Der S&P 500 hat vergangene Woche rund 3,6 % zugelegt – die beste Woche seit November. Die Stimmung hat sich spürbar aufgehellt, und nach den turbulenten Wochen im März kehrt langsam etwas Ruhe ein. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf die Charts, die VIX-Terminstruktur und den Ölmarkt – denn ein paar offene Fragen bleiben.
S&P 500 - Erholung läuft
Anfang des Jahres handelte der Index noch über 7.000. Dann kamen die geopolitischen Eskalationen im Nahen Osten, und der Abverkauf drückte den S&P zeitweise um fast 9 % von seinen Hochs. Aktuell notieren die Futures bei etwa 6.816 – ein gutes Stück über den März-Tiefs und getragen vom zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran.
Technisch liegt der Index allerdings noch unter dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, und seit Ende März haben wir ein „Death Cross". Das klingt dramatischer als es ist – aber es zeigt, dass die Erholung noch Arbeit vor sich hat. Die 6.780er-Marke bleibt der Schlüssel: Wird sie nachhaltig geknackt, verbessert sich das Bild deutlich.
VIX-Terminstruktur - Was uns die Volatilität wirklich sagt
Jetzt wird es spannend. Wir haben uns die VIX Futures Terminstruktur auf vixcentral.com angeschaut, und die erzählt eine interessante Geschichte.
Der VIX-Spot liegt aktuell bei rund 21,31. Das ist weder Panik noch Sorglosigkeit – eher ein „Wir sind uns nicht sicher, was als Nächstes passiert". Die Futures-Kurve steigt von dort aus gleichmäßig an: Der Frontmonat April handelt bei 21,45, Mai bei 22,07, Juni bei 22,22 und so weiter bis November bei 23,00. Klassisches Contango also – die länger laufenden Kontrakte sind teurer als die kurzfristigen.

Warum ist das relevant? Weil uns die Steilheit der Kurve etwas verrät. Die Contango-Aufschläge zwischen den einzelnen Monaten liegen bei rund 2,9 % (Monat 1 zu 2), dann bei 0,77 % (2 zu 3) und weiter abflachend. Der Markt rechnet also nicht mit einem kurzfristigen Volatilitätsschock.
Für alle, die Produkte wie den VXX handeln: Die Contango-Struktur bedeutet, dass der Roll-Yield euch weiterhin Geld kostet. Jeden Monat werden die auslaufenden, günstigeren Frontmonat-Futures gegen die teureren Folgemonate getauscht – ein struktureller Gegenwind, der in ruhigen Zeiten besonders weh tut. Wer hier long ist, braucht einen klaren Plan und ein enges Timing. Dieser Effekt lässt sich aber natürlich nutzen, indem Optionshändler beispielsweise via Bear Call Spreads den VXX shorten.
Erdöl und OVX - Der Elefant im Raum
Und damit kommen wir zu dem Thema, das die gesamte Marktdynamik seit Wochen prägt: Öl. Die Zusammenhänge sind eigentlich simpel – aber die Auswirkungen sind enorm.
Der OVX – der Volatilitätsindex für Rohöl – hat sich in den letzten zwölf Monaten komplett verändert. Vor einem Jahr lag er bei ungefähr 24, einem Niveau, das wir als „Normalzustand" bezeichnen würden. Dann kam der Nahostkonflikt, und der OVX schoss zwischenzeitlich auf über 125. Aktuell pendelt er im Bereich von 80 bis 95 – immer noch extrem hoch im historischen Vergleich.
Was bedeutet das konkret? Die Optionspreise auf Öl-ETFs wie den USO sind massiv aufgebläht. Das impliziert: Der Markt rechnet mit riesigen Schwankungen beim Ölpreis, und zwar in beide Richtungen. Der Waffenstillstand hat die Lage etwas beruhigt, aber die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr, dessen Sicherheit an einem seidenen Faden hängt.
Optionshändler können diese hohe implizite Volatilität nutzen, indem sie Optionsstrategien wie Iron Flys, Iron Condors oder auch Butterflys handeln.
Snowflake und IGV - Wachstum wird bestraft
Zum Abschluss noch zwei Charts, die das aktuelle Marktthema auf Einzeltitelebene perfekt illustrieren.
Snowflake (SNOW) notiert bei rund 121 USD und verliert am vergangenen Freitag über 8 %. Von den Hochs über 280 USD aus dem vergangenen Jahr ist das ein Rückgang von mehr als 55 %. Das Unternehmen investiert massiv in KI-Infrastruktur, aber der Markt will Ergebnisse sehen – und zwar jetzt. In einem Hochzinsumfeld werden teure Zukunftsversprechen gnadenlos abgestraft.

Beispiel Cash Secured Put: Sell-to-Open SNOW Put, Strike $100, Verfall 15. Mai 2026
- Aktueller Kurs: ~$119 (Schlusskurs 10. April)
- Strike: $100 (ca. 16 % out-of-the-money)
- Geschätzte Prämie: ca. $3,50–$5,00 pro Aktie (bei der aktuell hohen IV)
- Cash-Sicherheit: $10.000 pro Kontrakt (100 × $100 Strike)
- Maximaler Gewinn: die vereinnahmte Prämie, also $350–$500 pro Kontrakt
- Break Even: $100 minus Prämie = ca. $95–$96,50
- Annualisierte Rendite auf das gebundene Kapital: grob 35–50 % (bei ~5 Wochen Laufzeit)
Ähnlich drastisch zeigt sich die Lage beim iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV). Der Chart zeigt einen Einbruch von rund 37 % – von etwa 118 USD auf aktuell knapp 75 USD. Und das ist kein obskurer Nischenfonds, sondern ein breit diversifizierter Software-ETF. Wenn so ein Produkt derart unter die Räder kommt, zeigt das, wie breit die Schwäche im Tech-Sektor mittlerweile ist.

Cash Secured Put auf IGV – At The Money
Trade: Sell-to-Open IGV Put, Strike $75, Verfall 15. Mai 2026
- Aktueller Kurs: ~$74,67
- Strike: $75 (leicht ITM / quasi ATM)
- Geschätzte Prämie: ca. $4,50–$6,00 pro Aktie (ATM-Puts auf IGV kassieren bei der aktuell erhöhten IV deutlich mehr als OTM)
- Cash-Sicherheit: $7.500 pro Kontrakt (100 × $75)
- Maximaler Gewinn: $450–$600 pro Kontrakt (wenn IGV bei Verfall über $75 steht)
- Break-Even: $75 minus Prämie = ca. $69,00–$70,50
- Annualisierte Rendite: grob 60–80 % (bei ~5 Wochen Laufzeit)
Die Botschaft ist klar: Der „KI-Wachstum um jeden Preis"-Trade, der 2025 noch die Schlagzeilen dominierte, funktioniert aktuell nicht mehr. Anleger wollen Profitabilität und Cashflow – nicht PowerPoint-Folien über die KI-Revolution.
Fast auf den gesamten Softwaremarkt gibt es gigantische Prämien, dies könnten Optionshändler in Form von Cash Secured Puts ebenfalls nutzen. Zum sicheren Gewinn werden diese Trades natürlich nicht, aber das Risiko und Chancenverhältnis verschiebt sich stark zum Verkäufer der Option.
Worauf wir jetzt achten
In den kommenden Wochen gibt es zwei entscheidende Variablen, die den Markt in die eine oder andere Richtung drücken können.
Erstens: der Waffenstillstand. Der aktuelle Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran ist auf zwei Wochen begrenzt. Hält er, kann sich der Ölmarkt weiter beruhigen, was dem gesamten Aktienmarkt Rückenwind geben würde. Scheitert er, stehen wir schnell wieder bei OVX-Werten über 100 – und der S&P 500 testet dann vermutlich die März-Tiefs erneut.
Zweitens: die Earnings-Season. Ende April berichten Apple und Microsoft. Wenn diese beiden Schwergewichte liefern können – insbesondere was die Monetarisierung ihrer KI-Investitionen angeht – könnte das reichen, um den 50-Tage-Durchschnitt bei 6.780 zu knacken. Enttäuschen sie, wird aus der fragilen Erholung sehr schnell eine Bullenfalle.
Fazit
Wir befinden uns in einer Phase, in der die Märkte technisch angeschlagen sind und die geopolitische Unsicherheit alles überlagert. Die VIX-Terminstruktur zeigt uns, dass der Markt nicht mehr mit einem starken Abverkauf rechnet. Der hohe OVX lässt viele Chancen für Stillhalter offen. Dazu gibt es hohe Prämieneinnahmen bei den Software-Titeln.
Was heißt das für uns als Händler? Chancen nutzen, Prämienniveaus beobachten und auf gezielte Gelegenheiten warten. In solchen Marktphasen ergeben sich oft die besten Trades – aber eben nur, wenn man Geduld mitbringt und nicht blind in den Markt greift. Die Volatilität ist da, die Prämien sind hoch – aber man muss nach wie vor das Risiko- und Moneymanagment im Griff haben.
