Das Jahr 2025 beginnt mit einer außergewöhnlichen Marktsituation: Ein niedriger VIX und ein überbewerteter US-Aktienmarkt werfen Fragen zur Stabilität und möglichen Marktbewegungen auf. Obwohl niemand den genauen Zeitpunkt einer Korrektur vorhersagen kann, zeigen historische Daten, dass das erste Quartal häufig von einem Anstieg der Volatilität geprägt ist.
In diesem Beitrag beleuchten wir, wie sich Optionshändler auf diese Phase vorbereiten können. Mit durchdachten Hedging-Strategien, die auf den VIX abzielen – wie Short Puts oder Bull Call Spreads – lassen sich nicht nur Risiken absichern, sondern auch Chancen auf moderate Gewinne nutzen. Anstatt auf extreme Szenarien wie einen VIX von 60 zu spekulieren, stehen praxistaugliche Ansätze im Fokus, die auf realistische Marktbewegungen abzielen. Welche VIX-Strategien Alexander Eichhorn aktuell für profitabel hält, zeigt er in diesem Blogbeitrag.
Sind die Märkte heiß gelaufen?
Im Jahr 2024 verzeichnete der S&P 500 eine beeindruckende Performance mit einem Anstieg von nahezu 24 %. Der aktuelle Abstand zwischen dem S&P 500 und seinem 200-Wochen-EMA liegt bei etwa 23 %, was aus historischer Perspektive einen außergewöhnlich hohen Wert darstellt.

Der S&P 500 hat im vergangenen Jahr eine beeindruckende Rallye hingelegt, die jedoch möglicherweise Anzeichen von Überhitzung zeigt. Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass Bullenmärkte oft über längere Zeiträume andauern können und die Marktstimmung lange gierig bleiben kann. Ein rein passives Abwarten auf eine Korrektur oder einen Crash halten wir daher für wenig zielführend. Stattdessen erwarten wir im ersten Quartal einen moderaten Anstieg der Volatilität. Mit den im Folgenden vorgestellten Kombinationstrades lässt sich zudem von einer stabilen Volatilität profitieren, wodurch zusätzliche Chancen entstehen.
VIX-Anstieg im ersten Quartal?
Der US-Aktienmarkt ist derzeit hoch bewertet, das steht außer Frage. Allerdings ist der Zeitpunkt einer möglichen Korrektur ungewiss und könnte sich über Wochen oder sogar Monate hinauszögern. Aus diesem Grund betrachten wir es als wenig sinnvoll, den Aktienmarkt blind zu shorten.

Stattdessen bevorzugen wir den Einsatz diversifizierter Hedging-Trades auf den VIX, da dieser statistisch gesehen auf einen baldigen Anstieg hindeutet. Historisch betrachtet zeigte der VIX in den vergangenen Jahren zwischen Januar und März regelmäßig Werte von über 20. Die einzige Ausnahme war 2017, als der VIX bei 13,22 lag – eine Phase, die vom sogenannten „FED-Put“ geprägt war, welcher durch die Sicherungsmaßnahmen der US-Notenbank gekennzeichnet war.
Angesichts des derzeit niedrigen Niveaus des VIX und eines möglichen Anstiegs im ersten Quartal 2025 sehen wir aktuell vielversprechende Gelegenheiten für lukrative VIX-Trades. Diese Strategien könnten sich als effizient erweisen, um potenzielle Volatilitätsschwankungen optimal zu nutzen.
Hedgingstrategien – Beispiele
Short-Put-Strategien auf den VIX-Index sollten von Optionshändlern mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden, da bei einer ausgeprägten Contango-Kurve des VIX die verkauften Puts rasch ins Geld laufen können. Dennoch bieten sie, unter Berücksichtigung eines angemessenen Risikomanagements, interessante Ansätze für einen Hedging-Trade auf einen potenziellen Anstieg der Volatilität im ersten Quartal.
Ein Beispiel für geeignete Short Puts könnten die folgenden VIX-Optionen sein:
- VIX Index-Optionen
- Laufzeit Februar
- Strike 18er Put
- Prämie ca. $ 200
- Breakeven 16,00 beim VIX
Eine Alternative wäre auch der 17er Short Put. Je weiter aus dem Geld liegende Optionen gewählt werden, desto mehr sinkt die Prämie, aber gleichzeitig auch das mögliche Risiko.
Short Put kombiniert mit Bull Call Spread
Alternativ bieten sich verschiedene Kombinationsstrategien auf den VIX an, um potenzielle Volatilitätsanstiege gezielt zu handeln. Eine effektive Möglichkeit ist die Kombination aus einem Short Put und einem In-the-Money (ITM) Bull Call Spread.
Diese Strategie erlaubt es, von einem moderaten Anstieg des VIX zu profitieren, während gleichzeitig das Risiko begrenzt wird. Der Short Put generiert Prämieneinnahmen, während der Bull Call Spread eine Hebelwirkung auf potenzielle Gewinne bei steigender Volatilität ermöglicht. Diese Kombination eignet sich insbesondere für Szenarien mit niedrigen Einstiegspreisen und einem erhöhten Aufwärtsrisiko des VIX.
Beispiel:
- VIX Index-Optionen
- Laufzeit Februar
- Short Put 17er
- Long Call 13er
- Short Call 30er
- Breakeven bei 16,56 im VIX. Aber durch Short Put und Long Call doppeltes Verlustpotenzial!
- Möglicher Gewinn: ca. $ 1.300 pro Spread (bei VIX größer als 30)

Bei einem VIX-Wert von etwa 16,56 beginnt der Spread an Attraktivität zu verlieren, und bei einem Wert unter 13 entstehen gleich zwei Probleme: Der 17er Short Put läuft ins Geld, während der 13er Long Call wertlos verfällt. Im Gegensatz zu einem reinen Short Put bietet diese Strategie jedoch eine Gewinnchance von etwa $1.300, falls der VIX über 30 steigt.
PODCAST-Tipp: Unsere besten Trade-Ideen für den Jahresbeginn
Sowohl der Short Put als auch die Spread-Kombination weisen mit ihren Breakeven-Punkten um die 16 ein äußerst niedriges Volatilitätsniveau auf. Wir bevorzugen solche Trade-Ideen, um auf einen Anstieg des VIX in Richtung 20 zu setzen, anstatt lediglich einen OTM Long Call zu kaufen und auf einen sprunghaften Anstieg des VIX bis in Richtung 60 zu spekulieren.
Fazit – Jahresstart für Optionshändler
Ein niedriger VIX und ein überbewerteter US-Aktienmarkt schaffen zu Beginn des Jahres 2025 eine spannende Ausgangslage. Auch wenn der genaue Zeitpunkt einer möglichen Marktkorrektur schwer vorherzusagen ist, zeigt die historische Statistik eine deutliche Tendenz: Ein Anstieg der Volatilität im ersten Quartal ist häufig zu beobachten.
Die vorgestellten Hedging-Strategien auf den VIX – wie Short Puts oder die Kombination aus Short Put und Bull Call Spread – bieten Optionshändlern die Möglichkeit, von einem moderaten Anstieg der Volatilität zu profitieren, ohne auf extreme Szenarien wie einen VIX von 60 angewiesen zu sein.
Mit diesen Trades können Händler nicht nur Risiken gezielt absichern, sondern auch effektiv auf erwartete Marktbewegungen reagieren, die den Jahresbeginn prägen könnten. Wie immer ist Disziplin, gepaart mit einem klaren Handelsplan, der Schlüssel, um auch in Phasen erhöhter Volatilität erfolgreich zu agieren.
