Einkommensinvestoren verfolgen in der Regeln ein Ziel und das ist ein stabiler und möglichst planbarer Cashflow. Die monatliche oder quartalsweise Dividendenzahlung ist für viele mehr als ein Bonus – sie ist das Herzstück ihrer Anlagestrategie. Doch was passiert, wenn diese Dividenden plötzlich gekürzt oder ganz gestrichen werden? Gerade bei beliebten High-Yield-Vehikeln wie mREITs (Mortgage Real Estate Investment Trusts) oder BDCs (Business Development Companies) ist dieses Risiko real.

Capital Stack (Quelle: marketrealist.com)
Anstatt jedoch gänzlich auf solche Investments zu verzichten, kann es sich lohnen, einen Blick tiefer in die Kapitalstruktur dieser Unternehmen zu werfen – genauer gesagt: in die sogenannte Capital Stack. Denn dort finden sich oftmals attraktiv verzinste Alternativen zur gewöhnlichen Stammaktie, wie z. B. Preferred Shares, Baby Bonds oder Notes, die nicht nur stabile Erträge versprechen, sondern auch strukturell besser abgesichert sind.
Kapitalstruktur
In der Unternehmensfinanzierung beschreibt die Capital Stack die Rangfolge, in der Kapitalgeber im Falle einer Liquidation oder der Restrukturierung eines Unternehmens bedient werden. Ganz oben im Stack steht das Senior Debt, also vorrangige Schuldtitel. Es folgen Subordinated Debt und Preferred Shares, bevor ganz unten schließlich die Common Shares, also die Stammaktien, rangieren.
Je tiefer ein Investment im Capital Stack liegt, desto größer ist das Risiko (simplifiziert) – aber auch die potenzielle Upside. Umgekehrt gilt: Je höher man sich im Stack positioniert, desto stabiler ist der zu erwartende Cashflow – allerdings meist bei begrenztem Kurspotenzial.
Für Einkommensinvestoren ist daher oft die Frage entscheidend: Möchte ich hohe Dividenden mit hohem Risiko, oder lieber planbare Ausschüttungen mit erhöhter Sicherheit? Wer Letzteres bevorzugt, findet im oberen Teil des Capital Stack interessante Alternativen.
Beispiele
Preferred Shares
Preferred Shares – also Vorzugsaktien – sind in den USA ein weit verbreitetes Finanzinstrument, das vor allem von REITs, Finanzinstituten (also Banken usw.) oder auch BDCs ausgegeben wird. Sie sind eine Art Hybrid zwischen Aktie und Anleihe: Sie notieren ähnlich Aktien, werden aber meist mit einem festen Dividendensatz ausgestattet – ähnlich einer Kuponzahlung bei Anleihen und werden zu je 25 USD ausgegeben. Eine Preferred Share kann aber noch viele weitere Eigenschaften haben, z. B. kann sie "gecallt" werden. Das Unternehmen muss das aber nicht unbedingt tun. Der Call erfolgt dann ebenfalls zu 25 USD (ab und an gibt es Abweichungen), unabhängig davon, ob der Kurs sich dann unterhalb dieser Marke befindet.
Ein großer Vorteil: Dividenden auf Preferred Shares müssen in voller Höhe gezahlt werden, bevor überhaupt ein Cent an die Common Shareholder ausgeschüttet werden darf. In der Praxis bedeutet das, dass Vorzugsaktionäre in Krisenzeiten oft weiterhin bedient werden, während die Stammdividende gekürzt oder gestrichen wird.

Preferred Shares Details (Quelle: quantumonline.com)
Ein Beispiel: KKR Real Estate Finance Trust (TWS-Ticker KREF), ein mREIT, der in gewerbliche Hypotheken investiert, kam als die Zinsen stark erhöht wurden bei Investoren nicht so gut weg, v.a. aufgrund des Office-Anteils im Portfolio. Die Stammaktie ist also eher volatiler – und Investoren grübeln über die Nachhaltigkeit der Dividende. Die KREF PRA, also die Preferred Share der Gesellschaft, bietet hingegen einen fixen Kupon von 6,50 % (mit Call Option) – und rangiert im Capital Stack über der Stammaktie. Und dazu liegt der Kurs aktuell nur bei etwas über 18 USD!

IIPR Preferred Share (Quelle: TWS)
Ein weiteres Beispiel ist Innovative Industrial Properties (TWS-Ticker: IIPR), ein auf Cannabis-Immobilien spezialisierter REIT. Auch hier wurde zuletzt über mögliche Dividendenkürzungen spekuliert, denn einige wichtige Ankermieter haben derzeit Probleme. Wer dennoch an den stabilen Mieteinnahmen partizipieren will, aber einen Ausfall der Stammdividende befürchtet, könnte auf die Preferred Share (TWS-Ticker: IIPR PRA) oder eine der ausstehenden Notes ausweichen (z. B. die 5,50 % Senior Notes fällig 2026).
Baby Bonds
Baby Bonds sind nichts anderes als börsennotierte Unternehmensanleihen, die sich speziell an Privatanleger richten. Sie haben typischerweise einen Nennwert von 25 USD (statt 1.000 USD bei institutionellen Bonds) und werden an Börsen wie die NYSE oder Nasdaq gehandelt.
Oft handelt es sich um nachrangige Anleihen (Subordinated Debt), die im Fall einer Insolvenz nach dem Senior Debt, aber noch vor den Aktien bedient werden. Sie bieten feste Kupons, quartalsweise Zinszahlungen und meist eine Laufzeit zwischen 5 und 10 Jahren.
Ein Aspekt ist die Transparenz und Liquidität: Anders als klassische Anleihen können Baby Bonds wie Aktien an der Börse gekauft und verkauft werden – was sie ideal für einkommensorientierte Privatinvestoren macht.
Viele BDCs, wie etwa Gladstone Capital (TWS-Ticker GLAD) oder OFS Capital (TWS Ticker OFS), finanzieren sich über Baby Bonds, die Renditen von 7 % und mehr bieten können – bei überschaubarem Risiko, solange das Unternehmen solide aufgestellt ist.
Klassische Anleihen
Notes sind in den USA der Sammelbegriff für Schuldverschreibungen mit mittlerer Laufzeit – meist zwischen 2 und 10 Jahren. Viele börsennotierte REITs oder BDCs nutzen neben Preferred Shares v.a. Notes zur Refinanzierung, oft mit fester Verzinsung und Rückzahlung zum Nennwert.
Im Unterschied zu Preferred Shares oder Baby Bonds können Notes besicherte Schuldverschreibungen sein, was im Ernstfall einen besseren Gläubigerschutz bedeutet. Wer als Investor gezielt nach „Senior Secured Notes“ sucht, findet teilweise sehr attraktive Opportunitäten.
Ein Beispiel: Die oben genannte Note von IIPR (CUSIP: 44988FAD2) hat 5,50 % Coupon mit Fälligkeit im Mai 2026. Bei aktuellem Kurs unter pari ergibt sich eine noch höhere effektive Rendite – mit deutlich größerer Sicherheit im Vergleich zur Stammaktie.
Common Share vs. Note
Am Beispiel von Innovative Industrial Properties kann man auch ganz gut sehen, wie sich die Common Shares im Vergleich zu den Notes geschlagen haben.
Investment in IIPR (Common Shares)
- Einstiegskurs Anfang 2023: ca. 100 USD
- Dividendenrendite (laufend): ~7-8 %
- Kursentwicklung bis April 2025: rund –50 % (Kurs aktuell ~50 USD)
- Dividenden wurden zwar bisher gezahlt, Kürzung aber steht im Raum
- Gesamtertrag: negativ, trotz hoher laufender Erträge
Investment in IIPR 5.50 % Senior Notes 2026
- Einstiegskurs Anfang 2023: ca. 90 USD (unter pari)
- Fixer Kupon: 5,50 % p.a., quartalsweise Auszahlung
- Kurs aktuell näher am Par-Preis (ca. 95 USD)
- Yield-to-maturity: ca. 10%
- Gesamtertrag: konstant positiv
Risiken
So attraktiv diese Instrumente auch erscheinen – sie sind natürlich kein Free Lunch! Gerade bei Baby Bonds oder Preferred Shares von hochverschuldeten Unternehmen kann es im Ernstfall zu Ausfällen kommen. Wichtig ist daher:
- Bilanzanalyse: Wie viel Schulden sind bereits im Stack? Wie steht es um die Zinsdeckung (Interest Coverage Ratio)?
- Liquiditätsprüfung: Kann das Unternehmen die Zinsen und Dividenden auch im Krisenfall bedienen?
- Call Risk: Viele Preferred Shares oder Baby Bonds können vorzeitig gekündigt („called“) werden – meist zum Nennwert. Wer zu über pari kauft, riskiert Kapitalverluste.
Das Rating
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt bei Baby Bonds oder Preferred Shares ist das Rating: „Die haben ja gar kein Rating!“ Oder noch schlimmer: „Das ist doch alles Non-Investment Grade, da lass ich lieber die Finger davon.“
Tatsächlich ist es so, dass viele dieser Instrumente entweder unrated sind – also gar kein offizielles Rating von Moody’s, S&P oder Fitch erhalten haben – oder im Bereich BB oder niedriger (High Yield) eingestuft werden. Aber: Das muss nicht zwingend bedeuten, dass das Emittentenrisiko hoch ist.

KREF Preferred Share (Quelle: TWS)
Gerade bei kleineren REITs oder BDCs verzichten Unternehmen oft auf ein offizielles Rating, um Kosten zu sparen – denn ein Ratingprozess ist teuer und bindet Ressourcen. Und bei relativ kleinen Emissionen (z. B. 100 Mio. USD Volumen oder weniger) lohnt sich der Aufwand aus Unternehmenssicht oft nicht.
Was heißt das für Investoren?
- Keine Panik bei „unrated“ oder BB-Ratings – wichtiger ist die Fundamentalanalyse des Emittenten.
- Zinsdeckungsgrad (Interest Coverage Ratio) und Verschuldungsquote (Debt/Equity bzw. Net Debt/EBITDA) sind aussagekräftiger als ein Etikett.
- Eine unrated Preferred Share eines REITs mit konservativer Bilanz und stabilem Cashflow kann unter Umständen sicherer sein als ein BBB-Rating eines Unternehmens mit zyklischem Geschäftsmodell.
Kurz gesagt: Das fehlende Rating ist ein Risikosignal – aber kein Ausschlusskriterium.
Quellen & Tools
Für die Suche nach geeigneten Preferred Shares oder Baby Bonds sind spezialisierte Datenbanken hilfreich, z. B.:
- QuantumOnline.com – Umfangreiche Datenbank zu Preferreds und Baby Bonds, inklusive Call-Daten und Kupons.
- PreferredStockChannel.com

Preferred Shares Details (Quelle: quantumonline.com)
Zudem lohnt sich ein Blick in die Investor Relations Seiten der jeweiligen Unternehmen – hier findet man die Terms der Anleihen und Preferred Shares meist im Detail.
Fazit
Für Einkommensinvestoren kann der Blick über den Tellerrand der Stammaktien hinaus enorm wertvoll sein. Preferred Shares, Baby Bonds und Notes bieten attraktive Möglichkeiten, sich im Capital Stack strategisch besser zu positionieren – und so auch in volatilen Märkten stabile Erträge zu erzielen.
Gerade wenn die Dividenden bei mREITs oder BDCs unter Druck geraten, können diese Alternativen helfen, das Einkommensdepot abzusichern – und gleichzeitig interessante Chancen auf Rendite eröffnen.
