Mit zwischenzeitlich rund 76.200 Dollar notiert der Bitcoin auf dem tiefsten Stand seit über einer Woche. Die ganz große Kurseuphorie ist spätestens jetzt wieder einer nüchternen Betrachtungsweise gewichen. Anleger sehen sich zusehends mit verdrängten Sorgen aus Geld- und Geopolitik konfrontiert. Die unsichere Gemengelage im Nahen Osten macht offensichtlich vor Bitcoin nicht Halt. Die 80.000-Dollar-Marke scheint sich derzeit als zu ambitioniert herauszustellen.
Bitcoin Kurs Chart auf Monatsbasis

Politischer Rückenwind aus Washington: Anleger hoffen auf Lockerung regulatorischer Daumenschrauben durch Donald Trump
Der Dreiklang aus politischem Rückenwind aus Washington, einer Beruhigungspille für den US-Anleihemarkt und der sukzessiven Auflösung von Leerverkaufspositionen hatte den Kryptomarkt in den vergangenen 10 Tagen verstärkt Auftrieb gegeben. Mit weit über 81.000 Dollar je Einheit notierte der Bitcoin in der vergangenen Woche auf dem höchsten Stand seit Mai. Insbesondere der jüngste Krypto-Gipfel im Weißen Haus und die damit verbundene Hoffnung auf eine Lockerung der regulatorischen Daumenschrauben waren Wasser auf die Mühlen der Anleger. Investoren versprechen sich in erster Linie mehr Klarheit über bestehende Regelwerke, sodass die Salonfähigkeit und damit die Adaption der Anlageklasse weiter vorangetrieben wird. Mitverantwortlich für den rasanten Kursanstieg dürfte ein sogenannter Short-Squeeze gewesen sein. Anleger, die im größeren Stil auf fallende Kurse gesetzt hatten, sahen sich zunehmend gezwungen, ihre Leeverkaufspositionen glattzustellen. Die dadurch ausgelöste Dynamik verstärkte das Aufwärtsmomentum deutlich.
„Fed-Watch-Tool“ signalisiert mögliche Zinserhöhung auf September-Sitzung
Eines der zentralen Gesprächsthemen am Markt bleibt zudem geldpolitische Entwicklung. Das sogenannte „Fed-Watch-Tool“ der CME Group signalisiert derzeit, dass 64,2 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der nächsten planmäßigen Fed-Notenbanksitzung am 16. September rechnen. Dagegen stehen 35,8 Prozent, welche eine Zinspause erwarten.
Die Aussicht auf weiter steigende Kapitalmarktzinsen erhöht die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosen Anlagen wie Bitcoin, was zulasten riskanter Anlagen gehen kann. Zudem hatte Fed-Chef Kevin Warsh auf dem jüngsten Notenbanker-Gipfel in Jackson Hole (Wyoming) auf die Inflationsrisiken verwiesen und damit insgesamt die Zinssorgen forciert.
Auch der geopolitische Konflikt zwischen dem Iran und den USA ist mittlerweile wieder verstärkt auf dem Radar der Marktteilnehmer. Beide Kriegsparteien hatten sich zuletzt erneut gegenseitig angegriffen und damit die schwelenden Risiken zum Vorschein gebracht. Erstmals seit Wochen ist der Iran-Krieg somit wieder militärisch eskaliert. Der Bitcoin reagierte in den vergangenen Wochen und Monaten verstärkt auf neue Entwicklungen im Nahen Osten. Dass die ganz großen Verkaufswellen allerdings ausbleiben, könnte für eine gewisse Resilienz gegenüber den geopolitischen Risiken zwischen Washington und Teheran sprechen.
Ausblick: US-Arbeitsmarktdaten werfen Schatten voraus
Im Fokus der Anleger stehen am Freitagnachmittag insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) um 14:30 Uhr, welche es nach geldpolitischen Hinweisen abzuklopfen gilt. Besser als erwartete Jobdaten könnten die bestehenden Zinssorgen weiter forcieren. Ökonomen erwarten ein Stellenplus von 58.000 Einheiten außerhalb der US-Landwirtschaft, nachdem im Juli noch insgesamt minus 23.000 Einheiten ausgewiesen wurden. Ein schwächelnder Arbeitsmarkt könnte der Fed hingegen Argumente rauben, auf der September-Sitzung an den Zinsschrauben nach oben zu drehen.



