Die diesjährige Porsche Hauptversammlung fand am 28. Juni 2023 in der Porsche Arena Stuttgart statt. Es war die erste Hauptversammlung seit dem Börsengang. Seit dem 29.09.2022 ist Porsche wieder eigenständig an der Börse gelistet. Es handelte sich um den größten Börsengang nach Marktkapitalisierung in Europa aller Zeiten. Mehr als 170.000 Privatanleger zeichneten die Aktie, wovon die Hälfte mehr als 3.000 EUR investierte. Seit dem Börsengang mit dem damaligen Angebotspreis von 82,50 EUR hat sich die Porsche Aktie sehr gut entwickelt.
Beginn der Porsche Hauptversammlung 2023: Eingangsrede von Wolfgang Porsche
Zu Beginn der Hauptversammlung begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche die Teilnehmer. Zudem ist Wolfgang Porsche Enkel des Firmen-Gründers Ferdinand Porsche (1875-1951), der in den 1930er Jahren das Unternehmen aufbaute.
Zum Anfang seiner Rede erläutere Wolfgang Porsche einige organisatorische Themen, sowie den Ablauf der Tagesordnung. Als aktuell größtes Problem nannte der Aufsichtsratsvorsitzende „die mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen des Ukrainekonflikts“. Jedoch sehe er Porsche in einer starken Position. Seine Aussage wird von den starken Unternehmenszahlen untermauert, welche vom Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume im späteren Verlauf der Hauptversammlung vorgestellt werden.
Nach der Rede von Wolfgang Porsche folgt ein kurzes Video. In diesem werden verschiedene Modelle aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gezeigt. Zudem sieht man einige Erfolge der verschiedenen Porsche Racing Teams und erhält einen Einblick in die Produktion, sowie in die Geschichte der Firma.
Das Video endet mit dem Satz „Der Mythos Porsche lebt und wird niemals untergehen.“
Rede des Vorstandsvorsitzenden Dr. Oliver Blume
Es folgt die Rede des Vorstandsvorsitzenden, Dr. Oliver Blume. Blume war bereits seit 2013 Mitglied des Vorstandes für Produktion und Logistik bei der Porsche AG und ist seit 2015 der Vorstandsvorsitzende. Blume bringt viel Erfahrung in Bezug auf die Automobilindustrie mit, bereits vor seiner Zeit bei Porsche, arbeitete er über 10 Jahre bei der Audi AG.
Die Unternehmensergebnisse der Porsche AG
Blume beginnt seine Rede mit seiner Zufriedenheit über den geglückten Börsengang. Seit 75 Jahren stehe Porsche nun bereits für Eleganz und Performance. Jedoch sei für Porsche immer wieder die Frage entscheidend „Wie können wir immer wieder neu begeistern?“ Ebenfalls sehr zufrieden zeigte sich Blume mit dem aktuellen Zahlenwerk. Im letztem Geschäftsjahr 2022 verkaufte Porsche knapp 310.000 Neufahrzeuge, so viele wie nie zuvor.
Das Betriebsergebnis stieg im Vergleich zum Geschäftsjahr 2020 um 62% von 4,2 Milliarden auf 6,8 Milliarden. Des Weiteren wird eine Dividende in Höhe von insgesamt 915,5 Millionen bzw. 1 EUR pro Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet. Zukünftig soll die Hälfte des Konzernergebnisses nach Steuern jedes Jahr ausgeschüttet werden.
Blume stellte zudem das Programm „Road to 20“ vor. Mit diesem Programm soll langfristig eine operative Konzernumsatzrendite von 20% erreicht werden. Ein weiteres Projekt, das „Porsche Ergebnis Programm 2025“ soll zudem sinkenden Margen vorbeugen. Weitere 500 Maßnahmen befinden sich momentan noch in der Umsetzung. Die Umsatzerlöse stiegen ebenfalls im Vergleich von Q1 2022 zu Q1 2023 von 8 Milliarden auf über 10 Milliarden EUR. Der größte Teil der Fahrzeuge wurde mit 33% in Europa ausgeliefert, dicht gefolgt von China mit 27% und Nordamerika mit 24%. China ist demnach auch ein wichtiger Markt für Porsche. Hier sieht Blume eine „Herausforderung“ für das Unternehmen, da auch viele neue Wettbewerber im Bereich der Elektromobilität aus China kommen. Alles in allem sei das Zahlenwerk für Blume sehr zufriedenstellend, was auch die Bestätigung der Jahresprognose mit einem prognostizieren Jahresumsatz von 40-42 Milliarden EUR untermauert.
Aktuelle Herausforderungen
Größte Herausforderung für Blume und für Porsche sei jedoch „unseren Nachfahren eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“. Im Bereich Elektromobilität möchte Porsche „das Feld anführen“, bis 2030 soll der Anteil an verkaufen Elektrowagen bei 80% liegen. Es sollen 20 Milliarden EUR in Elektromobilität investiert werden und zudem intensiv an moderner Technologie geforscht werden. Alle Porschemodelle sollen zukünftig vollelektrisch angeboten werden. Die nächsten vollelektrischen Modelle sind 2024 der Macan und darauffolgend in der Mitte des Jahrzehnts der vollelektrische 718er sowie der vollelektrische Cayenne. Des Weiteren werden 3 Standort bereits CO2-neutral betrieben. Darunter auch der Hauptstandort in Stuttgart-Zuffenhausen.
Im Rahmen dieses Vorhabens stellte Blume „Porsche Digital“ vor. Porsche Digital arbeite intensiv daran „aus digitalen Technologien, einen nachhaltigen Wert zu schaffen.“ Porsche möchte auch bei dem Thema „Technologie“ eine führende Rolle übernehmen. Mit Mobileye wurde bspw. eine Partnerschaft vereinbart, um auch den Bereich des autonomen Fahrens weiter vorantreiben zu können.
Zum Ende sprach Blume noch einmal über die größten aktuellen Herausforderungen. Diese seien zum einen die gesamtwirtschaftliche Lage, sowie Lieferkettenschwierigkeiten und die aktuelle unsichere Situation in China. Jedoch sei er zuversichtlich, dass Porsche die Probleme bewältigen werde. „Der Star ist die Mannschaft“ und Porsche würde mit Leidenschaft und Pioniergeist in die Zukunft blicken.
Die Porsche Holding SE
Zukünftig wolle auch die Porsche Holding SE, die eine entscheidende Beteiligung an der Porsche AG mit über 25% besitzt und damit auch über eine Sperrminorität verfügt, das Produktportfolio durch neue Unternehmensbeteiligungen verstärken. Anfang 2023 beteiligte sich die Porsche SE bspw. an ABB E-Mobility, einem führenden Anbieter von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge. Des Weiteren beteiligte die Porsche SE sich auch an Celestial AI, dieses Unternehmen entwickelt eine Technologie, die insbesondere auf die Beschleunigung von Rechenprozessen im Bereich der künstlichen Intelligenz ausgelegt ist.
Erfolgreich sei auch die strategische Neuordnung der Bereiche Mobilität und Logistik, hiermit würde der Grundstein für weiteres Wachstum gelegt werden. Auch juristisch habe die Porsche SE u.a. im Dieselskandal einen Erfolg erzielen können. Im April 2022 hat das Oberlandesgericht Stuttgart Klagen in Höhe von 158 Mio. EUR abgewiesen.
Mit der Porsche SE als erfolgreichen und finanzstarken Ankeraktionär, der auch interessante Beteiligungen besitzt, ist die Porsche AG gut aufgestellt.
Fazit
Die Aktionäre zeigten sich nach den vorgestellten Zahlen und nach der Hauptversammlung zufrieden. Die Abstimmungsergebnisse zeigten ebenfalls ein einheitliches Bild. Alle Abstimmungspunkte wurden von den Aktionären mit einem Ja-Anteil von 100% und dementsprechend 0 Gegenstimmen genehmigt. Größte Belastungsfaktoren für das Unternehmen bleiben jedoch weiterhin die Folgen der Covid-19 Pandemie sowie der andauernde Ukraine-Konflikt und die daraus resultierenden Probleme bei den Lieferketten und die hohe Inflation.
Die Unternehmensergebnisse konnte auch auf ganzer Linie überzeugen, nicht zuletzt, weil Porsche im Luxussegment, einem strukturellen Wachstumsmarkt unterwegs ist und eine kapitalstarke Kundschaft bedient.
Die Aussicht auf zukünftig steigende Dividendenzahlungen und organisches Wachstum ließ den Aktionären nichts zu wünschen übrig.
Autor: Tom Breitbart
Tom Breitbart ist im Bereich Sales & Support bei CapTrader in Düsseldorf tätig und kümmert sich um verschiedenste Kundenanfragen zu Plattformen und dem allgemeinen Trading.. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit dem aktuellen Börsengeschehen, mit besonderem Augenmerk auf deutsche Dividendenaktien.



