Mit dem Rückblick auf das DGI-Musterdepot gebe ich einen transparenten Einblick in die Entwicklung der im Depot enthaltenen Einzelwerte im 2. Quartal 2026, ermittle die Gesamtrendite und zeige die Performer und Nachzügler im Depot auf. Zudem gehe ich auf die jüngsten Veränderungen im Portfolio ein.
Fakten und Zahlen zum 2. Quartal 2026
Zu Beginn blicke ich auf die Gesamtportfolioebene, bevor ich mich im nächsten Kapitel den Einzelwerten widme. Das DGI-Musterdepot wurde mit einem Startkapital von 100.000 Euro ausgestattet. Zum 30.06.2026 sind davon rund 86.500 Euro beziehungsweise über 85 Prozent der Gesamtsumme investiert.
Die folgende Grafik zeigt die langfristig positive Entwicklung der Dividenden-Treppe. Seit Auflage des Portfolios haben die im Depot investierten Unternehmen insgesamt rund 5.000 Euro auf mein Cash-Konto überwiesen.

Unter Berücksichtigung aller Investitionen gehe ich mit einer Liquiditätsreserve von rund 20.500 Euro in das zweite Quartal. Die unrealisierten Gewinne belaufen sich auf über 18.500 Euro. Hier sind alle relevanten Depot-Komponenten tabellarisch zusammengefasst:
| Startkapital 22.03.2024 | 100.000,00 |
| Investiertes Kapital | 86.323,90 |
| Unrealisierte Kursgewinne | 23.446,35 |
| Endwert 30.06.2026 | 109.770,24 |
| Freies Startkapital 30.06.2026 | 13.676,10 |
| Vereinnahmte Dividenden | 4.994,19 |
| Gesamt-Liquiditätsreserve 30.06.2026 | 18.670,29 |
Aktuell beträgt die persönliche Dividendenrendite 3 Prozent. Dieses Ergebnis entspricht einer moderaten Steigerung von 10 Basispunkten gegenüber dem letzten Quartal. Zur Erinnerung die Berechnungsmethodik: Es werden nur die tatsächlich vereinnahmten Dividenden durch das gesamte investierte Kapital geteilt. Somit sind im zweiten Quartal die Ausschüttungen von Jahreszahlern (Münchener Rück, Brenntag) und Halbjahreszahlern (Ahold Delhaize, Rio Tinto, Diageo, LVMH) berücksichtigt.
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete das Musterdepot einen Wertzuwachs von 10,4 Prozent. Hierbei betrachte ich den Total Return, d.h. realisierte und nicht realisierte Kursgewinne und vereinnahmte Dividenden.


Der kurze Betrachtungszeitpunkt – der Start des Depots erfolgte im März 2024 – stellt für diesen Rückblick auf die Performance des Portfolios noch keinen allzu großen Erkenntnisgewinn dar. Ziel ist es, dass sich die darin enthaltenen Einzelwerte auf langfristige Sicht von mindestens zehn Jahren entfalten. Deswegen setzen wir gleich über zum nächsten Kapitel und kommen zu den Einzelwerten.
Deep-Dive Einzelwerte
Zur Jahresmitte befanden sich insgesamt 27 Assets im Depot, bei denen es sich ausschließlich um Einzelwerte handelt. Imzweiten Quartal habe ich 6 Nachkäufe vorgenommen, die ich nachfolgend chronologisch aufliste:
| Kaufdatum | Unternehmen (Ticker) | Gesamtinvest in € | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 05.05.2026 | LVMH (MC.PA) | 450,00 | 1 |
| 13.05.2026 | Roper Technologies (ROP) | 268,87 | 1 |
| 03.06.2026 | Tractor Supply (TSCO) | 624,37 | 25 |
| 05.06.2026 | Münchener Rück (MUV2.DE) | 445,00 | 1 |
| 18.06.2026 | Comcast (CMCSA) | 490,77 | 25 |
| 25.06.2026 | Microsoft (MSFT) | 616,17 | 2 |
Wie in jedem Quartalsbericht findest du nachfolgend die „bewundernswerten“ Top-Performer und „bedauernswerten“ Nachzügler im zweiten Quartal 2026 und seit Beginn des DGI-Musterdepots, berechnet in Euro als Währungsbasis:


Diversifikation & Allokation
In meiner Investmentstrategie ist die Portfolio-Diversifikation ein probater Weg, um der unsystematischen Risiken in adäquater Form Herr zu werden und stellt neben dem Steuern der Positionsgröße einen integralen Bestandteil meines Risikomanagements dar. Schauen wir uns nun den Status der Diversifikation entlang unterschiedlicher Ausprägungen wie Sektoren, Ländern oder Unternehmensgrößen genauer an.
Die grundsätzliche Frage, ob ich als Bemessungsgrundlage den aktuellen Marktwert oder das ursprünglich investierte Kapital heranziehe, umgehe ich pragmatisch, indem ich beide Darstellungsvarianten zeige.
Betrachten wir zunächst die Zusammensetzung des Portfolios auf Basis der Einzelwerte, so stellt sich die Situation wie folgt dar. Die Regel, dass kein Unternehmen mehr als fünf Prozent des investierten Kapitals ausmachen soll, werde ich weiterhin im Blick behalten. Zum aktuellen Zeitpunkt „verstoßen“ weiterhin Deere (marginal) und Microchip Technology gegen diese eigene Vorgabe:

Nun der Blick auf die Zusammenstellung des Portfolios basierend auf dem aktuellen Marktwert. Rechts in der Grafik stehen die Top-10 Unternehmen.

Basierend auf dem „Global Industry Classification Standard“ investiere ich in den elf Sektoren entlang der diversen Wertschöpfungsketten der unterschiedlichen Branchen, die in unserer Wirtschaft von Bedeutung sind. Daher ergibt es Sinn, den Ist-Status im Vergleich zum Soll-Status zu beleuchten. Ein stures Festhalten an der Zielallokation, die ich in der nächsten Grafik darstelle, erscheint mir vorerst nicht erforderlich, da ich noch nicht vollinvestiert bin:

Daraus ergibt sich das untenstehende Lagebild zur Sektorenverteilung:


Die geographische Streuung über unterschiedliche Länder und Währungsräume erachte ich als einen essenziellen Bestandteil des Risikomanagements. Es gibt keine festen Grenzen, wie viel ich in welches Land investieren möchte. Meine Gedanken dazu sind recht simpel: nur weil ein Konzern wie Microsoft in den Vereinigten Staaten den unternehmensrechtlichen Hauptsitz hat, bedeutet dies keineswegs, dass dieser Konzern automatisch seine Umsätze aus der operativen Geschäftstätigkeit nur in seinem Heimatland erzielt. Kommen wir nun zur Länder-Allokation:

Da Rio Tinto als britisches Unternehmen in Parqet geführt wird, gibt es einen Unterschied in den Darstellungen zwischen Marktwert und der obigen Grafik.

Ausblick
Bei jedem Quartalsbericht blicke ich auf die Indexebene anhand des S&P 500, um ein erstes Stimmungsbild für die aktuelle Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu gewinnen. Die validen Gründe, warum das KGV auf Indexebene mit Vorsicht zu interpretieren ist, sind mir bewusst. Verzerrung durch Ausreißer, überproportionale Beeinflussung durch die Schwergewichte („Big Tech“ bzw. „KI-Boom“), Veränderungen in den Indexzusammensetzungen im historischen Vergleich, und so weiter. Sei’s drum. Aktuell liegt das KGV mit 25,7 um fast fünf Punkte über dem Zehnjahresdurchschnitt. Damit Trotz bleibt der S&P 500 im ausgewählten Zeitraum insgesamt stark überbewertet.

Der STOXX Europe 600, der die Marktlage in Europa abbildet, umfasst die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas und beschränkt sich im Gegensatz zum EURO STOXX 50 nicht nur auf die Eurozone. Wichtige Länder wie Dänemark, Großbritannien, Norwegen oder die Schweiz sind in diesem Index berücksichtigt. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre war der STOXX Europe 600 mit einem KGV von 15,4 bewertet. Aktuell liegt es bei 17,7, was auf eine Überbewertung hindeutet.

Unverändert sehe ich mich mit 27 Investments im Depot in den relevanten Branchen ausreichend vertreten. Auf die elf Sektoren heruntergebrochen ergibt sich die folgende Verteilung der Unternehmen:

Das zweite Quartal 2026 war ein Quartal der Gegensätze. Über weite Strecken bestimmten die Notenbanken, geopolitische Spannungen und die üblichen Anpassungen zum Quartalsende das Geschehen. Zusammengefasst hinterließen sie ein Marktbild, das sich am ehesten als zerrissen beschreiben lässt. Unter der Oberfläche der Indizes vollzog sich eine spürbare Verschiebung: weg von den bisherigen Anführern der Rally, hin zu Bereichen, die zuvor eher im Schatten gestanden hatten.
Die Frage, die den Markt weiterhin beschäftigt, lautet: Wie schnell lassen sich die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur tatsächlich in nachhaltige Gewinne übersetzen? Zwischen den Hyperscalern, die diese Investitionen stemmen, und den Infrastruktur-Werten, die von ihnen entlang der Wertschöpfungskette profitieren, verläuft dabei eine feine Linie, auf der die Geduld der Anleger auf die Probe gestellt wird. Denn irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Kipppunkt: Ab wann schlägt Euphorie in Ernüchterung um? Ein Blick auf den Fear-&-Greed-Index verdeutlicht, wie schnell die Stimmung zwischen Gier und Angst pendeln kann. Im Endeffekt steht als Ergebnis das besagte zerrissene Marktumfeld, das eine Sektor-Rotation begünstigt.
Da die Rally in den letzten Monaten zu einem großen Teil von KI- und Halbleiter-Aktien angeführt wurde und hier teils massive Zugewinne entstanden, ist eine Korrektur in ebendiesen Aktien zunächst aber auch wenig überraschend und für den breiten Markt möglicherweise sogar als ein gesundes Signal zu werten.
Auffällig ist außerdem, dass nicht nur der Technologiesektor schwach war. Auch andere, nicht-defensive Sektoren wie Nichtbasiskonsum kamen unter Druck. Das spricht dafür, dass Anleger kurzfristig weniger Risiko in den wachstumsstarken und konjunktursensiblen Marktbereichen eingehen wollten. Auf der Gewinnerseite standen dagegen eher defensive oder bislang weniger stark gelaufene Sektoren. Gesundheit, Versorger, Immobilien und teilweise Industriewerte entwickelten sich deutlich besser. Kapital fließt aus den bisherigen Gewinnern in Bereiche, die entweder günstiger bewertet sind, stabilere Cashflows bieten oder von einer breiteren Marktrotation profitieren.
Auf Einzelwertebene spiegelten sich diese Rotationsbewegungen deutlich wider. Ein Paradebeispiel für die Rückkehr defensiver Qualität ist UnitedHealth. Nach einem äußerst schwierigen Jahr 2025 mit stark gestiegenen Behandlungskosten, regulatorischem Gegenwind, Klagen und einem massiven Kursrutsch gelang dem Krankenversicherungsriesen 2026 ein überzeugender Turnaround. Mitte Juni notierte die Aktie nahe ihrem Jahreshoch und hatte sich damit von ihrem Tief aus dem Sommer 2025 mehr als deutlich erholt, auch wenn die laufende Untersuchung des US-Justizministeriums als Belastungsfaktor im Hinterkopf bleibt. Anders gelagert, aber ebenfalls auf der Gewinnerseite, steht Microchip Technology als einer der Profiteure des KI-Infrastruktur-Booms. Nach einer schmerzhaften Korrektur in den Jahren 2024 und 2025 dreht der Halbleiterspezialist zunehmend in Richtung Rechenzentrum: Neue Innovationen und Partnerschaften rücken das Unternehmen mitten in den Infrastruktur-Ausbau, das Geschäft mit Lösungen für Rechenzentren soll sich 2026 in etwa verdoppeln. Die jüngsten Zahlen fielen entsprechend stark aus, und die Aktie lag im Jahresverlauf klar im Plus. Gegen die für die Branche typische Volatilität ist dieser Halbleiterwerte keineswegs immun.
Auf der Negativseite standen zwei Werte, die exemplarisch für die schwächeren Ecken des Marktes stehen. Equinor bekam den Umschwung am Rohstoffmarkt unmittelbar zu spüren: Der norwegische Öl- und Gaskonzern hatte zunächst von den kriegsbedingt hohen Ölpreisen profitiert. Anders als viele Wettbewerber hat Equinor kein direktes Nahost-Exposure und konnte die hohen Notierungen voll vereinnahmen. Mit dem Waffenstillstand und den ab Mitte Juni deutlich fallenden Preisen für WTI und Brent kippte dieser Rückenwind jedoch, und die Energiewerte gerieten unter Druck. Tractor Supply wiederum steht sinnbildlich für die Schwäche im Nichtbasiskonsum: Der auf ländliche Kundschaft ausgerichtete US-Einzelhändler leidet unter einem angespannten Konsumklima auf dem Land, Zöllen und höheren Logistikkosten. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate verlor die Aktie rund 40 Prozent, blieb damit klar hinter dem Gesamtmarkt zurück und notierte zuletzt nahe ihrem Mehrjahrestief. Mitte Juni sorgten weitere gesenkte Kursziele für zusätzlichen Abgabedruck.
Seit Monaten und insbesondere in den vergangenen Wochen waren die Zentralbanken, geopolitische Spannungen und Anpassungen zum Quartalsende bestimmend für das Marktgeschehen. Im Zentrum steht in jeder Börsenphase das Risikomanagement: die Chance, dabei zu sein, aber eben nicht alles auf eine Karte bzw. eine Branche zu setzen. Der Aufbau einer Liquiditätsreserve in Zeiten von Sonnenschein und die Nutzung dieser in Phasen, wenn es an den Börsen kracht und donnert, bleibt ein fundamentaler Bestandteil eines antizyklischen Vorgehens beim Investieren in Einzelwerte.
Am 5. Oktober bin ich wieder zu Gast im Live-Webinar bei CapTrader. Ab 20 Uhr gebe ich ein Update zum DGI-Musterdepot und berichte, wie das 3. Quartal 2026 für das Portfolio verlaufen ist. Hier kannst du dich zum kostenlosen Webinar anmelden.

