Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Die positive Stimmung an den Aktienmärkten hat sich in der vergangenen Handelswoche fortgesetzt. Der Nasdaq 100 Index stieg auf Wochenbasis 2,2 Prozent an und markierte mit einem Schlusskurs von 24.626 Punkten ein erneutes Allzeithoch. Der Zinsentscheid der Fed und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen bis Jahresende waren einer der wichtigsten Treiber der jüngsten Rally.
Nasdaq 100 steigt unter Rekord-Volumen
Der Nasdaq 100 befindet sich seit Jahresbeginn mittlerweile 17,2 Prozent im Plus und auf 12-Monatssicht konnte der Technologieindex mehr als 24 % zulegen. Wie Sie auf dem folgenden Wochenchart erkennen, wird die Rally seit April durch einen starken Volumenanstieg begleitet. Nachdem bereits Anfang April der größte Volumenbalken auf Wochenbasis seit vielen Jahren entstand, stieg das Volumen zuletzt mit dem Ausbruch auf das Jahreshoch (letzte Juni-Woche) stark an, ebenso wie letzte Woche nach dem Zinsentscheid der Fed.

Bei einer Rally unter solch starkem Volumen ist die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung sehr hoch, zumindest solange, bis starke Verkäufe oder Umkehrsignale unter hohem Volumen stattfinden.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Nasdaq 100 seit Anfang September wieder relative Stärke aufbauen kann, was nicht nur ein bullisches Signal für den Index selbst darstellt, sondern auch für den breiten Markt. Der folgende Chart zeigt die Relationlinie zwischen dem QQQ (Nasdaq 100 ETF) und dem SPY (S&P 500 ETF). Der Korrelations-Indikator unter dem Chart misst die Korrelation zwischen der Relationslinie und dem S&P 500. Eine Korrelation im positiven Bereich kann dahingehend interpretiert werden, dass der breite Markt von einer Outperformance des Nasdaq 100 profitiert. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Relationslinie steigt, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Aktienmarkt insgesamt steigt.

Zinswende sorgt für Rückenwind bei Technologieaktien
Nach monatelangem Warten hat die Fed am vergangenen Mittwoch, 17. September, erstmals seit Dezember 2024 die Zinsen gesenkt. Der Wechsel von einer restriktiven zu einer lockeren bzw. unterstützenden Geldpolitik kam nicht überraschend, da sich die Anzeichen für eine Lockerung bereits in den vorangegangenen Wochen verdichtet hatten.
Der Technologiesektor dürfte von diesem Paradigmenwechsel besonders stark profitieren. Wachstumsorientierte Technologieunternehmen profitieren direkt von niedrigeren Zinsen, da ihre zukünftigen Cashflows bei geringeren Diskontierungssätzen höher bewertet werden. Dies erklärt teilweise die anhaltende Stärke des Nasdaq 100 trotz der traditionell schwachen September-Performance, die historisch bei -0.6% seit 1990 liegt.
Die Begründung für die geldpolitische Wende liegt primär in der sich verschlechternden Arbeitsmarktlage, die Fed-Chef Jerome Powell als Hauptgrund für die Zinssenkung anführte. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten signalisieren eine deutliche Abkühlung: Im August wurden lediglich 22.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, während die Arbeitslosenquote auf 4,3% anstieg. Diese Zahlen stehen in scharfem Kontrast zu den robusten Beschäftigungszuwächsen der vergangenen Jahre und deuten auf eine merkliche Abkühlung der Wirtschaftsdynamik hin. Bemerkenswert ist zudem die Revision der Juni-Daten auf -13.000 Arbeitsplätze, was die zunehmende Schwäche des Arbeitsmarktes unterstreicht.
Weitere Zinssenkungen werden erwartet
Während der jüngste Zinsschritt kaum einen Marktteilnehmer überrascht hatte, sorgt die Aussicht auf weitere Zinssenkungen für eine anhaltend positive Stimmung. Jerome Powell und andere Fed-Vertreter haben signalisiert, dass weitere Senkungen um insgesamt 50 Basispunkte bis zum Jahresende möglich sind, was dem Technologiesektor zusätzlichen Rückenwind verleihen könnte. Genau diese Erwartungshaltung spiegelt sich bereits in den Zinsmärkten wider, wo kurzfristige Zinsen für die beiden verbleibenden Fed-Sitzungen in diesem Jahr Senkungen einpreisen.
Geopolitik und Handelsstreit
Trotz der positiven Entwicklungen an der “Zinsfront” dürfen die anhaltenden Spannungen in der Geo- und Handelspolitik nicht vergessen werden. Die US-Zollpolitik und deren inflationäre Auswirkungen schaffen ein komplexes Umfeld, in dem die Fed zwischen Wachstumsunterstützung und Inflationskontrolle navigieren muss. Besonders relevant für den Technologiesektor sind dabei die Auswirkungen auf die Halbleiterindustrie, wo Spannungen mit China und die damit verbundenen Technologiebeschränkungen ein potentieller Belastungsfaktor bleiben.
Bullische Signale bei Magnificent 7 Aktien
Mit einer Indexgewichtung von rund 60 % bleibt die Entwicklung der Magnificent Seven Aktien einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung des Nasdaq 100 Index. Während sich alle sieben Aktien in deutlichen primären Aufwärtstrends befinden, sahen wir insbesondere in den letzten beiden Wochen einige unternehmensspezifische und charttechnische Entwicklungen, die für neuen Aufwind sorgten.
Apple Aktie profitiert von starker iPhone 17 Nachfrage
Die Apple-Aktie konnte in der vergangenen Handelswoche deutlich zulegen und hat damit ihre bisherigen Jahresverluste fast vollständig aufgeholt. Ausschlaggebend waren optimistische Analystenkommentare und Berichte über starke Nachfrage nach dem neuesten iPhone-Modell, was das Vertrauen in Apples Umsatzperspektiven stärkte.
Nvidia investiert in Intel
Einen wahren Paukenschlag gab es letzte Woche in der Chipbranche: Nvidia investiert 5 Mrd. USD in Intel und wird damit voraussichtlich einen Anteil von rund 4 % an Intel halten. Beide Unternehmen planen, bei der Entwicklung neuer Chips für Rechenzentren und PCs zu kooperieren, um Nvidias KI- und Grafik-Technologie mit Intels Prozessor-Know-how zu vereinen. Trotz der Partnerschaft bleibt Nvidia vorerst bei TSMC als Fertigungspartner für seine fortschrittlichsten KI-Chips. Auf Wochenbasis konnte die Nvidia-Aktie zwar unterm Strich nicht zulegen, nach einer Performance von mehr als 100 % seit dem Tief im April ist eine Verschnaufpause aber auch mehr als überfällig und wenig überraschend.
Positive Nachrichten für Microsoft
Für Microsoft gab es kürzlich Erleichterung auf der regulatorischen Seite: Die EU-Kommission akzeptierte Microsofts Zugeständnisse bezüglich der Bündelung von Teams mit Office, womit eine drohende Wettbewerbsstrafe abgewendet wurde. Die Microsoft-Aktie legte daraufhin zu, da ein Unsicherheitsfaktor beseitigt war und das wichtige Cloud- und Softwaregeschäft ungestört weiterlaufen kann.
Tesla Aktie mit wichtigem Ausbruch
Die Tesla-Aktie führt mit einem Plus von 7,6 % die Gewinnerliste der Magnificent 7 der letzten Woche an. Tesla profitierte zum einen von der allgemeinen “Risk-On” Stimmung (sprich: der Risikoappetit für Wachstumsaktien steigt, was High-Beta-Aktien wie Tesla Auftrieb gibt). Zudem sorgten Berichte über Fortschritte beim autonomen Fahren und Nachrichten bzgl. möglicher Auslieferungszahlen des Tesla-Roboters Optimismus für positive Stimmung.
Mit dem Anstieg über die 350-USD-Marke gelang der Tesla-Aktie ein wichtiger charttechnischer Ausbruch aus der mehrere Monate andauernden Konsolidierungsformation.

Google Aktie explodiert weiter
Google kündigte eine umfangreiche Partnerschaft mit PayPal an, um mithilfe von KI den Bereich digitale Zahlungen neu zu gestalten. PayPals Bezahllösungen (u.a. Checkout und Payout-Services) sollen über mehrere Google-Plattformen hinweg integriert werden, von Cloud-Diensten über Werbung bis YouTube. Gleichzeitig bringt Google seine KI-Expertise ein, um die Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit der Zahlungsvorgänge zu verbessern. Die Kooperation der beiden Branchengrößen zeigt, dass Tech-Konzerne ihre Investitionen in KI weiter hochfahren und neue Geschäftsfelder erschließen. Die Google-Aktie stieg letzte Woche 5,8 % an und setzte ihren Aufwärtstrend ungebremst fort.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 22.09.2025

