Eine besorgniserregende Schlagzeile aus der Politik jagt die nächste. Eines der bekanntesten Finanzmarkt-relevanten Sprichwörter von den kurzen Beinen politischer Börsen mag aus einer langfristigen Perspektive bisher im Kern immer gestimmt haben. Mit dem Rückblick auf das DGI-Musterdepot gebe ich einen transparenten Einblick in die Entwicklung der darin enthaltenen Einzelwerte im ersten Quartal 2025, ermittle die Gesamtrendite und blicke auf die Performer und Nachzügler im Depot.
Fakten und Zahlen zum Q1 2025
Zu Beginn blicken wir auf die Gesamtportfolioebene, ehe ich mich im nächsten Kapitel den Einzelwerten widmen werde. Das DGI-Musterdepot war gefüllt mit einem Startkapital von 100.000 Euro. Zum 31.03.2025 waren davon ca. 62.600 Euro investiert.
Aus der nächsten Grafik geht die positive Entwicklung der Dividenden-Treppe hervor. Seit Auflage des Portfolios überwiesen mir die Unternehmen insgesamt rund 1.650 Euro auf mein Cash-Konto.

Alle Investitionen berücksichtigt, gehe ich mit einer Liquiditätsreserve von 39.000 Euro in das zweite Quartal 2025. Die nicht realisierten Gewinne belaufen sich auf etwas mehr 500 Euro. Hier alle relevanten Depot-Komponenten kurz zusammengefasst:
| Startkapital 22.03.2024 | 100.000,00 |
| Investiertes Kapital | 62.633,71 |
| Unrealisierte Kursgewinne | 513,93 |
| Endwert 31.03.2025 | 63.147,64 |
| Freies Startkapital Ende Q1 2025 | 37.366,29 |
| Vereinnahmte Dividenden | 1.646,83 |
| Gesamt-Liquiditätsreserve 31.03.2025 | 39.015,12 |
Die persönliche Dividendenrendite beträgt aktuell 2,6 Prozent. Zur Erinnerung die Berechnungsmethodik: es werden die nur die tatsächlich vereinnahmten Dividenden durch das gesamte investierte Kapital geteilt. Bereinige ich diesen Effekt mit den Dividendenzahlungen der vergangenen zwölf Monate (sprich eine annualisierte Betrachtung aller Werte unabhängig vom Kaufzeitpunkt), komme ich auf eine persönliche Netto-Ausschüttungsrendite von 2,8 Prozent.
Im 1. Quartal 2025 verzeichnete das Depot einen Renditegewinn von 0,3 Prozent. Hierbei betrachte ich den Total Return, d.h. (un)realisierte Kursgewinne und vereinnahmte Dividenden zusammengerechnet.

Auf dem ersten Blick mag das Ergebnis zugegebenermaßen enttäuschend wirken. Setzt man die Quartalsrendite ins Verhälts zur Performance des US-Leitindex S&P 500 oder FTSE All-World Index, wird der defensive Charakter des DGI-Musterdepots klar ersichtlich. Weiters stellt der kurze Betrachtungszeitpunkt seit dem Start des Depots Ende März 2024 für diesen Rückblick noch keinen allzu bedeutsamen Erkenntnisgewinn dar, was die Performance des Portfolios betrifft. Die darin enthaltenen Einzelwerte sollen sich auf langfristige Sicht von zehn Jahren aufwärts entfalten können. Deswegen setzen wir gleich über zum nächsten Fluglevel und kommen zu den Einzelwerten.

Deep-Dive Einzelwerte
Mit Ende März befinden sich insgesamt 23 Assets im Depot, wobei es sich dabei ausschließlich um Einzelwerte handelt. Hierzu die folgenden Erstkäufe 2025 in chronologischer Reihenfolge.
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 09.01.2025 | Roper Technologies (ROP) | 1.977,84 | 4 |
| 06.02.2025 | Comcast (CMCSA) | 1.634,54 | 50 |
Roper Technologies ist ein US-amerikanischer Mischkonzern, der sich in den letzten Jahren immer stärker zu einem Technologieunternehmen mit der Spezialisierung auf Industrieanwendungen wandelte. So entwickelt Roper Technologies Softwarelösungen für verschiedene Branchen, darunter Gesundheitswesen, Bildung und öffentliche Verwaltung. Diese Software hilft Unternehmen bei der Verwaltung ihrer täglichen Operationen in der Prozesskontrolle und -optimierungen sowie davor gelagerten Datenanalyse.
Als Ersatz für den kanadischen Telko BCE nahm ich mir mit Comcast ein führendes globales Medien- und Technologieunternehmen ins Depot. Der US-Konzern bietet eine Vielzahl von Dienstleistungen an, darunter Kabel-TV, Internet und Telefon/Mobilfunk über die Marke Xfinity. Comcast ist der größte Anbieter von Internetdiensten für Privathaushalte in den USA und zählt zu den größten Kabel-TV-Unternehmen weltweit. Das Unternehmen unterteilt sein Geschäftsmodell in verschiedene Segmente: Kabeldienstleistungen, Medien & Unterhaltung sowie Kommunikation. Comcast besitzt NBCUniversal, welches Filme, Fernsehsendungen und Themenparks produziert und betreibt. Zu den bekannten Marken gehören NBC, Telemundo und Universal Pictures.
Zur Komplettierung folgt noch die Liste mit insgesamt zwei Nachkäufen im ersten Quartal, geordnet nach dem Kaufdatum:
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 06.01.2025 | PepsiCo (PEP) | 1.405,91 | 10 |
| 31.03.2025 | Microsoft (MSFT) | 692,98 | 2 |
Nachfolgend findest du die „bewundernswerten“ Top-Performer und „bedauernswerten“ Nachzügler seit Beginn des DGI-Musterdepots, berechnet in Euro als Währungsbasis:

Diversifikation & Allokation
In meiner Investmentstrategie ist die Portfolio-Diversifikation ein probater Weg, um den unsystematischen Risiken in adäquater Form Herr zu werden und stellt somit neben der Positionsgröße den integralen Bestandteil meines Risikomanagements dar. Schauen wir uns nun den Status der Diversifikation entlang unterschiedlicher Ausprägungen wie Sektoren, Ländern oder Unternehmensgrößen genauer an.
In der grundsätzlichen Frage, ob als Bemessungsgrundlage der aktuelle Marktwert oder der Wert des ursprünglich investierten Kapitals herangezogen werden, habe ich mich derweilen für den Marktwert entschieden. Dies begründe ich aufgrund der geringfügen Diskrepanz im Endergebnis zwischen den beiden Referenzgrößen. Die Regel, dass kein Unternehmen mehr als fünf Prozent des investierten Kapitals ausmacht, werde ich weiterhin im Auge behalten, spielt in dieser frühen Phase des Portfolioaufbaus noch keine bedeutende Rolle.
Beginnen wir mit einer Betrachtung der Zusammenstellung des Portfolios auf Basis der Einzelwerte, so stellt sich die Situation wie folgt dar.

Basierend auf den „Global Industry Classification Standard“ investiere ich in den elf Sektoren entlang der diversen Wertschöpfungsketten der unterschiedlichen Branchen, die in unserer Wirtschaft von Bedeutung sind. Daher macht es Sinn, den Ist-Status im Vergleich zum Soll-Status zu beleuchten. Ich befinde mich noch mitten in der Aufbauphase des DGI-Musterdepots. Ein stures Festhalten an der Zielallokation, welche ich in der nächstfolgenden Grafik darstelle, erscheint mir vorerst nicht erforderlich:

Schlussendlich ergibt sich das untenstehende Lagebild zur Sektorenverteilung:

Die geographische Streuung über unterschiedliche Länder und Währungsräume erachte ich als einen essentiellen Bestandteil des Risikomanagements. Es existieren keine fixen Grenzen, wieviel ich in welches Land investieren möchte. Meine Gedanken dazu sind recht simpel: nur weil eine Organisation in Land A den unternehmensrechtlichen Hauptsitz hat, bedeutet dies keineswegs automatisch, dass dieser Konzern seine Umsätze aus der operativen Geschäftstätigkeit nur in seinem Heimatland erzielt. Doch kommen wir nun zur Länder-Allokation:

Ausblick
Zugegebenermaßen fällt dieser Quartalsabschluss etwas unglücklich, sind doch die Kurskapriolen in den ersten Apriltagen und die negativen Auswirkungen auf das DGI-Musterdepot nicht zu ignorieren. Daher drängt sich die unmittelbare Frage auf, wie mit der aktuellen Schieflage am Aktienmarkt, ausgelöst durch die in Kraft tretenden US-Handelszölle sowie die Ankündigung von Gegenzöllen diverser Staaten, umzugehen ist.

Persönlich bin ich skeptisch, dass diese verworrene Situation heute, morgen oder in den nächsten Tagen an den Börsen voll eingepreist sein könnte. Die langfristigen und vielschichtigen Konsequenzen eines stärkeren Protektionismus und neuer Handelshemmnisse auf die globalen Warenströme, die multinational integrierten Wertschöpfungs-/Fertigungsketten basierend auf den Prinzipien des regelbasierten Freihandels als auch die kaum einschätzbaren weiteren makroökonomischen Entwicklungen in den einzelnen nationalen Volkswirtschaften sind allesamt große Unsicherheitswolken am kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont, die die zukünftigen Preise an den Börsen massiv bewegen können.

Was bedeutet das nun für mich als Investor? Zunächst mit kühlem Kopf einen prüfenden Blick in das eigene Regelwerk werfen und das darin festgehaltene Risikomanagement nochmals vergegenwärtigen. Neben einer breiten Diversifikation entlang einzelner Sektoren, verschiedener Währungsräume und Unternehmensgrößen kommt das Money-Management ins Spiel. Ein Engagement an der Börse besteht nicht bloß aus der Analyse von Unternehmen und dem Stock-Picking. Durch das Investieren in Tranchen steuere ich mein Risiko mittels Positionsgrößen bis zum Zeitpunkt des Vollausbaus – im Gegensatz zur Einmalanlage, bei dem ein jeder Kauf einen (künstlichen Druck) für ein Market-Timing erzeugen kann.
Die Multiples sind nun spürbar von ihren Dauerhochs zurückgekommen. Noch im letzten Jahre konnte ich mich über eine Flut an Kaufsignalen nicht beschweren. Das verwundert kaum, wenn man das hohe Bewertungsniveau des S&P 500 über einen langfristigen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet.
Das zurückliegende Quartal war sogar das schlechteste Quartal seit 2022, da das Gros der Marktteilnehmer „plötzlich“ erkannten, da es angesichts der politischen Unklarheiten um das Risiko-Ertrags-Verhältnis nicht gerade am besten bestellt war.

Die von US-Präsident Donald Trump nun angekündigten Zölle führen an den Börsen dazu, alles in Frage zu stellen, einschließlich der Frage, ob die ambitionierten Bewertungen in einem Umfeld von hartnäckiger Inflation, zunehmenden Wachstumsängsten, geopolitischen Risiken, sinkender Verbraucherstimmung und massiven schuldenbasierten Konjunkturprogrammen noch gerechtfertigt sind.
Seit dem erreichten Tiefpunkt im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2009 gab es im S&P 500 insgesamt 30 Korrekturen von mehr als 5 Prozent. Davon waren zehn größer als 10 Prozent, vier überstiegen 20 Prozent und eine lag bei mehr als 30 Prozent. Die Zukunft wird nicht genau so aussehen wie die Vergangenheit. Der springende Punkt ist: als ein langfristiger Anleger in Aktien bleibt ein starker Rückgang eine Frage des Wann, nicht des Ob.

Mit nun 23 Unternehmen im Depot nähere ich mich der Zielmarke von maximal 30 Unternehmen. Heruntergebrochen auf die elf Sektoren ergibt sich die folgende Verteilung der Unternehmen, wobei diese Zusammensetzung nicht in Stein gemeißelt ist und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen sind. Für alle Unternehmen gilt dieselbe Frage, zu welchem Preis ich schlussendlich bereit bin, aktiv an der Börse zu werden:

An meinem Credo ändert die aktuelle Lage nichts. Mich an einem strategischen Investmentplan zu halten, eine ungebrochene Überzeugung, weiterhin regelmäßig in Unternehmen zu investieren und dabei die langfristige Perspektivenicht aus den Augen zu verlieren. Die durchschnittliche Jahresrendite der Asset-Klasse Aktien bleibt über die unterschiedlichen Wirtschaftskrisen der rund letzten hundert Jahre hinweg der Trumpf für die nachhaltige Vermögensbildung.

In diesen turbulenten Zeiten tut man sich als Privatanleger wohl selbst einen Gefallen, den eigenen Fokus trotz des volatilen Kursverlaufs und dem begleitenden „Börsen-Noise“ auf das Wesentliche beizubehalten. Klar ist, dass ein nun eingeleiteter Anpassungsprozess auf neuen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen Zeit braucht. Wer ohnehin mit einem Anlagehorizont von zumindest zehn Jahren oder noch länger investiert, braucht nicht in die Hektik des Moments verfallen, sondern behält das „Big Picture“ im Blickfeld. Investments in den Aktienmarkt sind als eine unternehmerische Beteiligung mit einer langfristigen Renditechance zu verstehen. Nicht mehr und nicht weniger. Kurzfristig kann der Markt über- oder unterbewertet sein. Langfristig folgt der Markt der realen Wirtschaft und dem realen Wert eines Unternehmens.
„In the short run, the market is a voting machine but in the long run, it is a weighing machine.“ Benjamin Graham

