Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
In der vergangenen Handelswoche verweilte der S&P 500 noch im Ferienmodus und das Handelsvolumen war äußerst gering. Nachdem der Index an Heiligabend ein erneutes Allzeithoch erreicht hatte und das Jahr 2025 erfolgreich beendete, folgte letzte Woche eine moderate Korrektur von rund einem Prozent. Nun richtet sich der Fokus auf das neue Jahr und auf die Frage, ob der S&P 500 trotz der bereits hohen Bewertung und der starken Performance der letzten Jahre nochmal eins oben drauf setzen kann, oder ob die Gefahr für eine größere Korrektur gestiegen ist.
S&P 500 drittes Jahr in Folge zweistellig im Gewinn
Mit einem Schlusskurs von 6845,50 Punkten beendete der S&P 500 das Jahr 2025 mit einem Plus von 964 Punkten bzw. +16,4 %. Damit war 2025 unterm Strich ein starkes Aktienjahr, und zwar klar über dem langfristigen Durchschnitt: Historisch liegt die durchschnittliche Jahresrendite des S&P 500 (seit 1957) bei rund 10,6% p. a.. Mit +16,4% hat der Markt diesen „Normalwert“ deutlich übertroffen.
Gleichzeitig war 2025 kein Ausnahmejahr wie 2023 oder 2024, sondern eher eine Art Normalisierung auf hohem Niveau: Nach Kursanstiegen von mehr als 20 % in den Vorjahren 2023 und 2024 fiel das Plus 2025 zwar geringer aus, blieb aber komfortabel zweistellig. (Wer Dividenden mitrechnet, kommt für 2025 sogar auf knapp +17,9% Total Return.)
Ein paar Rekorde gab es trotzdem:
- Der S&P 500 erzielte 2025 39 neue Rekordstände. (Diese Anzahl ist allerdings nicht außergewöhnlich hoch.)
- Und symbolisch wichtig: Am 24.12.2025 markierte der Index sein Allzeithoch per Schlusskurs bei 6’932,05 Punkten, und am 26.12. folgte sogar ein intraday Allzeithoch bei 6’945,77 Punkten.
- Die magische 7.000er-Marke wurde damit zwar knapp verfehlt, aber der Markt hat zum Jahreswechsel sichtbar "oben angedockt".
- Zur Einordnung: Dass der S&P 500 drei Jahre in Folge zweistellig zulegt (2023–2025), ist historisch eher selten. Es ist erst das sechste Mal seit den 1940er-Jahren, dass dieses Kunststück gelingt. Und genau das erklärt auch die große Makro-Frage, die 2026 direkt mitschwingt: Kann der Markt die Serie fortsetzen, trotz bereits hoher Bewertungen und starkem AI-/Mega-Cap-Gewicht?
Alle 11 Marktsektoren des S&P 500 im Plus
Der S&P 500 lässt sich in 11 Marktsektoren aufteilen. Für jeden dieser Sektoren steht ein ETF zur Verfügung, das sowohl für Investitionen als auch zur Analyse herangezogen werden kann. Nachfolgend vergleichen wir die Performance der einzelnen Marktsektoren mit dem S&P 500 ETF (SPY) in den letzten 52 Handelswochen, genauer gesagt vom 02. Januar 2025 bis zum 02. Januar 2026:
- Der SPY stieg 18,23 % an.
- Alle 11 Marktsektoren sind im Plus.
- Besonders stark waren die Sektoren Technology (+25,19%), Industrials (+21,97%) und Communication Services (+21,63%). Bei diesen drei Marktsektoren handelt es sich um offensive bzw. prozyklische Sektoren. Lediglich Consumer Discretionary war als weiterer wichtiger offensiver Sektor schwächer als der Index.
- Die drei wichtigsten defensiven Sektoren (Consumer Staples, Health Care und Utilities) waren ebenfalls stark, entwickelten sich jedoch schwächer als der Index und insb. schwächer als die offensiven Marktsektoren.

Unterm Strich lässt sich also festhalten, dass die offensiven Marktsektoren im vergangenen Jahr führend waren und die defensiven Sektoren relative Schwäche zeigten. Besonders gut erkennbar wird die relative Performance der einzelnen Sektoren im Vergleich zum SPY, wenn wir die Outperformance/Underperformance auf relativer Ebene mit einem Performance Chart visualisieren.

Genau solch eine Entwicklung wollen wir in einem gesunden Bullenmarkt sehen (Outperformance der offensiven Sektoren, Underperformance der defensiven Sektoren) Solange sich an diesem Bild nichts ändert und die pro-zyklischen Sektoren weiterhin führend bleiben, dürfte der langfristige Aufwärtstrend nicht in Gefahr sein.
Gewinnwachstum auf Rekordniveau
In sozialen Netzwerken liest man derzeit häufig Beiträge, die auf die hohe Bewertung des Aktienmarktes bzw. des S&P 500 hinweisen und aufgrund dessen vor einer stärkeren Korrektur warnen.
Während eine Korrektur von +/- 10 % sicherlich jederzeit möglich ist und historisch eher die Regel als die Ausnahme darstellt, darf man nicht vergessen dass die hohe Bewertung nicht nur ein reiner Hype ist, der auf Fantasie beruht, sondern von echtem Gewinnwachstum getragen wird.
Auch bei der Bewertung lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Je nach Definition liegt das aktuelle KGV des S&P 500 (Trailing, letzte 12 Monate) bei rund 31. Das wirkt auf den ersten Blick hoch. Schaut man jedoch auf das in der Praxis oft wichtigere Forward-KGV (Gewinne der nächsten 12 Monate), liegt der Markt aktuell bei ungefähr 22. Auch das ist über den historischen Durchschnittsbereichen: FactSet beziffert den 10-Jahres-Schnitt des Forward-KGV grob bei 18,6 (5-Jahres-Schnitt ca. 19,9).
Entscheidend ist aber, dass diese Bewertung nicht isoliert betrachtet wird, sondern ins Verhältnis zur Gewinnentwicklung der Unternehmen gesetzt wird: Für 2025 liegt das erwartete Gewinnwachstum des S&P 500 laut FactSet-Konsens bei rund +12%, und für 2026 werden aktuell sogar etwa +15% prognostiziert; beides klar über dem langfristigen Gewinnwachstumsdurchschnitt.
Genau deshalb kann der Markt trotz ambitionierter Multiples stabil bleiben: Solange die Unternehmen liefern (und seitens Inflation/Zinsen kein überraschender Gegenwind kommt), ist ein teurer Markt nicht automatisch ein überhitzter Markt. Das Risiko entsteht erst dann, wenn Erwartungen zu hoch werden und die Realität sie nicht mehr einholt.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 05.01.2026

