30%, 70%, 145% oder doch gar keine Zölle? Was aktuell im Handelskrieg zwischen den USA abgeht, sucht seinesgleichen. In politisch angespannten Zeiten steigt nicht nur das mediale Interesse – auch die implizite Volatilität an den Finanzmärkten nimmt regelmäßig spürbar zu. Aktuell beobachten wir genau dieses Phänomen im Zuge des Handelskriegs zwischen Trump und der gesamten Welt, insbesondere China.
Doch während viele Anleger diese Volatilität als Risiko betrachten, liegt für erfahrene Optionshändler – vor allem für Stillhalter – gerade jetzt eine potenzielle Chance. Denn: Überhöhte Volatilität bedeutet überbewertete Optionsprämien. Wer systematisch Prämien vereinnahmt, sollte besonders genau hinschauen. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir Trumps Einfluss auf die implizite Volatilität.
Implizite Volatilität- Der Schlüssel zum Optionspreis
Bevor wir auf die aktuelle Situation eingehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Funktionsweise: Die implizite Volatilität (IV) ist ein zentraler Bestandteil der Optionspreisformel (z. B. Black-Scholes). Sie reflektiert die vom Markt erwartete Schwankungsbreite eines Basiswertes über die Laufzeit der Option.
Steigende IV → höhere Optionspreise
Fallende IV → sinkende Optionspreise
Besonders für Stillhalter ist die IV entscheidend: Wenn Optionen mit erhöhter IV verkauft werden, sind die vereinnahmten Prämien höher. Sinkt die IV nach dem Verkauf, entsteht zusätzlich zum Zeitwertverfall ein Volatilitätsgewinn (Vega-Effekt).
Was lässt die Volatilität steigen?
Donald Trumps öffentliche Präsenz und sein polarisierender Einfluss auf die politische Landschaft der USA sorgen regelmäßig für spürbare Ausschläge bei Volatilitätsindizes. Besonders im Vorfeld wichtiger Ereignisse wie:
- Präsidentschaftswahlen
- Debatten um das Wahlsystem oder mögliche „Unregelmäßigkeiten“
- Eskalationen geopolitischer Natur (z. B. China, NATO, Nahost)
- Innenpolitische Spannungen (z. B. Supreme Court, Kongressblockaden)
Diese Unsicherheiten führen zu einem Aufbau von Risikoabsicherungen durch institutionelle Marktteilnehmer, was sich direkt in einer erhöhten Nachfrage nach Puts (besonders weit aus dem Geld) und damit in steigender impliziter Volatilität widerspiegelt. Der aktuelle Handelskrieg zwischen Trump und der gesamten Welt sorgt für große Unsicherheiten, was zu einer extrem ansteigenden impliziten Volatilität geführt hat.
Die Datenlage: VIX, VXTLT, SPOTVOL und Co.
Der VIX, der auf den Optionen des S&P 500 Index basiert, zeigt aktuell ein überdurchschnittliches Niveau. Am 07. April 2025 kam es im Zuge des Zollkriegs zu einem VIX-Stand von über 60, was seit dem Volatilität-Spike am 05. August 2024 (Intraday-High) nicht mehr vorkam. Interessant ist, dass der VIX tagelang auf Werte von über 40 notiert hat, dies kam seit der Corona-Krise nicht mehr vor.

LTV – Left Tail Volatility Index
Dieser funktioniert grundsätzlich mit der gleichen Logik wie der VIX, allerdings misst der LTV die implizite Volatilität im linken „Tail“ der Verteilung – sprich: die implizite Volatilität von ganz weit aus dem Geld liegenden Optionen, sogenannten „Black-Swan-Hedges“. Auch dieser Index ist stark angestiegen:

SPOTVOL – Die IV am Geld
Ein gänzlich anderer methodischer Ansatz liegt dem SPOTVOL Index zugrunde. Im Gegensatz zum Left Tail Volatility Index (LTV), der ausschließlich weit aus dem Geld liegende Put-Optionen berücksichtigt – und somit gezielt das Preisverhalten von Absicherungen gegen starke Marktverluste misst – fokussiert sich der SPOTVOL auf ein ganz anderes Segment des Optionsmarkts:
Er betrachtet ausschließlich Optionen, die „am Geld“ (At-the-Money, ATM) notieren.
Das bedeutet: Der SPOTVOL gibt präzise Aufschluss darüber, wie der Markt die kurzfristige implizite Volatilität dort einpreist, wo die Optionspreise am sensitivsten auf Veränderungen reagieren – nämlich rund um das aktuelle Kursniveau des Underlyings.
Dieser Fokus auf ATM-Optionen macht den SPOTVOL besonders relevant für das Verständnis der erwarteten Standardvolatilität, also jener Volatilität, die nicht von Extremereignissen oder Tail-Risiken getrieben ist, sondern die sich aus der Breite marktüblicher Schwankungen ergibt.

VXTLT – Volatilität auf US-Staatsanleihen
Der Zollkrieg ging auch nicht spurlos an den Bewegungen der Staatsanleihen vorbei, so ist der VXTLT, der die Volatilität auf langfristige Treasury-Bonds (TLT) abbildet, ist zuletzt gestiegen.

Mögliche Strategien für Stillhalter
Aufgrund des bekannten Mean-Reversion-Effekts ist davon auszugehen, dass die implizite Volatilität mittelfristig wieder zurückgeht – so dürfte auch der VIX perspektivisch unter die Marke von 20 fallen. Allein diese Erkenntnis stellt jedoch keine Garantie für einen sicheren Gewinntrade dar. Denn wie weit die Volatilität im Vorfeld eines Rückgangs noch steigen kann, lässt sich aktuell nicht seriös prognostizieren.
Die Nervosität am Markt ist deutlich spürbar: Der Fear-and-Greed-Index notiert derzeit im extrem pessimistischen Bereich, teils unterhalb von 5 Punkten. Gleichzeitig liegt der VVIX – also die Volatilität der Volatilität – mit Werten über 160 auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Diese Kombination deutet darauf hin, dass ein temporäres Hoch bei der impliziten Volatilität möglicherweise bereits erreicht wurde.
Gleichzeitig bleibt jedoch Unsicherheit bestehen. Daher ist es für Stillhalter – wie grundsätzlich bei Short-Volatilitätsstrategien – essenziell, ein konsequentes Risikomanagement zu verfolgen. Nur so lässt sich verhindern, dass kurzfristige Ausschläge den übergeordneten Vorteil einer fallenden Volatilität konterkarieren.
Folgende Punkte sind daher essenziell:
- Cash Secured Puts auf fundamental solide Qualitätsaktien.
- Put Credit Spreads unterhalb relevanter technischer Unterstützungszonen – mit klar definiertem Risiko und positiver Prämienstruktur.
- Konservative Positionsgrößen: Nur ein Teil des Kapitals sollte für Short-Vol-Trades allokiert werden.
- Risikobegrenzung über Spreads: Strategien wie Vertical Spreads oder Iron Condors definieren das maximale Verlustpotenzial von Beginn an.
- Absicherungen über VIX-Optionen: Der gezielte Kauf von Long VIX Calls auf Volatilitätsprodukte kann als Versicherung gegen plötzliche Volatilitätsanstiege dienen.
Wer als Stillhalter in Zeiten erhöhter Unsicherheit agiert, benötigt nicht nur ein gutes Gespür für Marktstimmung und Volatilitätsniveaus, sondern auch einen klaren strukturierten Plan. Gerade in einem Umfeld, das von politischen Schlagzeilen und potenziell überraschenden Entwicklungen geprägt ist, gilt es, Chancen diszipliniert zu nutzen – und Risiken konsequent zu kontrollieren. Denn: Die aktuelle Volatilitätssituation bietet zweifellos ein attraktives Umfeld für Prämienstrategien. Doch nachhaltiger Erfolg stellt sich nur dann ein, wenn Risiko- und Positionsmanagement oberste Priorität behalten. Wer das beachtet, kann als Stillhalter nicht nur von der aktuell überhöhten Volatilität profitieren, sondern sich auch strategisch für ein künftig ruhigeres Marktumfeld positionieren.
Fazit: Volatilität als Chance – aber mit Bedacht
Die aktuell erhöhte implizite Volatilität, ausgelöst durch geopolitische Spannungen und die unberechenbare Wirkung politischer Akteure wie Donald Trump, stellt den Optionsmarkt vor besondere Herausforderungen – birgt zugleich aber auch gezielte Chancen für erfahrene Stillhalter.
Ein Verständnis für die zugrunde liegenden Volatilitätsindikatoren wie VIX, LTV, SPOTVOL oder VXTLT ist dabei unerlässlich, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Wer erkennt, dass Volatilität zur Rückkehr zur Mitte neigt (Mean Reversion), kann gezielt von überhöhten Optionsprämien profitieren – sei es durch Cash Secured Puts, Spreads oder komplexere Strategien wie Iron Condors.
Dennoch gilt: Volatilität short zu handeln bedeutet, gegen die Marktangst zu wetten – und das erfordert neben einem robusten Regelwerk vor allem diszipliniertes Risikomanagement. Ereignisrisiken, wie sie durch politische Eskalationen jederzeit entstehen können, müssen stets miteinkalkuliert werden.
Für professionelle Stillhalter gilt deshalb: Jetzt ist nicht die Zeit für blinde Risikoübernahme – sondern für präzise, risikojustierte Strategien mit einem klaren Edge.
