Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Nach der 10-Prozent-Korrektur zwischen Februar und März startete der S&P 500 am Freitag, 14. März einen Erholungsversuch. In der vergangenen Handelswoche setzte sich die Erholung zwar fort, ein nachhaltiger Anstieg gelang bislang aber noch nicht und die fundamentale wie auch die charttechnische Lage bleibt unsicher. Auf Wochenbasis schloss der S&P 500 Index im Vergleich zur Vorwoche nahezu unverändert (+0,1 %).
Industrieproduktion auf Allzeithoch - Rezession abgesagt?
In den letzten Wochen wurde deutlich, dass die Furcht vor einem wirtschaftlichen Abschwung oder sogar einer Rezession umher geht und unter Investoren für Verunsicherung sorgt. Viele der großen US-Banken haben ihre Prognosen zur Wahrscheinlichkeit einer Rezession nach oben revidiert. Je nach Bank liegen diese meist zwischen 20 - 40 %. Auslöser für die konjunkturellen Sorgen war und ist die Ankündigung von neuen Zöllen der USA.
Am vergangenen Montag, 17. März wurde indes der Industrial Production Index (IPI) veröffentlicht. Dieser wichtige Wirtschaftsindikator misst die gesamtwirtschaftliche Produktion im Industriesektor. Dazu zählen vor allem:
- Verarbeitendes Gewerbe (z. B. Maschinenbau, Automobilindustrie)
- Bergbau und Rohstoffförderung
- Energieerzeugung (Strom, Gas, etc.)
Da die Industrie empfindlich auf Veränderungen in der Nachfrage reagiert, zeigt der IPI oft frühzeitig an, ob sich eine wirtschaftliche Erholung oder Abschwächung anbahnt.

Wie Sie auf dem Chart oben erkennen, erzielte der IPI im Februar (Veröffentlichungsdatum: 17. März) ein neues Allzeithoch. Das bedeutet:
- Die Industrie produziert mehr denn je
- Es gibt hohe Nachfrage nach Gütern
- Kapazitäten werden ausgelastet, oft auch Investitionen getätigt
- Unternehmen sind zuversichtlich
Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA unmittelbar in eine Rezession laufen, ist deshalb zwar nicht ausgeschlossen, aber vergleichsweise unwahrscheinlich.
Neue Zölle treten am 2. April in Kraft
Ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor bleiben die von Donald Trump angekündigten Zölle, die am 2. April in Kraft treten sollen. Einerseits ist kaum einzuschätzen, ob es sich dabei tatsächlich “nur” um reziproke Zölle handelt, für Handelspartner, die derzeit höhere Zölle auf US-Produkte erheben als umgekehrt, oder ob die US-Regierung weiter eskalieren möchte, oder ob möglicherweise in den nächsten Wochen wieder zurückgerudert wird und Einigungen erzielt werden. Solange dieser Unsicherheitsfaktor nicht ausgeräumt ist, scheint die derzeitige Erholungsbewegung im S&P 500 auf wackeligen Beinen zu stehen.
US-Regierung versucht Zinssenkung zu erzwingen
Manch einer fragt sich, was der wahre Grund für die aktuelle Eskalation im Handelsstreit ist. Sehr wahrscheinlich ist: Donald Trump möchte unberechenbar bleiben und beweisen, dass er es ernst meint und bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen.
Darüber hinaus liegt die Schlussfolgerung nahe, dass eine temporäre Verunsicherung der Märkte und eine moderate Abkühlung der Wirtschaft der US-Administration nicht ungelegen käme oder möglicherweise sogar versucht wird, diese bewusst herbeizuführen. Denn folgendes darf man nicht vergessen: Eines der größten mittel- bis langfristigen Probleme der USA ist die immense Staatsverschuldung. Trump wie auch Finanzminister Scott Bessent hatten den Abbau der hohen Staatsausgaben und Haushaltsdefizite zuvor mehrfach zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt. Unsicherheit am Aktienmarkt sowie ein wirtschaftlicher Abschwung würden deshalb dazu führen, dass nicht nur die Fed ihre Zinsen schneller als bisher erwartet senken könnte, sondern dass insbesondere auch die Renditen am langen Ende fallen könnten.
Laut einem aktuellen Artikel im Wall Street Journal vom März 2025 liegt der Refinanzierungsbedarf der USA in diesem Jahr bei rund 7,6 Billionen (=7600 Milliarden) US-Dollar. Diese Summe umfasst:
- Fällige bestehende Schulden, die durch neue Anleihen ersetzt werden müssen (Refinanzierung)
- Neue Defizite, die durch zusätzliche Kreditaufnahme gedeckt werden müssen
Zwischen einer moderaten Abkühlung und einer Rezession liegt möglicherweise aber nur ein schmaler Grat.
S&P 500 zwischen Wochen-EMA 50 und Tages-EMA 200
Was das charttechnische Bild betrifft, wurde in den letzten Wochen bereits ein deutlicher Schaden angerichtet. Der S&P 500 Index fiel vier Wochen in Folge und ist aus dem seit Ende 2023 bestehenden Trendkanal ausgebrochen. Positiv zu erwähnen ist, dass der Index bei 5650 Punkten Unterstützung fand und diese wichtige Kurszone auf Wochenschlusskurs-Basis verteidigen konnte. Hier befindet sich sowohl ein horizontaler Support, generiert durch das letzte wichtige lokale Hoch des langfristigen Aufwärtstrends; außerdem verlaufen die Wochen EMA 50 und die Wochen SMA 50 exakt auf diesem Kursniveau. Zudem sind die 5650 Punkte genau das 50-Prozent-Retracement der letzten großen Aufwärtsbewegung. Das Wochentief der vorherigen Woche verlief im Übrigen exakt bis zum 61,8er-Fibonacci-Retracement bei etwa 5500 Punkten. Sollte diese Unterstützung nachhaltig nach unten durchbrochen werden, drohen weitere Verluste.

Auf dem Tageschart ist zu erkennen, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung exakt an der Tages-EMA-200 Halt machte. Damit sich das Chartbild kurzfristig aufhellt, sollten mindestens die EMA und SMA 200 überwunden werden, idealerweise begleitet von starkem Volumen.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 24.03.2025
