
von John Perkins ist ein Biografie-ähnliches Werk eines New York Times-Bestsellerautors, der den Finger in die Wunde legt. Der ehemalige Economic Hit Man John Perkins schildert aus seinen persönlichen Erfahrungen und Dingen, die ihm zugetragen wurden, wie mächtige Staaten wie bspw. die USA eine Art wirtschaftliche Kolonialisierung betreiben und damit Abhängigkeit, Leid und Zerstörung über die Welt bringen. Und er muss es wissen, denn er hat in erster Reihe bei eben diesen Praktiken mitgewirkt. Eine Schuld, die immer noch schwer auf ihm wiegt. Aber dieses Buch soll nicht nur Rüge gegen seine ehemaligen Arbeitgeber oder die US-Regierung sein, er möchte den Leserinnen und Lesern auch einen Weg aufzeigen, wie wir unsere Welt vor der endgültigen Zerstörung bewahren können. Ein weiter-so ist für ihn zumindest keine Option. Für seine Äußerungen und sein Wirken erhält er bis heute Morddrohungen, was ihn aber nicht davon abbringt, in gewisser Weise Wiedergutmachung zu betreiben und auf Missstände aufmerksam zu machen.
„In diesem Buch geht es um den Schaden, den ich als Agent in den Diensten der Wirtschaftsmafia angerichtet habe, und um die realitätsverändernden Lektionen, die mit Amazonien erteilte. Im Anschluss beschreibe ich, was ich in den vergangenen 40 Jahren getan habe, um mich meinen Jaguaren zu stellen und das Gelernte anzuwenden, um den Schaden zu beheben, den ich mitverursacht habe. Ich gehe auf die Probleme ein, die durch die derzeit herrschende Gier und Kurzsichtigkeit entstehen. Vor allem aber sage ich Ihnen, was sie tun können. Um ihr Leben zu verändern und allen Menschen zu helfen, harmonischer mit der Natur und miteinander zu leben.“
John Perkins

Er war so ein Economic Hit Man. John Perkins überzeugte als Partner einer Beratungsfirma im Auftrag von Großkonzernen Entwicklungsländer, sich für den Bau von Infrastrukturprojekten bei der Weltbank und anderen von den USA kontrollierten Institutionen zu verschulden. Dieses Procedere führte dann im weiteren Verlauf zu einem Abhängigkeitsverhältnis. Denn diese Institutionen hatten über die Kredite nun wirksame Druckmittel in der Hand, um ihre eigenen oder die Interessen der USA durchzusetzen. Und das eben nicht nur im Land selbst, sondern auch in deren internationalen Vertretungen.
John Perkins erkannt irgendwann, dass sein und auch das Wirken seiner Kollegen im Grunde nichts anderes als eine moderne Form des Kolonialismus war. Das war für ihn der entscheidende Punkt, zu kündigen und davon Abstand zu nehmen. In einem ersten Buch verarbeitete er diese Erfahrungen und führt die Geschichte in diesem Buch nun zu Ende, indem er beschreibt, wie er nun versucht, den verursachten Schaden wiedergutzumachen.
„Er plädiert für eine ‚Wirtschaft des Lebens‘. Diese beseitigt Umweltschäden, saniert verwüstete Gegenden, setzt auf Wiederverwertung und entwickelt neue Technologien, von denen Mensch und Natur profitieren. John Perkins gibt uns eine Strategie an die Hand, wie wir unser Leben ändern und unser Territorium – die Erde – gegen zerstörerische Politiken und Systeme verteidigen können, damit jeder Einzelne zum Erhalt unseres Lebensraums beitragen kann.“
Finanzbuchverlag
Zwölf Jahre hat John Perkins als Economic Hit Man auf Kosten der dritten Welt Geschäfte im Interesse seiner US-amerikanischen Auftraggeber gemacht. Sich mit Menschen und Völkern verständigt und angefreundet, die anschließend, auf sich allein gestellt, zu opfern des Systems wurden, für das er aktiv war. Nach seinem Ausstieg schrieb er dutzende Bücher – direkt oder indirekt – über seine Zeit. Darüber hinaus lehrte er an diversen Universitäten und ist Experte für Umwelt- und Sozialfragen. Dabei hilft ihm sicherlich auch, dass er bei all seinen Einsätzen stets enge Beziehungen aufbaute. Gerade der Schamanismus hatte es ihm dabei angetan und auch darüber berichtet er in diesem Buch.
Dieses Buch sollte auch in gewisser Weise ein Brückenschlag zwischen seinen bisherigen Büchern über indigene Kulturen und seinen Büchern zur Weltwirtschaft werden.
„Wie verwandeln wir eine destruktive Wirtschaft des Todes in eine nachhaltige Wirtschaft des Lebens? Welche Maßnahmen können sie ergreifen, um ihr bestes ich zu sein?“
Marci Shimoff

Heute ist John Perkins Vorsitzender der Non Profit Organisation Dream Change Coalition, deren Anliegen es ist, eine friedliche, gerechte, stabile Welt für künftige Generationen zu schaffen.
Als ehemaliger „Agent im Auftrag der Wirtschaft des Todes“, wie er es selbst bezeichnet, versteht er es heute als seine Pflicht, seine eigenen Vorstellungen zu verändern und alles zu tun, was in seiner Macht steht, um dazu beizutragen, dysfunktionale Systeme so zu verändern, dass sie allen Menschen, Pflanzen und Lebewesen gute Dienste leisten.
Auch für den Begriff Economic Hit Man, findet sich in dem Buch natürlich eine passende Definition:
„Economic Hit Man (EHM) sind hoch bezahlte Experten, die Länder auf der ganzen Welt um Billionen Dollar betrügen. Sie schleusen Geld von der Weltbank, der US Agency for International Development (USAID) und anderen ausländischen „Hilfsorganisationen“ auf die Konten großer Konzerne und in die Taschen weniger reicher Familien, die die natürlichen Rohstoffe unseres Planeten kontrollieren. Die Mittel der Economic Hit Man sind betrügerische Finanzanalysen, Wahlmanipulation, Bestechung, Erpressung, Sex und Mord. Ihr Spiel ist so alt wie die Macht, doch heute, im Zeitalter der Globalisierung, hat es neue und erschreckende Dimensionen angenommen. Ich weiß das, ich war ein EHM.“
John Perkins
Mir persönlich hat dieses Buch mal wieder den Spiegel der Demut und Dankbarkeit vorgehalten. Wie privilegiert wird doch in Europa und gerade in Deutschland leben und handeln können. Eine Beobachtung, die der Autor im tiefen Andengebiet immer wieder machen musste und die ihn zum Grübeln brachte.
Was er allerdings über seine und die Machenschaften seiner Auftraggeber zu Papier bringt, hat mich immer wieder sprachlos gemacht:
„Irgendwann begriff ich jedoch, was ich in Wirklichkeit tat: nämlich mit wirtschaftswissenschaftlichen Hochglanzstudien Regierungschefs von Ländern in aller Welt, die über für US-Unternehmen interessante Ressourcen wie Öl verfügten, davon zu überzeugen, gewaltige Kredite von der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank, der asiatischen Entwicklungsbank oder einer ihrer Schwesternorganisationen anzunehmen. Die Mittel wurden dann verwendet, um Baukonzerne aus den USA mit Infrastrukturprojekten zu beauftragen. Die Kredite stürzten die Länder in hohe Schulden. Um diese abzubezahlen, mussten sie unseren Unternehmen ihr Öl und weitere Ressourcen billig verkaufen und andere Voraussetzungen erfüllen, die im besten Interesse eines entstehenden amerikanischen Präsidenten Weltreichs lagen.
Das Kapital konnten die Länder am Ende nie zurückzahlen. Das war jedoch fester Bestandteil der EHM-Strategie. Wir taten uns mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen, zwangen die Länder, ihre Kredite umzuschulden und ihr Öl und andere Ressourcen billig an unsere Unternehmen abzugeben – ohne ökologische oder soziale Auflagen. Wir überredeten sie dazu, ihre Versorgungsunternehmen, Gefängnisse und Schulen und andere Unternehmen der öffentlichen Hand zu Privatisieren und an US-Investoren zu übergeben. In manchen Fällen zwangen wir sie auch, in den Vereinten Nationen mit Washington gegen Kuba oder ein anderes Land zu stimmen oder dem Pentagon zu erlauben, auf ihrem Boden Militärstützpunkte einzurichten.“
John Perkins
Es beschreibt seinen Weg in den emotionalen Wahnsinn. Innerlich deprimiert und mit Selbsthass erfüllt für all die Dinge, die er täglich tat oder wo er zumindest nichts gegen tun konnte. Das ruinierte ihn, seinen Körper und Geist über Jahre hinweg und kostete ihn letzten Endes wahrscheinlich auch seine Ehe. Vielleicht kam seine Kündigung noch zu rechter Zeit. Viel länger hätte er es wahrscheinlich nicht mehr mitmachen können.
„Ich war froh, nicht mehr Teil dieses furchtbaren Systems zu sein.“
John Perkins
Nachdem er mit diesen und noch vielen weiteren Erkenntnissen erstmals an die Öffentlichkeit wollte, bekam er bereits die ersten Morddrohungen. Noch bevor überhaupt ein Buchvertrag unterschrieben wurde, war bei seinen ehemaligen Auftraggebern schon bekannt, was für ein Risiko er darstellt.
Aber er blieb dabei. Zwar vermied er in seinen ersten Publikationen direkte Verweise auf seine Zeit als Economic Hit Man und verschachtelte die Inhalte. Dennoch engagierte er sich stark als Buchautor und hielt Vorträge, um auf Missstände in den Regionen hinzuweisen, in denen er selbst aktiv war. Er flog auch dorthin zurück, um dort für Versöhnung zu sorgen, wo er persönlich mit Schuld am leid war.
Ein wirklich verrücktes und aufrührendes Werk eines Globalisierungskritikers, der den Finger in die Wunde legt, die vielen wahrscheinlich nicht einmal bewusst sein wird. Die internationale Politik – nicht nur der USA – ist sicherlich ein ziemlich intransparentes Konstrukt, wo nicht immer klar ist, wer hier gerade in wessen Interesse aktiv ist. Was John Perkins hier allerdings aus erster Hand schildert, ist für mich frappierend.
Es geht ihm aber eben nicht nur darum zu rügen. Vielmehr ist er jemand, der sich für mehr Miteinander statt Gegeneinander und für mehr Verständnis statt kolonialisierender Belehrung einsetzt. Im Sinne des Bildes von Condor und Adler, die sich alle Jahre wieder vereinen und eine Brücke zwischen zwei Völkern und Kulturen schlagen, treibt er den Austausch untereinander voran.
Nicht nur, um die kulturelle Vielfalt zu erhalten, sondern auch um Ausbeutung und Elend zu stoppen und wirkliche Wirtschaftsförderung in die dritte Welt zu bringen.
Absolut lesenswert, obgleich es an manches Stellen etwas langwierig und umständlich geschrieben ist. Trotzdem sehr interessant und sicherlich kein Buch, das man mal eben so verschlingt und verarbeitet. Dafür steckt da zu viel drin.
