Seit der Amtseinführung von Donald Trump hat sich die Welt spürbar verändert, und auch die US-Börsen zeigen 2025 ein ungewöhnliches Verhalten. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr, welche aktuellen Trades sich aus diesen Marktveränderungen ergeben und welche Chancen sich speziell für Optionshändler jetzt bieten.
Die Volatilität im Fokus
Am vergangenen Freitag fand ein bemerkenswertes Treffen zwischen Trump und Selenskyj statt, das in einer hitzigen Diskussion vor laufender Kamera mündete. Während die politische Einordnung und die möglichen Konsequenzen anderen überlassen bleibt, richten wir unseren Fokus auf die Auswirkungen auf die Volatilität.
Am Freitag erlebte der SPX-Index eine deutliche Schwankung, begleitet von starken Bewegungen im zugehörigen Volatilitätsindex VIX. Die VIX-Futures reagierten entsprechend und zeigten zeitweise eine ausgeprägte Backwardation-Kurve (blaue Linie). In diesem Zustand notieren kurzfristige Futures höher als längerfristige, was oft auf eine erhöhte Marktunsicherheit hindeutet.

Zum Handelsende hin erholten sich die Märkte jedoch, sodass die VIX-Kurve bis Freitagabend in eine leichte Contango-Formation (pinke Linie) überging. Contango beschreibt eine Marktsituation, in der längerfristige Futures teurer sind als kurzfristige, was typischerweise auf eine stabilere Marktstimmung hinweist.
Wir sind gespannt, ob die US-Börsen die bullische Bewegung vom Freitag am Montag fortsetzen können. Aktuell scheint es jedoch kein idealer Zeitpunkt zu sein, um den VIX als Absicherungsinstrument long zu handeln. Der Volatilitätsindex ist bereits stark gestiegen, und viele politische Entwicklungen dürften bereits in den Kursen berücksichtigt sein. Ein weiterer Anstieg des VIX wäre wahrscheinlich nur bei einer weiteren Eskalation der aktuellen Situation zu erwarten – andernfalls scheint ein Großteil der Panik bereits eingepreist zu sein. Am Freitag notierte der bekannte Indikator für das Marktsentiment bereits unter 20 – ein Wert, der auf erhebliche Unsicherheit an den Märkten hindeutet und häufig mit Tiefpunkten im Aktienmarkt in Verbindung gebracht wird.

Seit der Amtseinführung von Donald Trump ist der VIX bereits viermal von einem Niveau um 15 auf über 20 angestiegen, bevor er jeweils wieder in Richtung 15 zurückfiel. Die derzeit hohe Marktunsicherheit, gemessen am niedrigen Fear & Greed-Index, spricht aktuell eher gegen ein dauerhaftes Verweilen des VIX über 25.
Unsere Einschätzung würde sich jedoch ändern, wenn die VIX-Terminstrukturkurve nachhaltig in eine Backwardation übergeht. Wichtig dabei: Wir behaupten nicht, dass der VIX nicht weiter steigen kann! Allerdings sehen wir in neuen VIX-Long-Trades derzeit kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Auch Short-Trades auf die Volatilität setzen wir aktuell nicht um.
Aktuelle Chancen für die Wheel-Strategie
Die Wheel-Strategie ist eine Optionshandelsstrategie, bei der der Trader abwechselnd Cash Secured Puts und Covered Calls verkauft, um regelmäßige Einnahmen zu erzielen. Zuerst verkauft man einen Put, um Aktien zu einem günstigen Preis zu kaufen. Besitzt man die Aktien, verkauft man einen Call, um von der Prämie zu profitieren. Wenn die Aktien verkauft werden, beginnt der Prozess erneut. Ziel ist es, durch den wiederholten Verkauf von Optionen Einkommen zu generieren und Aktien zu günstigen Preisen zu erwerben.
Für Cash Secured Puts sehen wir augenblicklich wenig Chancen. Der VIX ist zwar angestiegen, die Marktbreite befindet sich aber auf einem hohen Bewertungsniveau, was Schnäppchen aktuell schwierig zu finden macht.
Nach einer beeindruckenden Kursrallye im Jahr 2024 ist der Tesla-Aktienkurs in diesem Jahr um über 40 % gefallen. Obwohl wir die Aktie nicht als klassischen Buy-and-Hold-Kandidaten betrachten, zeigt sie eine erhebliche Volatilität. In Anbetracht dieser Schwankungen erscheint der Verkauf von Put-Optionen als eine verlockende Möglichkeit, von den Preisbewegungen zu profitieren.

Bitte beachtet, dass das potenzielle Andienungsinvestment bei etwa 29.000 USD liegt. Alternativ besteht die Möglichkeit, mit Bull Put Spreads zu arbeiten. Eine am Geld liegende Option mit einer Laufzeit bis Juni (noch 109 Tage Restlaufzeit) generiert eine Prämie von über 3.500 USD.
Donald Trump sorgte ebenfalls für Aufsehen durch die Abschaffung der Krankenkassenpflicht für Versicherungsgesellschaften. Dies führte dazu, dass der Versicherungskonzern UnitedHealth (UNH) um mehr als 30 % fiel und nun bei einem wichtigen Marktlevel von etwa 450 USD notiert.

Für ein potenzielles Andienungsinvestment von etwa 45.000 US ist die Aktie insgesamt gesehen jedoch kein Schnäppchen. Wer die Positionsgröße als zu groß empfindet, könnte alternativ auch eine direktionale Position in der Aktie eingehen.
Für den Handel mit Covered Calls bieten sich aktuell einige defensive Titel an, die sich von den Kurskorrekturen im Jahr 2024 deutlich erholen konnten – teilweise sogar übertrieben. Ein Beispiel ist der Gesundheitskonzern Johnson & Johnson, der wieder die Septemberhochs bei etwa 165 USD erreicht hat. Dies könnte eine potenzielle Widerstandszone darstellen, die sich gut für den Verkauf von gedeckten Call-Optionen eignet.

Wir sind keine großen Befürworter von Covered Calls und würden diese nur sehr gezielt einsetzen. Das Risiko einer möglichen Ausübung steht in keinem Verhältnis zu den oft zu geringen Prämieneinnahmen, die durch diese Strategie erzielt werden.
Fazit
Die aktuellen Marktbedingungen und die geopolitischen Entwicklungen haben die Volatilität an den Finanzmärkten erheblich beeinflusst, was sowohl Risiken als auch Chancen für Optionshändler mit sich bringt. Der VIX hat zuletzt deutlich angezogen und die Märkte mit seiner hohen Schwankungsbreite aufgewühlt. Während eine Fortsetzung der bullischen Bewegung in den US-Börsen nicht ausgeschlossen ist, scheint der Volatilitätsindex inzwischen auf einem Niveau angekommen zu sein, bei dem neue Long-Positionen im VIX aus unserer Sicht derzeit kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Der Markt hat bereits viele Unsicherheiten eingepreist, und ein weiter steigender VIX dürfte vor allem bei einer Eskalation der geopolitischen Lage oder anderer unvorhergesehener Ereignisse erwartet werden.
In Bezug auf die Wheel-Strategie bleibt die derzeitige Marktbreite auf hohem Bewertungsniveau und erschwert das Finden von attraktiven Gelegenheiten für den Verkauf von Cash Secured Puts. Die hohe Volatilität von Aktien wie Tesla macht den Verkauf von Put-Optionen zwar potenziell lukrativ, doch die hohen Anforderungen für ein Andienungsinvestment und die derzeitige Marktlage schränken diese Möglichkeit ein. Für solche Trades könnte auch die Verwendung von Bull Put Spreads eine sinnvolle Alternative darstellen, um das Risiko zu begrenzen und dennoch von den Preisbewegungen zu profitieren.
Bezüglich des Handels mit Covered Calls zeigt sich, dass defensive Titel wie Johnson & Johnson, die sich von den Kurskorrekturen des Jahres 2024 erholt haben, momentan für den Verkauf von gedeckten Calls interessant sind. Diese Strategie bietet die Möglichkeit, zusätzliche Prämien zu erzielen, indem man von der seitwärts laufenden oder leicht steigenden Entwicklung dieser Aktien profitiert. Allerdings sollte die Covered Call-Strategie mit Vorsicht eingesetzt werden, da die potenziellen Prämieneinnahmen häufig nicht das Risiko einer möglichen Ausübung rechtfertigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuelle Marktlandschaft sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Optionshändler bereithält. In Anbetracht der volatilen Märkte und der politischen Unsicherheiten sollten Anleger besonders vorsichtig agieren und ihre Handelsstrategien gut abwägen. Die Nutzung von Optionen wie Bull Put Spreads oder gezielten Covered Calls kann eine sinnvolle Methode sein, um in dieser unbeständigen Umgebung von Marktbewegungen zu profitieren, wobei das Risiko stets im Auge behalten werden muss.
