Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie Ihre Anlagestrategie stabiler und kalkulierbarer gestalten können, ohne dabei auf die Chance auf regelmäßige Erträge zu verzichten?
Vorzugsaktien stellen beispielsweise eine weniger bekannte, aber besonders attraktive Anlageform dar. Sie kombinieren Vorteile von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren und bieten dabei ein höheres Maß an Sicherheit und planbare Einkünfte.
Am Ende dieses Artikels werden Sie nicht nur verstehen, wie Vorzugsaktien funktionieren, sondern auch, wie sie optimal in Ihre langfristige Anlagestrategie eingebunden werden können.
Das wichtigste in Kürze
- Vorzugsaktien bieten höhere Dividenden, aber kein Stimmrecht.
- Sie eignen sich besonders für sicherheitsorientierte Anleger, die regelmäßige Erträge suchen.
- Vorzugsaktionäre haben Vorrang bei Dividenden und im Insolvenzfall.
- Nachteile: Begrenztes Kurspotenzial und eine hohe Abhängigkeit von Zinsentwicklungen.
Was sind Vorzugsaktien?
Vorzugsaktien, auch als „Preferred Shares“ bezeichnet, sind eine spezielle Form von Aktien, die eine vorrangige Stellung gegenüber den herkömmlichen Stammaktien haben, insbesondere wenn es um Dividenden und die Verteilung des Unternehmensvermögens im Insolvenzfall geht.
Der entscheidende Unterschied zwischen Vorzugs- und Stammaktien liegt darin, dass Vorzugsaktionäre in der Regel kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung eines Unternehmens besitzen.
Für viele Anleger, die sich eher auf den finanziellen Aspekt ihrer Investition konzentrieren, ist das fehlende Stimmrecht jedoch weniger relevant, weil Preferred Shares dafür andere, attraktivere Eigenschaften bieten.

Während die Dividendenzahlungen bei Stammaktien von den jährlichen Unternehmensgewinnen abhängen und variabel sind, bieten Vorzugsaktien oft festgelegte Dividenden, die in der Regel höher und vor allem verlässlicher sind.
Das macht sie besonders attraktiv für Anleger, die auf regelmäßige Erträge angewiesen sind oder eine stabilere Einkommensquelle suchen, wie beispielsweise Rentner oder sicherheitsbewusste Investoren. Preferred Shares können als eine Art Mischform aus Aktien und Anleihen betrachtet werden, da sie sowohl die Eigenschaften einer Aktie als auch eines festverzinslichen Wertpapiers aufweisen.
Ein weiteres wesentliches Merkmal von Vorzugsaktien ist ihre geringere Volatilität im Vergleich zu Stammaktien. Preffered Shares reagieren weniger empfindlich auf die Schwankungen an den Börsen und sind daher stabiler.
Dies ist besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten von Vorteil, in denen Anleger eher auf Sicherheit setzen wollen. In solchen Phasen zeigen sich die Vorzüge von Preferred Shares, die neben der Kursstabilität auch eine verlässlichere Dividendenzahlung bieten.
| Eigenschaft | Vorzugsaktien | Stammaktien |
| Stimmrecht | Kein Stimmrecht | Stimmrecht auf Hauptversammlungen |
| Dividenden | Höhere, festgelegte Dividenden, bevorzugte Auszahlung | Variabel, abhängig vom Unternehmen |
| Kurspotenzial | Geringere Volatilität, begrenztes Wachstumspotenzial | Höhere Volatilität, größeres Wachstumspotenzial |
| Rang bei Insolvenz | Vorrang vor Stammaktionären | Nachrangig gegenüber Vorzugsaktionären |
| Zinsabhängigkeit | Anfälliger gegenüber Zinsänderungen | Weniger anfällig |
Warum Vorzugsaktien für sicherheitsbewusste Anleger attraktiv sind
Für sicherheitsorientierte Anleger, die vor allem auf Stabilität und regelmäßige Erträge Wert legen, stellen Preferred Shares eine besonders attraktive Anlageform dar. Im Gegensatz zu Stammaktien, deren Wert erheblich schwanken kann, bieten Vorzugsaktien oft eine stabilere Kursentwicklung, da sie weniger von spekulativen Einflüssen oder kurzfristigen Marktentwicklungen betroffen sind.
Diese Stabilität resultiert teilweise aus der Struktur der Vorzugsanteilen, die eher einem festverzinslichen Wertpapier ähneln. Anleger, die Preferred Shares halten, können sich auf die regelmäßigen Dividenden verlassen, unabhängig von der Performance des Unternehmens in einem bestimmten Jahr.
Dies macht Vorzugsaktien besonders attraktiv für langfristige Investoren, die ein stabiles Einkommen aus ihren Anlagen erwarten.
Ein weiterer Vorteil von Preferred Shares ist die bevorzugte Behandlung im Falle einer Unternehmensinsolvenz. Sollten finanzielle Schwierigkeiten auftreten, haben Vorzugsaktionäre Vorrang bei der Auszahlung von Unternehmensvermögen im Vergleich zu den Stammaktionären.
Dies bietet zusätzliche Sicherheit, besonders in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten.
Gut zu wissen:
Vorzugsaktien bieten stabile Dividenden und eine geringere Kursvolatilität im Vergleich zu Stammaktien, während sie im Insolvenzfall bevorzugt behandelt werden
Arten von Vorzugsaktien
Nicht alle Preferred Shares sind gleich. Es gibt verschiedene Arten, die jeweils unterschiedliche Vorteile bieten und für unterschiedliche Anlagestrategien geeignet sind.
Die wichtigsten Typen von Vorzugsaktien sind kumulative, partizipierende, wandelbare und kündbare Preffered Shares. Im Folgenden ist eine detaillierte Betrachtung dieser Varianten aufgelistet:
- Kumulative Vorzugsaktien: Diese Aktien garantieren dem Anleger, dass nicht ausgezahlte Dividenden aus Vorjahren nachträglich gezahlt werden, bevor neue Dividenden an die Stammaktionäre ausgeschüttet werden. Diese Art von Preferred Shares bietet daher eine zusätzliche Sicherheit für den Investor, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Unternehmen möglicherweise keine Dividenden ausschütten können. Wenn sich das Unternehmen erholt, erhalten die kumulativen Vorzugsaktionäre rückwirkend ihre fälligen Dividenden.
- Partizipierende Vorzugsaktien: Diese Aktien bieten zusätzlich zu den festen Dividenden die Möglichkeit, an außergewöhnlichen Gewinnen des Unternehmens zu partizipieren. Das bedeutet, dass Sie als Inhaber partizipierender Vorzugsaktien neben der fixen Dividende auch eine Bonusdividende erhalten, wenn das Unternehmen besonders profitabel ist. Diese Art von Vorzugsanteilen eignet sich für Anleger, die sowohl eine stabile Dividende als auch die Chance auf höhere Erträge durch Unternehmensgewinne suchen.
- Wandelbare Vorzugsaktien: Wandelbare Vorzugsaktien bieten dem Anleger die Möglichkeit, seine Preffered Shares zu einem festgelegten Verhältnis in Stammaktien umzuwandeln. Diese Art von Preferred Shares ist ideal für Anleger, die langfristig von einer positiven Kursentwicklung der Stammaktien profitieren möchten, ohne sofort das Risiko einer Stammaktie eingehen zu wollen. Wandelbare Vorzugsaktien vereinen also Sicherheit und Wachstumspotenzial, indem sie dem Anleger die Option bieten, bei einer günstigen Kursentwicklung in Stammaktien zu wechseln.
- Kündbare Vorzugsaktien: Diese Variante gibt dem Unternehmen das Recht, die Preferred Shares zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem vorher festgelegten Preis zurückzukaufen. Für das Unternehmen bietet dies die Möglichkeit, sich flexibel an veränderte finanzielle Rahmenbedingungen anzupassen. Für den Anleger besteht jedoch das Risiko, dass er seine Anteile zu einem Zeitpunkt verliert, der nicht seinen Interessen entspricht, was die langfristige Planung erschweren kann.
Jede dieser Arten von Vorzugsaktien bietet spezifische Vorteile und Risiken, und Anleger sollten die für ihre Bedürfnisse und Anlageziele am besten geeignete Variante wählen.

Warum Vorzugsaktien als Alternative zu Anleihen gelten
Vorzugsaktien werden oft als Alternative zu Anleihen angesehen. Doch warum eigentlich? Beide Anlageformen bieten feste Erträge und gelten als stabiler im Vergleich zu den schwankungsanfälligeren Stammaktien.
Die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Preferred Shares und Anleihen liegen in der Art der Erträge, dem Kursverhalten und dem Rang bei der Insolvenz.
Zunächst bieten sowohl Vorzugsaktien als auch Anleihen eine relativ verlässliche Einkommensquelle. Während Anleihen durch festgelegte Zinserträge stabile Renditen liefern, bieten Preferred Shares oft höhere Dividendenrenditen.
Zudem sind die Dividenden bei Vorzugsanteilen vorrangig, was bedeutet, dass Vorzugsaktionäre im Insolvenzfall oder in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten eine bevorzugte Auszahlung erhalten.
Ein weiterer Vorteil von Preferred Shares gegenüber Anleihen ist die Beteiligung am Unternehmenserfolg. Während Anleihen rein als Schuldtitel fungieren und dem Anleger einen festen Zinssatz ohne direkte Beteiligung am Unternehmenserfolg bieten, ermöglichen Preffered Shares eine gewinnabhängige Dividende sowie das Potenzial für Kursgewinne, insbesondere bei wandelbaren Preferred Shares.
Dies macht sie für Anleger attraktiv, die auf langfristige Ertragssteigerungen setzen, aber gleichzeitig eine gewisse Sicherheit und Stabilität in ihrem Portfolio wünschen.
Jedoch gibt es auch Unterschiede. Im Vergleich zu Anleihen sind Vorzugsaktien in Krisenzeiten riskanter, da sie Teil des Eigenkapitals eines Unternehmens sind und im Falle einer Liquidation erst nach den Anleihen bedient werden.
Allerdings stehen sie im Insolvenzfall immer noch vor den Stammaktionären, was ihnen eine gewisse Sicherheit verleiht. Anleger, die höhere Sicherheit wünschen und mit niedrigeren Erträgen zufrieden sind, könnten sich eher für Anleihen entscheiden, während diejenigen, die etwas mehr Risiko für höhere Erträge in Kauf nehmen, Preferred Shares bevorzugen.
| Eigenschaft | Vorzugsaktien | Anleihen |
| Ertrag | Höhere Dividenden | Feste Zinserträge |
| Rang bei Insolvenz | Nachrangig gegenüber Anleihen | Vorrang bei Insolvenzen |
| Kursschwankungen | Geringere Volatilität als Stammaktien | Kaum Kursschwankungen |
| Mitspracherecht | Kein Stimmrecht | Kein Stimmrecht |
| Wachstumspotenzial | Mäßiges Potenzial bei Kurssteigerungen | Kein Wachstumspotenzial |
Beispiele für bekannte Vorzugsaktien
Im Folgenden werden einige bekannte Beispiele für Vorzugsaktien aufgelistet, die sich durch ihre Stabilität und Dividendenstärke auszeichnen:
Volkswagen
Volkswagen ist einer der größten Automobilhersteller weltweit, bekannt für Marken wie Audi, Porsche und VW. Bei Volkswagen unterscheiden sich die beiden Aktienklassen vor allem in Bezug auf die Stimmrechte und die Dividendenhöhe.
Während die Stammaktie (ISIN: DE0007664005) über ein Stimmrecht verfügt, das den Aktionären eine Beteiligung an den Entscheidungen des Unternehmens ermöglicht, bietet die Vorzugsaktie (ISIN: DE0007664039) kein Stimmrecht.
Die Volkswagen AG hat für das Geschäftsjahr 2023 eine Dividende von 9,00 € je Stammaktie und 9,06 € je Vorzugsaktie beschlossen, was einer Ausschüttungsquote von 28 % entspricht.
Alphabet
Alphabet Inc., die Muttergesellschaft von Google, ist ein weltweit führendes Technologieunternehmen, das in Bereichen wie Suchmaschinen, digitale Werbung, Cloud-Computing und künstlicher Intelligenz dominiert. Zu den bekanntesten Produkten und Dienstleistungen zählen Google Search, YouTube, Android und die Google Cloud Platform.
Alphabet hat drei Arten von Aktien im Umlauf: Class A (Stammaktien), Class B (nicht öffentlich handelbare Aktien )und Class C (Vorzugsaktien).
Die Unterschiede zwischen den Aktienklassen sind:
- Class A-Aktien (ISIN: US02079K3059)
Diese Aktien sind öffentlich handelbar und gewähren den Aktionären jeweils ein Stimmrecht pro Aktie. Sie ermöglichen es Anlegern, bei Hauptversammlungen an wichtigen Entscheidungen des Unternehmens teilzunehmen. - Class B-Aktien (nicht öffentlich handelbar)
Diese Aktien werden ausschließlich von den Gründern Larry Page, Sergey Brin und einigen Insidern des Unternehmens gehalten. Jede Class B-Aktie gewährt 10 Stimmrechte, wodurch die Gründer ihre Kontrolle über die Unternehmensführung sichern können. Diese Aktien sind nicht an der Börse handelbar und machen Alphabet zu einem der wenigen Technologieunternehmen mit einer solch starken Machtkonzentration. - Class C-Aktien (ISIN: US02079K1079)
Class C-Aktien haben keine Stimmrechte, sind aber öffentlich handelbar. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit, von Alphabets Wachstum zu profitieren, ohne Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen zu nehmen.
Sixt
Sixt SE ist ein international führendes Unternehmen im Bereich Mobilität und bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen wie Autovermietung, Leasing und Carsharing an.
Mit einer Präsenz in über 100 Ländern hat sich Sixt einen Namen als innovativer Anbieter gemacht, der mit flexiblen und digitalen Lösungen auf die wachsende Nachfrage nach Mobilitätsdiensten reagiert.
Das Unternehmen profitiert von Trends wie der Urbanisierung und der zunehmenden Nutzung von Mobilitätsdienstleistungen statt traditionellem Autobesitz.
Die Stammaktie (ISIN: DE0007231326) gewährt ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung, während die Vorzugsaktie (ISIN: DE0007231334) ohne Stimmrecht ausgestattet ist.
Vorzugsaktien erhalten in der Regel eine etwas höhere Dividende. Für das Geschäftsjahr 2023 beschloss Sixt eine Dividende von 3,90 € je Stammaktie und 3,92 € je Vorzugsaktie.
Das kann CapTrader:
CapTrader zeichnet sich durch eine transparente und kostengünstige Gebührenstruktur sowie die Möglichkeit, an über 150 Börsen weltweit zu investieren, aus. Es fallen keine Depotführungsgebühren an, und US-Aktien können für nur $0,01 pro Aktie gehandelt werden (mindestens $2 an US-Börsen). Optionen an US-Optionsbörsen kosten $3,50 pro Kontrakt. Versteckte Kosten gibt es nicht.
Fazit: Wann lohnen sich Vorzugsaktien für Anleger?
Vorzugsaktien bieten eine attraktive Möglichkeit, höhere und stabilere Dividenden zu erhalten, während gleichzeitig das Risiko im Vergleich zu Stammaktien reduziert wird.
Besonders für sicherheitsbewusste Anleger, die auf regelmäßige Erträge angewiesen sind, können Vorzugsanteile eine solide Ergänzung im Portfolio sein. Sie sind weniger volatil und bieten zusätzlichen Schutz im Insolvenzfall. Das fehlende Stimmrecht und das geringere Kurspotenzial können jedoch für einige Anleger ein Nachteil sein.
Diese Aktienform eignet sich besonders gut für langfristig orientierte Anleger, die auf konstante Einkünfte angewiesen sind, ohne sich aktiv in die Unternehmensführung einbringen zu wollen. Wenn Sie nach einer defensiven Anlagestrategie suchen und stabile Erträge schätzen, sind Preferred Shares eine sinnvolle Option.


