Die Wheel-Strategie ist eine beliebte Optionsstrategie, die darauf abzielt, mit der Kombination aus Cash Secured Puts und Covered Calls eine Zusatzrendite für das bestehende Aktiendepot zu erzielen. Wie dies genau funktioniert, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag von Gastautor Alexander Eichhorn.
Ablauf der Wheel-Strategie
Die Wheel-Strategie besteht aus den zwei Optionsstrategien Cash Secured Put und Covered Call. Dabei ist die Wheel-Strategie wie folgt aufgebaut:
- Optimale Aktienauswahl: Der erste Schritt liegt in der Aktienauswahl. Hauptvoraussetzung für die Wheel-Strategie ist der Kaufwunsch einer Aktie zu einem gewissen Kurs. Da sich eine Option in der Regel auf 100 Aktien bezieht, sollte ausreichend Cash auf dem Konto sein.
Beispiel: Eine 50er Put-Option ist ein Investment von 5.000 USD (100 Aktien * 50er Strike-Preis). Außerdem sollte die Aktienauswahl nicht zu spekulativ sein, da eine Insolvenz des Unternehmens trotz Einsatz der Wheel-Strategie zu großen Verlusten führen wird. Grundsätzlich funktioniert die Strategie mit allen veroptionierbaren Underlyings, also auch mit ETFs.
Wichtig: Wählen Sie nur Aktien für die Wheel-Strategie aus, die auch für Ihr Langfristdepot geeignet sind!
- Handel eines Cash Secured Puts: Bei einem Cash Secured Put ist das Ziel Aktien zu einem günstigeren Einstiegskurs zu erwerben, indem eine Out-of-the-Money Put-Option verkauft wird. Für diese Put-Option erhält der Stillhalter eine Optionsprämie, so dass er für die Wartezeit auf den günstigeren Einstiegskurs vergütet wird. Verfällt am Ende der Laufzeit die Put-Option wertlos, so kann der Vorgang wiederholt werden und eine neue Put-Option kann verkauft werden. Notiert die Option aber am Ende der Laufzeit im Geld, so werden 100 Aktien eingebucht. Und bei der Wheel-Strategie folgt nun Schritt 3.
Tipp: Steuerlich gibt es bei Cash Secured Puts ein paar Dinge zu beachten! Steuerberater Frank Konewka hat dazu im Blog auf Trading-Steuerberatung.de einen Beitrag veröffentlicht: zum Blogbeitrag
- Handel eines Covered Calls: Der Investor hält nun 100 Aktien im Depot und möchte diese weiter veroptionieren. Daher verkauft er einen Short Call auf die bestehenden Aktien. Durch den Aktienbesitz von 100 Anteilen ist dieser Short Call abgesichert und man spricht von einem „Covered Call“. Notiert der Call am Ende des Verfalls außerhalb des Geldes und die Option verfällt wertlos, so kann der Investor nochmals einen neuen Covered Call aufsetzen und erneut Prämien einnehmen. Läuft die Option aber ins Geld, so werden die Aktien zum Strike-Preis ausgebucht und es folgt Schritt 4. Die Prämie des Calls darf er aber trotzdem behalten.
- Wiederholung des „Rads“: Der Investor hält nun keine Aktien mehr, da er diese durch einen Covered Call ausgebucht bekommen hat. Er hat das „Rad“ einmal durchlaufen und kann erneut bei Schritt 1 beginnen und neue Aktien für die Wheel-Strategie aussuchen.

Wheel-Strategie mit Index-ETFs
In den vergangenen Jahren hat das Produktsegment der ETFs ein sehr starkes Wachstum erfahren. Im Zuge dieses Erfolges haben die US-Börsen für einige ETFs auch ETF-Optionen angeboten, um die Handelsmöglichkeiten der ETFs weiter zu stärken. Im Regelfall handelt es sich bei einer ETF-Option (wie bei einer Aktie) um einen Kontraktwert von 100 Anteilen, also 1 ETF-Option bezieht sich dann auf 100 ETF-Anteile. Bei ETFs ist somit auch der Handel der Wheel-Strategie möglich!
Im Nachfolgenden listen wir Ihnen die beliebtesten Index-ETFs auf, welche auch liquide mit Optionen handelbar sind:
- S&P 500-ETFs: SPY, IVV, VOO
- Nasdaq-ETF: QQQ
- Russel-2000 ETF: IWM
- Dow Jones-ETF: DIA
- MSCI World Index-ETF: URTH
- DAX-ETF: DAX (ETF, sehr illiquide)
Dazu bieten sich viele Sektoren-/Branchen-ETFs ebenfalls an:
- Technologie-ETF: XLK
- Gesundheitswesen-ETF: XLV
- Biotechnologie-ETF: IBB
- Zyklischer Konsumgüter-ETF: XLY
- Kommunikationstechnologie-ETF: XLC
- Finanzsektor-ETF: XLF
- Energie-ETF: XLE
- Industrie-ETF: XLI
- Nicht-zyklischer Konsumgüter-ETF: XLP
- REIT-ETFs: XLRE, VNQ
Tipp: Auf etfdb.com lassen sich viele weitere ETFs filtern.
Vorteile der Wheel-Strategie:
Die Wheel Strategie bietet mehrere Vorteile. Hier sind einige der wichtigsten Vorteile:
- Passives Einkommen: Die Strategie zielt darauf ab, passives Einkommen aus dem Verkauf von Optionen zu generieren, ohne dass man sehr oft handeln muss.
- Potenziell höhere Renditen: Im Vergleich zum reinen Kauf und Verkauf von Aktien kann die Wheel-Strategie potenziell höhere Renditen bieten, da man zusätzliches Einkommen aus dem Verkauf von Optionen generieren kann.
- Flexibilität: Wenn die Aktie während der Laufzeit der Option unerwartet sinkt, kann man entscheiden, ob man die Aktie behalten oder verkaufen möchte, um den Verlust zu minimieren.
- Langfristige Stabilität: Die Wheel Strategie eignet sich besonders gut für langfristig stabile Aktien, die ein kontinuierliches Wachstum aufweisen und somit ein hohes Potenzial für langfristige Gewinne bieten.
Zusammenfassend bietet die Wheel-Strategie eine Möglichkeit, passives Einkommen zu generieren und gleichzeitig begrenztes Risiko zu haben, was sie zu einer attraktiven Optionshandelsstrategie für langfristige Investoren macht.
Nachteile der Wheel-Strategie:
Obwohl die Wheel-Strategie viele Vorteile bietet, gibt es auch einige Nachteile, die man berücksichtigen sollte. Hier sind einige der wichtigsten Nachteile:
- Begrenztes Gewinnpotential: Durch einen Covered Call werden mögliche Kursgewinne durch die Call-Option begrenzt.
- Beschränkung auf bestimmte Aktien: Die Wheel-Strategie eignet sich am besten für langfristig stabile Aktien, die ein kontinuierliches Wachstum aufweisen. Sie ist daher nicht für alle Arten von Aktien geeignet.
- Risiken im Falle eines starken Kursrückgangs: Obwohl das Risiko begrenzt ist, kann ein starker Kursrückgang der Aktie während der Laufzeit der Option zu einem Verlust führen, wenn man die Aktie zu einem höheren Preis kaufen muss, um die Option zu erfüllen.
- Begrenzter Handlungsspielraum: Wenn man Aktien besitzt, auf die man Optionen verkauft, ist man in gewisser Weise eingeschränkt und kann nicht so flexibel handeln wie bei anderen Optionshandelsstrategien.
- Komplexität: Die Wheel-Strategie erfordert ein grundlegendes Verständnis von Optionen und kann für Anfänger aufgrund der Komplexität der Strategie schwierig zu verstehen sein.
Zusammenfassend gibt es bei der Wheel-Strategie einige Nachteile, insbesondere in Bezug auf begrenztes Gewinnpotential und Risiken im Falle eines starken Kursrückgangs. Es ist wichtig, diese Nachteile zu verstehen und geeignete Maßnahmen zum Risikomanagement zu ergreifen.
Fazit zur Wheel-Strategie
Die Wheel-Strategie kann auf lange Sicht sehr erfolgreich sein, insbesondere wenn sie mit Aktien von Unternehmen umgesetzt wird, die langfristig stabil sind und ein kontinuierliches Wachstum aufweisen. Sie erfordert jedoch ein gewisses Maß an Erfahrung und Wissen im Optionshandel sowie ein solides Verständnis der Funktionsweise des Marktes.






