Mit Value Aktien wollen Händler echte Schnäppchen machen: Sie werden an der Börse unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt und bieten dadurch großes Gewinnpotenzial. Doch sie zu finden ist oft einfacher gesagt, als getan!
In der folgenden Anleitung zeigen wir, wie Value Aktien entstehen, warum sie so attraktiv sind und wie man sie identifizieren kann.
Das wichtigste in Kürze
- Value Aktien werden für einen Preis gehandelt, der unter dem realen Wert des Unternehmens liegt
- Sie lassen sich nur schwer finden, da der “reale Wert” keine feste, eindeutige Größe ist.
- Die klassische Fundamentalanalyse, also der Blick auf wichtige Unternehmenskennzahlen, bietet einen guten Anhaltspunkt.
Definition: Was sind Value Aktien?
Egal, ob Sie langfristig investieren wollen oder Aktien für Daytrading suchen: Ziel ist immer, günstig ein- und teuer zu verkaufen. Bei den Value Aktien konzentrieren wir uns speziell auf den ersten Punkt, das günstige Einkaufen!
- Value Aktien sind Wertpapiere, die aktuell unter ihrem fairen Wert (tatsächlicher Wert des Unternehmens) gehandelt werden.
- Die Annahme ist dabei, dass eine Unterbewertung nicht von langer Dauer ist und die Titel dann Kurssteigerungen verzeichnen.
- Sie versprechen attraktive Renditen und sind entsprechend begehrt.
Neben dem günstigen Preis spielt auch die Qualität der Unternehmen eine Rolle: Value-Titel sind generell hochwertige Aktien, denen man gute Zukunftsaussichten unterstellt.
Es muss sich dabei nicht um Tenbagger oder Growth-Aktien mit explosionsartigem Wachstum handeln; solide Zugewinne oder zumindest eine stabile Wertentwicklung sind jedoch nötig.
Eine einfache Definition von Value Aktien wäre also: “Qualitätsaktien, die aktuell unter ihrem realen Wert gehandelt werden”.
Wie entstehen Value Aktien?
Um das Prädikat “Value Aktie” zu erhalten, muss ein Unternehmen lediglich zwei Eigenschaften aufweisen:
- Es handelt sich um ein stabiles, attraktives Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten.
- Der aktuelle Börsenkurs liegt unter dem fairen Preis, der für eine solche Firma angemessen wäre.
Theoretisch könnten Value Titel daher auf zwei Arten entstehen:
- Eine Gesellschaft entwickelt sich zu einer stabilen Firma mit guten Zukunftsaussichten, ohne dass die Aktienkurse entsprechend steigen. Sein realer Wert nimmt also zu, die Preise an der Börse jedoch nicht - es entsteht eine Unterbewertung.
- Eine Aktiengesellschaft ist bereits ein verlässliches Investment, aber der Aktienpreis sinkt - zum Beispiel durch Wirtschaftskrisen oder einen Börsencrash. Die Unterbewertung entsteht hier auf der Preisseite, während die Firmeneigenschaften gleich bleiben.
In der Praxis begegnet uns fast ausschließlich die zweite Variante.
Die begehrten Value Aktien können nur entstehen, weil die Börsen kein 100 % perfekter Markt sind. Preise hängen von Stimmungen, Erwartungen und Ängsten der Investoren ab und folgen somit nicht immer rationalen Aspekten.
Zu diesen Einflüssen zählen:
- Wirtschaftliche Situation: Bulle und Bär setzen die Zeichen an der Börse. In Bärenmärkten oder tiefgehenden Krisen sinken die Börsenkurse. Auch Unternehmen, die gänzlich unbeeinflusst weiterwirtschaften, sind oft im Abwärtstrend “mitgefangen” und verlieren ebenfalls an Wert. Diese allgemeine Bewegung kann unterbewertete Titel entstehen lassen.
- Medieneinfluss: Insbesondere durch das Internet erhalten Informationen heute oft unglaubliche Reichweite. Durch Wiederholung und die oft überproportionale Berichterstattung entstehen so regelrechte Trends, die zu irrationalen Verkäufen führen können - eine selbsterfüllende Prophezeiung.
- Emotionskurve: An den Börsen geht es stets auf und ab - nicht nur preislich, sondern auch emotional! Die Schwankungen folgen einer Emotionskurve, die sich immer wiederholt und an ihrem Tiefpunkt für Unterbewertungen sorgen kann. Anleger, die abschätzen können, an welchem Punkt der Kurve sich die Märkte befinden, sind dabei klar im Vorteil.

Warum sind Value Aktien so attraktiv?
Die günstigen Qualitätsaktien sind bei langfristig orientierten Anlegern sehr beliebt. Man muss sie von den Growth Aktien abgrenzen, die ebenfalls heiß begehrt sind:
| Value Aktien | Growth Aktien | |
| Erwartung | Starkes Wachstum | Sehr starkes Wachstum |
| Preis | Unterbewertet | Fair bis Überbewertet |
| Risiko | Gering (Qualitätsaktien) | Hoch (Erfolg nicht garantiert) |
| Strategie | Defensiv | Riskant |
Aber warum sind Value Aktien für Anleger so attraktiv, dass sie sogar mit den beliebten Growth Aktien mithalten können? Ein Hauptgrund ist sicherlich die Tatsache, dass wir uns mit ihnen hochwertige Unternehmen ins Portfolio holen!
Value Aktien sind bereits erfolgreiche Firmen, die in den meisten Fällen zuverlässige Gewinne erwirtschaften. Auch eine gewisse Krisenresistenz wird den Value Shares oft unterstellt.
Selbst, wenn wir uns bei der Analyse getäuscht haben und keine Unterbewertung vorliegt, machen wir beim Kauf oft ein gutes Geschäft.
- Die Suche nach Value Aktien ist besonders in schwierigen Zeiten üblich. Sind die Leitzinsen hoch, die Wirtschaft gebeutelt oder Krisen, Kriege und Katastrophen auf dem Vormarsch, bieten Value Aktien einen sicheren Hafen.
- Stehen die Zeichen hingegen auf Wachstum (Börsenrallyes, explodierende Technologiewerte, sinkende Leitzinsen …) ist das Interesse eher gering, da andere Aktiengesellschaften in diesen Phasen besser abschneiden.
Auch berühmte Erfolgsgeschichten tragen zum Interesse der Anleger bei. So gilt Warren Buffett, zweifellos der bekannteste und wohl erfolgreichste Investor überhaupt, als Paradebeispiel für die Macht der Value Aktien. Er setzt gezielt auf hervorragende Unternehmen, die an der Börse unterbewertet sind.
Vor- und Nachteile von Value Aktien
Kaum eine Kategorie von Wertpapieren erfreut sich so großer Beliebtheit wie die Value Aktien. Mehrere attraktive Vorteile tragen zu diesem großen Interesse bei:
- Attraktive Renditen: Früher oder später wird ein unterbewertetes Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu seinem fairen Wert zurückkehren. Investierte Anleger können von dieser Bewegung massiv profitieren.
- Krisenfestigkeit: Es handelt sich um etablierte Qualitätsunternehmen, die in schwierigen Phasen oft besser abschneiden als der Markt.
- Hohe Qualität: Value Aktien haben meist eine hohe Qualität und sind somit für langfristige und lukrative Investments geeignet.
- Gute Diversifikationsmöglichkeiten: Value Aktien sind nicht auf einzelne Branchen oder Regionen beschränkt und können daher perfekt zur Diversifikation eingesetzt werden.
- Oft lukrative Dividenden: Da die Firmen häufig eine gewisse Reife erreicht haben, sind ansprechende Dividendenzahlungen keine Seltenheit.
Bevor Sie sich für die unterbewerteten Qualitätsaktien entscheiden, sollten Sie auch die potenziellen Nachteile bedenken:
- Schwierige Suche: Um eine Unterbewertung zu entdecken, müssen wir zunächst den “fairen Wert” eines Unternehmens bestimmen - keine leichte Aufgabe, da es sich hier nicht um eine feste Kennzahl handelt!
- Enttäuschung bei Fehleinschätzung: Sollte es sich nicht wie erhofft um eine Value Aktie handeln, kann es zu einer schwachen Performance oder sogar Verlusten kommen.
- Nicht in allen Phasen lukrativ: Viele Value Titel können während Hochphasen nicht mit den Ergebnissen anderer Aktien mithalten.
- Lange Wartezeiten: Trader müssen eventuell recht lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis der Markt die Unterbewertung erkennt und die Kurse ansteigen.
Value Aktien: Listen und Indizes
Im Internet stehen uns zahlreiche Listen mit angeblichen Value Aktien zur Verfügung. Die Trefferwahrscheinlichkeit solcher “Geheimtipps” ist allerdings äußerst gering.
- Die Attraktivität von Value Aktien liegt in ihrer Unterbewertung - ein Umstand, der sich generell nicht mit Best-of-Listen, frei zugänglichen Börsentipps und Clickbait aus der Social-Media-Welt vereinbaren lässt.
Eine solche Liste sollte nie der alleinige Grund für einen Aktienkauf sein; sie kann jedoch eine Basis für die persönliche Recherche bilden! Eine genaue Analyse der dort vorgestellten Wertpapiere kann dabei helfen, echte Value Aktien zu finden.
Auch ETFs bilden eine Möglichkeit, direkt in Value Aktien zu investieren:
- Verschiedene Indizes stehen dafür zur Verfügung, von denen der “MSCI World Value Index” wohl der bekannteste ist.
- Seine Ergebnisse sind allerdings mehr als ernüchternd: Die Gesamtperformance liegt weit hinter einem Standard World Index oder dem S&P 500 zurück.
Andere ETFs und Fonds, die sich auf Value Titel spezialisieren, schneiden regelmäßig genauso schlecht ab. Wir wollen nicht generell von solchen Produkten abraten, empfehlen aber, vor dem Kauf die bisherigen Ergebnisse genau zu untersuchen.
Es scheint bisher, dass auf dem Weg zu Value Aktien kein Weg an einer gewissenhaften, händischen Aktienanalyse vorbeiführt.
Aktien günstig einkaufen: Optionen als Alternative
Value Aktien sind deshalb so lukrativ, weil wir ein Wertpapier zum Schnäppchenpreis erwerben. Sie stellen jedoch nicht die einzige Möglichkeit dar, um besonders günstig einzukaufen!
Anleger können auch Optionen handeln, um den Einkaufspreis für eine Aktie effektiv zu senken. Das Mittel der Wahl ist dabei der Cash Secured Put, eine einfache Optionsstrategie, die sich auch für Personen ohne Vorkenntnisse im Optionshandel eignet:
- Der Cash Secured Put kommt zum Einsatz, wenn eine attraktive Aktie gekauft werden soll.
- Wir schreiben (verkaufen) eine Short-Put-Option und erhalten dafür eine Prämie, die einen sofortigen Gewinn darstellt.
- Mit dem Short Put haben wir einen Handelsvertrag abgeschlossen: Wir sichern einem anderen Marktteilnehmer zu, die Aktien zum vereinbarten Preis abzukaufen, wenn er dies wünscht.
- Handelsgegenstand ist unsere Wunschaktie; als Preis wählen wir einen Wert, der uns fair erscheint.
Es gibt nun zwei mögliche Ergebnisse dieses Geschäfts:
- Der Preis unserer Wunschaktien an der Börse ist gefallen und liegt nun unter dem Wert, den wir in unserer Option vereinbart haben. Die Gegenseite wird die Ausübung der Option verlangen und wir müssen die Wertpapiere zum festgelegten Preis kaufen.
- Der Preis unserer Aktien bleibt über dem Wert, der in unserer Option vereinbart wurde. Die Gegenseite wird auf die Ausübung verzichten (sie würde an der Börse einen besseren Preis erzielen). Wir dürfen die eingangs gezahlte Prämie behalten und als Gewinn verbuchen.
Das Besondere am Cash Secured Put: Beide Ergebnisse sind für uns attraktiv! Sollte es zur Ausübung (Kauf) kommen, haben wir unsere Wunschaktien zu einem fairen Preis erhalten. Verfällt die Option hingegen wertlos, haben wir eine Prämie verdient.
Durch diese Prämie sinkt der effektive Preis, den wir für die Wertpapiere gezahlt haben. Mit einem Cash Secured Put können wir somit jede (Qualitäts-)Aktie zu einem Value Titel machen!
Gut zu wissen:
Für den Optionshandel benötigen Sie einen professionellen Broker wie CapTrader. Hier können Sie Optionen bereits ab 2,00 € handeln und profitieren von hervorragenden Trading Programmen und einer der besten Trading Apps.
Wie kann ich Value Aktien finden
Die Suche nach Valueaktien ist ein aufwändiges Unterfangen: Sie müssen eine Vielzahl von Kennzahlen heranziehen und ins Verhältnis setzen, um eine Unterbewertung zu entdecken.
- Viele Händler schrecken vor diesem Aufwand zurück und verlassen sich stattdessen auf Listen.
- Solche Empfehlungen sind jedoch tückisch, da die damit einhergehende Aufmerksamkeit eine Unterbewertung schnell auflöst.
- Um lukrative Value Aktien zu entdecken, führt kein Weg an einer händischen Analyse vorbei.
Doch wie kann man Value Aktien finden, welche Kennzahlen und Aspekte sind entscheidend? Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort; ein Mix aus verschiedenen Indikatoren und persönlichen Gespür ist erforderlich. Folgende Faktoren können in die Analyse miteinfließen:
1. KGV
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Englisch: “Price/Earnings Ratio” - P/E Ratio) ist die wohl bekannteste und am häufigsten genutzte Kennzahl für Aktien. Auch bei der Analyse von Value Aktien darf es nicht fehlen!
Wir erhalten es, wenn wir den Preis eines Wertpapiers durch den Gewinn des Unternehmens (pro Aktie) teilen.
Das Ergebnis zeigt an, wie viele Euro wir investieren müssen, um uns an einem Euro des Unternehmensgewinns zu beteiligen. Umgekehrt können wir am Ergebnis auch ablesen, wie viele Jahre eine Gesellschaft wirtschaften müsste, um ihren aktuellen Börsenkurs zu verdienen.
Je höher dieser Wert, desto teurer ist ein Wertpapier. Ein KGV von 15 wird häufig als “faire Bewertung”, also ein angemessener Mittelwert, zitiert. Einige Anleger sehen auch KGVs von 18, 20 oder 22 als soliden Durchschnitt.
Bei der Analyse sind jedoch mehrere Punkte zu beachten:
- Was ein günstiges, teures oder faires KGV ist, hängt extrem von der jeweiligen Branche, Marktsituation und vielem mehr ab. So haben die beliebten Technologiewerte des S&P 500 zum Beispiel generell höhere KGVs, sind deswegen aber noch nicht automatisch überteuert!
- Die P/E Ratio kann durch zahlreiche Einflüsse verzerrt werden. Achten Sie bei der Analyse daher auf Faktoren wie umfangreiche Investments (sie reduzieren die Gewinne und erhöhen so das KGV), Aktienrückkaufprogramme (sie können den Kurs nach oben treiben) oder aktuelle “Hypes” (Preissteigerungen durch großes Interesse an gewissen Branchen)
- Ein hohes KGV muss nicht automatisch auf eine überteuerte Aktie hinweisen! Es kann sich auch bei solchen Werten um einen Value Titel handeln, wenn die tatsächliche Qualität des Unternehmens die hohe P/E Ratio rechtfertigt.
- Das KGV bietet isoliert betrachtet kaum nützliche Informationen. Nur in Verbindung mit anderen Kennzahlen und dem Gesamtblick auf eine Aktiengesellschaft lassen sich sinnvolle Ableitungen treffen.
- Vergleichen Sie das KGV am besten mit mehreren Referenzwerten: ähnlichen Unternehmen der gleichen Branche, dem KGV der gesamten Branche und dem historischen KGV des betrachteten Unternehmens, um bessere Einblicke zu erhalten.
- Besonders bei Growth Aktien bietet das KGV nur sehr begrenzte Aussagekraft. Hier kann sich das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis als Alternative anbieten.
Achtung!
Feste Grenzwerte (“KGV über 15 ist überteuert!”) sind in der Praxis wenig sinnvoll. Zu viele Faktoren können die Zahl beeinflussen. Wir empfehlen daher, das KGV nicht einfach hinzunehmen, sondern relevante Einflussfaktoren zu analysieren.
So wies etwa Meta im Jahr 2013 zeitweise ein KGV von mehr als 1.200 auf. Obwohl dies auf eine massive Überbewertung hindeuten würde, hätte sich ein Investment zum damaligen Zeitpunkt enorm gelohnt: Das Unternehmen hat sich in den folgenden zehn Jahren zu einem Tenbagger entwickelt!
Der Blick auf die Entwicklung von Meta zeigt: Trotz des hohen KGV hätte sich ein Investment in 2013 extrem gelohnt.
Sie finden das KGV einer Aktie durch eine kurze Internetrecherche. Auch in Ihrer Trading-Software steht die Kennzahl zur Verfügung. Je nach verwendetem Programm sind hier auch noch weitere Ableitungen auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses möglich.
2. Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (“PEG Ratio”)
Einer der größten Nachteile des KGVs ist die Tatsache, dass es die Prognosen eines Unternehmens ignoriert - Händler kaufen aber Anteile gezielt, weil sie ein Wachstum erwarten.
- Für die Suche nach unterbewerteten Value Aktien ist es daher sinnvoll, das Kurs-Gewinn-Verhältnis um diesen Aspekt zu erweitern.
- Das Ergebnis ist das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis, kurz: KGWV oder Englisch: PEG Ratio.
- Teilen Sie dazu das KGV durch das erwartete Gewinnwachstum in Prozent.
- Sie können diese Prognose aus der Meinung verschiedener Analysten ableiten. Zeiträume von drei bis fünf Jahren sind dabei üblich.
Die Aussagekraft des KGWV hängt stark von den verwendeten Prognosen ab und ist dementsprechend mit Vorsicht einzusetzen. Die Kennzahl hat sich vor allem bei Wachstumsaktien bewährt: Diese schnell aufstrebenden Unternehmen sind mit dem regulären KGV kaum sinnvoll zu erfassen, sodass sich das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis anbietet.
3. Kurs-Buchwert-Verhältnis
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis entsteht, wenn wir das Eigenkapital eines Unternehmens durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien teilen. Es sagt uns, vereinfacht ausgedrückt, wie viel vom Unternehmenswert hinter einer einzelnen Aktie steht.
Es ist dadurch als Indikator für den fairen Preis einer Aktie geeignet. Ein hoher Wert deutet auf teure Shares hin, ein niedriger hingegen auf ein günstiges Angebot. Was “hoch” und was “niedrig” ist, können Sie am besten durch den Vergleich mit ähnlich aufgestellten Unternehmen herausfinden.
4. Umsatz
Der Umsatz einer Aktiengesellschaft ist eine einfach zu nutzende Kennzahl, die bei der Suche nach Value Aktien helfen kann. Sie finden diese Information zum Beispiel auf der Investor-Relations-Seite der jeweiligen Firma.
- Ein konstant hoher Umsatz deutet auf eine entsprechende Nachfrage hin. Geht diese Nachfrage mit einem eher niedrigen Aktienpreis einher, kann es sich um einen unterbewerteten Value Titel handeln.
- Starke Schwankungen sollten Sie hingegen mit Vorsicht betrachten: Hier könnten grundlegende Probleme vorliegen, die ein Unternehmen als mögliche Value Aktie disqualifizieren - immerhin muss eine Aktiengesellschaft langfristig erfolgreich wirtschaften, damit der Markt diese Qualität erkennt und die Kurse steigen.
Ein konstantes Umsatzwachstum im attraktiven, aber nicht übertriebenen Rahmen, hat sich als ideal gezeigt.
5. Gesamtkapitalrendite, Free Cashflow und Gewinne
Es bietet sich an, die Gesamtkapitalrendite, Free Cashflow und die Gewinne gemeinsam zu betrachten. Zusammen geben die drei Indikatoren einen guten Einblick in die Performance. Möglichst kontinuierliches Wachstum ist ideal: Gemeinsam mit gleichmäßig wachsenden Aktienkursen entsteht eine “Dauerläufer Aktie”, die vielen Investoren als Idealform der Value Aktie gilt.
6. Kurs-Cashflow-Verhältnis
Das Kurs-Cashflow-Verhältnis lässt sich einfach ermitteln: Sie müssen lediglich den aktuellen Aktienkurs durch den Cashflow pro Aktie teilen. Beide Werte sowie das KCV selbst finden Sie auf unterschiedlichen Finanzportalen oder in Ihrem Trading-Programm.
Ein niedriges Kurs-Cashflow-Verhältnis deutet auf ein unterbewertetes, potenzielles Value Unternehmen hin. Als Referenz eignet sich vor allem der Blick auf die Konkurrenten der gleichen Branche oder einen größeren Markt/Region.
7. Verschuldungsgrad
Teilt man das Fremdkapital einer Aktiengesellschaft durch das Eigenkapital und multipliziert das Ergebnis mit 100, erhält man den Verschuldungsgrad. Es versteht sich dabei von selbst, dass eine hohe Verschuldung mit erheblichen Nachteilen einhergehen kann:
- finanzielle Belastung
- Weniger “Luft” im Falle einer Krise
- Eingeschränkte Möglichkeiten für neue Investitionen
- Und vieles mehr.
Value Aktien sollten sich dementsprechend durch einen niedrigen Verschuldungsgrad auszeichnen, wobei ebenfalls der Blick auf Konkurrenzunternehmen die Einschätzung erleichtert. Unabhängig davon, ob Sie eine Value- oder andere Strategie verfolgen, sollten Sie bei einem Verschuldungsgrad von mehr 200 äußerste Vorsicht walten lassen!
8. Dividendenhistorie und Dividendenrendite
Viele Value Aktien stammen von alteingesessenen Unternehmen, die oft eine attraktive Dividende ausschütten. Stabile Gewinnbeteiligungen sind ein positives Zeichen und zeugen von einer soliden wirtschaftlichen Situation und einem hohen, “realen Wert” der Firma.
Die Analyse erfolgt dabei anhand der gleichen Gesichtspunkte wie auch bei einer Dividendenstrategie:
- Achten Sie auf Aktien mit hoher Dividende bzw. Dividendenrendite, die jedoch nicht übertrieben sein sollte. Zweistellige Gewinnbeteiligungen sind - mit wenigen Ausnahmen - nicht haltbar und deuten auf Probleme hin.
- Eine Aktiengesellschaft kann die Dividendenzahlung jederzeit erhöhen, senken oder aussetzen. Die Dividendenhistorie hat sich als guter Indikator erwiesen, anhand dessen Anleger die zukünftigen Entwicklungen abschätzen können. Achten Sie auf eine möglichst lange, kontinuierlich steigende Gewinnausschüttung.
- Eine Dividendenzahlung oder gar Erhöhung in Verbindung mit anhaltend schlechten Geschäftszahlen ist ein mögliches Warnsignal: Hier möchte das Management eventuell noch letzte Gewinne aus der Gesellschaft quetschen, bevor die Insolvenz droht.
Eine dividendenstarke Aktie ist noch nicht automatisch auch eine Value Aktie! Erst in Verbindung mit anderen Kennzahlen trägt eine Dividende als Indikator zum Gesamtbild bei.
Marktposition und andere, “weiche” Kriterien
Die bisher erwähnten Indikatoren basieren allesamt auf Zahlen und Berechnungsmethoden. Bei der Suche nach Value Aktien können aber auch qualitative Faktoren eine wichtige Rolle spielen! Sie lassen sich nicht so einfach bestimmen, können aber viel zum Verständnis des jeweiligen Unternehmens beitragen.
- Wir empfehlen, zunächst den Markt unter die Lupe zu nehmen: Anzahl an Konkurrenten, Marktanteile, Umsätze, Wachstum der Branche und der Mitbewerber … Eine Value Aktien finden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den führenden Unternehmen eines Bereichs.
- Kleinere, aufstrebende Betriebe fallen hingegen eher in die Kategorie der Growth Aktien - auch solche Investments können sich enorm lohnen, haben aber etwas mehr Glücksspielcharakter als die Value Titel.
- Zum besseren Verständnis der Marktposition kann der Blick auf das Produktsortiment helfen. Der Vergleich mit den Konkurrenten ist ein lohnender erster Schritt. Anschließend sollten Sie herausfinden, wie es um die Nachfrage steht.
- Eine Verklumpung der Umsätze auf ein einzelnes Produkt ist potenziell gefährlich. Eine solche “goldene Gans” könnte jederzeit Nachahmer finden oder aus anderen Gründen nicht mehr attraktiv sein.
- Bei einigen Firmen kann auch eine genauere Untersuchung des Geschäftsmodells notwendig sein. Für produzierende Gewerbe ist dies in der Regel nicht nötig (hier genügt der Blick auf die Produktpalette), doch es finden sich auch viele komplexe Konzepte an der Börse.
Finanz- und Technologiewerte gelten als typische Beispiele für komplexe Geschäftsmodelle. Generell gelten mehrere lukrative Einkommensströme als attraktiv - Firmen, die alles auf eine Karte setzen, sind hingegen einem größeren Risiko ausgesetzt.
Kennzahlen zusammenführen und Value Aktien finden
Um eine Value Aktie zu entdecken, müssen Sie mehrere der erwähnten Kennzahlen (oder Ihre eigenen Kriterien) gemeinsam betrachten. So entsteht ein Gesamtbild, anhand dessen Sie den fairen Wert des Unternehmens abschätzen können. Sollte der aktuelle Börsenpreis niedriger liegen, liegt eine Unterbewertung vor - Sie haben eine Value Aktie entdeckt!
- Bitte beachten Sie: Keine einzelne Kennzahl macht eine Value Aktie aus - das Gesamtbild ist entscheidend! Besondere Vorsicht ist bei auffälligen “Ausreißern” geboten. Sie können, müssen aber nicht auf ein ungünstiges Investment hindeuten.
Bei einigen Titeln wird bereits aufgrund der Kennzahlen deutlich, dass es sich um eine unterbewertete Qualitätsaktie handelt: Das Unternehmen macht einen sehr positiven Eindruck und “fühlt sich einfach richtig an”. Für das Gros der Value Aktien ist aber ein Vergleich mit anderen Titeln notwendig.
Das gelingt am besten, wenn Sie mehrere solcher Unternehmen auswählen, analysieren und in Ihre Liste eintragen. So können Sie die verschiedenen Werte direkt gegenüberstellen und den attraktivsten Kandidaten finden.
Besonders lukrativ: “Dauerläufer” Value Aktien
Zeigt ein Unternehmen ein dauerhaftes Wachstum ohne größere Rücksetzer, spricht man von sogenannten “Dauerläufern”. Sie haben sich als besonders lukrative Value Aktien etabliert und sind unter Anlegern dementsprechend begehrt.
- Zuverlässige Gewinne: Dauerläufer weisen in der Regel ein Gewinnwachstum zwischen 5 und 10 % pro Jahr auf.
- Solides Kurswachstum: Die Aktien werden von Jahr zu Jahr wertvoller. Ein Blick auf ihr Kurschart über einen langen Zeitraum (z. B. 10 Jahre) zeigt eine relativ gerade, aufsteigende Linie.
- Marktposition: Dauerläufer haben eine sehr gute, sichere Marktposition. In vielen Fällen dominieren sie ihre jeweilige Branche und nehmen eine Quasi-Monopol-Stellung ein.
- Umsatzwachstum: Auch die Umsätze steigen bei diesen Titeln kontinuierlich und bilden die Basis für die zunehmenden Gewinne.
- Dividendenwachstum: Ein Großteil der Dauerläufer zahlt eine Dividende. Diese nimmt ebenfalls kontinuierlich zu.
Eine Besonderheit der Dauerläufer: Es spielt kaum eine Rolle, wann ein Anleger diese Titel erwirbt. Durch die kontinuierlich ansteigenden Preise führt ein Investment zu jedem Zeitpunkt zu einem positiven Ergebnis. Dank der positiven Entwicklung werden auch größere Rücksetzer (z. B. COVID-Krise) langfristig ausgeglichen.
Die Dauerläufer Value Aktien sind in der Regel keine spannenden Unternehmen, die viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Dennoch können sie sich sehr lohnen! Typische Beispiele sind:
- Brown & Brown (BRO): Versicherungsbroker, der Kunden mit Versicherungsunternehmen zusammenführt und dafür Prämien erhält.
- Costco Wholesale Corporation (COST): Großhändler, der für besonders niedrige Preise bekannt ist. Eine Mitgliedschaft ist Zugangsvoraussetzung und sorgt für starke Kundenbindung.
- Republic Services Inc. (RSG): Der zweitgrößte Entsorgungsdienstleister der USA betreibt Mülldeponien und dazugehörige Infrastruktur - mit großem Erfolg!
- Boston Scientific Corp. (BSX): Das Unternehmen stellt Medikamente für Spezialbehandlungen her und ist damit weltweit führend.
- Berkshire Hathaway (BRK-B): Die Holdinggesellschaft hat Versicherungen zum Kerngeschäft, ist aber auch in vielen anderen Bereichen tätig.
Fazit: Value Aktien finden bleibt eine schwierige Aufgabe
Value Aktien sind Anteile an hochwertigen, gut aufgestellten Unternehmen, die an der Börse unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt werden. Für diese Unterbewertung gibt es verschiedene Gründe. Fest steht jedoch: Mit solchen “Schnäppchen” können sich Anleger lukrative, krisenresistente Werte in ihr Portfolio holen.
Leider ist es nicht einfach, solche Titel zu finden. Zwar bieten zahlreiche Finanzportale Listen mit angeblich unterbewerteten Qualitätsaktien an; in der Praxis bleiben solche Tipps aber meist ohne Erfolg. Auch Value-Indizes schneiden überwiegend eher schlecht ab.
Daher führt meist kein Weg an der manuellen Analyse vorbei! Uns steht eine große Auswahl an möglichen Indikatoren zur Verfügung, von denen keiner “die eine, ideale Kennzahl” ist. Erst in Kombination und beim Vergleich mit anderen Unternehmen lassen sich sinnvolle Erkenntnisse gewinnen.
Eine gute Basis bildet dabei die Auswertung von:
- Kurs-Gewinn-Verhältnisse (Kann zusätzlich um den Faktor Wachstum (KGWV) ergänzt werden)
- Kurs-Buchwert
- Kurs-Cashflow-Verhältnis
- Umsatz
- Gewinnen
- Gesamtkapitalrendite
- Free Cashflow
Der Blick auf das Marktumfeld, die Konkurrenten und den Produktkatalog sind ebenfalls zu empfehlen. Anschließend können Sie sämtliche Daten zusammenführen und zum Beispiel in einer Liste strukturieren.
Achten Sie auf ein positives Gesamtbild mit möglichst wenigen “Ausreißern”. So haben Sie eine gute Chance, Value Aktien zu identifizieren. Vielleicht finden Sie sogar einen “Dauerläufer”: Diese Titel zeichnen sich durch ein sehr gleichmäßiges Wachstum aus und stellen eine besonders beliebte Unterkategorie dar!
Um die Suche nach Value Aktien zu vereinfachen, setzen viele Anleger auf Signaldienste wie TraderFox oder nutzen Social Trading.






