Die Aktienmärkte präsentieren sich derzeit in stabiler Verfassung. Die Volatilität ist gering, die Nervosität unter den Marktteilnehmern weitgehend verschwunden. Der Volatilitätsindex VIX – häufig als „Angstbarometer“ der Wall Street bezeichnet – pendelt aktuell um die psychologisch bedeutende Marke von 20 Punkten. Gleichzeitig bleibt das geopolitische und makroökonomische Umfeld fragil: Handelskonflikte ohne greifbare Lösung, der andauernde Krieg in der Ukraine, stockende Atomverhandlungen mit dem Iran und ein weiterhin restriktiver geldpolitischer Kurs belasten das fundamentale Marktbild.
Gerade vor diesem Hintergrund stellt die aktuelle Markterholung eine strategische Gelegenheit dar, um sich kosteneffizient gegen potenziell steigende Volatilität in den kommenden Wochen abzusichern. Warum jetzt der richtige Zeitpunkt für ein solches Vorgehen sein könnte, beleuchten wir in diesem Beitrag.
Warum niedrige Volatilität auch ein Warnsignal sein kann
Der VIX misst nicht die historische, sondern die erwartete zukünftige Volatilität der Aktienmärkte – abgeleitet aus den impliziten Schwankungserwartungen auf Basis von S&P-500-Optionen. Ein niedriger VIX signalisiert daher, dass Marktteilnehmer in naher Zukunft nur geringe Kursschwankungen erwarten. Das ist zunächst als eindeutig bullisches Zeichen zu werten.
Gleichzeitig gehen mit niedrigen Volatilitätsniveaus auch entsprechend günstige Optionspreise einher. Solange die Volatilität niedrig bleibt, stellt dies für Stillhalterstrategien oder Optionsverkäufer kein unmittelbares Risiko dar. Problematisch wird es jedoch, wenn auf eine Phase niedriger Volatilität eine plötzliche Marktverwerfung folgt. In solchen Szenarien fallen nicht nur die Aktienkurse stark, sondern auch die Volatilität und damit die Optionspreise steigen sprunghaft an. Für Investoren, die in ruhigen Marktphasen Short-Optionen eingegangen sind, kann dies zu erheblichen Verlusten führen. Denn sie sehen sich plötzlich mit stark steigenden Prämien und entsprechend negativen Bewertungen ihrer Positionen konfrontiert.
Absichern, wenn man kann – nicht, wenn man muss
Die besten Absicherungen schließt man nicht in der Krise ab, sondern in Zeiten der Ruhe. Wer erst dann nach Hedging-Instrumenten greift, wenn die Märkte bereits fallen und der VIX durch die Decke geht, zahlt hohe Prämien – oft für eine Wirkung, die sich zu spät entfaltet.
Daher gilt ein einfacher, aber oft vernachlässigter Grundsatz der professionellen Portfoliosteuerung: Absicherung betreibt man nicht aus Angst, sondern aus Weitsicht. Und ruhige Marktphasen mit niedriger Volatilität bieten genau das: ein ideales Preisniveau für strategische Hedging-Maßnahmen.
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VIX-Optionen als Absicherung
VIX-Optionen sind derivative Finanzinstrumente, die sich auf den Volatilitätsindex VIX beziehen – also auf die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 innerhalb der nächsten 30 Tage. Anders als klassische Aktienoptionen basieren VIX-Optionen jedoch nicht auf einem direkt handelbaren Basiswert, sondern auf den VIX-Index.
Ein wesentliches Merkmal von VIX-Optionen ist ihre barwertige Abrechnung. Sie werden bei Fälligkeit Cash Secured Puts icht physisch beliefert, sondern in bar ausgeglichen – auf Basis der Differenz zwischen dem Strike-Preis der Option und dem finalen Abrechnungspreis des entsprechenden VIX-Futures am Verfalltag.
Die Preisbildung einer VIX-Option hängt maßgeblich von drei Faktoren ab:
- Erwartete Volatilität (implizit): Je höher die erwartete Schwankung, desto teurer sind VIX-Calls.
- Restlaufzeit: Optionen mit längerer Laufzeit sind preissensitiver gegenüber Veränderungen der impliziten Volatilität.
- Struktur der VIX-Futures-Kurve: Da VIX-Optionen auf Futures basieren, spielt die sogenannte Contango- oder Backwardation-Struktur eine entscheidende Rolle bei der Bewertung.
VIX-Calls steigen typischerweise im Wert, wenn die Marktvolatilität abrupt zunimmt – also etwa bei Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten. Diese inverse Korrelation zum Aktienmarkt macht sie zu einem beliebten Absicherungsinstrument in institutionellen und ausgeglichenen Portfolios.
Da VIX-Optionen jedoch einige Besonderheiten aufweisen – wie z. B. die auf Futures basierende Konstruktion und das oft komplexe Zeitwertverhalten – sollten sie nur mit einem entsprechenden Verständnis oder begleitender Beratung eingesetzt werden.
Ein einfacher und wirkungsvoller Schutz: Der VIX-Long-Call
Unter den verschiedenen Instrumenten zur Volatilitätsabsicherung hat sich der Kauf eines VIX-Call-Optionskontrakts als besonders effektiv erwiesen. Anders als komplexe Strategien wie Spreads, Ratio Trades oder Collars bietet ein Long Call eine direkte Partizipation an einem möglichen Volatilitätsanstieg – mit transparentem Kostenrisiko.
Beispiel für eine aktuelle Long-Call-Tradeidee:
- Instrument: Long 1x VIX 30er Call
- Laufzeit: August 2025
- Optionsprämie (Kosten): ca. $160
- Break-Even-Level: VIX = 31,60
- Maximaler Verlust: begrenzt auf die gezahlte Prämie
- Gewinnpotenzial: theoretisch unbegrenzt
Diese Option bietet Schutz in genau den Momenten, in denen der Markt kippt. Ein plötzlicher Volatilitätsanstieg – ausgelöst etwa durch eine überraschende Zinserhöhung, eine geopolitische Eskalation oder schwache Konjunkturdaten – kann zu einem deutlichen Anstieg des VIX führen. Der Long Call profitiert dabei direkt und überproportional.
Warum ein Strike bei 30 und eine Laufzeit bis August?
Ein Strike bei 30 mag zunächst hoch erscheinen, doch dieser Bereich wurde in der Vergangenheit bei plötzlichen Marktverwerfungen regelmäßig erreicht oder sogar überschritten. Die Wahl des Strikes oberhalb der aktuellen VIX-Niveaus reduziert die Optionsprämie und fokussiert die Absicherung auf genau jene Stresssituationen, in denen sie wirklich gebraucht wird.
Die Laufzeit bis August ist bewusst gewählt: Die Sommermonate gelten traditionell als volatilitätsanfälliger Zeitraum. Politische Unsicherheiten, saisonale Handelsmuster und geringere Marktliquidität sorgten in vergangenen Jahren für auffällige Schwankungen. Eine Absicherung, die gezielt auf diesen Zeitraum ausgerichtet ist, kann also eine sinnvolle Ergänzung für jedes Portfolio sein.
Strategische Vorteile eines reinen Long Calls
- Transparenz: Keine versteckten Risiken durch verkaufte Legs oder komplexe Strukturen.
- Begrenztes Risiko: Der maximale Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt – kein Margin-Risiko.
- Flexibilität: Der Call kann jederzeit glattgestellt, verlängert oder ergänzt werden.
- Effektiver Hebel: Bereits bei einem moderaten VIX-Anstieg steigt der Wert des Calls deutlich.
- Unabhängigkeit vom Aktienmarkt: Der VIX reagiert oft sprunghaft – und konträr zu Aktien. Das macht ihn zu einem idealen Schutzmechanismus in Crashphasen.
Fazit: Absichern mit Weitblick – nicht aus Panik
In einem Umfeld ruhiger Märkte und niedriger Volatilität bieten sich seltene Gelegenheiten für vorausschauende Investoren: Die Kosten für Absicherungsmaßnahmen sind gering, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer ist entspannt – und genau das schafft den idealen Moment, um strategisch vorzubauen.
Der gezielte Kauf eines VIX-Long-Calls ist dabei eine einfache, transparente und risikokontrollierte Möglichkeit, sich gegen plötzliche Marktverwerfungen abzusichern. Besonders in den typischerweise anfälligen Sommermonaten kann eine solche Position wertvolle Schutzwirkung entfalten, ohne die Portfoliorendite durch laufende Prämienausgaben unnötig zu belasten.
Wer in ruhigen Phasen absichert, handelt nicht aus Angst, sondern mit professioneller Umsicht – und schafft sich so einen entscheidenden Vorteil, wenn die Märkte plötzlich in Bewegung geraten.
