bank führt direkt zu den beiden Ursprungsbanken, aus denen die heute zweitgrößte Bankengruppe Kanadas gebildet wurde. Im Jahr 1855 entstand die Bank of Toronto als Zusammenschluss von regionalen Getreidehändlern und -müller. Konservativ in der Expansion geführt, bestand das Kernklientel aus Landwirten, Händlern und Verarbeitern von landwirtschaftlichen Erzeugnissen (insbesondere Müller, Brauereien, Brennereien). In derselben Stadt wurde im Jahr 1869 die Dominion-Bank gegründet. Im Zuge der wirtschaftlichen Prosperität Kanadas wuchsen beide Banken in Richtung Westen innerhalb des Landes.
Nachdem zwei Weltkriege inklusive der Ausgabe von Kriegsanleihen sowie die Wirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit überstanden waren, sahen sich beide Banken mit einer ähnlichen Ausgangslage konfrontiert. Für weiteres Wachstum reichte die Größe nicht mehr aus. Eine Fusion der Mitbewerber aus der gleichen Stadt schien als eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung des Problems. Nach langandauernden Verhandlungen zwischen den beiden Banken und dem kanadischen Finanzministerium markiert der 1. Februar 1955 jenen Tag als die Toronto-Dominion Bank offiziell die Bankgeschäfte der nun miteinander verschmolzenen Bankinstitute fortsetzte.
In den darauffolgenden Jahrzehnten wuchs TD bis in die 1990er Jahre im kanadischen Heimatmarkt. Einerseits wurden kleinere Banken übernommen, andererseits etablierte sich das Finanzunternehmen in anderen Geschäftssegmenten (z.B. das Wertpapiergeschäft mit TD Securities oder Kooperationen u.a. mit Visa).
Im Jahr 2004 stieg die TD Bank in das US-amerikanische Privatkundengeschäft ein, indem sie eine Vereinbarung über den Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der in Neuengland ansässigen Banknorth für insgesamt 3,8 Mrd. US-Dollar bekannt gab. Im Januar 2006 veräußerte das Unternehmen sein US-amerikanisches Brokerage-Geschäft unter der Marke TD Waterhouse, das es 1984 erworben hatte, an Ameritrade. Das Geschäft wurde in TD Ameritrade umbenannt und TD hielt über 40 Prozent daran. Als TD Ameritrade wiederum im Jahr 2020 von Charles Schwab übernommen wurde, verringerte sich der Anteil der TD Bank nach der Übernahme auf zunächst 13 Prozent am fusionierten Unternehmen.

Heute ist Toronto-Dominion ein All-Finanzdienstleister, gebaut auf den zwei starken Säulen in Kanada und den Vereinigten Staaten. Gemessen an der Bilanzsumme handelt es sich um die sechstgrößte Universalbank in Nordamerika.

Wenn wir mit der Analyse des Geschäftsmodells einer Bank beginnen, stellt sich zunächst die Frage, um welchen Banktypen es sich überhaupt handelt. Während in Europa das Universalbankenwesen, die grundsätzlichalle Bankgeschäfte und diese allen Kundensegmenten anbieten, stark verbreitet ist, war für viele Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten das Trennbankensystem vorherrschend. Durch neue regulatorischen Bestimmungen wollten die staatlichen Bankenaufseher nach der Bankenkrise im Zuge der „Great Depression“ in den frühen 1930er Jahren das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft vom Wertpapiergeschäft, sprich dem Investment Banking, trennen. Erst unter der US-Präsidentschaft von Bill Clinton wurde dieser Glass-Steagall-Act im Jahr 1999 endgültig aufgehoben.
Mit einem Marktanteil von über 90 Prozent teilen sich den kanadischen Bankenmarkt die sogenannten „Big Six“ auf. Dazu zählen neben TD die Royal Bank of Canada, Bank of Montreal, Bank of Nova Scotia, Canadian Imperial Bank of Commerce und National Bank of Canada.
Bei Toronto-Dominion handelt es sich zweifellos um eine Universalbank. Diesen Umstand trägt auch die Struktur des Geschäftsmodells Rechnung, welche sich in vier Segmente unterteilen lässt:
- Canadian Personal & Commercial: Innerhalb dieses Bereichs bietet TD ein breites Spektrum an Bankdienstleistungen für Privatpersonen, kleine und mittlere Unternehmen in Kanada. Darunter ist die Betreuung von über 15 Millionen Kunden. Personal Banking bietet über ein Netz von rund 1.060 Filialen und ca. 3.400 Geldautomaten eine umfassende Palette von Einlagen-, Spar-, Zahlungs- und Kreditprodukten sowie Beratung an
- U.S. Retail: U.S. Retail umfasst das Privatkunden-, Geschäftskunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank in den USA. Unter der Marke TD Bank betreut das Bankinstitut ca. zehn Millionen Kunden in Filialen von Maine bis Florida sowie über Autohäuser und Kreditkartenpartner landesweit. Personal Banking operiert über ein Netzwerk von ca. 1.170 Filialen und ca. 2.700 Geldautomaten
- Wholesale Banking: Das Wholesale Banking betreut über 12.000 Firmen-, Regierungs- und institutionelle Kunden auf den globalen Finanzmärkten. Unter der Marke TD Securities bietet das Wholesale Banking Kapitalmarkt-, Unternehmens- und Investmentbanking-Dienstleistungen an und stellt Marktzugang sowie Wholesale-Banking-Lösungen für das Vermögensverwaltungs- und Privatkundengeschäft der Bank und deren Kunden bereit
- Wealth Management & Insurance: Wealth Management and Insurance betreut rund sechs Millionen Kunden in den Bereichen Vermögen und Versicherung in Kanada. Dazu zählen Lebensversicherungen, Gesundheitsversicherungen, sowie Sach- und Haftpflichtversicherungen. Das Unternehmen stellt damit umfassende Versicherungslösungen für Einzelpersonen und Unternehmen zur Verfügung

Einer der zentralen Punkte der Unternehmensstrategie ist die Initiative mit dem plakativen Titel „OneTD“. Hierbei geht es um das Ausschöpfen des Potentials des gesamten Produktportfolios in den beiden Kernmärkten Kanada und den USA. Darunter kann man sich das Profitieren von Skaleneffekte durch die Nutzung einer zentralen Produktplattform vorstellen oder das Bündeln von unterschiedlichen Produkten und Beratungsleistungen für dieselbe Zielgruppe („cross-selling“).

Wenngleich der konservative Risikoappetit recht prominent in der Strategie betont wird, dürfte zuletzt ein unrühmlicher Vorfall in den USA einem der drei Kernprinzipien namens „Do not risk harming the TD brand“ zuwiderlaufen. So gab die Bank im August 2023 bekannt, dass einige US-Behörden in Zusammenarbeit mit dem US-Justizministerium Ermittlungen gegen das kanadische Unternehmen wegen seines Anti-Geldwäsche-Programms einleitete. Konkret wird TD beschuldigt, chinesischen Drogenhändlern bei der Wäsche von mehr als 650 Mio. USD aus illegalen Drogenverkäufen keine Handhabe geleistet zu haben. Im Mittelpunkt steht das synthetische Opioid Fentanyl, durch dessen Missbrauch zigtausende Menschen pro Jahr in den USA sterben.
Nun hat die Bank bei den US-Behörden Einverständniserklärungen abgegeben und mit dem US-Justizministerium sowie der US-Staatsanwaltschaft für den Bezirk New Jersey einen Vergleich geschlossen, der TD in Summe 3,1 Mrd. USD kosten wird. Zudem musste das Bankinstitut einen Asset-Cap für das US-Retailgeschäft akzeptieren, der für die weitere Expansion kurz- bis mittelfristig einen harten Rückschlag bedeutet. Die gesamte Restrukturierung des US-Portfolios kann der Bank bis zu 1,5 Mrd. USD kosten. Abschließend ist ein höherer Auftrieb bei den Kosten für zusätzliches Personal und erforderliche Investments in die IT für den Compliance-Bereich zu berücksichtigen.

Damit liegen die ehrgeizigen Wachstumspläne für das US-Geschäft, insbesondere für die Regionen im Südosten des Landes, vorerst auf Eis. Da vor etwas mehr als einem Jahr die Übernahme von First Horizon letztendlich scheiterte, wählte das Management von TD den Weg des organischen Wachstums. Nun muss der designierte CEO in den Retourgang schalten. Für die nächsten Jahre rückt somit notgedrungen der kanadische Heimatmarkt, der knapp zwei Drittel zum Gesamtumsatz beitragt, in den Fokus. Nachdem der Wettbewerber National Bank die Canadian Western Bank im Verlauf des nächsten Jahres integrieren wird, bleiben neben kleinen Regionalbanken lediglich die Laurentian Bank und Equitable Bank als potentielle Übernahmeziele übrig. Allerdings sind die Chancen dahingehend als äußerst gering einzuschätzen, da die kanadischen Wettbewerbshüter einer weiteren Konzentration im oligopolartigen Bankenmarkt sehr kritisch gegenüberstehen.

Der aktuelle Chief Executive Officer der Toronto-Dominion Bank heißt Raymond Chun. Er übernahm die Position am 1. Februar 2025, nachdem sein Vorgänger Bharat Masrani nach elf Jahren an der Konzernspitze in den Ruhestand ging. Chun verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bankwesen und hatte vor seiner Ernennung zum CEO verschiedene leitende Positionen bei TD inne, darunter Chief Operating Officer und Group Head von Canadian Personal Banking.
In der Eigentümerstruktur von Toronto-Dominion geben die üblichen Großaktionäre aus der Vermögensverwaltung den Ton an. Aus der Zusammensetzung der Eigentümer der ‚Big Six‘ lässt sich gut erkennen, dass die kanadischen Banken und ihre Investmentgesellschaften intensiv miteinander verflochten sind.

Branchenprofil und Wettbewerbssituation
Die Charakteristik der Geschäftsmodelle von Banken macht einen Vergleich der wesentlichen Kennzahlen unter den verschiedenen Wettbewerbern ohne größere Probleme möglich. Inhaltliche Unterscheidungsmerkmale in der Gewichtung der einzelnen Geschäftssegmente wie beispielsweise das Kapitalmarktgeschäft oder Großkundengeschäft sind dabei natürlich zu berücksichtigen und die relevanten Zahlen in den passenden Kontext zu setzen.
Im Falle des kanadischen Banken stellt sich die Frage, welches Sample man für die Vergleichsgruppe wählt. Ich habe mich dafür entschieden, die beiden führenden Institute Kanadas gegenüberzustellen: die Toronto-Dominion Bank und die Royal Bank of Canada. Da ich mich für diesen Vergleich einiger branchenspezifischer Kennzahlen bediene, verweise ich auf das folgende Kapitel „Finanzlagebild“. Hierin gehe ich auf die Aussagekraft und Bedeutung dieser Kennwerte kurz ein.

Anmerkungen zu den in der Tabelle enthaltenen Werten:
- Grüne bzw. rote Färbung der Zahlen bedeuten ein Wachstum bzw. Rückgang im Vergleich zum Vorjahr
- Alle Werte sind in CAD angeführt
Das Finanz-Lagebild der Toronto-Dominion
Nachdem wir uns einen Überblick über die Branche im Allgemeinen verschafft sowie das Unternehmen, das Management und den Wettbewerb als entscheidungsgebende Faktoren näher betrachtet haben, werfen wir einen Blick in die Bilanz und den daraus abgeleiteten Finanzkennzahlen von Toronto-Dominion. Der Fokus liegt hierbei auf die Aspekte Wachstum, Profitabilität, Kosteneffizienz sowie Kreditportfolio und -qualität.
Zur Analyse des finanziellen Lagebilds sehen wir uns im ersten Schritt die Entwicklung von Umsatz und Gewinn an. Zur unternehmensinternen Verteilung der Umsätze je Segment ging ich bereits weiter oben im Kapitel über das Geschäftsmodell ein. Im Durchschnitt wuchs die Top Line in den letzten fünf Jahren um 10 Prozent p.a. an.

Beim Gewinn pro Aktie sehen wir seit zehn Jahren eine dynamische Entwicklung nach oben. Ziehen wir das abgelaufene Geschäftsjahr 2024 heran, so reduzierte sich jedoch der bereinigte Gewinn pro Aktie um 2,2 Prozent (7,81 vs. 7,99 CAD). Toronto-Dominion erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 8,8 Mrd. CAD.

Die Kernaufgabe von Banken ist ihre Risiken zu managen. Somit kann das Risiko-Exposure gemessen am Anteil einzelner Industrien (Gewerbeimmobilien, privater Wohnbau, etc.) am gesamten Kreditvolumen bzw. die Gewichtung einzelner Kundengruppen (Privatkunden, Kleinunternehmer, Immobilienentwickler, etc.), die auf ein beträchtliches Konzentrationsrisiko hinweisen, bewertet werden.
Derzeit hat die Bank 300 Mrd. CAD an Wohnhypothekendarlehen, wobei sich der überwiegende Teil dieses Segments mit etwa 267 Mrd. CAD in Kanada befindet. Insgesamt beläuft sich das Engagement der Toronto-Dominion Bank im kanadischen Immobiliensektor auf über 400 Mrd. CAD. Der zuletzt mit Sorgenfalten betrachtete Bereich der Büroimmobilien macht nur ein Prozent der gesamten Bruttokredite der Bank aus.

Außerdem schaue ich mir das Ausmaß der Wertberichtigungen und der gebildeten Rückstellungen für potentielle Kreditausfälle in den letzten Quartalen genauer an. Bei TD scheint sich der negative Trend bei den Rückstellungen im letzten Quartal wieder zu stabilisieren, während hingegen bei den effektiven Wertberichtigungen die Risiken sich zulasten der Bank stärker niederschlagen.

Die Eigenkapitalquote spielt eine wesentliche Rolle, um zu ermitteln, welchen Kapitalpuffer bzw. welches Kernkapital die Bank (Common-Equity-Tier (CET)-1-Ratio) vorhält, um bei überdurchschnittlich hohen Kreditausfällen weiterhin profitabel zu wirtschaften oder zumindest die finanzielle Stabilität zu bewahren. Eine andere Fragestellung lautet, inwieweit diese Kapital-Kennzahlen über die regulatorisch-bedingten Mindestwerte liegen, welche im Rahmen von turnusmäßigen Stresstests auf ihre Werthaltigkeit geprüft werden. Aktuell liegt das CET1-Ratio mit 14,8 Prozent deutlich über dem regulatorischen Minimum von 11,5 Prozent.

Die Frage, mit wieviel Aufwand die Bank den deklarierten Rohertrag erzielen kann, wird durch das Efficiency Ratio (auch Cost-Income-Ratio bezeichnet) ausgedrückt. Daumenregel: je geringer der Wert, desto effizienter wirtschaftet die Bank. Sondereffekte sind hierbei zu beachten, wenn ein Wert nach oben wie nach unten deutlich ausreißt. Für eine Universalbank liegt diese Effizienzkennzahl typischerweise bei etwa 60 Prozent. Im Geschäftsjahr 2024 betrug das Efficiency Ratio von TD 58,1 Prozent.

Im Rahmen des vor kurzem abgeschlossenen Kosteneinsparungsprogramms, welches u.a. einen Personalabbau von drei Prozent der Vollzeitäquivalente und die Optimierung des Immobilienportfolios umfasste, wurde die Kostenbasis seit dem Geschäftsjahr 2025 iHv. 800 Mio. CAD (vor Steuern) reduziert.

Die Bewertung der Bonität von TD wird durch Ratings der vier relevanten Agenturen ausgewiesen. Kreditratings wirken sich auf die Kreditkosten der Bank und ihre Fähigkeit zur Mittelbeschaffung aus. Eine Herabstufung des Ratings könnte zu höheren Finanzierungskosten, höheren Anforderungen an die Verpfändung von Sicherheiten und einem eingeschränkten Zugang zu den Kapitalmärkten führen und auch die Fähigkeit der Bank zum Abschluss von Derivatgeschäften beeinträchtigen.

Chancen & Risiken
Toronto-Dominion zeichnet sich durch ein stark diversifiziertes Geschäftsmodell aus, das verschiedene Geschäftsbereiche abdeckt und somit eine breite Wertschöpfungskette einer Universalbank repräsentiert. Durch diese Diversifikation kann die Bank stabile und vielfältige Ertragsströme erzielen. Anders als viele ihrer nationalen Wettbewerber ist TD außerdem in den USA in den Top-10 der Banken vertreten, was ihre grenzüberschreitende Bedeutung unterstreicht.
Finanziell ist TD besonders stabil aufgestellt, was auch auf ihre Einstufung als Global Systemically Important Bank (G-SIB) zurückzuführen ist. Diese Kategorie verpflichtet die Bank, höhere regulatorische Kapitalanforderungen zu erfüllen als die meisten anderen kanadischen Banken – mit Ausnahme der Royal Bank of Canada. Um ihre Eigenkapitalposition weiter zu stärken, hat TD zudem ein Kostensenkungsprogramm in Höhe von 800 Millionen CAD umgesetzt.
Ein wesentlicher Faktor für TD liegt in den hohen Markteintrittsbarrieren der stark regulierten Bankenbranche. Diese umfassen strenge Anforderungen an Risikomanagement, Kapitalausstattung sowie die Eignung des Führungspersonals, Compliance- und Antibetrugsmaßnahmen, die potenzielle neue Wettbewerber vor große Herausforderungen stellen.
Neben der strategischen Ausrichtung profitiert TD von einer über Jahrzehnte gewachsenen Infrastruktur. Das breit gefächerte Dienstleistungsportfolio wird sowohl über ein umfangreiches Filialnetz in Kanada und den USA als auch über eine moderne, modulare E-Banking-Plattform angeboten. Diese Kombination aus Offline- und Digitalangebot ist ein wertvolles Asset, das den Anforderungen verschiedener Kundengruppen gerecht wird. Zudem unterstreicht die geschützte und stabile kritische Infrastruktur die nationale und transnationale Bedeutung von TD im Finanzsektor.
Infolge des Geldwäsche-Skandals schloss die Bank mit den US-Behörden und der Staatsanwaltschaft in New Jersey einen Vergleich ab, der sie insgesamt 3,1 Milliarden US-Dollar kostet. Außerdem musste TD eine Vermögensobergrenze für ihr US-Retailgeschäft akzeptieren, was das Wachstum in diesem Bereich kurz- bis mittelfristig stark einschränkt. Die Restrukturierung des US-Portfolios könnte bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar verschlingen. Zusätzlich sind erhöhte Personalkosten und IT-Aufwendungen im Compliance-Bereich zu erwarten.
Generell steigen die regulatorischen Anforderungen in der Finanzbranche seit Jahrzehnten kontinuierlich an und nehmen einen zunehmend größeren Teil des Investitionsbudgets ein, insbesondere im IT-Bereich. Neben den internationalen Basel-III-Vorschriften unterliegen kanadische Großbanken wie TD der Aufsicht durch mehrere Institutionen wie das Office of the Superintendent of Financial Institutions (OFSI), die Canada Deposit Insurance Corporation (CDIC) und die Financial Consumer Agency of Canada (FCAC). Für TD spielen zudem die US-amerikanischen Regulierungsbehörden eine bedeutende Rolle, insbesondere hinsichtlich der Mindestkapitalpuffer und der Verschuldungsquoten.
Da das Kerngeschäft der Bank das Verleihen von Geld ist, wirkt sich die konjunkturelle Entwicklung direkt auf die Gewinnentwicklung aus. Sinkende Zinssätze führen typischerweise zu geringeren Gewinnen, während eine höhere Arbeitslosigkeit in Rezessionen zu mehr Zahlungsausfällen bei Krediten führen kann. Nach dem Vorsichtsprinzip muss TD für diese Risiken Rückstellungen bilden, was das Eigenkapital belastet. Besonders das Verbrauchergeschäft ist stark konjunkturabhängig, insbesondere bei risikoreicheren Kreditformen wie Kreditkarten.
Ein weiterer Risikofaktor ist das große Engagement im Immobilienmarkt. Kanada zählt zu den teuersten Immobilienmärkten weltweit, was vor allem bei niedrigeren Einkommensschichten eine hohe Belastung durch Hypotheken bedeutet. Besonderheiten wie die kurzzeitige Zinsfestschreibung von maximal fünf Jahren und eine obligatorische Kreditversicherung bei niedrigen Anzahlungen prägen das Kreditgeschäft. Kanadische Kreditgeber haben zudem meist vollen Regressanspruch auf das Vermögen der Kreditnehmer (mit Ausnahme der Provinz Alberta).
Schließlich stellt die zunehmende Digitalisierung des Geschäftsmodells Cyber-Risiken dar, die durch neue und komplexe Angriffsarten sowie die gesteigerte Angriffshäufigkeit durch professionelle kriminelle Gruppen schwer abschätzbare Schäden verursachen können. Cyberangriffe bleiben daher in Zukunft eine der größten Herausforderungen für die Bank.
Aktuelle Bewertung der Toronto-Dominion Aktie
Obwohl ich bei der Bewertung von Unternehmen gleicher Branchen gerne den sogenannten Enterprise Value (EV) bevorzuge, macht dieser Schritt bei Banken aufgrund der hohen Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden (im Wesentlichen deren Einlagen) keinen Sinn. Das Geschäftsmodell von Banken basiert nun mal auf der Nutzung eines hohen Hebels und sorgfältigem Risikomanagement. Genauso wenig zu gebrauchen sind allfällige Kennzahlen, die in Verbindung mit dem Free Cash-Flow (FCF) stehen. Der von Banken erwirtschaftete Cash-Flow ist nicht so einfach zu ermitteln wie der von Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen. Die Mittelzuflüsse und -abflüsse können durch Änderungen der Zinssätze, der Kreditnachfrage und des Kundenverhaltens enorm beeinflusst werden, was eine sinnvolle Anwendung des FCF erschwert.
Daher möchte ich für die Bewertungsanalyse von Banken auf das Kurs-Buchwert-Multiple (Price-to-Book-Value) zurückgreifen. Grundsätzlich bedeutet ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als 1, dass das Unternehmen an der Börse weniger wert ist als sein Buchwert. Im Gegensatz zeigt ein KBV von mehr als 1, dass der Markt den Wert des Unternehmens über seinem Buchwert bewertet. Wie immer muss bei generischen Daumenregeln der unternehmensindividuelle Kontext in der Analyse vom sorgfältigen Investor selbst mitgedacht werden. Unbestritten dient das KBV nicht als zentrales Kriterium für eine Kaufentscheidung, weil die Kennzahl den wahren wirtschaftlichen Wert vieler Unternehmen nicht korrekt widerspiegelt. Insbesondere europäische aber auch teilweise nordamerikanische Banken handeln seit langem unter ihrem Buchwert, unabhängig davon, dass diese Unternehmen solide Gewinne erwirtschaften und gut kapitalisiert sind.
Im Anwendungsfall von Toronto-Dominion müssen wir für ein Bewertungsergebnis von 1,5 nur unweit zurückschauen. Im ersten Halbjahr 2025 gab es das Unternehmen günstiger als aktuell.

Der Blick auf den aktuellen Chart zeigt uns eine Kursperformance von 102 Prozent im Zeitraum der letzten Jahre:

Der maximale Rückgang in den letzten zehn Jahren betrug ca. 32 Prozent im zurückliegenden Dezember:

Im Zehnjahres-Zeitraum brachte ein Investment in Toronto-Dominion gemessen am Total Return, also inklusive erhaltener Dividenden, eine Gesamt-Performance von 178 Prozent für den Anleger:

Kapitalallokation von Toronto-Dominion
Bei der Betrachtung der makellosen Dividendenhistorie von Toronto-Dominion fällt einem ins Auge, dass das kanadische Bankhaus seit 14 Jahren eine jährlich wachsende Dividende ausschüttet. Darüber hinaus ist mir beim Blick auf die offizielle Dividendenhistorie, die sich auf der Firmen-Website bis in das Jahr 1973 zurückverfolgen lässt, keine Kürzung bekannt.

Bei einem aktuellen Kurs von 105,24 CAD errechnet sich eine Dividendenrendite von 4 Prozent. Die Fünfjahres-Dividendenwachstumsrate beträgt 7,1 Prozent p.a. bzw. 8,3 Prozent p.a. im Zehnjahres-Zeitraum. Das Unternehmen erhöhte zuletzt im November letzten Jahres um 2,9 Prozent die Dividende. Zum Abrunden noch die letzten fünf Dividendenerhöhungen im Überblick:
- 2024: +2,9 %
- 2023: +6,3 %
- 2022: +7,9 %
- 2021: +12,7 %
- 2020: +6,8 %
Die quartalsweise ausgeschüttete Dividende beträgt aktuell 1,05 CAD pro Aktie und wird in den Monaten zu Quartalsbeginn ausbezahlt (Januar, April, Juli, Oktober).
Ziehen wir den Durchschnittswert des Gewinns der letzten drei Jahre als Grundlage für die Ermittlung der Ausschüttungsquote heran, landen wir bei einem komfortablen Ergebnis von 39,9 Prozent für das Payout Ratio von Toronto-Dominion. In den kommenden Jahren würde ich prinzipiell ausreichend Spielraum für Dividendenerhöhungen im ähnlichen Ausmaß wie in den letzten Jahren sehen, d.h. zumindest im mittleren einstelligen Prozentbereich. Allerdings unterliegen die Gewinne von Banken sehr starken Schwankungen.
Die Anzahl an ausstehenden Aktien reduzierte sich um insgesamt 7,9 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.

Fazit: Überlegungen für meine Entscheidung in Toronto-Dominion zu investieren
Die Toronto-Dominion Bank profitiert von hohen Markteintrittsbarrieren, die durch strenge regulatorische Anforderungen für das Risikomanagement, Eigenkapitalvorschriften und Compliance-Maßnahmen bestehen. Diese Barrieren schützen die etablierten kanadischen Banken, weshalb TD und ihre Mitbewerber den lokalen Markt dominieren. Als zweitgrößtes Institut des Landes kommt TD dabei eine gefestigte Wettbewerbsposition zu.
Das breit gefächerte Geschäftsmodell der Bank deckt sämtliche Kundensegmente ab – vom Retail-Banking bis zum Geschäft mit Großkunden und dem Kapitalmarktgeschäft. Ein Alleinstellungsmerkmal ist dabei der signifikante Anteil am US-Geschäft, der allerdings aktuell Herausforderungen mit sich bringt. Dennoch steht TD auf einer soliden finanziellen Basis: die zurückhaltende Kreditvergabe und die hohe Kreditqualität führten dazu, dass die Bank die Finanzkrise 2008/09 gut überstand. Aktuell ist die Bilanz robust, unterstützt durch die Veräußerung der Beteiligung von über zehn Prozent am US-Broker Charles Schwab.
Insgesamt zeigt TD eine starke Wettbewerbsfähigkeit, hohe Stabilität, attraktive Kapitalallokation und vielversprechende Wachstumsperspektiven trotz bestehender Herausforderungen insbesondere im US-Geschäft, begleitet von einer klaren strategischen Führung unter dem neuen CEO Raymond Chun.

