Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der S&P 500 beendete die vergangene Handelswoche nahezu unverändert, nachdem in der Vorwoche eine deutliche Erholungsbewegung stattfand. Aufgrund des Zurückruderns von Donald Trump im Handelsstreit konnte der Aktienmarkt einen kurzfristigen Boden bilden. Die nach wie vor andauernden politischen und ökonomischen Unsicherheiten bleiben aber weiterhin ein Belastungsfaktor, der für viel Unsicherheit sorgt. Die Volatilität ist im Vergleich zu den langfristigen Durchschnittswerten ebenfalls noch auf einem erhöhten Niveau, was einerseits Ausdruck der anhaltenden Unsicherheit ist, auf der anderen Seite aber auch Gelegenheiten für Trader eröffnet.
Vorsichtige Zeichen der Entspannung
Neben den Kursrückgängen an den globalen Aktienmärkten sahen wir in den letzten Wochen auch in vielen anderen Märkten teils sehr volatile Bewegungen. Die stark angestiegenen Renditen auf US-Staatsanleihen waren sehr wahrscheinlich ein Faktor, der bei der US-Regierung große Nervosität auslöste und möglicherweise sogar der entscheidende Grund für die rhetorischen Entspannungssignale bzw. die Pausierung der zuvor angekündigten Zölle.
Zudem mehren sich die Berichte, dass die Fed bereitsteht, mit quantitativen Lockerungsmaßnahmen einzugreifen, sollte der Anstieg der Renditen anhalten. Eine offizielle Bestätigung gibt es hierfür zwar nicht, aber klar ist, dass ein weiterer explosionsartiger Anstieg der Zinsen die Finanzmärkte erheblich destabilisieren könnte. Trotz der Spekulationen über mögliche quantitative Lockerungsmaßnahmen (QE) hat Fed-Chef Jerome Powell kürzlich betont, dass die Märkte derzeit geordnet funktionieren und keine unmittelbare Intervention erforderlich sei. Die Renditen der 10-jährigen und 30-jährigen US-Staatsanleihen liefen indes in den letzten beiden Wochen moderat zurück und signalisieren somit zumindest kurzfristig eine Entspannung der Situation, was wiederum auch ein positives Signal für die Aktienmärkte darstellt.

Kupfer- und Ölpreise erholen sich
Mit den Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten gingen starke Rückgänge bei einigen Rohstoffpreisen einher. Der Rohölpreis (Light Sweet Crude Oil) fiel binnen weniger Tage von rund 72 USD pro Barrel auf unter 56 USD. In den letzten Tagen konnte der Rohölpreis bereits wieder die Hälfte der vorangegangenen Kursverluste wettmachen, was ebenfalls als ein (zumindest kurzzeitiges) Zeichen der Entspannung gewertet werden kann.
Auch der Kupferpreis, der als eine Art globaler Wirtschaftsindikator gilt und deshalb auch als “Dr. Copper” bezeichnet wird, zeigte in den vergangenen beiden Wochen bereits wieder eine deutliche Erholung, was die Hoffnung nährt, dass der befürchtete weltweite Abschwung noch abgewendet werden kann.
Death Cross bestätigt Abwärtstrend
Angesichts der immer noch andauernden Unsicherheiten hat sich der S&P 500 Index in der vergangenen Woche vergleichsweise gut geschlagen. Auch wenn es zu keinem erneuten Abverkauf kam, bleibt das charttechnische Bild allerdings angeschlagen. Mittlerweile hat sich ein deutlicher Abwärtstrend herausgebildet und der S&P 500 notiert unter der 200-Tage-Linie (im Chart unten rot), die als Indikator für den langfrsitigen Trend gilt.

Zudem hat sich in der letzten Woche ein weiteres unter Charttechnikern gefürchtetes Signal generiert: Der sogenannte Death Cross. Dabei handelt es sich um ein Unterschreiten der 50-Tage-Linie unter die 200-Tage-Linie. Gleitende Durchschnitte sind ein “Lagging Indicator”, d.h. diese benötigen etwas Zeit, um einen Trend zu bestätigen. Neben dem bloßen Kursrückgang ist der Death Cross daher auch ein Signal, das den zeitlichen Faktor berücksichtigt und zum Ausdruck bringt, dass die Kurse über einen längeren Zeitraum schwach tendieren.
Das letzte Mal trat ein Death Cross im S&P 500 zu Beginn des Bärenmarktes im März 2022 auf. Allerdings ist die langfristige Statistik des Death Cross nicht sehr erfolgversprechend, da das Signal häufig zu spät auftritt.
Laut einem Artikel von TheStreet vom 15. April 2025 hat der S&P 500 seit 1950 insgesamt 24 Death Crosses erlebt. In 72 % dieser Fälle lag der Index zwölf Monate nach dem Signal höher als zum Zeitpunkt des Death Crosses, mit einer mittleren Rendite von 10,5 %.
Langfristige Unterstützung bei 4.800 Punkten
Der jüngste Kursrückgang im S&P 500 endete bei 4835 Punkten. Auf genau diesem Kursniveau befindet sich der horizontale Unterstützungsbereich, der durch die Allzeithochs aus dem Dezember 2021 und Januar 2022 generiert wird. Zudem wird der Unterstützungsbereich durch die langfristige Aufwärtstrendlinie und die Wochen-EMA-200 (rot) verstärkt. Hinzukommt, dass hier das 50-Prozent-Retracement liegt, ausgehend von dem Tief am Ende des Bärenmarktes im Oktober 2022.

Risk Off Modus hält an
Investoren meiden derzeit risikoreiche Anlagen und Kapital fließt vermehrt in weniger risikoreiche Assets. Am Aktienmarkt ist dies an der Underperformance bzw. relativen Schwäche der offensiven Sektoren zu erkennen und an einer relativen Stärke der defensiven Sektoren. Dieses Muster ist typisch für Bärenmärkte. Erst sobald wir wieder eine Rotation in offensive Sektoren feststellen können, spräche dies für eine nachhaltige Erholung bzw. eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von steigenden Kursen.
Seit Jahresgewinn haben sich defensive Sektoren wie Versorger, Basiskonsumgüter und der Gesundheitssektor deutlich besser entwickelt als der breite Markt. Die ersten beiden dieser Sektoren befinden sich auf YTD-Basis sogar im Plus. Die offensiven Sektoren wie Zykliker oder Technologie zeigen hingegen deutliche Schwäche. In den letzten Tagen war dieses Bild etwas uneinheitlicher. Sollte hier in den kommenden Tagen kurzfristige relative Stärke oder relative Schwäche in den offensiven Marktsektoren auftreten, wäre dies ein wichtiges Signal für den breiten Markt.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 21.04.2025
