Eine besorgniserregende Schlagzeile aus der Politik jagt die nächste. Eines der bekanntesten Finanzmarkt-relevanten Sprichwörter von den kurzen Beinen politischer Börsen mag aus einer langfristigen Perspektive bisher im Kern immer gestimmt haben. Mit dem Rückblick auf das DGI-Musterdepot gebe ich einen transparenten Einblick in die Entwicklung der darin enthaltenen Einzelwerte im ersten Quartal 2025, ermittle die Gesamtrendite und blicke auf die Performer und Nachzügler im Depot.
Fakten und Zahlen zum 2. Quartal 2025
Zu Beginn blicken wir auf die Gesamtportfolioebene, ehe ich mich im nächsten Kapitel den Einzelwerten widmen werde. Das DGI-Musterdepot war gefüllt mit einem Startkapital von 100.000 Euro. Zum 30.06.2025 waren davon ca. 75.000 Euro oder drei Viertel der Gesamtsumme investiert.
Aus der folgenden Grafik geht die positive Entwicklung der Dividenden-Treppe hervor. Seit Auflage des Portfolios überwiesen mir die Unternehmen insgesamt rund 2.500 Euro auf mein Cash-Konto.

Alle Investitionen berücksichtigt, gehe ich mit einer Liquiditätsreserve von rund 27.500 Euro in das dritte Quartal 2025. Die nicht realisierten Gewinne belaufen sich auf knapp 1.700 Euro. Hier alle relevanten Depot-Komponenten kurz zusammengefasst:
| Startkapital 22.03.2024 | 100.000,00 |
| Investiertes Kapital | 75.108,96 |
| Unrealisierte Kursgewinne | 1.678,98 |
| Endwert 30.06.2025 | 76.787,95 |
| Freies Startkapital Ende Q2 2025 | 24.891,04 |
| Vereinnahmte Dividenden | 2.465,49 |
| Gesamt-Liquiditätsreserve 31.03.2025 | 27.356,53 |
Die persönliche Dividendenrendite beträgt aktuell 2,9 Prozent, das entspricht einer Steigerung von 30 Basispunkten im Vergleich zum letzten Quartal. Zur Erinnerung die Berechnungsmethodik: es werden die nur die tatsächlich vereinnahmten Dividenden durch das gesamte investierte Kapital geteilt.
Im 2. Quartal 2025 verzeichnete das Depot einen Renditegewinn von 0,8 Prozent. Hierbei betrachte ich den Total Return, d.h. (un)realisierte Kursgewinne und vereinnahmte Dividenden zusammengerechnet.

In Anbetracht der Turbulenzen ab Anfang April im Zuge des Handelskonflikts und den geopolitischen Verwerfungen in Nahost, war die erzielte Rendite von knapp zwei Prozent am Quartalsende das Resultat einer bald einsetzenden Erholung. Diese erfreuliche Entwicklung spiegelt sich nahezu ident im breiten FTSE-All-World Marktindex wider.
Wie mehrmals erwähnt stellt der kurze Betrachtungszeitpunkt, der Start des Depots erfolgte im März 2024, für diesen Rückblick auf die Performance des Portfolios noch keinen allzu bedeutsamen Erkenntnisgewinn dar. Ziel ist es, dass sich die darin enthaltenen Einzelwerte auf langfristige Sicht von zehn Jahren aufwärts entfalten. Deswegen setzen wir gleich über zum nächsten Fluglevel und kommen zu den Einzelwerten.
Deep-Dive Einzelwerte
Mit Ende Juni befinden sich insgesamt 27 Assets im Depot, wobei es sich dabei ausschließlich um Einzelwerte handelt. Hierzu die folgenden Erstkäufe in chronologischer Reihenfolge.
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 04.04.2025 | Comfort Systems USA (FIX) | 2.828,60 | 10 |
| 07.04.2025 | Visa (V) | 1.442,77 | 5 |
| 08.04.2025 | Münchener Rück (MUV2.DE) | 2.625,00 | 5 |
| 08.04.2025 | Tractor Supply (TSCO) | 2.163,02 | 50 |
Comfort Systems USA ist ein führendes Unternehmen im Bereich der Gebäudetechnik in den Vereinigten Staaten. Gegründet im Jahr 1997, hat sich das Unternehmen auf die Bereitstellung umfassender Dienstleistungen für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen (HLK) sowie elektrische Systeme spezialisiert. Comfort Systems USA bietet eine breite Palette von Dienstleistungen an, einschließlich Design, Installation, Wartung und Reparatur von HLK-Systemen sowohl für gewerbliche als auch für industrielle Kunden.Ein weiteres Geschäftsfeld von Comfort Systems USA ist die Gebäudeautomation. Das Unternehmen bietet Systeme an, die es ermöglichen, verschiedene Gebäudefunktionen, wie z.B. Beleuchtung, Temperatur und Sicherheit, zentral zu steuern und zu überwachen.
Neben Mastercard gilt Visa als das weltweit führende Unternehmen im Bereich Zahlungsverkehrstechnologie, das sich auf die Durchführung elektronischer Zahlungen zwischen Verbrauchern, Unternehmen und Banken spezialisiert hat. Gegründet im Jahr 1958 als BankAmericard in Kalifornien, entwickelte sich Visa zu einem globalen Netzwerk, das sichere und zuverlässige Zahlungslösungen bietet. Visa betreibt eines der größten Zahlungsnetzwerke der Welt und ermöglicht Transaktionen in mehr als 200 Ländern und Territorien. Das IT-Unternehmen mit Fokus auf die Finanzbranche bietet eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen an, darunter Kredit-, Debit- und Prepaid-Karten sowie digitale Payment-Lösungen.
Mit einer globalen Präsenz ist die Münchener Rück, auch bekannt als Munich Re, das größte Rückversicherungsunternehmen. Die Grundlage des Geschäftsmodells der Münchener Rück bilden die Rückversicherungsdienstleistungen für Erstversicherer. Das Unternehmen ist bekannt für seine Expertise in der Bewertung und Absicherung komplexer Risiken, darunter Naturkatastrophen, Großschäden und innovative Versicherungsprodukte. Neben der Rückversicherung ist die Münchener Rück auch im Erstversicherungsmarkt tätig, insbesondere durch ihre Tochtergesellschaft ERGO Group, die eine Vielzahl von Versicherungslösungen für Privat- und Geschäftskunden anbietet.
Tractor Supply Company ist ein US-amerikanisches Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Brentwood, Tennessee. Das Unternehmen hat sich vornehmlich auf Standorte in ländlichen Gebieten der USA spezialisiert und vertreibt dort unter anderem landwirtschaftliche Kleingeräte und Material für die Viehwirtschaft, aber auch Artikel für Haus und Garten. Der unter dem Börsenticker TSCO firmierende Retailer greift auf ein breites Angebot für Farmer, Rancher und jene naturverbundenen Menschen zurück, die in ihrer Freizeit einem Hobby in der Agrar-, Garten- oder Landwirtschaft nachgehen. Der „Neighbor’s Club“ als Kundenbindungs-programm als auch das über die Jahre etablierte Logistiksystem sind beachtenswerte Wettbewerbsvorteile, die zu einer starken Kundenzufriedenheit beitragen.
Zur Komplettierung folgt noch die Liste mit insgesamt drei Nachkäufen im 2. Quartal, geordnet nach dem Kaufdatum:
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 07.04.2025 | Microchip Technology (MCHP) | 1.763,39 | 50 |
| 16.05.2025 | UnitedHealth (UNH) | 752,48 | 3 |
| 27.06.2025 | LVMH (MC.PA) | 900,00 | 2 |
Nachfolgend findest du die „bewundernswerten“ Top-Performer und „bedauernswerten“ Nachzügler seit Beginn des DGI-Musterdepots, berechnet in Euro als Währungsbasis. Auf die Gründe werde ich im Rahmen des nächsten Webinars am 10. Juli genauer eingehen. Hier geht’s zur kostenlosen Anmeldung.

Diversifikation & Allokation
In meiner Investmentstrategie ist die Portfolio-Diversifikation ein probater Weg, um den unsystematischen Risiken in adäquater Form Herr zu werden und stellt somit neben der Positionsgröße den integralen Bestandteil meines Risikomanagements dar. Schauen wir uns nun den Status der Diversifikation entlang unterschiedlicher Ausprägungen wie Sektoren, Ländern oder Unternehmensgrößen genauer an.
In der grundsätzlichen Frage, ob als Bemessungsgrundlage der aktuelle Marktwert oder der Wert des ursprünglich investierten Kapitals herangezogen werden, habe ich mich derweilen für den Marktwert entschieden. Dies begründe ich aufgrund der geringfügen Diskrepanz im Endergebnis zwischen den beiden Referenzgrößen. Die Regel, dass kein Unternehmen mehr als fünf Prozent des investierten Kapitals ausmacht, werde ich weiterhin im Auge behalten, spielt in dieser Phase des Portfolioaufbaus noch keine bedeutende Rolle.
Beginnen wir mit einer Betrachtung der Zusammenstellung des Portfolios auf Basis der Einzelwerte, so stellt sich die Situation wie folgt dar. Rechts in der Grafik stehen die Top-10 nach Marktwert.

Basierend auf den „Global Industry Classification Standard“ investiere ich in den elf Sektoren entlang der diversen Wertschöpfungsketten der unterschiedlichen Branchen, die in unserer Wirtschaft von Bedeutung sind. Daher macht es Sinn, den Ist-Status im Vergleich zum Soll-Status zu beleuchten. Ich befinde mich noch mitten in der Aufbauphase des DGI-Musterdepots. Ein stures Festhalten an der Zielallokation, welche ich in der nächstfolgenden Grafik darstelle, erscheint mir vorerst nicht erforderlich:

Schlussendlich ergibt sich das untenstehende Lagebild zur Sektorenverteilung:

Die geographische Streuung über unterschiedliche Länder und Währungsräume erachte ich als einen essentiellen Bestandteil des Risikomanagements. Es existieren keine fixen Grenzen, wieviel ich in welches Land investieren möchte. Meine Gedanken dazu sind recht simpel: nur weil eine Organisation in Land A den unternehmensrechtlichen Hauptsitz hat, bedeutet dies keineswegs automatisch, dass dieser Konzern seine Umsätze aus der operativen Geschäftstätigkeit nur in seinem Heimatland erzielt. Doch kommen wir nun zur Länder-Allokation:

Ausblick
Außer Spesen nichts gewesen?! Wenn wir die beiden Kursmarken von Anfang April und als Endpunkt den 1. Mai durch eine Linie verbinden, wäre das Ergebnis eine Gerade ohne großen Anstieg oder Abfall. Man könnte den unmittelbaren Eindruck gewinnen, dass dazwischen vermeintlich wenig passierte. Im US-Leitindex S&P 500 befinden wir uns kursseitig wieder über dem Niveau, bevor US-Präsident Donald Trump den schicksalhaften „Liberation Day“ ausrief. Beschreibt dieses Zwischenergebnis trefflich die berüchtigte Kürze der Beine politischer Börsen? War das ganze Theater um Zölle und der Vergeltungsankündigungen betroffener Länder also umsonst? Alles ist und bleibt im Fluss.
Das Gesetz der Serie setzt sich beharrlich fort. Als ob der US-amerikanische Präsident ein natürliches Monopol auf die passende Schlagzeile besäße. Bei ihm besteht definitiv keine Gefahr für Langeweile. Es wäre fast schon ignorant, kein einziges Wort über den neuen Gesetzesentwurf (vulgo „One Big Beautiful Bill Act“) zu verlieren. Diesen Job haben die Finanzmedien erledigt und die darin enthaltene, mittlerweile in der ursprünglichen Form wieder obsolete „Section 899“ als vermeintliches Schreckgespenst für ausländische Investoren ausreichend beleuchtet. Ein Durchwinken der „Reconciliation Bill“ hätte zudem desaströse Auswirkungen auf den liquidesten Kapitalmarkt der Welt gezeitigt, was in erster Linie die US-Anleger negativ getroffen hätte. Büßen US-Assets bei internationalen Anlegern an Attraktivität ein, wäre der Outflow an Geld kaum von der heimischen Investorenschaft zu kompensieren.
Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema des Investierens. Nun verwundert es kaum, dass auf Basis der jüngsten Unternehmenszahlen und recht positiven Analysteneinschätzungen das Bewertungsniveau im US-Leitindex S&P 500 auf einem ungebrochen ambitionierten Level verharrt – trotz der kurzzeitigen Delle im April.

Mit nun 27 Investments im Depot bin ich fürs Erste ausreichend in den relevanten Branchen vertreten. Die tieferen Kursniveaus im Zuge des Zollkonflikts habe ich für die eine oder andere Aktienkauf genutzt. Heruntergebrochen auf die elf Sektoren ergibt sich die folgende Verteilung der Unternehmen:

Für alle im Portfolio enthaltenen Unternehmen gilt dieselbe Frage, zu welchem Preis ich schlussendlich bereit bin, aktiv an der Börse zu werden. Denn nicht zu Unrecht wird in der gängigen Börsenliteratur die Geduld als eine Tugend angepriesen. In Verbindung gebracht mit dem Typus des geduldigen Investors werden oftmals Kennzeichen wie „langfristig-orientierter Vermögensaufbau“, „Disziplin“ oder „Durchhaltekraft“. Je stärker die Börsenschwankungen ausfallen und die Volatilität steigt, desto eher zerrt das an den eigenen Nerven. Im Kontext des Investierens bezeichne ich die bewusst getroffene Anlageentscheidung des Nichtstuns als die dritte Option, die uns allen neben dem Kauf und Verkauf von Aktien offensteht.
Geduldiges Investieren bedeutet auch, seine Fähigkeiten kontinuierlich zu trainieren. Als aktiver Selbstentscheider versuche ich die Grundlagen zu verstehen, beherrschen und auch in der Praxis anzuwenden. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, sich im Hier und Jetzt von kurzfristigen Themen und Fragen treiben zu lassen, die wir rasch beantwortet haben möchten. Davon nehme ich mich keinesfalls aus.
Dennoch wird es auch in Zukunft abwechslungsreich bleiben. Ich befürchte, dass noch einige unerwartete Haken im mühseligen Zollzickzack zu schlagen sind. Solche Phasen der stärker wahrgenommenen Unsicherheit werden uns als Privatinvestoren mit einem langfristigen Anlagehorizont noch öfters begegnen, soviel ist gewiss. Darauf hat man sich auf und abseits der Börsen nun mal einzustellen. Es war noch nie eine überaus gescheite Idee, an der Börse in Panik zu verfallen und erratisch die Aktien zu verkaufen wie in diesem April. Sich nicht vom politischen Geplänkel ins Bockshorn jagen lautet die Devise.

