Der VIX steht unter 16, der VVIX unter 90. Am Gesamtmarkt ist von Angst wenig zu sehen. Bei einzelnen Aktien schon: McDonald's hat im September rund 9,5 % verloren und notiert auf einem Vier-Jahres-Tief, PepsiCo und Uber hängen knapp über ihren 52-Wochen-Tiefs. Ruhiger Index, gestresste Einzelwerte. Für Stillhalter ist das eine brauchbare Kombination, weil die Prämien bei diesen drei Titeln höher sind, als es der VIX vermuten lässt.
Was VIX und VVIX gerade sagen
Der VIX bildet die erwartete Schwankung des S&P 500 für die nächsten 30 Tage ab. Ein Wert unter 16 bedeutet: Der Optionsmarkt preist für den Index weniger als 16 % Jahresschwankung ein, auf einen Monat heruntergerechnet etwa 4,6 %. Der VVIX misst die Schwankung des VIX selbst. Unter 90 heißt, dass kaum jemand VIX-Calls als Crash-Versicherung kauft. Der Markt fühlt sich sicher.
Daraus folgen zwei Dinge. Wer sein Depot absichern will, bekommt Index-Puts gerade billig. Wie das mit Puts für ein paar Cent funktioniert, haben wir im August im Beitrag VIX bei 15, Put für fünf Cent durchgerechnet. Und wer Prämie verkaufen möchte, findet sie im Moment eher bei Aktien, die gerade abgestraft werden, als beim Index.
Grob überschlagen liegt die implizite Volatilität der drei Puts weiter unten zwischen gut 20 % bei McDonald's und knapp 40 % bei Uber. Für McDonald's, eine Aktie mit einem Beta von 0,4, ist das im Verhältnis zum VIX ungewöhnlich viel.
Cash Secured Puts mit langer Laufzeit
Beim Cash Secured Put verkauft ihr einen Short Put und haltet das Geld bereit, um die Aktie bei Ausübung zum Strike zu kaufen. Bleibt der Kurs über dem Strike, verfällt die Option wertlos und die Prämie gehört euch. Fällt er darunter, kauft ihr die Aktie, und die Prämie senkt euren Einstand. Sinnvoll ist das nur bei Aktien, die ihr zu diesem Preis ohnehin haben wollt.
Alle drei Ideen laufen bis zum 17. September 2027, also 347 Tage. Pro Tag verdient ihr damit weniger Zeitwert als mit 45-Tage-Optionen. Dafür ist die absolute Prämie groß, und ihr müsst ein knappes Jahr lang nichts tun. Diese Laufzeit passt zu Aktien, die ihr langfristig im Depot haben wollt. Wer aktiver handelt, kann die Position bei 50 % Gewinn auch vorzeitig schließen.
Wichtig: Die folgenden Handelsideen sind redaktionelle Beispiele. Sie sind keine Anlageberatung und keine Aufforderung, eine Position einzugehen.
McDonald's – Vier-Jahres-Tief bei einem Beta von 0,4
McDonald's schloss am 2. Oktober bei 231,89 USD. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 341,75 USD, das Tief bei 229,61 USD. Die Aktie steht also direkt am unteren Ende ihrer Jahresspanne. Im September ging es um 9,5 % nach unten, der Kurs liegt knapp 20 % unter der 200-Tage-Linie. Das US-Geschäft wächst langsamer, und die Investitionen in die NEXT-Strategie kosten Marge. Morgan Stanley hat das Kursziel deshalb auf 297 USD gesenkt.
Operativ sieht es weniger dramatisch aus. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 4 % auf 7,1 Mrd. USD, der Nettogewinn um 5 % auf 2,36 Mrd. USD. Das KGV liegt bei knapp 19, der Zehn-Jahres-Schnitt bei gut 23. Die Dividende beträgt 7,51 USD im Jahr, das sind 3,2 %.
Möglicher Cash Secured Put:
- Verfall 17. September 2027 mit 347 Tagen RLZ
- Strike 230er (Andienungssumme 23.000 USD)
- Prämieneinnahme 1.900 USD
Der Strike liegt nur 0,8 % unter dem aktuellen Kurs. Kommt es zur Andienung, kauft ihr McDonald's effektiv für 211 USD. Das sind 9 % unter dem heutigen Kurs und knapp 40 % unter dem Hoch. Auf die Andienungssumme gerechnet bringt die Prämie 8,3 %. Ein Teil davon gleicht die Dividenden aus, die Aktionäre bis zum Verfall bekommen und ihr als Put-Verkäufer nicht. Die Q3-Zahlen stehen in den nächsten Wochen an, also lange vor dem Verfall.
PepsiCo – Zahlen am Donnerstag
PepsiCo notiert bei rund 127 USD und damit am 52-Wochen-Tief. Das Problem sitzt in Nordamerika: Das Getränkegeschäft PBNA lief im zweiten Quartal schwächer als erwartet, und für das zweite Halbjahr rechnet das Management mit höheren Rohstoffkosten. Die Gewinnschätzungen für das dritte Quartal sind in den letzten 90 Tagen um gut 5 % gesunken.
Die Dividende liegt bei 1,48 USD pro Quartal. PepsiCo hebt sie seit über 50 Jahren jedes Jahr an. Auf den aktuellen Kurs gerechnet sind das rund 4,6 %, im Zehn-Jahres-Schnitt lag die Rendite eher bei 2,9 %. Das Forward-KGV für 2026 beträgt rund 15.
Möglicher Cash Secured Put:
- Verfall 17. September 2027 mit 347 Tagen RLZ
- Strike 125er (Andienungssumme 12.500 USD)
- Prämieneinnahme 1.100 USD
Bei Andienung liegt der Einstand bei 114 USD, gut 10 % unter dem aktuellen Kurs. Die Prämie bringt 8,8 % auf die Andienungssumme. Einen Haken gibt es beim Timing. Am Donnerstag, 8. Oktober, legt PepsiCo vor Börseneröffnung die Q3-Zahlen vor, der Konsens erwartet 2,30 USD Gewinn je Aktie bei 25,0 Mrd. USD Umsatz. Bis dahin steckt Event-Volatilität im Optionspreis. Wer vorher verkauft, bekommt mehr Prämie und trägt das Risiko einer Kurslücke. Wer danach verkauft, bekommt vermutlich weniger, kennt aber die Zahlen.
Uber – Die Robotaxi-Angst steckt im Kurs
Uber schloss am 2. Oktober bei 68,11 USD. Seit Jahresanfang sind das 16,6 % Minus, vom Hoch bei 101,30 USD rund ein Drittel. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 65,41 USD. Der Druck kommt vor allem aus der Robotaxi-Debatte. Am 8. September stellte Tesla in Austin das Cybercab vor, Uber verlor an dem Tag 4 %. Bank of America schätzt, dass autonome Konkurrenten 18 bis 24 Monate Vorsprung haben, bevor Ubers eigene Flotte skaliert. Dazu kommen Spannungen mit Waymo, der Abbau von rund 3.300 Stellen und die Übernahme von Delivery Hero für 14,8 Mrd. USD.
Ubers Gegenargument: Ein leeres Robotaxi verdient kein Geld, und Uber liefert die Nachfrage, die die Autos füllt. CEO Dara Khosrowshahi hat im September für rund 10 Mio. USD eigene Aktien gekauft. Das KGV liegt bei etwa 15. Eine Dividende zahlt Uber nicht.
Möglicher Cash Secured Put:
- Verfall 17. September 2027 mit 347 Tagen RLZ
- Strike 70er (Andienungssumme 7.000 USD)
- Prämieneinnahme 1.000 USD
Der 70er liegt 1,89 USD im Geld. Von den 10 USD Prämie sind also gut 8 USD Zeitwert. Bei Andienung kauft ihr Uber effektiv für 60 USD, knapp 12 % unter dem aktuellen Kurs und unter dem bisherigen 52-Wochen-Tief. Die Prämie bringt 14,3 % auf die Andienungssumme, deutlich mehr als bei den beiden Konsumwerten. Der Grund ist das höhere Risiko. Uber schwankt mit einem Beta von 1,16 fast dreimal so stark wie McDonald's, und eine Dividende als Puffer gibt es nicht. Die Q3-Zahlen kommen Anfang November.
Fazit
Wir befinden uns in einer Phase, in der die Märkte technisch angeschlagen sind und die geopolitische Unsicherheit alles überlagert. Die VIX-Terminstruktur zeigt uns, dass der Markt nicht mehr mit einem starken Abverkauf rechnet. Der hohe OVX lässt viele Chancen für Stillhalter offen. Dazu gibt es hohe Prämieneinnahmen bei den Software-Titeln.
Was heißt das für uns als Händler? Chancen nutzen, Prämienniveaus beobachten und auf gezielte Gelegenheiten warten. In solchen Marktphasen ergeben sich oft die besten Trades – aber eben nur, wenn man Geduld mitbringt und nicht blind in den Markt greift. Die Volatilität ist da, die Prämien sind hoch – aber man muss nach wie vor das Risiko- und Moneymanagment im Griff haben.

Fazit
Der Oktober bietet Stillhaltern eine seltene Kombination: Der Index ist so ruhig, dass Absicherung wenig kostet, und gleichzeitig notieren drei bekannte Namen an oder nahe ihren Jahrestiefs. Wer McDonald's und PepsiCo ohnehin langfristig ins Depot legen will, bekommt über die Puts 8 bis 9 % Prämie und einen Einstand rund 10 % unter dem aktuellen Kurs. Uber bringt 14 %, verlangt dafür aber die Bereitschaft, eine Aktie zu halten, deren Geschäftsmodell der Markt gerade neu bewertet. Bei PepsiCo hängt die Höhe der Prämie am Timing rund um die Zahlen am 8. Oktober. Und solange VIX und VVIX so niedrig stehen, lohnt ein Blick auf günstige Index-Puts als Gegengewicht zu den Short Puts.
Weitere Handelsideen und die monatliche Einordnung von VIX und VVIX findet ihr im Optionsbrief. Live besprechen wir die Ideen im CapTrader-Webinar Optionsmärkte im Überblick am 6. Oktober um 17 Uhr.
Bitte beachtet: Dies ist keine Anlageberatung und keine Handelsempfehlung. Stillhaltergeschäfte mit Optionen bergen erhebliche Verlustrisiken.
