Die Volatilität zählt zu den wichtigsten Kennzahlen im Handel mit Optionen und Aktienindizes. Sie beschreibt die Schwankungsintensität von Kursen und liefert damit wertvolle Hinweise auf die aktuelle Marktstimmung sowie auf die Erwartungen der Anleger. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen der impliziten Volatilität (IV) – also der in den Optionspreisen enthaltenen Markterwartung – und der historischen Volatilität (HV), die auf den tatsächlichen Kursbewegungen der Vergangenheit basiert.
In diesem Beitrag zeigen wir, wie sich die Volatilität mithilfe der Trader Workstation (TWS) systematisch analysieren lässt und wie Trader diese Informationen für fundierte Handelsentscheidungen nutzen können.
Wichtige Volatilitätsindizes im Überblick
Um die Volatilität besser einschätzen zu können, gibt es für die großen Aktienindizes eigene Volatilitätsindizes. Sie liefern einen schnellen Überblick, wie viel Schwankungsrisiko der Markt aktuell einpreist:
- VIX – S&P 500
- VXN – Nasdaq 100
- RVX – Russell 2000
- VXD – Dow Jones Industrial Average
- VDAX New – DAX
- VSTOXX – Euro Stoxx 50
- VXEWZ – Brasilien
- VXEEM – Emerging Markets
In vielen Marktphasen verlaufen diese Indizes ähnlich. Steigt beispielsweise der VIX (bezogen auf den S&P 500) stark an, zieht häufig auch der VXN (Nasdaq 100) nach.
Ein Beispiel aus der Praxis
Gerade in besonderen Marktphasen lohnt es sich, die Indizes im Detail zu vergleichen. Während der Zollkonflikte im April 2025 stieg der VIX beispielsweise sehr stark an. Der VXN, der die Volatilität des Nasdaq 100 misst, legte hingegen deutlich weniger zu.

Für Optionshändler hatte das spürbare Folgen: Der Verkauf von Short Put Optionen im Bereich der S&P 500 Optionen war in dieser Situation (Volatilitätshoch) deutlich vorteilhafter, da hier höhere Prämien erzielt werden konnten.
Volatilitätsindizes auf Einzelaktien
Nicht nur große Aktienindizes, sondern auch einzelne Unternehmen verfügen über eigene Volatilitätsindizes. Diese lassen sich mit der Chartfunktion der TWS oder anderen gängigen Analysetools betrachten und bieten eine weitere Ebene für detaillierte Volatilitätsanalysen:
- VXAZN – Amazon
- VXAPL – Apple
- VXGS – Goldman Sachs
- VXGOG – Google
- VXIBM – IBM
Gerade Tradern, die auf einzelne Werte setzen, eröffnen diese Indizes zusätzliche Möglichkeiten, Handelsentscheidungen fundierter zu treffen.
TWS ermöglicht die Volatilitätsanalyse für alle Aktien
In der CapTrader TWS direkt lassen sich für alle Aktien die Volatilitäten analysieren, unabhängig davon, ob ein eigener Volatilitätsindex vorhanden ist. Für die Analyse muss man in einem Chart in der TWS die folgenden Einstellungen vornehmen:
Unter „Bearbeiten -> Chart–Parameter -> Optionsimplizierte Volatilität“ den Haken setzen:

Danach wird die jeweilige implizite Volatilität für die jeweilige Aktie unterhalb des Preischarts aufgerufen:

Die Einblendung der impliziten Volatilität funktioniert auch bei Aktien außerhalb der USA, beispielweise für Nestlé (NESN) oder Mercedes-Benz (MBG). Logischerweise müssen die Aktien mit Optionen handelbar sein, sonst gibt es keine implizite Volatilität, da diese aus Optionen berechnet werden.
Wann ist die Volatilität nun niedrig oder hoch?
Eine der grundlegenden Regeln im Optionshandel lautet: Optionen vorzugsweise in Phasen hoher impliziter Volatilität (IV) verkaufen. Der Grund liegt im bekannten Reversion-to-the-Mean-Effekt: Nach extremen Ausschlägen tendiert die implizite Volatilität dazu, sich wieder ihrem langfristigen Durchschnitt anzunähern.
Trader profitieren in einem solchen Umfeld gleich doppelt. Erstens sind die Optionsprämien in Zeiten hoher IV deutlich attraktiver. Zweitens erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Volatilität wieder zurückgeht – ein Rückgang, der die Optionspreise zusätzlich unter Druck setzt und damit den Weg zu einem schnelleren Gewinn ebnet.
YouTube-Tipp: VIX-Workshop - Wie kann man die Volatilität handeln?
Wichtig ist jedoch, den absoluten Wert der impliziten Volatilität nicht isoliert zu betrachten. Er ist von Aktie zu Aktie kaum vergleichbar. Ein Beispiel: Ein Aktienkurs von 100 US-Dollar lässt keine allgemeine Aussage zu, ob eine Aktie “günstig” oder “teuer” ist. Bei Coca-Cola (aktuell rund 70 US-Dollar) wäre dies ein hoher Wert, während es bei Netflix (aktuell über 1.200 US-Dollar) sehr niedrig wäre.
Daher ist ein relatives Bewertungssystem notwendig. Eine objektive und weit verbreitete Kennzahl hierfür ist der Implied Volatility Rank (IV-Rank), der die aktuelle Volatilität ins Verhältnis zur eigenen Historie setzt und damit eine fundierte Vergleichsbasis schafft.
Der Implied Volatility Rank (IVR) zeigt auf einen Blick, wie die aktuelle implizite Volatilität (IV) im historischen Kontext einzuordnen ist – also, ob Optionen im Vergleich zur Vergangenheit eher teuer oder günstig bewertet sind.
Die Berechnung erfolgt, indem die aktuelle IV in Relation zu ihrem Hoch- und Tiefpunkt der letzten zwölf Monate gesetzt wird:
IVR = (aktuelle IV – 1-Jahres-Tief) / (1-Jahres-Hoch – 1-Jahres-Tief) × 100
Ein IVR von 80 % bedeutet, dass die aktuelle implizite Volatilität nahe am oberen Ende der Bandbreite des vergangenen Jahres liegt. Optionen sind in diesem Umfeld historisch betrachtet teuer – ein attraktives Szenario für Stillhalter, die von hohen Prämien profitieren können. Ein IVR von 10 % dagegen signalisiert sehr niedrige Volatilität, sodass das Chancen-Risiko-Verhältnis für Optionsverkäufe meist weniger attraktiv ist.
Die Berechnung lässt sich entweder manuell durchführen oder direkt in der Trader Workstation (TWS) automatisieren. Dort kann der IVR als eigene Spalte hinzugefügt werden. So lässt sich beispielsweise eine Watchlist mit verschiedenen Aktien anlegen, die anschließend gezielt nach dem IVR gefiltert oder sortiert werden kann. Dazu fügt ihr in der TWS die folgende Spalte ein:

Wichtig ist dabei zu beachten: Ein hoher IV-Rank signalisiert zwar, dass die implizite Volatilität im Vergleich zu den letzten 52 Wochen aktuell nahe am oberen Ende notiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Volatilität nicht noch weiter ansteigen kann. Der IV-Rank zeigt lediglich die relative Position im historischen Kontext – er ersetzt keine Prognose über die zukünftige Entwicklung.
Fazit - Volatilitätsanalyse mit der TWS
Die Trader Workstation (TWS) ermöglicht nicht nur eine präzise Analyse der Volatilität auf Einzelaktienebene, sondern bietet mit dem Implied Volatility Rank (IVR) auch ein objektives Instrument, um das aktuelle Niveau der impliziten Volatilität zuverlässig einzuordnen. Eine praxisnahe Vorgehensweise ist es, eine persönliche Watchlist mit bevorzugten Aktien zu erstellen und diese regelmäßig – beispielsweise einmal pro Woche – nach dem IVR zu filtern. Auf diese Weise lassen sich vielversprechende Ausgangspunkte für die weitere Analyse und gezielte Optionsstrategien identifizieren.
