Bulle und Bär haben an der Börse das Sagen: Sie stehen für die ständigen Auf- und Abbewegungen der Märkte. Doch woher kommen die Begriffe, wofür stehen sie und wie können Händler beide Phasen für sich nutzen? Wir haben die Antworten!
Das wichtigste in Kürze
- Bulle und Bär stehen an der Börse für steigende (Bulle) und fallende (Bär) Kurse
- Bullenmärkte sind für Investoren und Privatanleger ideal, da sie einfache Gewinne ermöglichen
- Bärenmärkte können für Verluste sorgen, wenn es am passenden Schutz fehlt
- Durch verschiedene Methoden können Händler auch in Bärenphasen Gewinne erzielen
Was bedeutet Bulle und Bär an der Börse?
Der Börsenhandel ist eine Welt für sich, mit ungeschriebenen Regeln und einer eigenen Börsenpsychologie. Sogar eine eigene Sprache haben die Marktteilnehmer entwickelt! Sie enthält Begriffe wie “dreifacher Hexensabbat” oder “Leerverkauf”, die auf Außenstehende oft bizarr wirken.
Eine Formulierung, die häufig verwendet wird, aber immer wieder für Verwirrung sorgt, sind Bulle und Bär an der Börse. Die beiden Tiere stehen für jeweils eine Richtung der Märkte sowie die dazugehörige Stimmung der Marktteilnehmer:
- Bulle, Bullenmarkt: Die Preise steigen, Investitionen gewinnen an Wert und die Händler und Anleger sind optimistisch eingestellt.
- Bär, Bärenmarkt: Die Preise fallen, Investitionen verlieren an Wert und die Marktteilnehmer sind pessimistisch eingestellt

Um die Bedeutung von Bulle und Bär nicht zu vergessen, gibt es eine einfache Eselsbrücke: In der Natur greift der Bulle mit seinen Hörnern an, gabelt seine Gegner (= die Märkte) auf und wirft sie nach oben. Der Bär hingegen nutzt seine enormen Tatzen und sein Gewicht, um seine Gegner auf den Boden zu drücken.

Herkunft von Bulle und Bär an der Börse
Es ist nicht klar, wo die Begriffe Bulle und Bär an der Börse herkommen. Mehrere Theorien kursieren, aber die genaue Herkunft wird wohl nie abschließend geklärt werden können.
- Eine populäre Legende besagt, dass in der Nähe der Londoner Börse im 17. Jahrhundert Schaukämpfe zwischen Bullen und Bären stattfanden. Daraus könnte die Lesart für die Märkte (Bulle gabelt auf, Bär drückt nieder) abgeleitet worden sein.
- Die Herkunft könnte auch auf den spanischen Schriftsteller Don Joseph de la Vega zurückgehen. Dessen Buch “The Confusion of Confusions” aus dem Jahr 1688 gilt als Standardwerk der Börsenliteratur. Hier werden ebenfalls Bulle und Bär im Kontext der Börse erwähnt
- Eine weitere Theorie führt die Begriffe auf nordamerikanische Trapper zurück. Zwischenhändler verkauften teilweise Felle (oder die Rechte an Fellen), bevor diese geliefert wurden. Die Trader waren als “Bearskin Jobbers” bekannt, woraus sich die Kurzform “Bears” entwickelte. Später sei die Bezeichnung Bär mit einem Abwärtstrend am Markt gleichgesetzt worden.
Möglicherweise suchten die Händler aber auch nur eine griffige Bezeichnung für beide Trends. Die beiden Tiere sind dann aufgrund ihres jeweiligen Kampfstils eine naheliegende Wahl.
Abgrenzung zu anderen Marktphasen
Die beiden Tiere sind nicht die einzigen Bezeichnungen, um Märkte zu beschreiben, sondern bezeichnen lediglich zwei spezielle Marktphasen. Sie reihen sich damit in eine Reihe von Begriffen ein:
- Börsencrash: Ein schneller, starker Rückgang der Kurse. Er dauert in der Regel nur wenigen Handelstage an. Warnsignale, wie eine starke Überbewertung von Aktien, gehen ihm meist voraus.
- Flash Crash: Diese extreme Form des Crashes dauert teilweise nur wenige Minuten. Die Kurse verlieren sehr schnell und stark, erholen sich aber meist auch in kürzester Zeit.
- Bärenmarkt: Der Bär steht für einen längeren Abwärtstrend, der zum Beispiel im Falle einer Rezession mehrere Monate oder sogar Jahre andauern kann.
- Neutraler Markt/Seitwärtsmarkt: Weist die Börse keine konkrete Richtung auf, spricht man von einem neutralen oder seitwärts laufenden Markt.
- Bullenmarkt: Analog zum Bären symbolisiert der Bulle eine anhaltende Aufwärtsbewegung, die ebenfalls sehr lange anhalten kann.
- Rallye: Auch “Runup” genannt; eine kurz andauernde, starke Aufwärtsbewegung der Märkte. Er bildet das positive Gegenstück zum Börsencrash .
Gut zu wissen: Kurzfristige Entwicklungen (Crashs, Flash Crashs, Rallyes…) können auch innerhalb eines längere Trends wie Bulle und Bär auftreten. So spricht man beispielsweise bei einer kurzfristigen Preissteigerung während einer längeren Abwärtsphase von einer “Bären-Rallye”.

Die exakte Unterscheidung der Marktphasen ist vor allem für langfristig orientierte Strategien wichtig. Wer zum Beispiel mit seinem Aktienportfolio eine Buy-and-Hold-Strategie verfolgt oder auf einen aktuellen Aktientrend aufspringen will, sollte die Stimmung der Börsen beachten.
Personen, die kurzfristige Strategien verfolgen und zum Beispiel Scalping betreiben oder mit Daytrading Geld verdienen, sind hingegen weniger an Bulle, Bär und Co. interessiert. Sie fokussieren sich auf sehr kurzfristige Trends, die sie durch die Chartanalyse entdecken.
Praktische Bedeutung von Bulle und Bär an der Börse
Die Begriffe Bullen- und Bärenmarkt sind längst Teil der alltäglichen Finanzsprache geworden. Doch die beiden Tiere stehen für mehr als nur die Richtung der Kurse: Je nachdem, ob Bulle oder Bär an der Börse vorherrschen, ist eine jeweils andere Handlungsweise erforderlich!
Bullenmärkte gelten dabei als einfach und einsteigerfreundlich, während der Bär für schlechte Zeiten und Verluste steht. Doch das muss nicht sein! Wir wollen beide Marktphasen genauer beleuchten:
Von Bullenmärkten profitieren
Bullenmärkte sind deutlich häufiger anzutreffen als Bärenmärkte. Denn langfristig geht es an den Börsen bergauf! Von steigenden Kursen zu profitieren ist sehr einfach, denn Sie müssen lediglich ein Asset (zum Beispiel eine Aktie) besitzen. Nimmt der Wert zu, verkaufen Sie das Asset anschließend für einen höheren Preis.
Regiert der Bulle, genügt also zurücklehnen und abwarten. Doch aktive Händler und kluge Investoren können bei solchen Märkten ihre Erfolge weiter optimieren:
- Steigen die Kurse, können wir unsere Positionen vergrößern und so unsere Gewinne erhöhen. Die einfachste Methode ist, zu Beginn eines Bullenmarktes zusätzliches Kapital zu investieren und zum Beispiel weitere Aktien zu kaufen.
- Wer nicht das nötige Geld hat, um sein Investment zu vergrößern, kann Optionen handeln: Mit dem Long Call können wir von steigenden Preisen profitieren, ohne das jeweilige Asset kaufen zu müssen.
- Es ist möglich, zusätzliches Kapital von einem Broker zu leihen und so eine größere Position zu eröffnen. Dieses “Margin-Trading” steigert Gewinne, aber auch Verluste um ein Vielfaches. Es ist nur bei professionellen Brokern wie CapTrader möglich.
Rechnen Sie mit einem baldigen Ende des Bullenmarktes, ist der rechtzeitige Ausstieg von zentraler Bedeutung: Sie sollten in der Nähe des Höhepunktes verkaufen, um die Kurssteigerungen in echte Gewinne zu verwandeln. Denn erst, wenn das Geld in Cash in Ihrem Aktiendepot ist, waren Sie wirklich erfolgreich!
Wie immer an der Börse ist also die richtige Prognose entscheidend. Wer Beginn und Ende von Bulle und Bär genau vorhersagen kann, hat die Chance auf stattliche Gewinne. Umgekehrt kommt es häufig dann zu Verlusten, wenn Marktteilnehmer die einzelnen Phasen nicht korrekt identifizieren können oder ein schneller Wechsel erfolgt.
So überstehen Sie Bärenmärkte
Die Kurse fallen und Investitionen in Aktien und Co. verlieren an Wert. Bärenmärkte sind für die meisten Privatanleger ein Schreckensszenario. Dabei müssen Preisrückgänge keineswegs automatisch Verluste erzeugen!
Wir können uns durch Hedging vor negativen Entwicklungen schützen. Unter dem Begriff fasst man verschiedene Maßnahmen zusammen:
- Stop-Loss und andere Orderformen sorgen für einen automatischen Verkauf, wenn unsere Assets unter einen gewissen Wert fallen. Mit dieser einfachen Methode können wir unser Investment in Cash umwandeln und Talfahrten vermeiden.
- Wer einen Bärenmarkt rechtzeitig vorhersagt, kann auch manuell seine Aktien, ETFs und Co. verkaufen. Denn wer nicht investiert ist, kann auch nichts verlieren! Das so frei gewordene Kapital können wir anschließend am Tiefpunkt der Märkte erneut investieren.
- Wir können Positionen eröffnen, die eventuelle Verluste ausgleichen. So kann etwa eine Long-Put-Option hohe Gewinne erzeugen, wenn die Preise fallen und diese so kompensieren.
- Diversifikation, also das Aufteilen unseres Kapitals auf unterschiedliche Assets, kann ebenfalls helfen. Besonders, wenn nur einzelne Regionen oder Branchen von einem Abwärtstrend betroffen sind, reduziert ein breit gestreutes Portfolio unser Risiko. Sollte der Bär aber die gesamte Wirtschaft und alle Börsenbereiche erwischt haben, hilft uns auch Diversifikation nicht mehr weiter.
- Krisenresistente Assets bieten ebenfalls Schutz vor Bärenmärkten. Dazu zählen etwa einige sichere Aktien (zum Beispiel aus der Kategorie der nicht-zyklischen Konsumgüter) oder Immobilien.
Mit diesen Methoden ist ein Schutz möglich. Doch Händler müssen in solchen Phasen nicht nur in Deckung gehen und warten, bis der Abwärtstrend vorbei ist! An den Börsen können wir sowohl bei Bulle als auch Bär profitieren:
- Mit einem Leerverkauf erzielen wir bei fallenden Preisen einen Gewinn. Sollte es jedoch stattdessen zu Kurssteigerungen kommen, droht ein Verlust. Diese besondere Form des Börsenhandels steht Ihnen nur bei Profi-Brokern wie CapTrader zur Verfügung.
- Mit Optionen können Sie ebenfalls bei fallenden Kursen Einnahmen erzielen. Dazu stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten, von einzelnen Long-Put-Optionen bis hin zu komplexen Strategien, zur Verfügung.
- Auch Futures, Optionsscheine oder Zertifikate sind geeignet, um während eines Bärenmarktes zu profitieren. Diese Produkte haben jeweils eigene Vor- und Nachteile.
Bedeutung von Bulle und Bär entsteht durch Händleremotion
Viele Händler messen Bulle und Bär eine hohe Bedeutung bei - zu hoch, wie die Börsenpsychologie wohl sagen würde. Die erheblichen Effekte dieser Marktphasen basieren zu großen Teilen auf der emotionalen (Über-)Reaktion der Trader!
Einen kühlen Kopf zu bewahren ist das daher das A und O:
- Während eines Bärenmarktes geraten viele Händler in Panik und versuchen, durch schnelle Verkäufe weitere Schäden zu verhindern. Dadurch verwandeln sie allerdings Buchverluste in Realverluste! Wer nicht kurzfristig auf sein Kapital angewiesen ist, sollte daher lieber auf eine Erholung der Märkte warten.
- Wer sich bereits rechtzeitig abgesichert und zum Beispiel Hedging für seine Positionen betrieben hat, muss sich um eine bärische Entwicklung nicht sorgen. Eine solche Absicherung ist daher ideal für Leute, die zu emotionalen Reaktionen neigen!
- Auch in Bullenmärkten können unsere Emotionen zu unserem Verhängnis werden: Schnell kommt Gier auf und Händler gehen hohe Risiken ein, um vom scheinbaren “Goldrausch” zu profitieren. Dies führt in vielen Fällen zu einem teuren Einkaufspreis, der wiederum potenzielle Gewinne reduziert. Denn jede Kursrallye geht einmal zu Ende!
Händler und Investoren sollten daher in sehr emotionalen Phasen bewusst einen Schritt zurücktreten und das Gesamtbild betrachten: Bullenmärkte halten nicht ewig, aber langfristig betrachtet geht es an den Börsen immer bergauf.
Beide Tiere sollten daher nüchtern und objektiv betrachtet werden. So können Sie teure Fehler vermeiden.
Wenn diese “emotionale Selbstkontrolle” nicht funktioniert, könnten handfestere Kontrollmechanismen eine mögliche Abhilfe bilden: Stop-Orders, Trailing-Stop-Loss-Orders und ähnliche Methoden sind hier ideal.
Auch “Investieren und vergessen” ist eine mögliche Lösung: Durch einen Aktien-Sparplan können Sie beispielsweise automatisiert über lange Zeiträume anlegen. Sie müssen keine aktuellen Kurse prüfen, Bulle und Bär im Auge behalten oder eine Trading-App auf Ihrem Handy haben. Ihr Vermögen wächst, ohne dass Sie sich Sorgen machen müssen.
Fazit: Bulle und Bär haben hohe Bedeutung für Märkte
Bulle und Bär bezeichnen zwei verschiedene Marktphasen an den Börsen. Der Bulle steht dabei für steigende Märkte (das Tier gabelt seine Gegner auf und wirft sie in die Luft → Aufwärtstrend), der Bär für fallende (er drückt seine Gegner mit seinen Tatzen nieder → Abwärtstrend).
Die Herkunft der Begriffe ist zwar nicht ganz klar, doch ihre Bedeutung ist eindeutig:
- Ein Bullenmarkt steht für Optimismus und Zugewinne. Wer Aktien und andere Assets besitzt, verzeichnet in dieser Phase Gewinne, auch ohne etwas dafür tun zu müssen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn Händler zu gierig werden, denn jede Bullenphase ist auch einmal vorbei.
- Ein Bärenmarkt gilt hingegen als “schlechte Zeit” und wird mit pessimistischen Händlern in Verbindung gebracht. Doch das muss nicht sein! Durch passende Absicherung via Hedging und Diversifikation können wir Verluste vermeiden. Gleichzeitig können wir durch Leerverkauf oder Optionen handeln von den fallenden Kursen profitieren.
Aufmerksame Marktteilnehmer können also bei Bulle und Bär Gewinne erzielen. Wichtig ist, die jeweilige Phase, deren Beginn und Ende korrekt zu erkennen und passend zu agieren: Ein kühler Kopf ist für erfolgreiche Finanzgeschäfte das A und O! Wer hingegen Gier oder Panik verfällt, wird unweigerlich Verluste erzeugen.
Innerhalb größerer Bewegungen können wir außerdem durch Techniken wie die Chartanalyse profitable Trades entdecken.




