Der Jahreswechsel ist der passende Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen und gleichzeitig einen Ausblick auf das Kommende im noch jungen neuen Jahr zu wagen. Mit dem Rückblick auf das DGI-Musterdepot gebe ich einen transparenten Einblick in die Entwicklung der darin enthaltenen Einzelwerte im vergangenen Jahr, ermittle die Gesamtrendite und schaue mir die Performer und Nachzügler im Depot an. Zudem berichte ich über die jüngsten Veränderungen im Portfolio.
Mehr Details dazu werde ich im Rahmen des nächsten Webinars am 8. Januar geben. Hier geht’s zur kostenlosen Anmeldung.
Fakten und Zahlen zu 2025
Zu Beginn blicke ich auf die Gesamtportfolioebene, ehe ich mich im nächsten Kapitel den Einzelwerten widme. Das DGI-Musterdepot ist gefüllt mit einem Startkapital von 100.000 Euro. Zum 31.12.2025 waren davon ca. 79.000 Euro oder fast 80 Prozent der Gesamtsumme investiert.
Aus der folgenden Grafik geht die langfristig positive Entwicklung der Dividenden-Treppe hervor. Seit Auflage des Portfolios überwiesen mir die im Portfolio investierten Unternehmen insgesamt rund 3.500 Euro auf mein Cash-Konto.

Alle Investitionen berücksichtigt, gehe ich mit einer Liquiditätsreserve von rund 27.000 Euro in das neue Jahr. Die nicht realisierten Gewinne belaufen sich auf knapp 4.200 Euro. Hier sind alle relevanten Depot-Komponenten tabellarisch zusammengefasst:
| Startkapital 22.03.2024 | 100.000,00 |
| Investiertes Kapital | 78.917,36 |
| Unrealisierte Kursgewinne | 7.710,98 |
| Endwert 31.12.2025 | 86.628,34 |
| Freies Startkapital 31.12.2025 | 21.082,64 |
| Vereinnahmte Dividenden | 3.450,23 |
| Gesamt-Liquiditätsreserve 31.12.2025 | 24.532,87 |
Aktuell beträgt die persönliche Dividendenrendite genau 3 Prozent. Dieses Ergebnis entspricht einer Steigerung von einem ganzen Prozentpunkt im Vergleich zum letzten Jahr. Zur Erinnerung die Berechnungsmethodik: Es werden nur die tatsächlich vereinnahmten Dividenden durch das gesamte investierte Kapital geteilt. Im Jahr 2025 betrug das durchschnittliche Dividendenwachstum 8,1 Prozent. Laut parqet steht seit dem Beginn des Depots eine Gesamt-Performance von 14,1 Prozent zu Buche. Im Jahr 2025 verzeichnete das Depot einen Renditegewinn von 12,1 Prozent. Hierbei betrachte ich den Total Return, d.h. (un)realisierte Kursgewinne und vereinnahmte Dividenden zusammengerechnet.


Der kurze Betrachtungszeitpunkt – der Start des Depots erfolgte im März 2024 – stellt für diesen Rückblick auf die Performance des Portfolios noch keinen allzu bedeutsamen Erkenntnisgewinn dar. Ziel ist es, dass sich die darin enthaltenen Einzelwerte auf langfristige Sicht von mindestens zehn Jahren entfalten. Deswegen setzen wir gleich über zum nächsten Kapitel und kommen zu den Einzelwerten.
Deep-Dive Einzelwerte
Mit Jahresende befinden sich insgesamt 27 Assets im Depot, wobei es sich dabei ausschließlich um Einzelwerte handelt. Hierzu die folgenden Erstkäufe 2025 in chronologischer Reihenfolge.
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
| 09.01.2025 | Roper Technologies (ROP) | 1.977,84 | 4 |
| 06.02.2025 | Comcast (CMCSA) | 1.634,54 | 50 |
| 04.04.2025 | Comfort Systems USA (FIX) | 2.828,60 | 10 |
| 07.04.2025 | Visa (V) | 1.442,77 | 5 |
| 08.04.2025 | Münchener Rück (MUV2.DE) | 2.625,00 | 5 |
| 08.04.2025 | Tractor Supply (TSCO) | 2163,02 | 50 |
Zur Komplettierung folgt noch die Liste mit insgesamt elf Nachkäufe im Jahr 2025, geordnet nach dem Kaufdatum:
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
| 06.01.2025 | PepsiCo (PEP) | 1.405,91 | 10 |
| 31.03.2025 | Microsoft (MSFT) | 692,98 | 2 |
| 07.04.2025 | Microchip Technology (MCHP) | 1.763,39 | 50 |
| 16.05.2025 | UnitedHealth (UNH) | 752,48 | 3 |
| 27.06.2025 | LVMH (MC.PA) | 900,00 | 2 |
| 06.08.2025 | UnitedHealth (UNH) | 428,72 | 2 |
| 11.08.2025 | Prologis (PLD) | 451,92 | 5 |
| 14.10.2025 | Deere (DE) | 767,12 | 2 |
| 20.11.2025 | Visa (V) | 837,51 | 3 |
| 26.11.2025 | Comcast (CMCSA) | 571,04 | 25 |
| 10.12.2025 | Roper Technologies (ROP) | 752,10 | 2 |
Der mit Abstand am besten gelaufene Wert ist Comfort Systems USA. Das Unternehmen profitiert erheblich vom Investitionsboom in Rechenzentren und Halbleiterinfrastruktur. Getrieben von explosionsartig gewachsenen Industrieaufträgen stiegen Umsatz und Ergebnis im Jahresverlauf deutlich überproportional; allein im dritten Quartal 2025 legte der Umsatz um rund 35 Prozent zu, und die Bruttomarge sprang auf knapp 25 Prozent, während der Auftragsbestand auf ein Rekordniveau von rund 9,4 Mrd. US‑Dollar anwuchs. Diese Dynamik wurde an der Börse mit einer massiven Multiple‑Ausweitung honoriert.
Toronto-Dominion gelang 2025 ein bemerkenswerter Turnaround, weil die Bank nach dem milliardenschweren AML‑Skandal von 2024 konsequent „aufgeräumt“ hat und dies mit sichtbar verbesserter Profitabilität unterlegt wurde. Angetrieben wurde diese Erholung durch ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm mit Kostenreduktion und Stellenabbau, die Repositionierung der US‑Bilanz (inklusive Portfolioverkäufen und Risikoreduktion) sowie eine spürbare operative Verbesserung in den Kernsegmenten, sodass der Markt wieder Vertrauen in den mittel‑ bis langfristigen Ertragspfad fasste.
Der dritte im Bunde der Best‑Performer des Jahres 2025 ist Brookfield Renewable. Das Unternehmen konnte in einem günstigeren Zinsumfeld für erneuerbare Energien stark zulegen. Über das Jahr hinweg gelangen mehrere großvolumige Abnahmeverträge mit Hyperscalern – darunter ein Rahmenvertrag mit Google über bis zu 3 GW Wasserkraft in den USA –, was die Cashflow‑Visibilität deutlich erhöhte. Parallel dazu überzeugte Brookfield mit einem disziplinierten Capital‑Recycling, d. h. dem Verkauf ausentwickelter Assets und der Reinvestition in höher rentierliche Projekte. BEPC entwickelte sich über die letzten zwölf Monate deutlich besser als Sektor und Gesamtmarkt. Zu guter Letzt war auch die Entwicklung meiner beiden „Big‑Pharma“-Werte Roche und Johnson & Johnson zufriedenstellend – insbesondere dank eines formidablen zweiten Halbjahres.
Wechseln wir von der Sonnen‑ auf die Schattenseite des Portfolios. Diageo, der Marktführer in der Spirituosenbranche, gehört zweifellos zu den Underperformern der letzten Jahre. Der Aktienkurs fiel zuletzt auf ein Zehnjahrestief. Die jüngsten Absatzrückgänge stellen die gesamte Branche vor die Herausforderung, mit einem rückläufigen Geschäft umzugehen. Abseits einmaliger Kostensenkungsmaßnahmen muss Diageo einen Weg zurück zum Wachstum finden. Angesichts eines sich verändernden Konsumverhaltens stellt sich die Frage, ob es sich um einen zyklischen Abschwung handelt, der sich bald umkehren wird, oder ob ein struktureller Wandel das Geschäftsmodell von Diageo langfristig gefährdet. Während sich einige dieser Probleme – wie veränderte Verbraucherpräferenzen – nur schwer lösen lassen, sind die internen Problemfelder durchaus behebbar. Mit dem CEO‑Wechsel besteht die Chance, eine klare und glaubwürdige Kapitalmarktstory zu etablieren. Dazu gehören eine Fokussierung des Portfolios, eine harte Priorisierung der Marken, konsequente Kostendisziplin und eine definierte Kapitalallokation. Diageo braucht jedenfalls sowohl Zeit als auch Geduld, um wieder auf Kurs zu kommen. Die Umsetzungsstärke des neuen CEO Dave Lewis zählt jetzt mehr denn je.
Für Nike lief es 2025 vor allem deshalb schlecht, weil die operative Entwicklung schwach blieb und das Management die ohnehin schon gedämpften Erwartungen mehrfach nach unten anpassen musste. Umsatz und Profitabilität standen unter Druck – durch rückläufige Erlöse (rund 10 Prozent weniger Umsatz im Geschäftsjahr 2025), sinkende Bruttomargen infolge hoher Rabatte zur Lagerbereinigung, neue US‑Zölle sowie eine schwache Entwicklung in wichtigen Märkten wie China und im Direct‑to‑Consumer‑Geschäft. Gleichzeitig verlor Nike an Wachstumsdynamik gegenüber Wettbewerbern, musste sein bisheriges DTC‑Modell sowie die Übergewichtung von Lifestyle‑ und Retro‑Franchises im Rahmen eines umfassenden „Win Now“-Turnarounds neu justieren und signalisierte, dass die Erholung von Umsatz und Marge länger dauern wird – was in Kombination mit einer nachlassenden Margenqualität den Bewertungsdruck auf die Aktie im Jahr 2025 verstärkte.
Im Jahr 2025 kam UnitedHealth kaum aus den Negativschlagzeilen. Der größte Krankenversicherer der USA wurde von einer in dieser Form seltenen Kombination aus massiv unterschätzter Kosteninflation im Medicare‑Advantage‑Geschäft, regulatorischem und Reputationsdruck nach einem großen Cyberangriff sowie hausgemachten Fehlern getroffen. Die Kostenquote sprang im Jahresverlauf spürbar nach oben, da insbesondere bei Senioren deutlich mehr und intensivere Behandlungen anfielen als in den Prämien für 2025 eingepreist waren. Das zwang UnitedHealth zu mehreren Prognosesenkungen und belastete die Margen sowohl in der Versicherungs‑ als auch in der Optum‑Sparte. Parallel dazu wirkten eine verschärfte Aufsicht, Unzufriedenheit bei Leistungserbringern, eine DOJ‑Ermittlung im Medicare‑Bereich sowie ein CEO‑Wechsel zusätzlich negativ auf die Wahrnehmung von Governance, Planbarkeit und struktureller Ertragskraft. Entsprechend geriet die Aktie trotz grundsätzlich intakter Langfriststory im Jahr 2025 massiv unter Druck.
Wie es sich für einen Jahresabschluss gehört, findest du nachfolgend die „bewundernswerten“ Top-Performer und „bedauernswerten“ Nachzügler seit Beginn des DGI-Musterdepots bzw. für das Jahr 2025, berechnet in Euro als Währungsbasis:


Diversifikation & Allokation
In meiner Investmentstrategie ist die Portfolio-Diversifikation ein probater Weg, um den unsystematischen Risiken in adäquater Form Herr zu werden und stellt somit neben dem Steuern der Positionsgröße den integralen Bestandteil meines Risikomanagements dar. Schauen wir uns nun den Status der Diversifikation entlang unterschiedlicher Ausprägungen wie Sektoren, Ländern oder Unternehmensgrößen genauer an.
Die grundsätzliche Frage, ob als Bemessungsgrundlage der aktuelle Marktwert oder der Wert des ursprünglich investierten Kapitals herangezogen werden, umschiffe ich pragmatisch dadurch, indem ich einfach beide Darstellungsvarianten herzeige.
Beginnen wir mit einer Betrachtung der Komposition des Portfolios auf Basis der Einzelwerte, so stellt sich die Situation wie folgt dar. Die Regel, dass kein Unternehmen mehr als fünf Prozent des investierten Kapitals ausmacht, werde ich weiterhin im Auge behalten. Zum aktuellen Zeitpunkt „verstoßen“ Deere, Microchip Technology und Rio Tinto gegen diese eigene Vorgabe. LVMH und Nike kratzen am oberen Limit was die Investitionshöhe betrifft:

Nun der Blick auf die Zusammenstellung des Portfolios basierend auf dem aktuellen Marktwert. Rechts in der Grafik stehen die Top-10 Unternehmen.

Basierend auf den „Global Industry Classification Standard“ investiere ich in den elf Sektoren entlang der diversen Wertschöpfungsketten der unterschiedlichen Branchen, die in unserer Wirtschaft von Bedeutung sind. Daher macht es Sinn, den Ist-Status im Vergleich zum Soll-Status zu beleuchten. Ein stures Festhalten an der Zielallokation, welche ich in der nächstfolgenden Grafik darstelle, erscheint mir vorerst nicht erforderlich, da ich noch nicht vollinvestiert bin:

Bevor ich die Ist-Situation mit der aktualisierten Sektorenaufteilung darstelle, möchte ich dir mit der nächsten Abbildung eine Vorstellung geben, in welche Sektoren das neue Investitionskapital im letzten Jahr floss:

Schlussendlich ergibt sich das untenstehende Lagebild zur Sektorenverteilung:


Die geographische Streuung über unterschiedliche Länder und Währungsräume erachte ich als einen essentiellen Bestandteil des Risikomanagements. Es existieren keine fixen Grenzen, wieviel ich in welches Land investieren möchte. Meine Gedanken dazu sind recht simpel: nur weil eine Organisation wie Microsoft in den Vereinigten Staaten den unternehmensrechtlichen Hauptsitz hat, bedeutet dies keineswegs, dass dieser Konzern automatisch seine Umsätze aus der operativen Geschäftstätigkeit nur in seinem Heimatland erzielt. Doch kommen wir nun zur Länder-Allokation:

Weil Rio Tinto als britisches Unternehmen in parqet geführt wird, gibt es einen Unterschied in den Darstellungen zwischen Marktwert und der obigen Grafik.

Ausblick
In vielen Resümees zum vergangenen Börsenjahr liest man von der Euro‑Stärke bzw. Dollar‑Schwäche und in welchem Ausmaß diese Währungsbewegungen das an sich gut laufende Jahr negativ beeinflussten. Ich finde diese Litanei amüsant.
Ein Gedankenspiel: Im Jahr 2026 bekommt „Big Tech“ die Quittung für die hohen Bewertungen präsentiert, das KI‑Narrativ verliert an Deutungshoheit, und eine gravierende Sektor-Rotation in defensive Werte setzt ein. Durch die hohe Konzentration der Tech‑Highflyer erwischt es den S&P 500 hart – er schafft es beschwerlich mit einem satten Minus von 15 Prozent ins neue Jahr. Gleichzeitig wertet der Dollar gegenüber dem Euro enorm auf; zum Jahresende stehen wir wieder nahezu bei der Parität von 2024. Während US‑Privatanleger ordentlich aus der Röhre schauen, können wir uns hierzulande zumindest mit einem stagnierenden Depotwert zufrieden geben. Schließlich hat der Währungseffekt eines stärkeren Dollars die unrealisierten Kursverluste aus den US‑Investments in Euro gerechnet immerhin egalisiert.
Und nun die Kardinalfrage: Wer führt die relative Outperformance 2026 auf den positiven Euroeffekt zurück – und wer schreibt diese vermeintliche „Leistung“ der eigenen Genialität zu? Ich lehne mich mal aus dem Fenster und meine, dass diese fiktive Diskussion gar nicht stattfindet. Ich für meinen Teil habe darauf verzichtet, für die Ermittlung der Performance eine Konsolidierung auf Basis der Heimatwährung zu errechnen. Bei einem US‑Anteil von rund zwei Dritteln im DGI‑Musterdepot kann sich jeder selbst ausmalen, welchen Einfluss Währungsschwankungen auf die Performance im vergangenen Jahr hatten.
Analog zu den Quartalsberichten blicke ich auf die Indexebene anhand des S&P 500, um ein erstes Stimmungsbild für die aktuelle Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu gewinnen. Aktuell liegt das KGV mit 25,6 um mehr als 5 Punkte über dem Zehnjahresdurchschnitt (20,2). Der S&P 500 scheint damit im ausgewählten Zeitraum insgesamt stark überbewertet zu sein.

Der STOXX Europe 600, der die Marktlage in Europa abbildet, umfasst die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas und beschränkt sich im Gegensatz zum EURO STOXX 50 nicht bloß auf die Eurozone. Wichtige Länder wie Dänemark, Großbritannien, Norwegen oder die Schweiz sind in diesem Index berücksichtigt. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre war der STOXX Europe 600 mit einem KGV von 15,5 bewertet, welches aktuell bei 16,9 liegt und insgesamt einer moderaten Überbewertung entspricht.

Mit nun 27 Investments im Depot sehe ich mich ausreichend in allen relevanten Branchen vertreten. Heruntergebrochen auf die elf Sektoren ergibt sich folgende Verteilung der Unternehmen:

Beim Blick auf das aktuelle Setup stimmt mich die Unternehmensauswahl zuversichtlich. Alles andere wäre auch sonderbar. Die Startaufstellung baut auf einer soliden Defensive auf, während ich bei Werten wie Brenntag, Canadian National Railway oder Deere noch einen gewissen Nachholbedarf sehe – sobald sich die wirtschaftliche Großwetterlage wieder von mehr Zuversicht prägen lässt.
In der Ökonomie werden Finanzmärkte nach wie vor entsprechend der Theorie effizienter Märkte als rational verstanden. Für die Störungen und Abweichungen von fundamentalen Berechnungen sind wir Anleger durch unser irrationales Verhalten „schuld“, oder man schiebt „externen Effekten“ den schwarzen Peter zu. Das Vertrauen in „den Markt“, der im Normalfall funktioniert, bleibt trotz Krisen und potenzieller Disruptionen in Gesellschaft, Politik oder Technologie langfristig ungebrochen. Diese Konvention zwischen langfristiger Wachstumserwartung und kurzfristiger Krisenanfälligkeit hat sich durchgesetzt und ist empirisch durch zahlreiche Studien belegt.
Die Frage für uns Privatinvestoren ist: Wie gehen wir mit dieser Ambivalenz aus kurzfristiger Irrationalität und langfristig kalkulierbarer Kapitalvermehrung um? Der Zeitfaktor und die damit bedingte Ungewissheit spielen dabei eine große Rolle, da sie bestimmen, wann und wie wir unsere Renditeerwartungen an konkreten Ergebnissen messen. Unser Vertrauen beruht darauf, dass wir diese Ziele auch erreichen.
Die Börsen zeigten sich auch im letzten Jahr von ihrer widersprüchlichen Seite. Zwischen Unsicherheit und Aufbruch bewegten sich die Märkte in einem Umfeld, das stark von makroökonomischen Signalen, geldpolitischen Erwartungen und neuen Schlagzeilen geprägt war. Die Indizes pendelten spürbar, und die Stimmung wechselte nicht selten innerhalb weniger Tage von vorsichtigem Optimismus zu Zurückhaltung (und umgekehrt).
Vor einigen Wochen kamen vermehrt Sorgen auf, dass sich das auf den Märkten lastende Risiko einer größeren Korrektur bei Technologiewerten materialisieren würde – Werte, die bisher vom KI‑Boom von Allzeithoch zu Allzeithoch getragen wurden. Dann schlug die US‑Notenbank nach restriktiver Rhetorik plötzlich mildere Töne an. Das übliche Spielmuster: Alles eitel Wonne und Sonnenschein, richtig? Getreu der Devise „Buy the dip“ nutzten manche ihre Chancen, während unzählige Gründe weiterhin zum Sorgenmachen einluden.
Was mir 2025 besonders in Erinnerung bleiben wird, ist ein Phänomen, das in schwierigen Marktphasen immer wieder zutage tritt: Qualitätsunternehmen gelten nicht mehr als „en vogue“, wenn in Zeiten ungebremster Euphorie den „Hype‑Aktien“ nachgejagt wird. Solche Unternehmen mit profitablen Geschäftsmodellen passen nicht ins gängige Narrativ und werden daher als „stinklangweilig“ abgestempelt.
Diese als Qualitätsanomalie bekannte Besonderheit besagt vereinfacht: Aktien finanziell solider, profitabler und verlässlich wachsender Unternehmen erzielen langfristig höhere risikobereinigte Renditen, als klassische Modelle erwarten würden. Wer gezielt Firmen wählt, die über Jahre hohe Eigenkapitalrenditen erzielen, stabile Cashflows generieren, wenig verschuldet sind und Kapital diszipliniert reinvestieren, schneidet im Schnitt besser ab als ihr Risiko (z. B. gemessen an der Volatilität) vermuten lässt. Klassische Theorien erwarten höhere Renditen nur als Ausgleich für höheres Risiko. Die Qualitätsanomalie zeigt jedoch: „Gute“ Renditen aus „guten“ Unternehmen sind möglich, weil Anleger solche Titel oft unterschätzen, sie als langweilig empfinden oder sich von „Storys“ wie dem aktuellen KI‑Narrativ leiten lassen. Fazit: Qualität wird tendenziell zu billig bewertet – ein systematischer Mehrertrag für geduldige Anleger, ohne extreme Risiken.
Das klingt vielversprechend. Wie sich diese Erkenntnisse in der Praxis umsetzen lassen, zeige ich im DGI‑Musterdepot – und vielleicht bietet sich 2026 schon bald die eine oder andere Gelegenheit dazu. Ausreichend Cash ist vorhanden: Mit allen Investitionen berücksichtigt gehe ich mit einer Liquiditätsreserve von rund 25.000 Euro ins neue Jahr.
Auf diesem Wege wünsche ich euch ein erfolgreiches neues Jahr 2026 auf und abseits der Börse sowie beste Gesundheit!

