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Buchcover von „The Wolf of Investing“ mit einem Porträt von Jordan Belfort im Anzug, mit Text und Logos zum Aktienhandel, was das Buch als Bestseller ausweist.

THE WOLF OF INVESTING

Von
Celine
| 13. Mai 2024 |
Literatur
Eine Hand hält ein Buch mit dem Titel „The Wolf of Investing“ von Jordan Belfort, abgebildet vor einem unscharfen Gebäudehintergrund.

von Jordan Belfort verspricht, Einblicke in die Welt der Wall Street zu geben und dabei den Lesern gleichzeitig zu zeigen, wie sie selbst ein Vermögen machen können. Als New York Times Bestseller-Autor und Hauptfigur des Kinohits „The Wolf of Wall Street“ bringt Jordan Belfort zweifellos eine Fülle von Erfahrungen rund um die Finanzbranche mit, sein Gewissen hat er dabei aber bekanntlich immer wieder allzu gerne an der Garderobe abgegeben.

Entsprechend gespannt war ich, inwieweit die Leser in seinem Werk Wissen oder doch nur Entertainment zu erwarten haben.

Eine junge Frau lächelt, während sie im Freien das Buch „The Wolf of Wall Street“ liest.

Das Buch verspricht, schonungslose Ehrlichkeit, die profitabelsten Lektionen des Lebens und alles, was Jordan Belfort je über die Börse gelernt hat, den Lesern auf dem Silbertablett zu liefern. Da darf man an dieser Stelle zumindest neidlos anerkennen, dass der Autor es nicht verlernt hat, zu verkaufen. Die Aufmachung und die Aura, die ihn und sein Wirken umkreisen sind definitiv für viele ein Magnet. Für mich ist es unterm Strich aber deutlich mehr Unterhaltung als leider doch zu wenig Wissen und Tiefe.

Jordan Belfort nimmt die Leser in seinem Buch definitiv mit auf eine Reise durch die Welt der Finanzen und zeigt, dass er durchaus verstanden hat, auch auf ehrliche Art und Weise an der Wall Street Geld zu verdienen. Man darf nun aber keine Raketenwissenschaften erwarten und auch nicht einmal ansatzweise die Tiefe der Werke rund um Benjamin Graham, Warren Buffett, Jeremy Siegel oder James O’Shaughnessy.

Sowohl für Anfänger aber auch für erfahrene Anleger bietet das Buch vor allem eine Vielzahl interessanter Anekdoten, ein paar sinnvolle Kniffe rund um das Investieren, aber leider dann doch zu selten die auf Hochglanz gedruckte und versprochene Strategie, sowohl kurz- als auch langfristig ein beträchtliches Vermögen aufzubauen. Es sind im Kern bereits solche Formulierungen, die einen Anleger mit gesundem Menschenverstand Abstand aufbauen lassen sollten. Oder man stuft dieses Buch eben als genau das ein, was es schlussendlich ist: Entertainment und sanfte Lektüre.

Ähnliche Kritik habe ich bereits vor Jahren an den Werken von André Kostolany geübt und ehrlicherweise nie ganz verstanden, warum diese derart häufig als Wissensquelle empfohlen wurden. Doch im direkten Vergleich sticht André Kostolany Jordan Belfort auf ganzer Linie. Sowohl in der Wissensvermittlung als auch als meiner Sicht in Sachen Unterhaltungsfaktor – wobei Letzteres selbstverständlich höchst individuell zu beurteilen ist.

An dieser Stelle soll man mich bitte nicht falsch verstehen. Ich habe durchaus interessiert in diesem Buch gelesen, aber eben auch nicht mehr. Wenn Jordan Belfort eines verstanden hat, dann ist es Verkaufspsychologie. So ist es ihm auch in diesem Buch wieder gelungen, komplexe Konzepte auf sehr einfache und zugängliche Art und Weise zu erklären. Vor allem stets mit Unterhaltungswert, beschreibt er in seinem ganz eigenen unnachahmlichen, augenzwinkernden Stil, und die Leser folgen ihm. Das macht das Lesen stellenweise zu einem Vergnügen und verleiht seinen Büchern Dynamik. Man fühlt sich mitunter fast wie in einem Kinofilm, während man so durch die Seiten blättert, aber am Ende erwartet man eben auch von einem Kinofilm nur selten, dass er einem auch ein breites Wissen vermittelt.

Was selbstverständlich immer ein wenig mit einem Beigeschmack versehen ist, aber durchaus Würze mitbringt ist die Offenheit, mit der Jordan Belfort auf die „schmutzigen“ Tricks und Geheimnisse der Branche eingeht. Er enthüllt in seinen Büchern vieles von dem, was man von außen wohl immer nur vermutet hat. Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass er nicht nur Teil dessen, sondern auch Nutznießer war.

Eine junge Frau lächelt, während sie im Freien ein Buch liest. Im Hintergrund sind Stadtgebäude mit weichgezeichneter Schärfe zu sehen.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:

Jordan Ross Belfort ist ein amerikanischer Autor, Motivationsredner und ehemaliger Börsenmakler. Seine Karriere war geprägt von Höhen und Tiefen, die ihn zu einer faszinierenden Figur machen, die es selbst nach Hollywood geschafft hat. Im Jahr 1999 bekannte er sich des Betrugs und damit verbundener Straftaten im Zusammenhang mit Börsenmanipulationen und dem Betrieb eines Boiler Room eines Penny-Stocks-Betrugs schuldig. Als Teil einer Vereinbarung mit den Behörden verbrachte Belfort 22 Monate im Gefängnis, nachdem er gegen zahlreiche Partner und Untergebene in seinem Betrugssystem ausgesagt hatte.

Trotz seiner dunklen Vergangenheit gelang es Jordan Belfort, sich dank des enormen öffentlichen Interesses „neu zu erfinden“ und eine erfolgreiche Karriere als Autor und Motivationsredner aufzubauen. Seine Memoiren, "The Wolf of Wall Street", erlangten weltweite Aufmerksamkeit und wurden zu einem Millionen-Bestseller. Die Verfilmung unter der Regie von Martin Scorsese im Jahr 2013, mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, machte Belfort und seine Geschichte noch berühmter.

Auf dieser Grundlage versucht er heute aus seiner Geschichte und seinen Erlebnissen auf ganz unterschiedliche Art und Weise Kapital zu schlagen.

Unabhängig vom Inhalt, konnte mich das Buch auch literarisch nicht immer überzeugen. Irgendwie kam es mir schon beim ersten Aufschlagen etwas komisch vor, dass es gefühlt einfach mittendrin startet. Es gibt keine Einleitung, nicht einmal eine Kapiteleinleitung. Es wird einfach direkt eine Geschichte erzählt und das auch noch mit ziemlich viel Tempo. Man könnte es mit einem Kinofilm vergleichen, der mitten in einer Verfolgungsjagt startet.

Das zeigte im Grunde genommen schon recht schnell, was man von dem weiteren Inhalt erwarten durfte.

Die Bindung des Werkes ist dem Verlag entsprechend hervorragend. Da gibt es nichts auszusetzen. Das Layout im Inneren ist schlicht und hochwertig. Die 25 Euro für etwas mehr als 300 Seiten sind aus meiner Sicht völlig im Rahmen für eine Hardcover Bindung.

Sprachlich erwartet die Leser ein typisches Jordan Belfort Buch. Schon am Inhaltsverzeichnis bekommt man einen Vorgeschmack auf seinen sehr flapsigen Schreibstil. Mir persönlich sagt das nicht besonders zu, aber ich kann mir durchaus vorstellen, welche Zielgruppe das Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich abholt: Leicht empfängliche und etwas übermotivierte Personen, die voll auf den Nimbus eines Jordan Belforts abfahren.

Inhaltlich bleibe ich leider dabei: das Buch ist keine Wucht. Wie der Einstieg schon vermuten ließ, ist es unglaublich viel Qualm und etwas Feuer, aber sehr wenig Substanz. Erst recht kein wissenschaftliches Fundament. Stattdessen bewegt sich alles eher auf der Ebene des Hörensagens. Nichts, was man so oder so ähnlich nicht bereits in Dutzenden anderen Werken lesen konnte. Die einzige Unterscheidung: hier wird es nochmal oberflächlicher und flapsiger vermittelt. Ganz im Stile von Hollywood, aber nicht das, was man sich von einem besonders guten Sachbuch wünschen würde.

Dennoch bleiben der Unterhaltungswert und das stimmige Drumherum, was das Buch in der Wertung noch rettet. Besondere Erkenntnisse darf man sich hier aber nicht erhoffen.

Schlussendlich ist The Wolf of Investing für mich ein unterhaltsames Buch, das an der einen oder anderen Stelle auch nützliches Wissen zum Thema transportiert. Man darf es aus meiner Sicht nur nicht aus den falschen Motiven heraus zu Hand nehmen. Es ist nämlich schlichtweg kein nüchterner und sachlicher Ratgeber und auch keine Investment-Bibel, sondern vielmehr ein amüsantes Einsteiger Buch, das auch dem ein oder anderen Fortgeschrittenem vielleicht ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert.

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