Geprägt waren die vergangenen Tage insbesondere durch die Erwartung an die US-Inflationsdaten und die damit im Zusammenhang stehenden Zinssenkungsfantasien der Anleger. Auch die zur Wochenmitte publizierten Fed-Mitschriften brachten wichtige Impulse hervor. Zum Wochenschluss dürften sich insbesondere die Blicke auf den Startschuss zur US-Berichtssaison richten.
DAX Chart
Quelle: Tradingview
EU-Einzelhandel mit positiven Impulsen – Deutsche Industrie fährt stärkstes Minus seit Januar ein
Für zwischenzeitlich positive Impulse sorgten zu Wochenbeginn neue Einzelhandelszahlen für die Eurozone. So konnten die Einzelhändler im Euroraum im vergangenen Monat 0,2 Prozent mehr Umsatz erzielen als im August, was auch im Vorfeld erwartet wurde.
Einen Dämpfer musste indes die deutsche Industrie verkraften. Nach zwei Anstiegen in Folge sanken die Bestellungen im August um 5,8 Prozent (per Jahresmonatsvergleich) und damit so stark wie seit Januar nicht mehr.
Fed-Protokolle und US-Inflationsdaten gehen zulasten der Zinssenkungsfantasien
Die am Mittwochabend veröffentlichten Fed-Protokolle der vergangenen Notenbanksitzung brachten die Erkenntnis hervor, dass sich die US-Währungshüter bei ihrer jüngsten XL-Zinswende nicht auf ein schnelleres Lockerungstempo festgelegt haben. Auch wenn eine überwiegende Mehrheit vor rund drei Wochen für einen 50-Basispunkte-Zinsschritt stimmte, sei dies keine Garantie für weitere Zinssenkungen, hieß es. Fed-Direktorin Michelle Bowman hatte etwa für eine Senkung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt gestimmt, was ihrer Meinung nach ein besserer Auftakt für eine Lockerung der Geldpolitik gewesen wäre.
Für große Aufmerksamkeit sorgten am Donnerstag wie erwartet insbesondere die US-Inflationsdaten, welche allerdings unter dem Strich lediglich gemischte Signale hervorbrachten.
Zwar lagen die Verbraucherpreise inklusive der Treiber Energie und Lebensmittel bei 2,4 Prozent (gegenüber dem Vorjahresmonat) und damit unter dem Vormonatswert (2,5 Prozent). Die im Vorfeld getätigten Prognosen konnten jedoch nicht erfüllt werden (2,3 Prozent). Zugleich stieg die Kernrate der Inflation, wie für die US-Notenbank im Hinblick auf die Inflationsbeurteilung als maßgebend angesehen wird, an (3,2 Prozent vs. 3,3 Prozent).
Wöchentliche Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe überraschend hoch
Für weitere Verwirrung sorgten zudem auch am Donnerstagnachmittag die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe. So stellten in der vergangenen Woche insgesamt 258.000 Amerikaner einen Antrag auf staatliche Hilfe und damit deutlich mehr als erwartet (230.000), nach insgesamt 225.000 in der Woche zuvor.
Insgesamt sahen sich Investoren in dieser Woche auch mit zahlreichen Reden durch verschiedene Fed-Vertreter konfrontiert. Raphael Bostic von der Atlanta-Fed sagte etwa am Donnerstag, dass er sich dabei „völlig wohl“ fühlen würde, bei der kommenden Notenbanksitzung eine Zinssenkung auszulassen. Seiner Meinung nach könnte die Unbeständigkeit der vergangenen Inflations- und Beschäftigungsdaten dieses Szenario rechtfertigen, hieß es.
US-Erzeugerpreise könnten neue Inflationssignale senden – US-Großbanken im Blick
Wichtige Impulse sind am heutigen Freitag durch die Veröffentlichung der US-Erzeugerpreise zu erwarten (14:30 Uhr), welche nur einen Tag nach den Verbraucherpreisen publik werden und damit weitere wichtige Inflationssignale geben könnten.
Indes sollten Anleger den Startschuss zur US-Berichtssaison im Auge behalten. Neben JPMorgan, Wells Fargo und der Bank of New York Mellon werden die Zahlen von BlackRock erwartet.




