Das Delta Hedging ist eine einfache, aber sehr effektive Methode, um Ihre Optionen gegen Veränderungen des Basiswerts zu schützen. Denn nur, wenn Sie Ihre Gewinne auch absichern können, ist eine langfristig hohe Rendite möglich!
Obwohl es in der Praxis einiges an Arbeit verursachen kann, gilt diese Art der Absicherung als absolute Standardmethode. Grund genug, in diesem Ratgeber alles Wichtige zum Hedging, Deltaneutralität, Vorgehensweise und wichtigen Tipps zu beleuchten.
Das wichtigste in Kürze
- Beim Delta Hedging sichern Sie Ihre Optionen gegen Preisveränderungen des Basiswerts ab
- Gefahren durch Preisveränderungen werden durch entgegengesetzte Positionen kompensiert
- Es hilft Ihnen, Verluste zu minimieren oder ganz zu vermeiden
- Die Methode kann recht aufwändig sein, erzielt aber auch zuverlässige Resultate
Einführung ins Delta Hedging: Wie, wann und warum sollten Sie “hedgen”?
Wenn Sie Optionshandel mit ETFs, Aktien, Rohstoffen oder anderen Basiswerten betreiben, sollten Sie sich stets gegen mögliche Verluste absichern. So verhindern Sie nicht nur potenzielle Schäden, sondern vermeiden auch kleinere Einbußen, die Ihre Rendite gefährden können.
Hierfür kommt das “Hedging” zum Einsatz: Der Begriff aus dem Altenglischen stand ursprünglich für Zäune, Hecken (Hedges) und alles, was Feinde abwehrt. Seit mindestens 400 Jahren benutzt man ihn, um auch die Abwehr finanzieller Schäden an der Börse zu beschreiben. Im Deutschen hat sich auch der Begriff des “Deckungsgeschäfts” etabliert
Beim Handel mit Aktien und Co. sind Optionen eine beliebte Methode, um eine solche Absicherung zu erreichen. Mit den Terminkontrakten garantieren sich die Trader zum Beispiel einen bestimmten Preis für einen Basiswert in der Zukunft.
Sollte der Wertpapierkurs tatsächlich einbrechen, können Sie von Ihrer Option Gebrauch machen und zum vereinbarten, höheren Preis verkaufen. Doch was machen Händler, die sich auf Optionsgeschäfte spezialisiert haben? Auch hier ist das Hedging sehr wichtig!
Bewegt sich der Basiswert einer Option in eine für Sie ungünstige Richtung, drohen Verluste. Dieser Gefahr können Sie durch Delta Hedging effektiv entgegenwirken. Dazu eröffnen Sie eine entgegengesetze Position (zum Beispiel eine weitere Option). Verliert die eine an Wert, gewinnt die andere.
Auf diese Weise sind Sie im Falle einer Kursveränderung vor Verlusten geschützt. Wie groß eine solche Gegenposition sein muss, hängt von der Sensitivitätskennzahl Delta (Δ) einer Option ab, wobei ein höherer Wert auch größere Positionen erfordert.
Beim Optionshandel gibt es noch weitere, mögliche Risiken, gegen die Sie sich ebenfalls schützen müssen. Veränderungen des Basiswerts bilden jedoch die deutlichsten und direktesten Gefahren. Δ-Hedging ist daher eine grundlegende, wichtige Form der Absicherung, die jeder Händler erlernen sollte!
Was ist das Delta?
Sicher haben Sie bereits von den “Optionsgriechen” gehört. Diese mathematischen Kennzahlen beschreiben verschiedene Eigenschaften von Optionen und sind für Händler wichtig. Das Δ bildet die erste und einfachste Ableitung: die Sensitivität für Preisveränderungen des Basiswerts.
Es beschreibt also, wie stark der Optionspreis auf Veränderungen des Basiswerts reagiert. Die Spanne reicht dabei von “keine Korrelation” (Preisveränderung des Basiswerts beeinflusst den Optionspreis überhaupt nicht) bis hin zu “vollständige Korrelation” (Der Optionspreis folgt jeder Preisveränderung des Basiswerts genau).
Die minimalen/maximalen Werte betragen:
Calls: Minimum 0, Maximum 1
Puts: Minimum 0, Maximum -1
Um besser zu verstehen, was diese Werte bedeuten, hilft die folgende Frage: Um wie viele Geldeinheiten bewegt sich der Optionspreis, wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Geldeinheit verändert? Die Antwort ist das Delta einer Option.
Steigt also zum Beispiel eine Aktie um einen Dollar, nimmt ein Call mit einem Deltawert von 1 auf diese Aktie ebenfalls um einen Dollar zu. Handelt es sich hingegen um einen Put mit einem Δ von -1, beträgt die Veränderung -1 Dollar. Bei einem Δ von 0,5 hingegen nimmt der Preis um 0,5 Dollar ab, bei -0,3 um -0,3 Dollar usw.
Gut zu wissen:
Für die Berechnung des Deltas wird angenommen, dass andere, preisbildende Einflussfaktoren wie der Zeitwert oder die Volatilität konstant sind.
Haben Sie eine Option mit einem hohen Delta in Ihrem Portfolio, wird eine Kursveränderung des Basiswerts den Preis dieses Konktrakts also auch entsprechend stark beeinflussen. In gefährlichen Marktphasen sind hier Deckungsgeschäfte unbedingt zu empfehlen.
Hat Ihre Option hingegen ein Sensitivitätskennzahl von null, lassen Sie Preisveränderungen des Basiswerts völlig kalt - sie beeinflussen den Preis Ihres Kontrakts überhaupt nicht.
Ziel: Deltaneutralität
Preisveränderungen des Basiswerts können den Optionspreis verändern - je nachdem, wie hoch oder niedrig das Delta ist. Derartige Veränderungen sind, abhängig von Ihrer Strategie und den eingesetzten Optionen, vorteilhaft oder nachteilig.
Gegen ungünstige Preisveränderungen möchten Sie sich natürlich absichern. Durch Deckungsgeschäfte können Sie genau diese Sicherheit erreichen! Besteht für eine Option (oder ein ganzes Portfolio) keine Gefahr durch das Δ, spricht man auch von “Deltaneutralität”. Auch die Bezeichnung “Delta Neutral Hedging” kommt gelegentlich zum Einsatz.
Haben Sie für eine oder mehrere Kontrakte Deltaneutralität hergestellt, ergibt sich ein großer Vorteil: Da der Faktor Preisveränderungen nun ausgeschaltet ist, können Sie von anderen preisbildenden Faktoren profitieren. Insbesondere der Zeitwertverlust kann, je nach Position, bei deltaneutralen Kontrakten in Ihrem Sinne arbeiten!
Gleichzeitig können jedoch auch Belastungen entstehen, da Sie zum Erreichen der Neutralität andere Finanzvehikel, zum Beispiel Optionen, einsetzen müssen. Hierdurch entstehen wiederum Kosten und Faktoren wie der Zeitwertverlust für diese Sicherungsmaßnahmen können jetzt gleichzeitig gegen Ihre Interessen agieren.
Δ-Hedging oder Deltaneutralität ist daher immer mit Vor- und Nachteilen verbunden. Aufgrund der Kosten und des Aufwands kommen diese Maßnahmen bevorzugt dann zum Einsatz, wenn sich eine echte Gefahr abzeichnet. Ist das jeweilige Risiko überwunden, werden die Deckungsgeschäfte meist schnell wieder aufgelöst.
Das kontinuierliche Absichern eines Portfolios gilt aufgrund der Kosten hingegen nicht als sinnvoll. Zudem müssen Sie nicht unbedingt vollständige Neutralität erreichen: Abhängig von der Größe und Eintrittswahrscheinlichkeit der Gefahr sowie den Kosten für die Absicherung kann es auch sinnvoll sein, die Sensitivität lediglich zu reduzieren.
Praxisbeispiel: Deltaneutralität durch Optionen
Nehmen wir zur Verdeutlichung an, dass Sie eine Call-Option für 100 Aktien des Unternehmens Amazon gekauft haben. Sie sind somit zum Kauf der Wertpapiere zum vereinbarten Preis berechtigt, aber nicht verpflichtet.
Aufgrund der aktuellen Zahlen zu Inflation und Konsumverhalten befürchten Sie einen vorübergehenden Kursverlust der Aktien, sodass Ihre Call-Option wertlos werden könnte. Sie möchten den Kontrakt aber nicht schließen, da Sie an das langfristige Potenzial glauben. Um sich gegen diese kurzfristige Gefahr abzusichern, nutzen Sie Delta Hedging.
Die Option weist aktuell eine Sensitivitätskennzahl von 0,7 auf. Um Neutralität herzustellen, benötigen Sie eine weitere Option mit einem Wert von -0,7. Sie kaufen daher eine passende Put-Option mit -0,7 und erreichen dadurch die gewünschte Neutralität.
Sollte es tatsächlich zu einem Kursrückgang kommen, verliert ihre Call-Option an Wert. Gleichzeitig nimmt die Put-Option jedoch zu, sodass Sie in Summe keinen Kursverlust verbuchen müssen. Sie haben sich also durch ein Deckungsgeschäft gegen das Risiko abgesichert.
Lediglich die Kosten für den Optionshandel und der Aufwand für das Eröffnen der Kontrakte schlagen zu Buche - insbesondere, wenn Sie die Absicherung länger betreiben, sind regelmäßige Anpassungen vorzunehmen, die schnell vergleichsweise viel Arbeit bereiten können.
Durch einen günstigen Optionsbroker und übersichtliche Trading-Software können Sie diese Aufwände aber deutlich reduzieren.
Das kann CapTrader:
Damit das Delta Hedging nicht zur Kostenfalle wird, ist ein günstiger Broker unumgänglich. Bei CapTrader handeln Sie Optionen bereits ab 2,00 Euro! Mit unserer kostenlosen Handelsplattform OptionTrader können Sie Deckungsgeschäfte außerdem schnell und effizient betreiben.
Die “Schutz-Option”, die Sie in unserem Beispiel erworben haben, leidet zusätzlich unter dem Zeitwertverlust. Dieses Grundkonzept von Optionen basiert auf einem einfachen Umstand: Mit jedem verstrichenen Tag bleibt weniger Zeit für den Kontrakt, um in-the-money, also in einen positiven Preisbereich, zu wandern.
Je länger Sie das Deckungsgeschäft mit einer Option betreiben, desto mehr schwindet die verbleibende Zeit und somit der Wert des Kontrakts. Der Zeitwertverlust ist daher ein weiterer Grund, warum Sie eine solche Absicherung nicht länger als nötig betreiben sollten.
Praxisbeispiel 2: Deltaneutralität durch Basiswert
Um die Gefahren von Basiswertveränderungen Ihrer Optionen zu kompensieren, müssen nicht zwangsläufig andere Kontrakte zum Einsatz kommen! Sie können stattdessen auch Anteile am Basiswert erwerben und sich auf diese Weise absichern.
Am einfachsten lässt sich dies am Beispiel Aktien darstellen: Nehmen wir dazu an, dass Sie eine Call-Option auf ein Wertpapier mit einem Δ von 0,5 besitzen. Sie möchten eine Hedging-Position aufbauen, um sich gegen einen möglichen Kurseinbruch abzusichern.
Denn Ihr Call bietet Ihnen die Möglichkeit, die Aktien zum vereinbarten Preis zu erwerben. Sinkt der Kurs der Aktie jedoch unter diesen Strikepreis, könnten Sie die Unternehmensanteile an der Börse günstiger erwerben - Ihre Call-Option ist dann nutzlos geworden.
Zur Absicherung gegen dieses Risiko können Sie einen Leerverkauf von Aktien ausführen. Sie profitieren dadurch von einem eventuellen Kursrückgang und kompensieren einen Verlust Ihres Calls.
Da der Terminkontrakt ein Δ von 0,5 aufweist und Optionen stets einen Umfang von 100 Aktien haben, müssten Sie 50 Aktien leerverkaufen (100 x 0,5), um Deltaneutralität zu erzielen.
Handelt es sich hingegen um einen Put, können Sie Neutralität durch den Kauf von Aktien (Long-Position) herstellen. Ihr Put würde bei steigenden Aktienkursen an Wert verlieren; durch den Erwerb der Wertpapiere profitieren Sie aber gleichzeitig von diesem Anstieg und neutralisieren Ihr Risiko.
Gut zu wissen:
Die maximale Größe für das Hedging einer Option beträgt immer 100 Aktien, also den gesamten Umfang der Option. Dies ist bei einem Delta von 1 erforderlich. Das Minimum sind null Aktien, wenn eine Option ein Delta von null aufweist.
Delta Hedging lohnt sich, wenn …
Das Hedging gegen Veränderungen des Basispreises ist ein wichtiger Baustein des erfolgreichen Optionshandels. Für einige Strategien ist es sogar absolut unerlässlich, aktive Deckungsgeschäfte zu betreiben!
Trotz ihrer Bedeutung sind solche Schutzmaßnahmen aber kein Wundermittel, das dauerhafte Sicherheit garantiert! Je nachdem, welche Methode Sie nutzen (zum Beispiel Kauf von “entgegengesetzten Optionen”, Kauf von Aktien …) entstehen laufende Kosten, die Ihre Rendite empfindlich schmälern können.
Ein derartiges Hedging lohnt sich daher nur bei einer zeitlich begrenzten, ernstzunehmenden Gefahr für Ihr Portfolio.
Aufgrund der kontinuierlichen Veränderungen von Basispreisen, Restlaufzeit, Volatilität und Co. ist zudem ein aktives Management nötig. Durch Verschiebungen können Ihre Schutzmaßnahmen schon nach kurzer Zeit unzureichend oder höher als notwendig ausfallen.
Beide Szenarien sind nicht wünschenswert: Haben Sie nicht ausreichende Deckung betrieben, verzeichnen Sie entsprechende Verluste, wenn das Risiko tatsächlich eintritt. Sind Sie hingegen über das Ziel hinausgeschossen, müssen Sie unnötig hohe Kosten für die Absicherung tragen.
Es liegt somit ein klassischer Fall von: “So viel nötig, so wenig wie möglich”, vor.
Anpassungen beim Hedging
Da sich die Preise und Optionsgriechen Ihrer Optionen ständig ändern können, sind auch bei Deckungsgeschäften regelmäßige Anpassungen nötig. Nur so können Sie vermeiden, Ihre Positionen übermäßig (teuer!) oder zu wenig (Verlustgefahr!) abzusichern.
Das Δ wird dabei insbesondere von der Nähe einer Option zum Geld (“Moneyness”) beeinflusst.
Befindet sich eine Option im Geld (“in-the-money”), hat sie einen inneren Wert, das heißt: Ihre Ausübung ist für den Käufer wirtschaftlich sinnvoll. Bei Calls ist dies der Fall, wenn der Basiswert über dem Strikepreis liegt. Puts sind hingegen in-the-money, wenn der Basiswert unter dem Strike bleibt.
Je näher eine Option am oder im Geld ist, desto höher ist in der Regel auch ihre Sensitivitätskennzahl. Dabei lässt sich folgende Faustregel beobachten:
- Optionen im Geld haben meist ein höchstmögliches Delta von 1 (Calls) oder -1 (Puts).
- Kontrakte am Geld weisen oft einen Δ-Wert um 0,5 (Calls) oder -0,5 (Puts) auf.
- Kontrakte, die aus dem Geld notieren, haben üblicherweise einen Wert von weniger als 0,5 (Calls) oder -0,5 (Puts).
Beim Hedging sorgt eine starke Sensitivität für Basiswertveränderungen auch für hohe Aufwände: Um vollständige Deltaneutralität zu erreichen, müssten Sie bei jeder Änderung auch Ihre Absicherung anpassen und zum Beispiel zusätzliche Aktien oder Option Ein-/Verkaufen.
Die damit verbundenen Kosten und Arbeitsschritte machen kontinuierliche Anpassungen sehr unattraktiv. In der Regel nutzen Trader daher einen Mittelweg aus Schutz gegenüber den größten Risiken und granularer, ständig aktualisierte Deckung. Vollständige Deltaneutralität, vor allem über längere Zeiträume, stellen nur wenige Händler her.
Das kann CapTrader:
Wir können Ihnen Arbeit und Kosten zwar nicht völlig abnehmen, aber zumindest drastisch reduzieren! Bei CapTrader handeln Sie Optionen bereits ab 2,00 Euro und können Kontrakte mit dem OptionTrader-Modul der Trader Workstation in sekundenschnelle anlegen!
Starke Schwankungen der Sensitivitätskennzahl stellen Sie also beim Hedging vor größere Herausforderungen. Die Intensität dieser Veränderungen wird mit dem Wert Gamma angegeben. Ein niedriges Gamma kann Ihnen die Absicherung durchaus erleichtern.
Fazit: Delta Hedging als wichtiges Werkzeug für den Optionshandel
Wenn Sie mit Optionen handeln, sollten Sie nicht nur Gewinne erzielen - für eine langfristig hohe Rendite müssen Sie sich auch gegen Verluste absichern! Das Delta Hedging ist dafür ideal, denn es hilft Ihnen, sich vor Preisveränderungen des Basiswerts zu schützen.
Verändert sich der Kurs des Guts, auf das sich ein Terminkontrakt bezieht, kann sich dies für Sie nachteilig auswirken. Bei solchen Deckungsgeschäften erstellen Sie eine entgegengesetzte Position, um eventuelle Verluste durch Gewinne auszugleichen.
Diese Absicherung ist jedoch teuer und aufwendig, sodass sie nur bei zu erwartenden Gefahren zum Einsatz kommen sollte. Welchen Umfang Ihre Sicherungsmechanismen haben sollte, wird maßgeblich von der Sensitivitätskennzahl Δ bestimmt.
Je höher dieser Wert, desto stärker reagiert eine Option auf Veränderungen ihres Basiswerts - und desto größer ist das daraus resultierende Risiko für Ihr Investment! Haben Sie das Risiko durch eine Gegenposition vollständig eliminiert, spricht man von “Deltaneutralität”.
Diesen wünschenswerten Zustand zu erzielen und zu halten ist mit erheblichen Kosten verbunden, da Sie regelmäßige Anpassungen vornehmen müssen. Optionshändler sind daher besonders gut beraten, einen günstigen Broker zu wählen und so ihre Renditen nicht unnötig zu schmälern.








