- Diageo ist weltweit einer der größten Player im Bereich der Herstellung von Spirituosen und etablierter Marktführer in einem verlässlichen Geschäftsmodell
- Das Angebot an starken Kernmarken und die Positionierung im Premium-Segment sorgen für eine hohe Kundenloyalität. Im adressierten Markt genießt das britische Unternehmen eine hervorragende Reputation als qualitätsbewusster Hersteller von alkoholischen Getränken
- Diageo diversifiziert sich entlang unterschiedlicher Produktsparten wie Marken und globaler Absatzmärkte und ist in allen relevanten Wachstumsmärkten präsent
- Auf dem aktuellen Preisniveau überzeugt der britische Dividendenaristokrat, der seit 37 Jahren ununterbrochen die Dividende anhebt, durch eine faire Bewertung im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren
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Unternehmensprofil und Geschäftsmodell: Wer ist und was macht Diageo
Den genauen Markstein zu definieren, in welchem Jahr die Geschichte von Diageo beginnt, ist wohl eine persönliche Auslegungssache. Die Wurzeln des heutigen Unternehmens, dass sich im Jahr 1997 aus den beiden Unternehmen Grand Metropolitan und Guinness bildete, reichen laut der Firmenwebsite bis in das Jahr 1627 zurück. Zumindest soll ein Mitglied des einflussreichen, aus Schottland stammenden Haig-Clans sein Geschick als Whisky-Brenner probiert haben. Gesichert ist die Eröffnung der ersten kommerziell betriebenen Whisky-Destillerie John Haig & Co Ltd. in den frühen 1720er Jahren. Die familiäre Bande reichte über die Irische See nach Dublin, wo sich mit der Jameson Destillerie eine spätere Branchengröße etablieren sollte. Übrigens: Jameson steht heute im Besitz von Pernod Ricard, einer der Hauptwettbewerber von Diageo im Spirituosengeschäft.
Abseits davon begann im 18. Jahrhundert, genau genommen im Jahr 1759, Arthur Guinness mit dem Bierbrauen in der legendären Arbeitsstätte St. James’s Gate in Dublin. Das nach ihm benannte Unternehmen Guinness schloss in dieser Zeit den über 9.000 Jahre (!) laufenden Pachtvertrag für 45 Britische Pfund pro Jahr mit der Rainsford-Familie. Seitdem befindet sich auf dem Gelände die Guinness-Brauerei. Guinness ist weit über das ursprüngliche vier Hektar große Grundstück hinausgewachsen und hat daher das Grundstück aufgekauft, wodurch aber auch der 9.000-jährige Pachtvertrag hinfällig wurde.

Im Jahr 1986 schließt sich auch der Kreis zwischen der prominenten Bierbrauerei und des weltweit geschätzten Whisky-Produzenten. Die Assets der Haig Destillerien wurden schließlich als Teil der Muttergesellschaft The Distillers Company vom kleineren Unternehmen Guinness gekauft. Begleitet war diese Transaktion vom sogenannten „Guinness share-trading fraud“, dessen gerichtliche Aufarbeitung zu Haftstrafen für die involvierten Personen führte. Unter den Verurteilten befand sich auch der ehemalige CEO von Guinness. Wie erwähnt schloss sich die Guinness plc mit dem Unternehmen Grand Metropolitan im Jahr 1997 zusammen. Zum damaligen Zeitpunkt agierte Grand Met als Konglomerat aus unterschiedlichsten Beteiligungen in diversen Branchen. Aus dem Getränkebereich wohl am bekanntesten sind die Marken Smirnoff Vodka und Baileys. Ferner dürfte wohl den meisten auch die Fastfood-Kette Burger King ein Begriff sein, die jedoch nach der Formierung von Diageo und der damit einhergehenden strategischen Fokussierung auf den Getränkemarkt im Jahr 2000 abgestoßen wurde.

Mit über 200 Marken und einer Marktpräsenz in mehr als 180 Ländern hat sich Diageo als einer der größten Markenhersteller der Welt etabliert, bei dem mehr als 30.000 Angestellte beschäftigt sind. Diageo besitzt zudem ein Drittel des Premium-Champagner- und Cognacherstellers Moet Hennessy, einer Tochtergesellschaft des französischen Luxusgüterherstellers LVMH, sowie einen Mehrheitsanteil an dem indischen Unternehmen United Spirits.
Nach einer Konsolidierungsphase im Anschluss an den Merger und manchen Deinvestments, die nicht mehr als Bestandteil des Produktportfolios von Diageo betrachtet wurden, steht im Zentrum des Geschäftsmodells die Herstellung und der Vertrieb von alkoholischen Getränken.
Als führendes Unternehmen baut Diageo das Geschäft um sechs globale Marken auf. Bei diesen handelt es sich um Johnnie Walker, Baileys, Smirnoff, Captain Morgan, Tanqueray und Guinness. Diese Marken bezeichnet Diageo als ihre „Global Giants“ in Abgrenzung zu den „Local Stars“ und „Reserve“.
Die geographische Diversifikation von Diageo illustriert die nachfolgende Darstellung. Der größte Absatzmarkt ist Nordamerika, gefolgt von Europa und der Asien-Pazifik-Region. Während in allen Märkten der Anteil an verkauften Spirituosen dominiert, sticht in Europa und insbesondere in Afrika der überproportionale Anteil des Bier-Segments hervor und nimmt in diesen Regionen eine bedeutende Rolle im Vertrieb ein.

Analog zur Verkaufsseite spiegelt ebenso das Netzwerk an Produktionsstätten die breite Diversifikation des geographischen Fußabdrucks von Diageo wider. Das Unternehmen besitzt Produktionsanlagen auf der ganzen Welt, darunter Brennereien, Brauereien, Verpackungsanlagen, Reifungslager, Küfereien und Vertriebslager. Die Marken von Diageo werden auch in Anlagen produziert, die sich im Besitz Dritter befinden und von diesen betrieben werden, sowie in Joint Ventures an mehreren Standorten auf der ganzen Welt.

Die Diversifikation setzt sich im Produktportfolio fort. Ein Beispiel ist die Scotch-Produktgruppe, Diageos größte Spirituosen-Kategorie, welche etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes generiert. Diageos Marktanteil an den weltweiten Scotch Verkäufen beträgt laut dieser Präsentation 37 Prozent.
Durch die Diversifikation entlang aller Produktsegmente kann Diageo auf temporäre Änderungen bzw. neue Trends im Konsumentenverhalten gut reagieren bzw. gegensteuern.

Eine weitere Konsequenz dieser strategischen Fokussierung auf den Premiummarkt ist die zielgerichtete Akquisitionspolitik des britischen Konzerns. Die Unternehmensstrategie von Diageo richtet sich beim anorganischen Wachstum auf kontinuierliche Zukäufe von Premiumherstellern aus, während einzelne Marken aus den preisgünstigeren Segmenten „Standard“ und „Value“ wieder verkauft werden.

An der Eigentümerstruktur von Diageo gibt es keine Besonderheiten festzustellen. Der Anteil der Institutionellen Investoren dominiert und beträgt knapp 70 Prozent. Dieser speist sich für gewöhnlich aus den „üblichen Verdächtigen“ der Vermögensverwalterbranche.
Am 7. Juni verstarb der langjährige CEO Sir Ivan Menezes nach einer Notoperation. Debra Crew, damals Chief Operating Officer und die designierte Nachfolgerin Menezes‘, übernahm mit Wirkung vom 1. Juli 2023 die Geschäftsführung. Davor war die gebürtige US-Amerikanerin in der Branche bei PepsiCo. Kraft Foods, Nestlé, Reynolds Tobacco und Mondelez International in führenden Positionen tätig.

Eigentümerstruktur von Diageo (Quelle: tikr.com)
Branchenprofil und Wettbewerbssituation
Die Charakteristik des Geschäftsmodells von Spirituosenhersteller wie Diageo macht den Vergleich mit der börsennotierten Konkurrenz ist ohne große Einschränkungen möglich. Allfällige differenzierende Faktoren wie beispielsweise der Grad der Internationalisierung, die Gewichtung der einzelnen Absatzsegmente oder Besonderheiten im Produktangebot sind gesondert in einer Detailanalyse zu bewerten. In einem ersten Vergleich entschied mich ich als adäquate Orientierungsgeber für die beiden Mitbewerber Pernod Ricard und Brown-Forman. Auf die Miteinbeziehung von chinesischen Spirituosenhersteller habe ich bewusst verzichtet, da ich mich ausschließlich auf die Analyse von Unternehmen aus Nordamerika und Europa fokussiere. Auf Basis der evaluierten Fundamentaldaten ergibt sich folgende Gegenüberstellung:

Anmerkungen zu den in der Tabelle enthaltenen Werten:
- Grüne bzw. rote Färbung der Zahlen bedeuten ein Wachstum bzw. Rückgang im Vergleich zum Vorjahr
- Alle Werte sind in US-Dollar angeführt, wobei das dargestellte Zahlenwerk zum Stichtag dieser Gegenüberstellung von Diageo (GBP) und Pernod Ricard (Euro) entsprechend zum aktuellen Dollar-Wechselkurs am jeweiligen Betrachtungszeitpunkt abweichen kann
Das Finanz-Lagebild von Diageo
Nachdem wir uns einen Überblick über die Branche im Allgemeinen verschafft sowie das Unternehmen, das Management und den Wettbewerb näher betrachtet haben, blicken wir in die Bilanz und den daraus abgeleiteten Finanzkennzahlen von Diageo. Der Fokus liegt hierbei auf die Aspekte Wachstum, Profitabilität und die Finanzierung.
Zur Analyse des finanziellen Lagebilds sehen wir uns im ersten Schritt die Entwicklung von Umsatz, Gewinn und Free Cash Flow an. Zur unternehmensinternen Verteilung der Umsätze je Segment ging ich bereits weiter oben im Kapitel über das Geschäftsmodell ein. Im Durchschnitt wuchs die Top Line in den letzten fünf Jahren von rund vier Prozent p.a. an.

Beim Gewinn pro Aktie sehen wir seit Jahren eine positive Entwicklung nach oben. Ziehen wir jedoch das abgelaufene Geschäftsjahr 2024 heran, so reduzierte sich der bereinigte Gewinn pro Aktie um ca. 13,5 Prozent (1,42 vs. 1,64 GBP). Diageo erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 3,9 Mrd. USD (2023: 4,5 Mrd. USD). Hinweis: seit einem Jahr bilanziert Diageo in US-Dollar, während früher das Zahlenwerk in Britischen Pfund berichtet wurde.

Der dem Unternehmen zur Verfügung stehende Free Cash Flow (FCF) kann für Investitionen in das eigene Unternehmen für organisches Wachstum, Rückzahlung von Schulden, Expansion via Unternehmenszukäufe, Ausschüttungen von (steigenden) Dividenden oder Aktienrückkäufe verwendet werden. In absoluten Zahlen drückt sich das Finanzbild aus Operativen und Freien Cash Flow sowie Kapitalinvestitionen (CapEx) für den Zeitraum 2016 bis 2023 folgendermaßen aus. Was auffällt ist die beinahe Verdoppelung des CAPEX-Anteils und die damit einhergehenden Effekte auf den FCF seit dem Geschäftsjahr 2022:

Ein Blick auf die Verschuldungssituation zeigt uns, dass auf Basis des letzten Geschäftsjahres Diageo einen Anteil an zinstragenden Finanzverbindlichkeiten von 22,5 Mrd. USD aufweist, dem wiederum liquide Mittel und Wertpapiere von in Summe 1,4 Mrd. USD gegenüberstehen. Teilen wir nun die verbleibenden Nettoschulden von 21,1 Mrd. USD durch das zuletzt erwirtschaftete EBITDA von 6,5 Mrd. USD ergibt sich ein Ratio von 3,2. Dieser Wert liegt (noch) über dem als kritisch erachteten Schwellenwert von 3 (allerdings branchenabhängig). Das Unternehmen peilt einen Verschuldungslevel in einem Zielkorridor vom 2,5- bis 3-fachen EBITDA an.


Um das Thema Verschuldung und Fremdfinanzierung dennoch vollends abzuschließen, macht es Sinn, sich das Zinsprofil und die Fälligkeitsstruktur der laufenden Verbindlichkeiten kurz anzusehen. Schließlich gilt es einzuschätzen, wie vulnerabel das Unternehmen auf die Entwicklung von Leitzinsen erscheint und inwiefern Neufinanzierungen bzw. Umschuldungen der bestehenden Verbindlichkeiten in näherer Zukunft anstehen könnten. Die Gesamtsumme an Fälligkeiten der langfristigen Verbindlichkeiten innerhalb der nächsten drei Jahre beträgt rund fünf Mrd. USD. Standard & Poor‘s bewertet die Bonität von Diageo mit einem Kreditrating im Rang eines Investment Grade A- bei stabilem Ausblick.

Abschließend sei im Zusammenhang mit der Verschuldung von Diageo erwähnt, dass der Getränkekonzern die Verbindlichkeiten zum überwiegenden Teil in drei unterschiedlichen Währungen aufnimmt. Die Zusammensetzung der jeweils in GBP, Euro sowie USD denominierten Schuldverschreibungen geht aus der untenstehenden Grafik hervor:

Zuletzt betrachten wir die Profitabilität von Diageo anhand der Entwicklung von Brutto-, Operativer- und Netto-Margen. Die Stabilität von Brutto- und Operativer-Marge auf hohem Niveau von ca. 60 bzw. 30 Prozent ist als positives Merkmal hervorzuheben. Innerhalb der Branche hat Diageo die höchste Gewinn-Marge.

Chancen & Risiken
Diageo ist weltweit mit unterschiedlichen (Premium-)Marken in verschiedenen Produktsegmenten im Spirituosenbereich vertreten und hat sich ein Vertriebs- wie Produktionsnetzwerk weltweit geschaffen. Mit über 200 Marken und einer Marktpräsenz in mehr als 180 Ländern positioniert sich Diageo als ein arrivierter Global Player, bei dem mehr als 30.000 Angestellte beschäftigt sind. Diageo besitzt zudem ein Drittel des Premium-Champagner- und Cognac-Herstellers Moët Hennessy, einer Tochtergesellschaft des französischen Luxusgüterherstellers LVMH, sowie einen Mehrheitsanteil an dem indischen Unternehmen United Spirits Limited.
Die Positionierung der Produkte von Diageo als Lifestyle-Marken ist in Schwellenländern wie China und Indien von großer Bedeutung. Diageo setzt langfristig auf eine weltweite Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und somit auf eine stetig wachsende Anzahl von Personen mit frei verfügbaren Einkommen, die sich den Konsum von höherpreisigen Alkohol leisten können. Weiters sind die Produkte zum Teil aufgrund von rechtlichen und natürlichen Beschränkungen vor Konkurrenz geschützt. So ist z.B. Scotch eine geschützte Bezeichnung für einen Whisky, der in Schottland destilliert und gereift hat. Auch der erforderliche Reifeprozess dieser Spirituosen schützt Diageo vor Konkurrenz und gestaltet den Markteintritt für branchenfremde Unternehmen unattraktiv.
Im Zukauf und der nachfolgenden Integration der akquirierten Unternehmen in das übergeordnete Geschäftsmodell sammelte Diageo in den letzten Jahrzehnten hinreichend Erfahrung, ohne dabei die finanzielle Gesundheit des Unternehmens ernsthaft zu gefährden. Andererseits liegt der Zinsdienst aktuell höher als in den Jahren zuvor. Die Fälligkeitsstruktur des Fremdkapitals bis 2025 kann in Phasen höherer Refinanzierungskosten die aktuell als solide zu bezeichnende Finanzlage negativ beeinflussen.
Unterschiedliche regulatorische Bestimmungen wie beispielsweise zur Suchtprävention sowie das gesellschaftspolitisch fragwürdige Framing von „Sündenaktien“, darunter fällt neben Tabak oder Glücksspiel auch der Alkohol, sind nicht von der Hand zu weisen. Die in Deutschland eingeführte Sondersteuer auf Alcopop-Getränke ist ein markantes Beispiel für eine anlassbezogene Gesetzgebung, die der staatliche Regulator sprichwörtlich durchboxte. Weitere Veränderungen auf diesem Gebiet können ein schwer kalkulierbares Hemmnis für das Wachstum darstellen.
Zuletzt ist ein geändertes Konsumverhalten bei Alkohol als ein potentieller Risikofaktor anzuführen. Der in der Menge reduzierte Konsum von Alkohol wirkt sich zwar weniger stark auf das hochpreisige Premiumsegment aus, dennoch ist auch – wenngleich im geringen Ausmaß – Diageo mit der Biersparte (insbesondere der Marke Guinness) gegenüber diesem Risiko exponiert. Kein Wunder, dass sich das britische Unternehmen recht umtriebig bei Akquisitionen von alkoholfreien Spirituosenherstellern zeigt.
Aktuelle Bewertung der Diageo Aktie
Für die Bewertung von Unternehmen ziehe ich den sogenannten Enterprise Value (EV) heran. Der EV kennzeichnet bei einer Übernahme den Betrag, der für den Kauf des betriebsnotwendigen Vermögens benötigt wird und das nicht-betriebsnotwendige Vermögen herausrechnet. Diese Kennzahl setze ich ins Verhältnis zur operativen Ertragskraft (vor Steuern, Zinsen und Investitionen (CAPEX)), ausgedrückt durch das EBITDA. Die vorherrschende Meinung besagt, dass ein Wert von unter 10 eine „gesunde Bewertung“ signalisiert – wie immer bei generischen Daumenregeln muss der unternehmensindividuelle Kontext in der Analyse vom sorgfältigen Investor selbst mitgedacht werden. Im Anwendungsfall von Diageo müssen wir für ein ähnliches Bewertungsergebnis von 14,2 bis in das Jahr 2020 zurückblicken:

Der maximale Rückgang in den letzten sechs Jahren betrug ca. 38 Prozent vor wenigen Wochen im heurigen Jahr:

In den letzten sechs Jahren brachte ein Investment in Diageo gemessen am Total Return, also inklusive erhaltener Dividenden, eine Gesamt-Performance von mageren 1,3 Prozent für den Anleger. Gerechnet auf die letzten zehn Jahre beläuft sich die Gesamtrendite auf immerhin 39,7 Prozent:

Kapitalallokation von Diageo
Seit mittlerweile 37 Jahren zahlt Diageo eine jährlich höhere Dividende an seine Aktionäre. Damit darf sich Diageo zum erlauchten Kreis der in ihrer Anzahl überschaubaren Dividendenaristokraten aus Europa zählen, die ihre Ausschüttungen an die Aktionäre jedes Jahr für mindestens 25 Jahre erhöht haben. Errechnen lassen sich die 37 Jahre, wenn man die Dividendenhistorie der Vorgängerunternehmen hinzuzählt. Diageo selbst wurde erst im Jahr 1997 offiziell gegründet.

Bei einem aktuellen Kurs von 24,58 GBP errechnet sich eine Dividendenrendite von 3,23 Prozent. Die Fünfjahres-Dividendenwachstumsrate beträgt 4,1 Prozent p.a. bzw. 5,4 Prozent p.a. im Zehnjahres-Zeitraum. Das Unternehmen erhöhte zuletzt Ende Juli um fünf Prozent die Dividende. Zum Abrunden noch die letzten fünf Dividendenerhöhungen im Überblick:
- 2023: 5 %
- 2022: 5 %
- 2021: 3,8 %
- 2020: 1,9 %
- 2019: 5 %
Die Dividendenzahlungen erfolgen als Zwischen- und Schlussdividende halbjährlich im April und Oktober. Das Verhältnis der Ausschüttungen beträgt in der Regel 40:60.
Ziehen wir den Durchschnittswert des Free Cash Flow der letzten drei Jahre als Grundlage für die Ermittlung der Ausschüttungsquote heran, landen wir bei einem komfortablen Ergebnis von 77,1 Prozent für das Payout Ratio von Diageo. Auf das Jahresergebnis des Geschäftsjahres 2024 bezogen ergibt sich ein Wert von 85,6 Prozent. In den vergangenen sechs Jahren reduzierte sich die Anzahl an ausstehenden Aktien zusammengerechnet um 9,7 Prozent.

Das letzte Aktienrückkaufprogramm im Ausmaß von einer Milliarde USD wurde mit dem Ende des Geschäftsjahres 2024 (1.7.2023 bis 30.6.2024) abgeschlossen und alle zurückgekauften Aktien vernichtet. Dieses Instrument nutzt Diageo flexibel, um überschüssiges Kapital an die Aktionäre rückzuführen. Aktuell steht der Abbau der Verschuldung im Fokus.
Fazit: Überlegungen für meine Entscheidung in Diageo zu investieren
Dank eines Portfolios mit starken Marken nimmt Diageo eine marktführende Stellung im Vergleich mit dem Branchenwettbewerb ein. Der britische Spirituosenhersteller hat sich in attraktive Märkte mit Wachstumschancen bei gleichzeitig geographisch guter Diversifizierung positioniert. Die Mischung aus langfristig stabilen Erträgen und Cash-Flows aus dem Kerngeschäft sowie hochwertigen Beteiligungen (Moët Hennessy, United Spirits) stellen auf dem aktuellen Bewertungsniveau für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont einen attraktiven Kaufzeitpunkt dar.
Trotz aktueller Herausforderungen in der Branche und einer belastenden Konsumfreude zeigt das Unternehmen eine robuste finanzielle Performance. Diageo bleibt ein bedeutender Akteur im globalen Getränkemarkt und hat sich gut in Stellung gebracht, um zukünftig Chancen für Wachstum mit Premiumprodukten in den Kategorien Gin, Tequila und Whisky zu nutzen. Eine progressive Kapitalallokationspolitik aus Akquisitionen, Dividendenwachstum und Aktienrückkäufen gibt es obendrauf.

