Geprägt war die laufende Handelswoche insbesondere durch die laufende Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks als auch durch die immer näher heranrückende US-Präsidentschaftswahl, welche zusehends ihre Schatten vorauswirft. Angesichts der Unsicherheit über die zukünftige Regierungsbildung könnten Anleger größere Engagements meiden. Indes nährten Konjunkturdate dies- und jenseits die Fantasie auf weiter sinkende Kapitalmarktzinsen.
DAX Chart
Quelle: Tradingview
China-Zinssenkung lässt Märkte kalt – Deutsche Erzeugerpreise schwächer als gedacht
Am Montag reagierten Anleger zunächst verhalten auf eine Zinssenkung durch die chinesische Zentralbank (People’s Bank of China). Gesenkt wurde der einjährige Leitzins um einen Viertelpunkt auf 3,10 Prozent, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Immer noch warten Marktteilnehmer allerdings auf Details über die in den vergangenen Wochen angekündigten Konjunkturmaßnahmen.
Hierzulande waren die Erzeugerpreise mit minus 0,50 Prozent schwächer ausgefallen als gedacht (-0,20 Prozent), was den Inflationsdruck linderte und damit die Hoffnungen auf weitere EZB-Zinssenkungen forcierte.
Christine Lagarde zeigt sich optimistisch in Sachen Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels
EZB-Präsident Christine Lagarde sagte etwa am Dienstag auf einer Konferenz der Agentur Bloomberg, dass sie im Hinblick auf die Erreichung des Preisziels im kommenden Jahr optimistisch gestimmt sei. Im September lag die Teuerung im Euroraum bei 1,7 Prozent und damit unter dem von der EZB anvisierten Ziel von 2,0 Prozent. Anleger hoffen, dass der europäische Währungshüter auf der letzten Notenbanksitzung des Jahres Mitte Dezember erneut an den Zinsschrauben um einen Viertelprozentpunkt nach unten dreht.
US-Wirtschaft tritt laut Fed auf der Stelle – Einkaufsmanager überwiegend positiv
Das am späten Mittwochabend veröffentlichte „Beige Book“ brachte die Erkenntnis hervor, dass die Wirtschaft laut der Fed auf der Stelle trete. „Im Großen und Ganzen hat sich die Wirtschaftstätigkeit in fast allen Bezirken seit Anfang September kaum verändert, obwohl zwei Distrikte ein bescheidenes Wachstum meldeten“, hieß es.
Hierzulande fielen die Einkaufsmanager allesamt besser aus als erwartet. Mit 42,60 Zählern lag der Einkaufsmanagerindex über den Schätzungen (40,50 Punkte). Auch der Dienstleistungssektor notierte mit 51,40 Punkten über den Erwartungen (50,50 Punkte) und damit weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.
In der Eurozone entwickelte sich das Pendant für das verarbeitende Gewerbe ebenfalls besser als gedacht. Im Gegenzug musste der Dienstleistungssektor federn lassen. In den USA zeichnete sich ebenfalls ein besser als erwartetes Bild ab.
Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe lag in der vergangenen Woche bei 227.000 Anträgen, nach 242.000 erwarteten Einheiten und ebenfalls nach oben revidierten 242.000 Anträgen in der Woche zuvor. Als kritisch wird unter Fachleute die Marke von 270.000 angesehen, welche eine negative Trendwende am Arbeitsmarkt einläuten würde.
ifo-Index überraschend stark – "Deutsche Wirtschaft kann Sinkflug vorerst stoppen"
Am heutigen Freitag sorgten noch Zahlen zu Deutschlands wichtigem Konjunkturbarometer, der ifo-Geschäftsklimaindex, für Aufsehen. Mit 86,5 Zählern lag dieser über den Erwartungen (85,6 Punkte) sowie deutlich über dem Vormonatswert (85,4 Punkte). „Die deutsche Wirtschaft konnte den Sinkflug vorerst stoppen“, hieß es aus den Reihen des Instituts.
Die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA (14:30 Uhr) sowie das Verbrauchervertrauen (Reuters/Uni Michigan) runden um 16:00 Uhr die Handelswoche ab.
SAP-Zahlen stark - Autobauer sorgen für Gefühlsachterbahn
Auch aus Sicht der Berichtssaison mussten Anleger in dieser Woche zahlreiche Daten verarbeiten.
So konnten die Zahlen von SAP am Montagabend dank eines starken Wachstums im Cloud-Geschäft hervorstechen. Eine zentrale Rolle würden dabei KI-Angebote spielen, hieß es.
In den USA standen insbesondere die Zahlen aus dem Hause Tesla im Rampenlicht. Dank gesunkener Batteriekosten konnte der US-Elektroautohersteller im dritten Quartal eine Gewinnmarge von fast 20 Prozent einfahren.
Im Gegenzug dürften die Zahlen von Mercedes-Benz am heutigen Freitag auf die Stimmung drücken, welche einen Gewinneinbruch präsentierten. Der operative Gewinn brach im Zeitraum Juli bis September wegen einer schwachen China-Nachfrage um 64 Prozent ein. Auch der Umsatzausblicke für das vierte Quartal sorgte für eine Enttäuschung.




